{"id":489042,"date":"2025-10-10T23:56:34","date_gmt":"2025-10-10T23:56:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489042\/"},"modified":"2025-10-10T23:56:34","modified_gmt":"2025-10-10T23:56:34","slug":"dann-lege-ich-mich-wieder-ins-bett-und-zocke-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489042\/","title":{"rendered":"\u201eDann lege ich mich wieder ins Bett und zocke!\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspB9m9 tspB9na\">Der Berliner Beatboxer \u201eChlorophil\u201c spuckt den Rythmus und lockere Reime, alles f\u00fcr die locker-coole Stimmung zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Jugendberufsagentur (JBA) in Berlin. Am Standort Lehrter Stra\u00dfe im Bezirk Mitte tippt Bildungssenatorin Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch (CDU) mit dem goldenen Schuh den Takt, Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) tanzt mit Ramona Schr\u00f6der von der Regionaldirektion der Arbeitsagentur. Vorn: die zischenden Raps des Beateboxers mit Haarkranz. Hinten: zwei 19-J\u00e4hrige aus dem Wedding \u2013 Yusef und Abudi \u2013 grinsen mit einem Blick, der \u201eCringe\u201c (Fremdscham) ausdr\u00fcckt. <\/p>\n<p> Berufsschulplatz ohne Betrieb  <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">\u201eIch rappe auch privat, aber heute bin ich beruflich hier\u201c, sagt Abudi. Die beiden jungen M\u00e4nner aus Berlin-Wedding sind auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz. Einen Berufsschulplatz f\u00fcr eine Ausbildung zum Automobilkaufmann hat Abudi schon, nur jetzt muss er auch dringend einen Betrieb finden, der ihn nimmt. Sonst muss er wieder von vorne anfangen. Sein Kumpel Yusef hat heute ein Bewerbungsgespr\u00e4ch f\u00fcr einen Ausbildungsplatz zum Automechatroniker. Das wollen gerade viele machen. Nerv\u00f6s ist er trotzdem nicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-5848.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14533061\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBNk6\"\/> Yusef und Abudi aus Wedding wollen beide eine Ausbildung in der Autobranche finden. <\/p>\n<p class=\"tspAFga\"> \u00a9 Alix Fa\u00dfmann <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Als die ersten vier Standorte der JBA im Oktober 2015 \u00f6ffneten, war die Idee zumindest in Berlin neu (Hamburg war bereits Vorreiter): Junge Menschen sollten nicht l\u00e4nger zwischen Jobcenter, Arbeitsagentur, Jugendamt und Schule hin- und hergeschickt werden. Stattdessen b\u00fcndelte Berlin erstmals\u00a0alle Partner unter einem Dach\u00a0\u2013 von der Berufsberatung \u00fcber Jugendsozialarbeit bis zur Ausbildungssuche. Ziel:\u00a0Keiner soll verloren gehen.<\/p>\n<p>80<\/p>\n<p><strong>Prozent<\/strong> der Berliner Schulabg\u00f6nger sind bei der Jugendberfsagentur registriert.<\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Heute, zehn Jahre sp\u00e4ter, arbeiten an den\u00a0zw\u00f6lf Standorten\u00a0\u00fcber\u00a0700 Fachkr\u00e4fte\u00a0\u2013 von Berufsberater:innen der Arbeitsagentur bis zu Jugendhilfemitarbeiter:innen. Rund\u00a020.000 Berliner Sch\u00fcler:innen verlassen jedes Jahr die 10. Klasse\u00a0\u2013 und dank der JBA wei\u00df die Stadt, wo sie stehen: Berlin ist bundesweit\u00a0Spitzenreiter bei der Meldequote, \u00fcber\u00a080 Prozent\u00a0der Jugendlichen sind bei der Agentur registriert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-5853.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14533550\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBNk6\"\/> Die Arbeitssenatorin Kiziltepe und Bildungssenatorin G\u00fcnther-W\u00fcnsch schauen sich Ausbildungsberufe in der VR-Brille an. <\/p>\n<p class=\"tspAFga\"> \u00a9 Alix Fa\u00dfmann <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Ein besonderer Erfolg: die\u00a0aufsuchende Beratung. Sozialp\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte und freie Tr\u00e4ger suchen Jugendliche dort auf, wo sie leben \u2013 in Parks, Jugendclubs oder Online-Chats. So versucht Berlin auch jene zu erreichen, die aus dem System gefallen sind.<\/p>\n<blockquote class=\"tspCGnu\">\n<p>Wir brauchen die Wirtschaft an unserer Seite.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCGnv\"><strong>Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch<\/strong> (CDU), Senatorin f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie<\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">\u201eGerade f\u00fcr junge Menschen ohne Anschluss oder mit Fluchterfahrung ist das entscheidend\u201c, betont Senatorin G\u00fcnther-W\u00fcnsch. 7800 Jugendliche gelten derzeit als unversorgt, stehen also ohne Ausbildungsplatz da \u2013 bei rund 4500 offenen Angeboten. \u201eDaf\u00fcr brauchen wir die Wirtschaft an unserer Seite\u201c, sagt G\u00fcnther-W\u00fcnsch.