{"id":488761,"date":"2025-10-10T21:17:18","date_gmt":"2025-10-10T21:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488761\/"},"modified":"2025-10-10T21:17:18","modified_gmt":"2025-10-10T21:17:18","slug":"bob-ross-und-die-freude-am-malen-sein-pinsel-hatte-immer-recht-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/488761\/","title":{"rendered":"Bob Ross und \u201eDie Freude am Malen\u201c: Sein Pinsel hatte immer recht &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eIch hoffe, Sie haben Ihren Pinsel bereit und einen Traum in Ihrem Herzen.\u201c Das war einer der typischen S\u00e4tze des amerikanischen Malers Bob Ross in seinem legend\u00e4ren TV-Malkurs \u201eThe Joy of Painting\u201c. Pinsel, Traum, Herzen: Man konnte den Mann nur hereinlassen ins Herz \u2013 oder abtun mit dem Satz: Wenn <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kunst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunst<\/a> nicht vom K\u00f6nnen, sondern vom Wollen k\u00e4me, hie\u00dfe es nicht Kunst, sondern Wunst. Unsinn! Bei Ross kam die Kunst vom Menschsein. Picasso, ja, der Vergleich ist etwas irre, hat das einmal \u00e4hnlich formuliert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr Ross war das Malen ein Menschenrecht. Er half dabei, es mit Liquid White, Sap Green oder Dark Sienna durchzusetzen. Und mit seinen genialen Tricks, um etwas plastisch und suggestiv werden zu lassen. Ein bisschen kratzen hier, ein bisschen schaben dort. Unvergessen: seine sanfte Stimme unter dem Afro. Meditieren, nass in nass und in \u00d6l, war nie farbenfroher. Und deshalb ist er bis heute ein Titan, mindestens in der Welt der Sonntagsmalerei, aber auch in der Welt der Schlaflosen und gestrandeten Partyg\u00e4nger, die ihn im tiefsten Nacht-Wiederholungsprogramm entdeckten. Kurzum: in einer liebenden Welt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Netflix tr\u00e4umt noch heute davon: 403 Folgen in 31 Staffeln wurden vom erfolgreichsten, wom\u00f6glich besten, sicher aber umarmendsten Tele-Malkurs der Welt zwischen 1983 und 1994 ausgestrahlt. Viele happy little trees und noch mehr happy little clouds bev\u00f6lkern seither die Welt der kunstsinnig Frohgemuten. Sie w\u00e4re so viel \u00e4rmer und trauriger ohne sie. Ohne die Wolken, B\u00e4ume und Frohgemuten. Nun versteigert der gemeinn\u00fctzige Sender American Public Television (APT) 30 Gem\u00e4lde von Bob Ross, um Geld f\u00fcr notleidende \u00f6ffentlich-rechtliche Sender einzusammeln \u2013 darunter die Sender, die sein Programm von 1983 bis 1994 erst m\u00f6glich machten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das sind Sender, die der selbsternannte Kandidat f\u00fcr den Friedensnobelpreis, Donald Trump \u2013 ein Systemsprenger, der m\u00f6glicherweise dieser Tage in Oslo oder Venezuela einmarschieren wird \u2013 gerne abschalten lie\u00dfe. Er drangsaliert sie mit K\u00fcrzungen. Die Pointe k\u00f6nnte diese sein: Wenn in dem goldigen Traumanwesen Trumps, Mar-a-Lago, \u00fcber einem Bett aus dem Besitz von Ludwig II. ein \u00d6lgem\u00e4lde aus dem Besitz von Bob Ross hinge. V\u00f6llig abwegig w\u00e4re das nicht. Der Versteigerung im Auktionshaus Bonhams (die ersten Bilder werden am 11. November in Los Angeles aufgerufen) ist viel Erfolg zu w\u00fcnschen. Und den Sendern das \u00dcberleben.<\/p>\n<p>Etwas zwischen \u201eUriah Heep\u201c und Caspar David Friedrich<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bob Ross hilft zuverl\u00e4ssig, wenn man mal wieder verzweifelt. Das Problem der Theodizee \u2013 entweder ist Gott nicht allm\u00e4chtig angesichts der grausigen Realit\u00e4t von Gaza bis zur Ukraine, oder er will nicht unser Bestes \u2013, wurde von Bob Ross auf seine Weise beantwortet. Jeweils in 27 Minuten. Eine Folge, ein Gem\u00e4lde. Ein Universum aus W\u00e4ldern, Seen, Bergen und weiteren Natursch\u00f6nheiten, die manchmal aussehen wie eine Synthese zwischen den fr\u00fchen Plattencovern von Uriah Heep\u00a0und den Werken des sp\u00e4ten Caspar David Friedrich.