{"id":488615,"date":"2025-10-10T19:53:31","date_gmt":"2025-10-10T19:53:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488615\/"},"modified":"2025-10-10T19:53:31","modified_gmt":"2025-10-10T19:53:31","slug":"yayoi-kusama-so-gut-ist-die-ausstellung-in-der-fondation-beyeler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488615\/","title":{"rendered":"Yayoi Kusama: So gut ist die Ausstellung in der Fondation Beyeler"},"content":{"rendered":"<p>Besuch in der Fondation Beyeler \u2013 <\/p>\n<p>Unendlichkeit, Netze und Tentakel \u2013 so gut ist die Kusama-Ausstellung in Riehen<\/p>\n<p class=\"ContentHead_lead____SsS link_regular__O0hk0 link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs\">Die Fondation Beyeler zeigt erstmals eine Schweizer Retrospektive von Yayoi Kusamas Schaffen aus den letzten 70 Jahren \u2013 und dass es bei der 96-J\u00e4hrigen um viel mehr als fotogene Polka Dots geht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/91DhJwKU4dYARQ9i7-2XCN.png\"  width=\"100\" height=\"100\"  alt=\"Annik Hosmann\" class=\"AuthorImage_root__WCxj_ ContentMetaInfo_authorimage__Mp4LD AuthorImage_-content-head__3qDob\" style=\"background-color:#626164\"\/>Publiziert heute um 16:17 Uhr<img decoding=\"async\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/E6pAK0wzKS7A8tLdA46XRM.jpg\" alt=\"Person in einem Raum mit orange-gelben, gepunkteten Spiralmustern und Spiegelw\u00e4nden.\" title=\"Person in einem Raum mit orange-gelben, gepunkteten Spiralmustern und Spiegelw\u00e4nden.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#9D5D04\"\/><\/p>\n<p>Zum ersten Mal ist in Riehen einer von Kusamas \u00abInfinity Rooms\u00bb in einem immersiven Raum zu sehen; \u00abIllusion Inside the Heart\u00bb heisst das Ganze.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p><strong class=\"SummaryList_title__8uifR\">In K\u00fcrze:<\/strong><\/p>\n<ul class=\"SummaryList_list__pEa7M\">\n<li>Die Fondation Beyeler pr\u00e4sentiert erstmals eine umfassende Kusama-Retrospektive in der Schweiz.<\/li>\n<li>Kusamas fr\u00fche Halluzinationen von Punkten pr\u00e4gen ihr gesamtes k\u00fcnstlerisches Schaffen.<\/li>\n<li>Die K\u00fcnstlerin ist heute vor allem bekannt f\u00fcr ihre immersiven Installationen, Malereien und Skulpturen, sie designte aber auch Mode und schrieb.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Nat\u00fcrlich ist er auch da, der grosse K\u00fcrbis in dunklem Gelb mit schwarzen Punkten. Aber eben l\u00e4ngst nicht nur: Rund 300 Werke aus sieben Jahrzehnten zeigt die Fondation Beyeler in der ersten Schweizer Retrospektive von Yayoi Kusama.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Kusama, das ist eben jene K\u00fcnstlerin mit den K\u00fcrbissen und den Punkten. Mit den grossen raumf\u00fcllenden Tentakeln und den verspiegelten \u00abInfinity Rooms\u00bb. Die Frau mit der roten Per\u00fccke, die Mitte der 50er-Jahre ihre Heimat Japan verliess und nach New York reiste, nachdem die Malerin Georgia O\u2019Keeffe sie in einem Brief dazu ermutigt hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/9jGyKWeZKqWAuatPD738Uq.jpg\" alt=\"Zwei Personen betrachten gelbe K\u00fcrbis-Skulpturen von Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler, im Hintergrund ist ein grosses Gem\u00e4lde der Japanerin zu sehen.\" title=\"Zwei Personen betrachten gelbe K\u00fcrbis-Skulpturen von Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler, im Hintergrund ist ein grosses Gem\u00e4lde der Japanerin zu sehen.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#C19F0D\"\/><\/p>\n<p>Die ber\u00fchmten K\u00fcrbisse sind in der Fondation Beyeler in klein (im Bild) sowie als grosses Objekt zu sehen.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Doch Yayoi Kusama ist noch viel mehr als das \u2013 das wird in Riehen deutlich. Es w\u00e4re einfach gewesen, den ber\u00fchmten K\u00fcrbis in das Foyer zu stellen, Hauptsache \u00abinstagrammable\u00bb. Stattdessen zeigt Kuratorin Mouna Mekour die immense Breite von Kusamas Werk in chronologischer Reihenfolge. So beginnt die Ausstellung mit einer Zeichnung der zehnj\u00e4hrigen Yayoi Kusama, die ihre Mutter mit geschlossenen Augen zeigt \u2013 und Punkten \u00fcber dem ganzen Gesicht.