{"id":487879,"date":"2025-10-10T13:08:18","date_gmt":"2025-10-10T13:08:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/487879\/"},"modified":"2025-10-10T13:08:18","modified_gmt":"2025-10-10T13:08:18","slug":"wie-ein-u-bahnhof-in-den-1980ern-zum-herzstueck-deutsch-tuerkischen-lebens-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/487879\/","title":{"rendered":"Wie ein U-Bahnhof in den 1980ern zum Herzst\u00fcck deutsch-t\u00fcrkischen Lebens wurde"},"content":{"rendered":"<p>\tT\u00fcrkischer Basar in der B\u00fclowstra\u00dfe<br \/>\n\t &#8211; <\/p>\n<p>\t\tDer U-Bahnhof als Herzst\u00fcck deutsch-t\u00fcrkischen Lebens in Berlin<\/p>\n<p>\n        Fr 10.10.25 | 14:54 Uhr  | Von Julian von B\u00fclow\n    <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101693_335_size=708x398.jpg\" alt=\"Die Stra\u00dfenbahn, die zwischen t\u00fcrkischem Basar und Flohmarkt am Nollendorfplatz pendelte (Foto: Blick auf die Gesch\u00e4fte des T\u00fcrkischen Basars 1980 (Foto: Historisches Archiv der BVG).\" title=\"Die Stra\u00dfenbahn, die zwischen t\u00fcrkischem Basar und Flohmarkt am Nollendorfplatz pendelte (Foto: Blick auf die Gesch\u00e4fte des T\u00fcrkischen Basars 1980 (Foto: Historisches Archiv der BVG).\" id=\"1992262399\"\/>Bild: Historisches Archiv der BVG<\/p>\n<p>Der T\u00fcrkische Basar zog mit seinem Tanzlokal in den 1980er Jahren Anwohnende, Touristen und Stars an. Er war fester Bestandteil im Sch\u00f6neberger Kiez &#8211; bis zur Wiedervereinigung. Nun erinnert der Bezirk mit einem Fest an die Institution. Von Julian von B\u00fclow<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_0\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Ein deutsch-t\u00fcrkisches Kommunikationszentrum im Herzen Berlins&#8220;: Das soll 1980 der T\u00fcrkische Basar im U-Bahnhof B\u00fclowstra\u00dfe werden, so sein Gr\u00fcnder. &#8222;T\u00fcrkischer Nippes, Souvenirs zu horrenden Preisen, kaum etwas Originelles zu finden&#8220;, h\u00e4lt der Sender Freies Berlin (SFB) in den Fernsehnachrichten entgegen. Wahrscheinlich w\u00fcrden sich der Berliner Senat und BVG schon bald \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob dieser Bahnhof sinnvoller genutzt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Die Erwartungen des Basargr\u00fcnders und t\u00fcrkischen Schauspielers Atalay \u00d6z\u00e7akir und des rbb-Vorg\u00e4ngers SFB gehen damals weit auseinander. Doch schnell etabliert sich der Basar \u2013 das Versprechen von &#8222;t\u00fcrkischer Kultur und Gastlichkeit f\u00fcr Berlin&#8220; wird Wirklichkeit, wie es in \u00d6z\u00e7akirs Einladung zur Er\u00f6ffnung im September 1980 angepriesen wird. In etwas mehr als zehn Jahren wird der Basar zu einem Fixpunkt der deutsch-t\u00fcrkischen Community.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101694_631_size=708x398.jpg\" alt=\"Blick auf die Gesch\u00e4fte des T\u00fcrkischen Basars 1980 (Foto: Historisches Archiv der BVG).\" title=\"Blick auf die Gesch\u00e4fte des T\u00fcrkischen Basars 1980 (Foto: Historisches Archiv der BVG).\" id=\"articlesContList_picture_859114352_2052635971\"\/>Einblick in die Passage des T\u00fcrkischen Basars | Bild: Historisches Archiv der BVG<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1300599970\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tH\u00e4ndler aus Ankara bauen Gesch\u00e4fte in Berlin auf<\/p>\n<p>Bis 1991 existiert der T\u00fcrkische Basar auf den U-Bahngleisen des Bahnhofs B\u00fclowstra\u00dfe und strahlt weit \u00fcber Sch\u00f6neberg und Berlin hinaus. Musikstars aus der T\u00fcrkei und Deutschland kommen hierher, um f\u00fcr