{"id":486954,"date":"2025-10-10T04:36:48","date_gmt":"2025-10-10T04:36:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/486954\/"},"modified":"2025-10-10T04:36:48","modified_gmt":"2025-10-10T04:36:48","slug":"ns-gedenkstaette-geschaendet-taeter-bekommt-bewaehrungsstrafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/486954\/","title":{"rendered":"NS-Gedenkst\u00e4tte gesch\u00e4ndet \u2013 T\u00e4ter bekommt Bew\u00e4hrungsstrafe"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Hannover<\/strong> &#8211; Ein fr\u00fcherer Neonazi, der Kr\u00e4nze in der NS-Gedenkst\u00e4tte Hannover-Ahlem gesch\u00e4ndet hat, ist vom Amtsgericht Hannover zu einer zweij\u00e4hrigen Bew\u00e4hrungsstrafe verurteilt worden. Der 26-J\u00e4hrige erhielt damit das h\u00f6chstm\u00f6gliche Strafma\u00df, das noch zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt werden kann. Der Richter sprach von einer Tat, die das Gedenken an Millionen Opfer des Nationalsozialismus \u201emit F\u00fc\u00dfen getreten\u201c habe.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Das Gericht sprach den nach eigenen Angaben ehemaligen Rechtsextremisten wegen Sachbesch\u00e4digung und Verst\u00f6\u00dfen gegen das Waffengesetz schuldig. Die Staatsanw\u00e4ltin hatte ein Jahr und zehn Monate auf Bew\u00e4hrung gefordert, die Verteidigung eine Bew\u00e4hrungsstrafe \u201eim Ermessen des Gerichtes\u201c.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der 26-J\u00e4hrige muss laut Urteil zudem 2.000 Euro an ein Programm gegen Radikalisierung zahlen und selbst verpflichtend an einem Aussteigerprogramm f\u00fcr Rechtsextremisten teilnehmen. Seine Bew\u00e4hrungszeit betr\u00e4gt drei Jahre. Er tr\u00e4gt auch die Kosten des Verfahrens.<\/p>\n<p>Vollautomatische Maschinenpistole, Munition, ein Springmesser<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der Mann hatte Ende Januar mehrere zum Gedenktag f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus niedergelegte Kr\u00e4nze in der Gedenkst\u00e4tte umgeworfen und besch\u00e4digt. So entstand ein Sachschaden von 700 Euro. Das Gericht stellte eine politische Motivation der Tat fest. Bei einer sp\u00e4teren Durchsuchung wurden beim T\u00e4ter eine vollautomatische Maschinenpistole, Munition, ein Springmesser sowie weitere Waffen gefunden \u2012 trotz eines richterlichen Verbots, Waffen zu besitzen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Trotz des unerlaubten Waffenarsenals sah das Gericht beim Angeklagten keine Umsturzgedanken gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Anderenfalls w\u00e4re er laut Richter \u201eweit weg\u201c von einer Bew\u00e4hrungsstrafe gelandet und w\u00fcrde \u201esicher nicht als freier Mann nach Hause gehen\u201c.<\/p>\n<p>Angeklagter gesteht die Tat<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der Angeklagte hatte zuvor vollumf\u00e4nglich gestanden. \u201eIch bereue die Tat in jeder Hinsicht\u201c, sagte er. Die Verteidigung akzeptierte das Urteil und verzichtete darauf, Rechtsmittel einzulegen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eSie haben sich dazu entschlossen, das Gedenken an Millionen toter Menschen buchst\u00e4blich mit F\u00fc\u00dfen zu treten\u201c, sagte der Richter in seiner Urteilsverk\u00fcndung. Der Angeklagte habe die Opfer des Nationalsozialismus mit der Tat herabgew\u00fcrdigt und verh\u00f6hnt. Laut Staatsanw\u00e4ltin hat er \u201eOpfer und Angeh\u00f6rige ver\u00e4chtlich gemacht\u201c.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Zu seinen Lasten legte ihm das Gericht besonders die rassistische Motivation der Tat in der NS-Gedenkst\u00e4tte. Zudem hatte der Angeklagte bereits zuvor in einem anderen Gerichtsprozess bekundet, sich von der rechten Ideologie distanzieren zu wollen \u2012 vor der Tat an der NS-Gedenkst\u00e4tte.<\/p>\n<p>T\u00e4ter war bei \u201eJungen Nationalisten\u201c aktiv \u2012 dann Wechsel zur AfD<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der Angeklagte hatte sich schon w\u00e4hrend seiner Schulzeit radikalisiert und war mindestens seit 2018 in der rechtsextremen Szene aktiv. Auf Plattformen im Internet hatte er unter anderem Juden als Ungeziefer bezeichnet. Der ehemalige Neonazi war l\u00e4nger im Umfeld der \u201eJungen Nationalisten\u201c aktiv \u2012 die Jugendorganisation der neonazistischen Partei \u201eDie Heimat\u201c (fr\u00fcher NPD). Von dieser habe er sich sp\u00e4ter gel\u00f6st und sei zur AfD gewechselt, sagte er.