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Alle Bilder, die Bob Ross im \u00f6konomischen, wenn auch nicht k\u00fcnstlerischen Stil von Vincent van Gogh ersonnen hat (der zu Lebzeiten auch nicht viel verkaufte), sind Liebeserkl\u00e4rungen an die Welt. \u201eThe Joy of Painting\u201c war immer auch: The Joy of Love. Und so nicht-kommerziell das alles begann \u2013 am Ende hat sich das Ganze doch bezahlt gemacht, vermutlich, weil es um Geld nie gegangen ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Von den rund 400 Gem\u00e4lden, die Bob Ross erschaffen hat, stand das erste Bild, \u201eA Walk in the Woods\u201c, erstmals vor zwei Jahren zum Verkauf. Aufgerufen wurden fast zehn Millionen Dollar. Der \u00fcblicherweise dicke Pinsel hat sich amortisiert. Dass der Kunstmarkt verr\u00fcckt ist, wusste Bob Ross. F\u00fcr ihn malte er nicht. Seine W\u00e4hrung war Freude. Seine Fans sch\u00e4tzen genau das.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">W\u00e4re Robert Norman Ross, geboren 1942 in Florida, nicht viel zu fr\u00fch gestorben, 1995 am Non-Hodgkin-Lymphom: Er w\u00fcrde einen mit seiner freundlichen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/ein-anruf-bei-craig-richard-der-die-stimme-von-bob-ross-zum-einschlafen-empfiehlt-1.4019544\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stimme<\/a> und dem Satz \u201ea happy little cloud that lives right here\u201c immer noch in den Schlaf wiegen. Es ist der Schlaf der Gl\u00fccklichen, die sich eine Welt erschaffen, die sch\u00f6n ist im kitschigsten Sinn des Wortes. So kitschig, dass es schon wieder wahr ist. Mit Bob Ross im TV und einer gro\u00dfen Leere im Hirn verwandelt sich alles Triste in Joy. Wer das f\u00fcr Wunst h\u00e4lt, hat nichts begriffen. Weder vom Malen noch von der Kunst, weder von der Freude noch vom Leben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vielleicht noch wichtiger war der Satz in der allerersten Folge, die 1983 ausgestrahlt wurde: \u201eIch glaube, in jedem einzelnen von uns steckt ein K\u00fcnstler.\u201c Joseph Beuys hat das kaum anders formuliert, vielleicht nur ein wenig anders gemeint: \u201eJeder Mensch ist ein K\u00fcnstler.\u201c Nostalgie, soziale Medien und sogar die Corona-Pandemie, die eine ungeheure Nachfrage nach Trost erzeugte, haben die Erinnerung an Bob Ross zuletzt befeuert. Millionen Follower sehen sich noch heute regelm\u00e4\u00dfig alte \u201eJoy-of-Painting\u201c-Folgen an. Mit Pinsel in der Hand oder ohne \u2013 und mit dem Traum im Herzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIch hoffe, Sie haben Ihren Pinsel bereit und einen Traum in Ihrem Herzen.\u201c Das war einer der typischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":488762,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,441,30,80,2075,1794,2705,5850,51872,149,215],"class_list":{"0":"post-488761","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-fernsehen","12":"tag-germany","13":"tag-kultur","14":"tag-kunst","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-malerei","17":"tag-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk","18":"tag-oeffentlich-rechtliches-fernsehen","19":"tag-sueddeutsche-zeitung","20":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115351955265453951","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=488761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/488761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/488762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=488761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=488761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=488761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}