den Kiez und seine Besucher:innen zu singen und zu spielen. Ein Grund f\u00fcr den Bezirk Tempelhof-Sch\u00f6neberg, mit einem <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-tempelhof-schoeneberg\/aktuelles\/veranstaltungen\/gazino-und-tuerkischer-basar\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Musikfest an diesem Wochenende [berlin.de]<\/a> auf die historische Bedeutung des Basars aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_921223754\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\tinfo<\/p>\n<p>\t\t\tVeranstaltungshinweis<\/p>\n<p>Samstag, 11.10.2025: Musikfest &#8222;Gazino und T\u00fcrkischer Basar&#8220;, 13 bis 21 Uhr, Steinmetzstra\u00dfe, 10783 Berlin<\/p>\n<p>Dienstag, 14.10.2025: Filmabend &#8222;Liebe, D-Mark und Tod \u2013 A\u015fk, Mark ve \u00d6l\u00fcm&#8220; von Cem Kaya, 19 Uhr, Huzur, B\u00fclowstra\u00dfe 94, 10783 Berlin. Eintritt frei.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1054196378\"\/><\/p>\n<p>Der besteht zur Er\u00f6ffnung im Hochbahnhof an der B\u00fclowstra\u00dfe Ecke Potsdamer Stra\u00dfe aus 35 Gesch\u00e4ften. Sie werden betrieben von H\u00e4ndler:innen aus Ankara und Istanbul, die \u00d6z\u00e7akir \u00fcberzeugen konnte, in Berlin L\u00e4den zu er\u00f6ffnen. \u00dcber die Jahre k\u00f6nnen Besucher:innen in den Glask\u00e4stenl\u00e4den Lederwaren, Schmuck, Hochzeitskleider, Fernseher und K\u00fcchenger\u00e4te, T\u00f6pfe, Tee- und Kaffeekannen sowie Teppiche kaufen und dabei unter aufgestellten Palmen spazieren. Jugendliche k\u00f6nnen sich die Zeit an Automaten in der Spielothek oder beim Billard vertreiben, f\u00fcr das leibliche Wohl sorgen ein Restaurant und ein Imbiss. Und wen dennoch Heimweh plagt, kann im Reiseb\u00fcro Fl\u00fcge von Tegel in die T\u00fcrkei buchen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1519469432\"\/><\/p>\n<p>Durch den Mauerbau 1961 konnten viele Menschen aus dem Ostteil der Stadt nicht mehr in West-Berlin arbeiten gehen \u2013 Arbeitskr\u00e4fte wurden gesucht, wie auch in der gesamten Bundesrepublik. &#8222;1960 standen in der Bundesrepublik 150.000 Arbeitssuchenden rund 650.000 offene Stellen gegen\u00fcber&#8220;, berichtet die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/342651\/vor-60-jahren-anwerbeabkommen-zwischen-der-bundesrepublik-deutschland-und-der-tuerkei\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/a> (BPB).<\/p>\n<p>1955 schloss die BRD das erste Anwerbeabkommen f\u00fcr &#8222;Gastarbeiter:innen&#8220; mit Italien ab. Spanien und Griechenland folgten 1960, die T\u00fcrkei 1963. Wegen durchwachsenen Chancen im Heimatland machten sich laut BPB bis 1973 etwa 870.000 T\u00fcrkei:innen auf den Weg in die Bundesrepublik, in der Hoffnung, sich ein besseres Leben aufzubauen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101695_171_size=708x398.jpg\" alt=\"Im Juli 1978 wird eine Stra\u00dfenbahn wird aufs Gleis der U2 gesetzt (Bild: rbb).\" title=\"Im Juli 1978 wird eine Stra\u00dfenbahn wird aufs Gleis der U2 gesetzt (Bild: rbb).\" id=\"articlesContList_picture_1861786530_74529010\"\/>1978 wird eine Stra\u00dfenbahn auf die U-Bahngleise gehoben | <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t1975-1990: Kein Zuzug f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Berliner Bezirken<\/p>\n<p>Doch die \u00d6lkrise 1973 f\u00fchrt zur wirtschaftlichen Stagnation in der BRD, unter Bundeskanzler Willy Brandt verh\u00e4ngt das Land einen Anwerbestopp. Bis dahin kamen rund 50.000 &#8222;Gastarbeiter:innen&#8220; nach West-Berlin, vor allem aus der T\u00fcrkei und Jugoslawien, hei\u00dft es in der Dauerausstellung