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht dessen Gest\u00e4ndnis, erkennbare Reue und eine glaubhafte Distanzierung von ehemaligen \u201eKameraden\u201c und der rechtsextremen Ideologie. Der Angeklagte habe etwa aus eigenem Antrieb ein Aussteigerprogramm gesucht und in einem Brief an die Gedenkst\u00e4tte um Entschuldigung gebeten. Darin bat er um eine Gelegenheit, Reue zu zeigen \u2012 etwa Geld zu spenden oder Sozialarbeit in der Gedenkst\u00e4tte zu verrichten. Das Gericht erteilte ihm angesichts seiner Verlobung zudem eine positive Sozialprognose.<\/p>\n<p>Tatverd\u00e4chtiger schon h\u00e4ufiger rechtsextrem aufgefallen<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Der T\u00e4ter wollte demnach mit seinem Angriff auf die NS-Gedenkst\u00e4tte gegen einen angeblichen \u201eSchuldkult\u201c vorgehen. Mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen Rechtsextremisten die angeblich \u00fcbertriebene, ritualisierte oder dauerhafte Auseinandersetzung Deutschlands mit dem Nationalsozialismus.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Auch habe er die angegebenen Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs in Geschichtsb\u00fcchern als \u201e\u00fcbertrieben\u201c angesehen. Juden habe er als schwach empfunden, weil sie keine \u201eKrieger\u201c seien und lange Zeit keinen eigenen Staat gehabt h\u00e4tten. Von diesem Gedankengut distanzierte er sich im Prozess. Er habe die Schrecken des Zweiten Weltkriegs ausgeblendet und zum Zeitpunkt der Tat kein Mitleid mit den Opfern des Nationalsozialismus gehabt.<\/p>\n<p>Angeklagter bereitete sich mit Waffen auf \u201eTag X\u201c vor<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Zentral war im Gerichtsprozess auch der sogenannte \u201eTag X\u201c. In der rechtsextremen Ideologie bezeichnet \u201eTag X\u201c den ersehnten Zeitpunkt eines gewaltsamen Umsturzes oder Zusammenbruchs des bestehenden Staates, nach dem die Extremisten ihre eigene autorit\u00e4re Ordnung errichten wollen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Die gehorteten Waffen habe der T\u00e4ter f\u00fcr diesen Tag beschafft, um sich und seine Familie zu verteidigen. Er habe zwar durch Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen von \u201eHetzern\u201c im Internet an diesen nahenden Tag geglaubt, ihn aber nicht herbeigesehnt, sondern sich vielmehr vor der erwarteten Anarchie gef\u00fcrchtet. Den \u201eTag X\u201c habe er sich \u201ewie eine Art Zombie-Apokalypse\u201c vorgestellt. Vor allem die Isolation der Corona-Pandemie habe diese Gedanken verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>T\u00e4ter will ein \u201eunbescholtener B\u00fcrger\u201c werden<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Im Prozess nannte der Angeklagte seine ehemaligen Kameraden \u201eVersager\u201c. Die rechtsextreme Ideologie sei \u201eweltfremd\u201c und wolle \u201enur Schaden anrichten\u201c. Er habe heute kein Problem mehr mit Menschen mit Migrationshintergrund und sehe eine Verantwortung vor der Geschichte. Es sei wichtig, regelm\u00e4\u00dfig zu erinnern, \u201edamit sich so etwas nicht wiederholt\u201c.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eIch habe realisiert, wie schwer man sich verbrennen kann\u201c, sagt der 26-J\u00e4hrige \u00fcber seine rechtsextreme Vergangenheit. Er habe keinen Grund mehr, \u201ezu den Rechten zur\u00fcckzugehen\u201c. Er wolle nur als \u201eunbescholtener B\u00fcrger\u201c mit seiner Verlobten eine Familie gr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hannover &#8211; Ein fr\u00fcherer Neonazi, der Kr\u00e4nze in der NS-Gedenkst\u00e4tte Hannover-Ahlem gesch\u00e4ndet hat, ist vom Amtsgericht Hannover zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":486955,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[3364,29,1549,30,46,1584,1411,2283,9326,11747],"class_list":{"0":"post-486954","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-extremismus","11":"tag-germany","12":"tag-hannover","13":"tag-kriminalitaet","14":"tag-niedersachsen","15":"tag-prozess-gericht","16":"tag-updateme","17":"tag-urteile"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115348022637432171","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/486954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=486954"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/486954\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/486955"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=486954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=486954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=486954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}