<\/p>\n<p>Kusama geht raus aus dem engen Japan, rein ins offene New York<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Kusama wird 1929 im japanischen Matsumoto geboren, ihre Eltern haben ein Saaten-Unternehmen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss sie als 13-J\u00e4hrige in einer Fallschirmfabrik arbeiten. Bereits da, als Kind, hat sie Halluzinationen: Sie berichtet von Punkten und Netzen, in denen sie Angst hat, sich aufzul\u00f6sen. Sp\u00e4ter beschreibt sie, was die Punkte f\u00fcr sie sind: der Mond, die Sonne, die Erde, ein Symbol f\u00fcr die Unendlichkeit, K\u00f6rper, die im Verh\u00e4ltnis zueinander stehen. Nur eines k\u00f6nnen sie nie: allein stehen.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">In Kyoto beginnt Kusama ein Studium an der Kunstschule. Dort lernt sie klassische japanische Techniken wie Kalligrafie; das Malen mit \u00d6lfarben bringt sie sich selbst bei. Die Kunstschule f\u00fchlt sich schnell zu eng an f\u00fcr die junge Frau, die sich nicht nur f\u00fcr den figurativen, sondern auch abstrakten Ausdruck interessiert. Etwa in ihrem ersten Selbstportr\u00e4t von 1950: Kusama malt sich als pink-violette Sonnenblume, ein leicht l\u00e4chelnder Mund schwebt darunter. Die runde Form in der Mitte eines Werks wird von da an immer wieder in ihren Selbstportr\u00e4ts auftauchen, jedoch kaum als klar erkennbarer Kopf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/0sNU4OrU44R9Lqp3Eu2cJH.jpg\" alt=\"Besucher betrachten bunte, grossformatige Kunstwerke in einer modernen Galerie.\" title=\"Besucher betrachten bunte, grossformatige Kunstwerke in einer modernen Galerie.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#8E5749\"\/><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Figurativen: Mit 80 Jahren begann Kusama die Werkserie \u00abMy Eternal Soul\u00bb.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Diese Visualisierung der Introspektion zieht sich durch ihr gesamtes Werk: Mit 80 Jahren begann sie die Serie grossformatiger Malereien mit dem Titel: \u00abMy Eternal Soul\u00bb.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Seit 1977 lebt Yayoi Kusama freiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung, wenige Schritte entfernt befindet sich ebenso lange ihr Studio und Archiv. Die D\u00fcsterheit, die sich in ihrem Kopf, aber auch im Aussen abspielt, ist gerade zu Beginn ihrer Karriere auch in ihren Arbeiten zu sehen. Da gibt es Zeichnungen mit Titeln wie \u00abScreaming Girl\u00bb, darunter h\u00e4ngt \u00abAtomic Bomb\u00bb. Ihre \u00abCorpses\u00bb-Serie zeigen sich windende, ged\u00e4rmartige W\u00fclste in dunklem Rot-Braun.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6AcAlvKsKO2ADGk8SU7esD.png\" alt=\"&quot;Screaming Girl&quot; von Yayoi Kusama: Abstrakte Darstellung mit blauen und roten Farben, einer zentralen Form die an ein Gesicht erinnert, verziert mit Punkten.\" title=\"&quot;Screaming Girl&quot; von Yayoi Kusama: Abstrakte Darstellung mit blauen und roten Farben, einer zentralen Form die an ein Gesicht erinnert, verziert mit Punkten.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#3D4C59\"\/><\/p>\n<p>In ihrer Kunst \u2013 hier \u00abScreaming Girl\u00bb \u2013 verarbeitete Kusama auch ihre Traumata \u2013 etwa das vom Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Bild: Yayoi Kusama<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Japan ist damals nicht nur aufgrund der Weltlage ein wenig freundlicher Ort, sondern bietet f\u00fcr Frauen kaum M\u00f6glichkeiten; sie sollen vor allem gute Hausfrauen sein. Um dieser konservativen Enge zu entkommen, steigt Kusama 1957 ins Flugzeug, \u00fcberquert den Pazifik und landet in New York. Inspiriert von ihren Beobachtungen aus mehreren Tausend Metern H\u00f6he, beginnt sie auf grossformatigen Leinw\u00e4nden grobe Punkte zu malen. Am Anfang auf weissem Grund, sp\u00e4ter auf schwarz mit Rot, Gelb und Gr\u00fcn. Heute geh\u00f6ren diese \u00abNet Paintings\u00bb zu ihren bekanntesten Werken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2bONhpLN4DU9BlgwH2Uvkk.jpg\" alt=\"Rotes abstraktes Kunstwerk mit schwarzen Punkten, die ein strukturiertes Muster bilden.