des <a href=\"https:\/\/www.fhxb-museum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Museums Friedrichshain-Kreuzberg [fhxb-museum.de]<\/a>. So nutzen nach 1973 viele Menschen die M\u00f6glichkeit der Familienzusammenf\u00fchrung, um ihre Liebsten nach Berlin zu holen. Doch darauf ist West-Berlin nicht vorbereitet, der Senat sieht &#8222;einen drohenden Zusammenbruch der Infrastruktur&#8220;, zitiert das Museum die Stadtverwaltung. Sie verh\u00e4ngt deshalb von 1975 bis 1990 eine Ausl\u00e4nder-Zuzugsperre f\u00fcr Kreuzberg, Wedding und Tiergarten. Das bekommen die Zugezogenen per Stempel in der Aufenthaltserlaubnis vermerkt.<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen reift die M\u00f6glichkeit f\u00fcr den T\u00fcrkischen Basar in der B\u00fclowstra\u00dfe. Denn 1972 stellt die BVG den Verkehr auf einem Teil der U2 ein \u2013 ein Gro\u00dfteil der Strecke liegt in der DDR, das Fahrgastaufkommen nimmt ab. Vom Wittenbergplatz bis zum Gleisdreieck fahren auch U1 und U3, also werden die Bahnh\u00f6fe Nollendorfplatz und B\u00fclowstra\u00dfe nicht mehr angefahren. Der erstere wird zum Flohmarkt umgewandelt, mit der &#8222;Nolle&#8220; etabliert sich auch ein Lokal, in dem Jazzkonzerte stattfinden. In der B\u00fclowstra\u00dfe zieht man nach: erst mit dem &#8222;Berliner Jahrmarkt&#8220;, darauf folgt das &#8222;U-Tropia&#8220;. Im Juli 1978 wird eine Stra\u00dfenbahn auf die Gleise gesetzt, um das Pendeln zwischen beiden Stationen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_2125940618\"\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1418109670\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tMit Milit\u00e4rkapelle \u00fcber den Ku&#8217;damm<\/p>\n<p>Im Jahr 1978 schlie\u00dft das &#8222;U-Tropia&#8220; und Unternehmer \u00d6z\u00e7akir nutzt seine Chance: Auch in Sch\u00f6neberg haben sich viele Menschen aus der T\u00fcrkei niedergelassen, an ihre Bed\u00fcrfnisse angepasst baut er nun den Bahnhof von 1902 zum Basar um.<\/p>\n<p>Dessen Er\u00f6ffnung beginnt pomp\u00f6s: Eine t\u00fcrkische Milit\u00e4rkapelle in voller Montur zog vom Ku\u2019damm zur U-Bahnhof B\u00fclowstra\u00dfe, erz\u00e4hlt der 2016 verstorbene Gr\u00fcnder \u00d6z\u00e7akir dem rbb ein Jahr vor seinem Tod. Unter anderem mit Trompeten, blauen und roten Gew\u00e4ndern sowie Kopfschmuck ziehen die Musiker in den Basar ein, wie dem skeptischen SFB-Fernsehbeitrag zu entnehmen ist. Dass f\u00fcr die Gesch\u00e4fte allerdings eine Miete von monatlich 4.000 D-Mark f\u00e4llig sei, l\u00e4sst den Fernsehreporter daran zweifeln: &#8222;Dass der Basar als deutsch-t\u00fcrkisches Kommunikationszentrum bezeichnet wird, scheint angesichts solcher Luxusboutiquen wenig glaubhaft&#8220;. Doch er sollte sich irren.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101696_270_size=708x398.jpg\" alt=\"Er\u00f6ffnungsmarsch einer t\u00fcrkischen Milit\u00e4rkapelle zum T\u00fcrkischer Basar 1980 (Bild: rbb).\" title=\"Er\u00f6ffnungsmarsch einer t\u00fcrkischen Milit\u00e4rkapelle zum T\u00fcrkischer Basar 1980 (Bild: rbb).\" id=\"articlesContList_picture_474948751_586323180\"\/>Die Parade zieht am Er\u00f6ffnungstag in den T\u00fcrkischen Basar ein | <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_975785425\"\/><\/p>\n<p>Besondere Bedeutung im Basar haben die Video- und Kassettenl\u00e4den sowie das &#8222;Gazino&#8220;, ein Musik- und Tanzlokal. Das wird deutlich in dem Berlinale-pr\u00e4mierten Film &#8222;Liebe, D-Mark, Tod&#8220; (2022) von Mehmet Akif B\u00fck\u00fckatalay und Cem Kaya, der sich auch dem T\u00fcrkischen Basar widmet.