{"id":488102,"date":"2025-10-10T15:12:14","date_gmt":"2025-10-10T15:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488102\/"},"modified":"2025-10-10T15:12:14","modified_gmt":"2025-10-10T15:12:14","slug":"flusspferde-lebten-in-der-letzten-eiszeit-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488102\/","title":{"rendered":"Flusspferde lebten in der letzten Eiszeit in Europa"},"content":{"rendered":"<p><strong>Flusspferde, die heute nur noch in Afrika s\u00fcdlich der Sahara vorkommen, haben in Mitteleuropa viel l\u00e4nger \u00fcberlebt, als bisher angenommen. <\/strong><\/p>\n<p>Analysen von Knochenfunden zeigen, dass Flusspferde noch vor etwa 47.000 bis 31.000 Jahren im Oberrheingraben lebten, also w\u00e4hrend der letzten Eiszeit. Ein internationales Forschungsteam angef\u00fchrt durch die Universit\u00e4t Potsdam und die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Arch\u00e4ometrie hat dazu eine Studie im Fachjournal \u201eCurrent Biology\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Bisher ging man davon aus, dass gew\u00f6hnliche Flusspferde (Hippopotamus amphibius) in Mitteleuropa vor ungef\u00e4hr 115.000 Jahren mit dem Ende der letzten Warmzeit ausgestorben sind. Eine neue Studie, die von Forschenden der Universit\u00e4t Potsdam, der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, des Curt-Engelhorn-Zentrums Arch\u00e4ometrie Mannheim, der ETH Z\u00fcrich und internationalen Partnern durchgef\u00fchrt wurde, zeigt nun, dass Flusspferde vor etwa 47.000 bis 31.000 Jahren im Oberrheingraben im S\u00fcdwesten Deutschlands lebten, also w\u00e4hrend der Mitte der letzten Eiszeit.<\/p>\n<p>Der Oberrheingraben ist ein wichtiges kontinentales Klimaarchiv. Tierknochen, die die Jahrtausende in den Kies- und Sandablagerungen \u00fcberdauert haben, sind eine wertvolle Quelle f\u00fcr die Forschung. \u201eEs ist schon erstaunlich, wie gut die Knochen erhalten sind. An vielen Skelettresten war es m\u00f6glich, auswertbare Proben zu entnehmen \u2013 nach dieser langen Zeit keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit\u201c, betont Dr. Ronny Friedrich, Experte f\u00fcr Altersbestimmung am Curt-Engelhorn-Zentrum Arch\u00e4ometrie.<\/p>\n<p>Das Team untersuchte zahlreiche Flusspferdfunde und kombinierte dabei pal\u00e4ogenetische und Radiokarbon-Analysen. Die Sequenzierung alter DNA ergab, dass europ\u00e4ische Eiszeit-Flusspferde nah mit heute lebenden afrikanischen Flusspferden verwandt sind und zur selben Art geh\u00f6ren. Die Radiokarbondatierungen wiesen ihr Vorkommen w\u00e4hrend einer milderen Klimaphase in der mittleren Weichsel-Eiszeit nach.<\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche genomweite Analyse ergab eine sehr geringe genetische Vielfalt, was darauf hindeutet, dass die Population im Oberrheingraben klein und isoliert war. Diese Ergebnisse und weitere fossile Funde machen deutlich, dass die an sich w\u00e4rmeliebenden Flusspferde im gleichen Zeitfenster wie k\u00e4lteangepasste Arten wie Mammuts und Wollnash\u00f6rner auftraten.<br \/>\u201eDie Ergebnisse zeigen, dass Flusspferde am Ende der letzten Warmzeit nicht aus Mitteleuropa verschwunden sind, wie zuvor angenommen wurde\u201c, fasst der Erstautor Dr. Patrick Arnold zusammen. \u201eDemzufolge sollten wir weitere europ\u00e4ische Flusspferd-Fossilien, die traditionell der letzten Warmzeit zugeordnet werden, erneut analysieren.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Eiszeit-Forschung noch viele spannende Fragestellungen bereith\u00e4lt, davon ist auch Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und Leiter des Forschungsprojekts \u201eEiszeitfenster Oberrheingraben\u201c, \u00fcberzeugt: \u201eDie aktuelle Studie liefert wichtige neue Erkenntnisse, die eindrucksvoll belegen, dass die Eiszeit nicht \u00fcberall gleich war, sondern dass es lokale Besonderheiten gab, die zusammen betrachtet ein komplexes Gesamtbild ergeben \u2013 \u00e4hnlich wie bei einem Puzzle. Es w\u00e4re nun interessant und wichtig, weitere w\u00e4rmeliebende Tierarten, die bisher immer allgemein der letzten Warmzeit zugeschrieben wurden, genauer zu untersuchen.\u201c<\/p>\n<p>Die Studie wurde im Rahmen des Projekts \u201eEiszeitfenster Oberrheingraben\u201c durchgef\u00fchrt, gef\u00f6rdert durch die Klaus Tschira Stiftung Heidelberg. Das interdisziplin\u00e4re Projekt tr\u00e4gt dazu bei, die Klima- und Umweltentwicklung im Oberrheingraben bzw. in S\u00fcdwestdeutschland in den letzten 400.000 Jahren zu verstehen. Untersuchungsobjekte sind eiszeitliche Knochenfunde aus der Sammlung Reis, die sich an den Reiss-Engelhorn-Museen befinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Flusspferde, die heute nur noch in Afrika s\u00fcdlich der Sahara vorkommen, haben in Mitteleuropa viel l\u00e4nger \u00fcberlebt, als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":488103,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,122861,12],"class_list":{"0":"post-488102","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-radiokarbon-analyse","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115350520490120000","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=488102"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488102\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/488103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=488102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=488102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=488102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}