\" title=\"Rotes abstraktes Kunstwerk mit schwarzen Punkten, die ein strukturiertes Muster bilden.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#B2362E\"\/><\/p>\n<p>Kusamas \u00abNet Paintings\u00bb (hier eines der ersten von 1961) erinnern auch an den Pointillismus.<\/p>\n<p>Bild: Yayoi Kusama<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Das Netz ist nicht nur ein wiederkehrendes Motiv, sondern auch eine Art Metapher f\u00fcr Kusamas ganzes Werk: Wie ein Netz sind alle ihre Arbeiten und Ideen miteinander verkn\u00fcpft. Manche dieser Verknotungen sind offensichtlich wie die immer wieder auftauchenden Punkte, andere auf den zweiten Blick (die phallische Form), und f\u00fcr wieder andere braucht es den genauen Blick.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/4Y7asu2Ca4jBugLS8h5f74.jpg\" alt=\"Farbenfrohes Kunstwerk von Yayoi Kusama mit orangefarbenem Zentrum, umgeben von schwarzen und weissen Linien und Punkten auf gelbes Hintergrund.\" title=\"Farbenfrohes Kunstwerk von Yayoi Kusama mit orangefarbenem Zentrum, umgeben von schwarzen und weissen Linien und Punkten auf gelbes Hintergrund.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#C46A11\"\/><\/p>\n<p>Eine von Kusamas neueren Arbeiten aus dem Jahr 2023 heisst \u00abEvery Day I Pray for Love\u00bb.<\/p>\n<p>Bild: Yayoi Kusama<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Zum Beispiel f\u00fcr Kusamas Beziehung zum geschriebenen Wort. Die meisten ihrer Werktitel muten wie kleine Gedichte an. Wer sie liest, kriegt ein besseres Verst\u00e4ndnis von Kusamas Werk. Die K\u00fcnstlerin hat auch l\u00e4ngere Texte geschrieben, darunter \u00fcber zehn Romane. Worte besch\u00e4ftigen Kusama bis heute: In ihren j\u00fcngsten Arbeiten \u2013 sie malt auch im Alter von 96 Jahren noch \u2013 integriert sie in ihren bunten Malereien Gedichte und Wortfetzen in Englisch und Japanisch.<\/p>\n<p>Mode und Kunst geh\u00f6rten f\u00fcr Kusama immer zusammen<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Etwas anderes, das sich wie ein roter Faden durch Kusamas Leben zieht, ist die Mode. Bereits als Jugendliche in Japan n\u00e4hte sie ihre Kleidung, sp\u00e4ter kreierte sie aus Kleidern, Schuhen und Alltagsgegenst\u00e4nden Skulpturen und machte aus Mode Kunst. In den 60er-Jahren gr\u00fcndete sie zudem ihr eigenes Modelabel Kusama Fashion Company. Zwar blieb der kommerzielle Erfolg aus, die Faszination f\u00fcr Mode blieb ihr aber erhalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/2PMQ7v1X4Yw8AO0QNoU75l.jpg\" alt=\"Eine Frau betrachtet Kunstwerke von Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler, die aus Kleidung und Taschen bestehen, verziert mit steinartigen Texturen.\" title=\"Eine Frau betrachtet Kunstwerke von Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler, die aus Kleidung und Taschen bestehen, verziert mit steinartigen Texturen.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#8E7C70\"\/><\/p>\n<p>Mode und Kunst geh\u00f6rten f\u00fcr Yayoi Kusama immer zusammen, das macht die Ausstellung in Riehen deutlich.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Als sie 2023 zusammen mit dem Luxuslabel <a class=\"HtmlText_root__A1OSq\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/sie-betuepfelt-gerade-die-halbe-welt-135320460635\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Louis Vuitton eine Kollaboration<\/a> umsetzte, verschrien Kritikerinnen dies als kommerziellen Ausverkauf der K\u00fcnstlerin. Doch eigentlich war es nur eine logische Konsequenz. Denn f\u00fcr sie waren Mode und Kunst nie zwei getrennte Disziplinen, wie Kusama damals sagte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/C16ysZ1eKsP9FEwEUx30SB.jpg\" alt=\"Yayoi Kusama in einem Kleid mit Kartoffel-\u00e4hnlichen Applikationen, einem dekorierten Hut und einer Handtasche vor einem Kunsthintergrund mit Text.