<\/p>\n<p>&#8222;Die Musik war f\u00fcr die Menschen, die damals hierhergekommen sind, ein St\u00fcck Heimat&#8220;, erz\u00e4hlt Kaya dem rbb zur Premiere 2022. In Deutschland h\u00e4tten die T\u00fcrken ihre eigene Kultur \u00fcberhaupt nicht vorgefunden. Stattdessen, das wird im Film deutlich, schuften die &#8222;Gastarbeiter:innen&#8220; zu wesentlich schlechteren Arbeitsbedingungen als ihre deutschen Kolleg:innen. Sie werden diskriminiert und beleidigt, ob als Erwachsene am Arbeitsplatz oder als Kinder in der Schule.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox\"\/><\/p>\n<ul>\n<li class=\"count1 doctypebeitrag first last layoutbeitrag_av layoutstandard manualteaser odd\">\n<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2025\/10\/theater-das-rote-haus-maxim-gorki-berlin-tuerkei-gastarbeiterinnen-horror-mondtag.html\" class=\"beitrag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101696_525_size=320x180.jpg\" alt=\"Maxim Gorki Theater: &quot;Das Rote Haus&quot;; \u00a9 Thomas Aurin\" title=\"Maxim Gorki Theater: &quot;Das Rote Haus&quot;; \u00a9 Thomas Aurin\" id=\"articlesContList_teaserbox_teaserList_manualteaser_1569319910\"\/><\/a><\/p>\n<p>Thomas Aurin<\/p>\n<p>\t\t<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2025\/10\/theater-das-rote-haus-maxim-gorki-berlin-tuerkei-gastarbeiterinnen-horror-mondtag.html\" class=\"beitrag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theater | &#8222;Das rote Haus&#8220; am Gorki &#8211;<br \/>\n\t\t\tGastarbeiterinnen-Horror<\/p>\n<p>\t\t<\/a><\/p>\n<p>Der Grusel-Regisseur Ersan Mondtag versucht in &#8222;Das rote Haus&#8220;, die Geschichte von t\u00fcrkischen Arbeiterinnen und Frauen in Deutschland zu erz\u00e4hlen. Es sind reale Lebensgeschichten, die im Horror-Genre angesiedelt werden. Von Barbara Behrendt<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_36094479\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tAnfang der 1980er circa 130.000 T\u00fcrken in Berlin<\/p>\n<p>&#8222;Aber die Songs haben geholfen, das hier vielleicht auszuhalten. Sie hatten die Sprache nicht. Wir k\u00f6nnen jetzt alle Deutsch. Aber damals, als sie herkamen, konnten sie sich nicht ausdr\u00fccken&#8220;, sagt Kaya. Er glaubt, die Funktion der ersten S\u00e4nger:innen war der Ausdruck, die Stimme der hier arbeitenden Migrant:innen. H\u00f6rbar wird das in einer SFB-Doku, als ein Fernsehteam im &#8222;Gazino&#8220; dreht. Dort tritt an jenem Abend 1983 der S\u00e4nger \u015eadan Adanal\u0131 auf und singt &#8211; wohlgemerkt auf t\u00fcrkisch:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/teaserbox_1107110385\"\/><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"manualteasershortteaser\">In der Fremde sein ist bitter, ich f\u00fchle die Bitterkeit in mir. Alles scheint mir fremd, alles scheint mir anders. Weder ein Wunsch noch eine Hoffnung ist geblieben. Ich bin ein Verwundeter. Nicht ich bin in der Fremde, die Fremde ist in mir.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>S\u00e4nger \u015eadan Adanal\u0131 im T\u00fcrkischen Basar<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_2080025607\"\/><\/p>\n<p>Doch traurige Abende gibt es im &#8222;Gazino&#8220; vermutlich eher selten. Das Lokal ist bekannt f\u00fcr Auftritte bekannter t\u00fcrkischer und deutsch-t\u00fcrkischer Musiker:innen, denn &#8222;mit seinen 130.000 T\u00fcrken ist Berlin als gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Stadt im Ausland auch ein interessanter Gastspielort&#8220;, hei\u00dft es aus dem Off der SFB-Doku. Diese Konzerte wurden teils auch gefilmt und auf Kassetten verkauft.<\/p>\n<p>B\u00fclent Ersoy ist hier etwa aufgetreten. Und der Musiker Ne\u015fet Erta\u015f hatte hier von 1980 bis 1985 ein Musikgesch\u00e4ft, in dem Instrumente, Musikkassetten und Schallplatten verkauft wurden. Darauf weist seit 2024 eine Gedenktafel am Bahnhof hin.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101697_619_size=708x398.jpg\" alt=\"Ein Foto der Gedenktafel f\u00fcr Neset Ertas am Ubahnhof B\u00fclowstra\u00dfe (Foto: rbb\/Julian von B\u00fclow).\" title=\"Ein Foto der Gedenktafel f\u00fcr Neset Ertas am Ubahnhof B\u00fclowstra\u00dfe (Foto: rbb\/Julian von B\u00fclow).\" id=\"articlesContList_picture_1167344062_2018441331\"\/>Die Gedenktafel f\u00fcr Ne\u015fet Erta\u015f am U-Bahnhof B\u00fclowstra\u00dfe |<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_257754016\"\/><\/p>\n<p>Auch die Idee des &#8222;deutsch-t\u00fcrkischen Kommunikationszentrums&#8220; von Basargr\u00fcnder Atalay \u00d6z\u00e7akir scheint aufzugehen &#8211; zumindest an jenem Abend, als das Fernsehteam im &#8222;Gazino&#8220; ist. Die Tanzstudentin Beate Zeidler bietet orientalischen Tanz dar, dazu hei\u00dft es vom Sprecher der SFB-Doku, &#8222;jetzt haben europ\u00e4ische und amerikanische Frauen den orientalischen Bauchtanz f\u00fcr sich entdeckt, in allen Gro\u00dfst\u00e4dten werden Kurse angeboten.&#8220; Und unter den G\u00e4sten sind bei Weitem nicht nur Menschen mit t\u00fcrkischen Wurzeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die T\u00e4nzerinnen im &#8222;Gazino&#8220; scheint sich der Abend zu lohnen: 20-, 50- und 100-Markscheine werden von M\u00e4nnern und Frauen in BH und H\u00f6schen gesteckt. Doch die Scheine m\u00f6gen tr\u00fcgen: Der &#8222;orientalische Tanz&#8220; sei als gef\u00fchlsstarkes gemeinsames Erlebnis von Frauen entstanden und geh\u00f6re zu allen Familienfesten, hei\u00dft es in der Doku. Und wer hier zu den Stammg\u00e4sten z\u00e4hle, sei meist Gesch\u00e4ftsmann oder Handwerksmeister, so der Sprecher. Auch Beschneidungsfeste oder Hochzeiten werden hier gefeiert. &#8222;Die meisten wollen in der Fremde bleiben, sie sparen nicht mehr f\u00fcr eine R\u00fcckkehr, sondern sorgen f\u00fcr eine Berliner Zukunft.&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101698_685_size=708x398.jpg\" alt=\"Eine T\u00e4nzerin mit einem Gitarristen beim T\u00fcrkischen Basar 1983 (Bild: rbb).\" title=\"Eine T\u00e4nzerin mit einem Gitarristen beim T\u00fcrkischen Basar 1983 (Bild: rbb).\" id=\"articlesContList_picture_346025361_881933707\"\/>Das &#8222;Gazino&#8220; war weit \u00fcber Berlin hinaus f\u00fcr seine Musikauftritte bekannt | <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1353492249\"\/><\/p>\n<p>Diese Berliner Zukunft sind etwa die Kinder. Eines davon ist Ay\u015fe, die seit sie 14 Jahre alt ist, regelm\u00e4\u00dfig Videokassetten ausgeliehen hat. &#8222;Jeden Tag waren wir da, denn jeden Tag gab es andere Filme.&#8220; Von ihren Eltern hat sie Geld bekommen, damit sie sich abends gemeinsam einen Film anschauen k\u00f6nnen. Denn speziell f\u00fcr die t\u00fcrkische Community lief im Deutschen Fernsehen nur &#8222;Brief aus der T\u00fcrkei&#8220; im ZDF und das auch nur alle paar Wochen. Anl\u00e4sslich des Gedenkens an den T\u00fcrkischen Basar hat das Museum Sch\u00f6neberg die inzwischen 60-j\u00e4hrige Ay\u015fe interviewt.