\" title=\"Yayoi Kusama in einem Kleid mit Kartoffel-\u00e4hnlichen Applikationen, einem dekorierten Hut und einer Handtasche vor einem Kunsthintergrund mit Text.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#767777\"\/><\/p>\n<p>Yayoi Kusama 1971 in ihrem Studio in New York \u2013 sowohl das Kleid wie auch der Koffer sind nun in der Fondation Beyeler zu sehen.<\/p>\n<p>Foto: Tom Haar<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Ohnehin ist die Kunst f\u00fcr die Japanerin ein weites Feld: Neben malen, zeichnen und collagieren, schreiben und Kleidung entwerfen gibt es von Kusama Videoarbeiten sowie Liveperformances und politische Aktionen, zudem widmete sie sich ab Mitte der 70er-Jahre nach ihrer R\u00fcckkehr nach Japan auch dem T\u00f6pfern. Das alles und somit ihre Entwicklung \u2013 wie sie sich etwa nach ihrer R\u00fcckkehr nach Japan ohne Geld erneut selbst erfand \u2013 ist in der Fondation Beyeler nachzuverfolgen.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Viele der Werke kommen direkt aus dem Studio von Kusama; einige Arbeiten (etwa ihre Radierungen, die sie seit den 50ern macht) wurden noch nie, andere (der \u00abInfinity Room\u00bb mit Tageslicht im Garten) selten gezeigt.<\/p>\n<p>Gleich mehrere Premieren in Riehen<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Oft gesehen und trotzdem faszinierend sind die beiden Installationen im Untergeschoss der Fondation Beyeler. Da ranken sich riesige raumf\u00fcllende Tentakel in Gelb-Schwarz vom schwarz-gelb gepunkteten Boden in die H\u00f6he, h\u00e4ngen von der Decke und schl\u00e4ngeln sich um den verspiegelten \u00abInfinity Room\u00bb. Es ist das erste Mal, dass Kusama einen solchen innen wie aussen verspiegelten Kubus in einem immersiven \u00abYellow Tree\u00bb-Raum ausstellt.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Dieses immersive Erlebnis, also dass man als Besucherin das Werk betritt und somit Teil davon wird, ist eindr\u00fccklich \u2013 aber stellen Sie sich einmal vor, wie das in den 60er-Jahren gewesen sein muss? Heute sind wir diese Art der Ausstellung gewohnt, aber Kusama war vor rund 60 Jahren eine der Ersten \u00fcberhaupt, die Kunst als immersive Erfahrung dachte. Trotzdem ist genau das auch eine Kritik, die es an Kusama gibt: Ihre Kunst sei dekorativ und funktioniere einfach gut f\u00fcr das Hochformat der sozialen Medien.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/7V9I-RwPacoAzbPjWX6kcD.jpg\" alt=\"K\u00fcnstlerisch gestalteter Raum mit hohen, orangefarbenen S\u00e4ulen, die mit gr\u00fcnen und schwarzen Punkten sowie Linien verziert sind.\" title=\"K\u00fcnstlerisch gestalteter Raum mit hohen, orangefarbenen S\u00e4ulen, die mit gr\u00fcnen und schwarzen Punkten sowie Linien verziert sind.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#915912\"\/><\/p>\n<p>Im Innern des \u00abInfinity Rooms\u00bb im Untergeschoss wirken die Tentakel nicht nur unendlich, sondern durch das sich ver\u00e4ndernde Licht auch, als w\u00fcrden sie atmen.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Gleichzeitig macht dieser Ansatz Kusama zu einer der beliebtesten K\u00fcnstlerinnen der Welt, f\u00fcr ihre Ausstellungen gibt es jeweils stundenlange Schlangen (ein Grund, wieso die \u00abInfinity Rooms\u00bb in Riehen maximal 45 Sekunden lang besucht werden d\u00fcrfen und die \u00d6ffnungszeiten erweitert werden).<\/p>\n<p>Eine Kusama-Schau ist immer viel<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Neben Banalit\u00e4t wird Kusama noch etwas vorgeworfen: die Wiederholung. Aber genau diese Repetition sei ein wichtiger Teil ihres k\u00fcnstlerischen Vokabulars, sagt Kuratorin Mouna Mekour. Dazu kommen das Konzept der Akkumulation, die Idee der Unendlichkeit, die Beziehung zum Universum, die Punkte.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abDas alles ist nicht nur Teil ihrer Praxis, sondern wie sie lebt und sich als Person in dieser Welt bewegt\u00bb, sagt Mekour, die die Ausstellung eng mit den langj\u00e4hrigen Mitarbeitenden von Kusamas Studio entwickelt hat. Mit diesem Vokabular hat sich Yayoi Kusama in den letzten sieben Jahrzehnten immer wieder neu erfunden \u2013 und ist so letztlich zum Gesamtkunstwerk geworden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/5N2K2FHTqGiBs5aSElIX_x.jpg\" alt=\"Blick auf einen Rasen mit Skulpturen aus gl\u00e4nzenden Metallkugeln im Vordergrund, umgeben von bunten Herbstb\u00e4umen und Schilf.\" title=\"Blick auf einen Rasen mit Skulpturen aus gl\u00e4nzenden Metallkugeln im Vordergrund, umgeben von bunten Herbstb\u00e4umen und Schilf.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#634B2A\"\/><\/p>\n<p>Auch im Garten sind Werke von Yayoi Kusama zu sehen: Im Hintergrund der \u00abInfinity Room\u00bb mit dem Titel \u00abThe Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe\u00bb, im Vordergrund die vielen silbernen B\u00e4lle von \u00abNarcissus Garden\u00bb.<\/p>\n<p>Foto: Mark Niedermann<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Denn ja, eine Kusama-Schau ist immer viel. Das beginnt bei den zig silbernen B\u00e4llen im Teich vor der Fondation (mit \u00abNarcissus Garden\u00bb wurde Kusama 1966 international bekannt), die schiere Anzahl der Werke, die riesigen dicht an dicht geh\u00e4ngten Gem\u00e4lde der \u00abEternal Soul\u00bb-Serie und dann nat\u00fcrlich die \u00abInfinity Rooms\u00bb. Doch genau damit spielt Kusama: Dass man sich eingenommen f\u00fchlt \u2013 und ein Teil ihres Universums wird.<\/p>\n<p class=\"EmbedBlocker_hint__uEF_d\">An dieser Stelle finden Sie einen erg\u00e4nzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter \u00fcbermittelt werden, k\u00f6nnen Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.<\/p>\n<p>Cookies zulassenMehr Infos<\/p>\n<p class=\"DynamicTeaser_boxtitle__B6piN\">Aktuelle Ausstellungen im Herbst<\/p>\n<p>Newsletter<\/p>\n<p>Winti, was lauft?<\/p>\n<p>Erhalten Sie die besten Events, Restaurants und kulturellen Geheimtipps in Winterthur.<\/p>\n<p><a class=\"NewsletterBox_more__FNemz link_underlinelink__K5Zr0\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/newsletter-uebersicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weitere Newsletter<\/a><\/p>\n<p>Einloggen<strong>Annik Hosmann <\/strong>ist mitverantwortlich f\u00fcr die nationale Planung von Geschichten sowie Projekten und schreibt im Ressort Leben \u00fcber Kunst.<a class=\"ArticleAuthorBio_moreinfo__cqyvz link_underlinelink__K5Zr0\" rel=\"author nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/author\/60655255\/annik-hosmann\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p class=\"Feedback_root__fr_Mi ArticleContainer_content-width__FRl7F\">Fehler gefunden?<a href=\"mailto:tagesleitung.korrektorat@tamedia.ch?subject=Hinweis%20auf%20Fehler%20%7C%20Annik%20Hosmann%20%7C%20Unendlichkeit%2C%20Netze%20und%20Tentakel%20%E2%80%93%20so%20gut%20ist%20die%20Kusama-Ausstellung%20in%20Riehen&amp;body=Ich%20habe%20in%20diesem%20Inhalt%20einen%20Fehler%20entdeckt%3A%20https%3A%2F%2Fwww.tagesanzeiger.ch%2Fyayoi-kusama-so-gut-ist-die-ausstellung-in-der-fondation-beyeler-917839111216\" class=\"Feedback_feedbacklink__VyDCi link_underlinelink__K5Zr0\">Jetzt melden.<\/a><\/p>\n<p>0 Kommentare<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Besuch in der Fondation Beyeler \u2013 Unendlichkeit, Netze und Tentakel \u2013 so gut ist die Kusama-Ausstellung in Riehen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":488616,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-488615","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115351625053952945","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=488615"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488615\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/488616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=488615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=488615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=488615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}