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Nurten Hirik, Jahrgang 1973, geh\u00f6rte der T\u00fcrkische Basar zum Alltag. Heute ist sie Frauenbeir\u00e4tin des Bezirks und hilft Eltern mit Migrationshintergrund im Sch\u00f6neberger Norden. Damals war sie Sch\u00fclerin, wohnte in der B\u00fclowstra\u00dfe, nahe dem Basar. &#8222;Da habe ich jeden Tag nach der Schule Brot geholt, wir haben uns Musikkassetten gekauft oder Filme ausgeborgt&#8220;, sagt sie rbb|24. &#8222;Die Leute haben sich dort zusammengesetzt, \u00fcber alles geredet: Etwa wo sie arbeiten, wo sie Arbeit finden, wo sie halal einkaufen k\u00f6nnen &#8211; ein Ort der Gemeinsamkeit&#8220;.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760101698_234_size=708x398.jpg\" alt=\"Der Bahnhof mit Infotafel heute. Dem Basar ist darin ein Satz gewidmet (Foto: rbb\/Julian von B\u00fclow).\" title=\"Der Bahnhof mit Infotafel heute. Dem Basar ist darin ein Satz gewidmet (Foto: rbb\/Julian von B\u00fclow).\" id=\"articlesContList_picture_2028120484\"\/>Der Bahnhof mit Infotafel heute. Dem Basar ist darauf ein Satz und ein Bild gewidmet | <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t<a name=\"articlesContList\/text_1884168239\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\tDeutsche Wiedervereinigung und U2 bedeutet das Ende des Basars<\/p>\n<p>Doch die Berliner Zukunft waren nicht nur die Kinder der Stadt. Die Zukunft, das war auch 1989 der Mauerfall, die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 und die Wiedervereinigung der U2 im Jahr 1993. Es ist das Ende des Basars. In jenem Jahr wird an vielen U2-Stationen mit Veranstaltungen gefeiert, vom Wittenbergplatz bis nach Pankow. An der B\u00fclowstra\u00dfe gibt es laut der Zeitung &#8222;<a href=\"https:\/\/taz.de\/Grosser-Bahnhof-fuer-die-neue-Linie\/!1591503\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">taz<\/a>&#8220; damals &#8222;&#8218;Erinnerungen an den t\u00fcrkischen Basar&#8216;. Ein t\u00fcrkisches Fest mit orientalischen Spezialit\u00e4ten und Folklore&#8220;.<\/p>\n<p>Daran schlie\u00dft der Bezirk an diesem Samstag also an: Das Musikfest solle an die Kultur der &#8222;Gastarbeiter:innen&#8220; erinnern und deren Lebensleistung w\u00fcrdigen, hei\u00dft es auf der <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/ba-tempelhof-schoeneberg\/aktuelles\/veranstaltungen\/gazino-und-tuerkischer-basar\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bezirkswebseite [berlin.de]<\/a>. Es scheint eine sp\u00e4te Genugtuung, denn die BRD sah t\u00fcrkische Mitb\u00fcrger:innen lange nicht auf Augenh\u00f6he an. &#8222;Sie waren einfach wie Tiere, die arbeiten sollten&#8220;, sagt Nurten Hirik dem rbb. &#8222;Es ist f\u00fcr mich total sch\u00f6n, dass unsere Eltern hier angekommen sind, hier gelebt haben und dann einen Ort gefunden haben, wo sie dieses Zusammenhalten hatten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textblock\">Beitrag von Julian von B\u00fclow<\/p>\n<p><a class=\"ico ico_arrow_wide_up\" title=\"An den Anfang\" href=\"#top\">  <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"T\u00fcrkischer Basar in der B\u00fclowstra\u00dfe &#8211; Der U-Bahnhof als Herzst\u00fcck deutsch-t\u00fcrkischen Lebens in Berlin Fr 10.10.25 | 14:54&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":487880,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-487879","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115350033163194496","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/487879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=487879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/487879\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/487880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=487879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=487879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=487879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}