<\/p>\n<p> Tischler wollen viele werden, aber wer kennt den Kunststofftischler? <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Zwei Angebote hat\u00a0Ingo Kraatz von der Firma Polywerk\u00a0im Gep\u00e4ck. Er steht mit seinem Mitarbeiter\u00a0Hafiz Taibou\u00a0an einem Tisch voller Kunststoffteile. Hafiz kam 2016 aus Benin in Westafrika nach Berlin, machte hier seine Ausbildung zum Kunststofftischler, wurde \u00fcbernommen. \u201eViele kennen den Beruf einfach nicht\u201c, sagt Kraatz. \u201eDarum sind wir hier.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-5854.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14533496\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBNk6\"\/> Unbekannte Berufe: Hafiz Taibou erkl\u00e4rt den Besuchern seinen Beruf des Kunststofftischlers. <\/p>\n<p class=\"tspAFga\"> \u00a9 Alix Fa\u00dfmann <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Lucy (16)\u00a0bleibt stehen. Eine Berufsberaterin schiebt sie freundlich an den Stand. \u201eSie sucht eigentlich eine Ausbildung als Tischlerin.\u201c Kraatz erkl\u00e4rt, was Kunststofftischler machen: Bauteile f\u00fcr Kunst, Anlagen, Labor, manchmal Reagenzglashalter f\u00fcr die Pharmaindustrie. Lucy h\u00f6rt zu, nickt \u2013 und sagt am Ende trotzdem: lieber Holz.\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"tspCGnu\">\n<p>Dann leg ich mich wieder ins Bett und zocke.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCGnv\"><strong>Leonie <\/strong>(17) aus Marzahn ist frustriert und sucht einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel oder der Pflege.<\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Im Treppenhaus dr\u00e4ngen sich Jugendliche, warten auf Beratung, auf Korrekturen in ihren Unterlagen, auf einen Tipp.\u00a0Leonie\u00a0und\u00a0Leeann\u00a0(beide 17) sind aus Marzahn gekommen, vielleicht gibt es hier einen Weg in die Pflege oder in den Einzelhandel. Leonie war schon nah dran: fast ein Platz in einem Pflegeheim, dann kein Berufsschulplatz \u2013 und das Gl\u00fcck wieder weg. Jetzt kommen Absagen oder gar keine R\u00fcckmeldungen. \u201eDas ist am schlimmsten\u201c, sagt sie. \u201eDann leg\u2019 ich mich wieder ins Bett und zocke.\u201c<\/p>\n<p> Auch wenn die Anforderungen nicht passen, einfach anrufen <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Drinnen, hinter einer Glast\u00fcr, sitzt\u00a0Belend Mustafa (19)\u00a0bei Berufsberaterin\u00a0Isabell M\u00fcller. Er kam vor f\u00fcnf Jahren aus Syrien, hat einen einfachen Schulabschluss, will etwas mit den H\u00e4nden machen \u2013 Anlagen- oder Automechatronik. Sein Sprachzertifikat sagt \u201eA2\u201c, sein Deutsch klingt besser.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-5871.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14533055\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBNk6\"\/> Zuversicht wichtig: Belend Mustafa (19) l\u00e4sst sich von Isabell M\u00fcller zu seiner Bewerbung beraten. <\/p>\n<p class=\"tspAFga\"> \u00a9 Alix Fa\u00dfmann <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">M\u00fcller scrollt durch die Ausbildungsangebote: Wasserbetriebe, Verkehrsbetriebe \u2013 beide verlangen B2. \u201eMan kann probieren\u201c, sagt Belend. M\u00fcller nickt: \u201eWir k\u00f6nnen das jetzt nicht \u00e4ndern, aber das Beste daraus machen.\u201c Dann erw\u00e4hnt sie erg\u00e4nzend: \u201eB1-Kurse gibt\u2019s im Moment kaum \u2013 Sparhaushalt.\u201c Belend l\u00e4chelt trotzdem, seine Zuversicht ist ihm wichtig.<\/p>\n<p> Fachkr\u00e4ftemangel trifft auf Orientierungsloch <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Zehn Jahre nach der Gr\u00fcndung ist die JBA l\u00e4ngst Routine \u2013 kein Projekt mehr, sondern Teil der Berliner Infrastruktur. Sie hat feste Standards, Handb\u00fccher, eine Website, eine Instagram-Pr\u00e4senz. Trotzdem bleibt vieles fragil. Vor der Pandemie: leichter R\u00fcckenwind. Mit der Pandemie: Kaltfront. Danach: Fachkr\u00e4ftemangel trifft auf Orientierungsloch. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/img-5868.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14533694\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBNk6\"\/> Jugendliche in der Jugendberufsagentur Berlin-Mitte auf der Suche nach dem richtigen Jobangebot. <\/p>\n<p class=\"tspAFga\"> \u00a9 Alix Fa\u00dfmann <\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Das erkl\u00e4rt die merkw\u00fcrdige Gleichzeitigkeit von offenen Stellen und unversorgten Jugendlichen. Es hapert nicht nur an \u201eWollen\u201c oder \u201eK\u00f6nnen\u201c, sondern oft am\u00a0Match: Schulabschluss, Sprache, Entfernung zum Wohnort, Berufsschulplatz, Betrieb, der den Mut hat, auszubilden \u2013 und das alles gleichzeitig.<\/p>\n<p class=\"tspB9m9\">Beatboxer Chlorophil macht den letzten Loop, G\u00fcnther-W\u00fcnsch und Kiziltepe jolen. Yusef und Abudi sitzen auf der Bank und klatschen kurz mit. Vielleicht aus H\u00f6flichkeit. Vielleicht, weil sie sp\u00fcren, dass auch sie heute mitgemeint sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Berliner Beatboxer \u201eChlorophil\u201c spuckt den Rythmus und lockere Reime, alles f\u00fcr die locker-coole Stimmung zum zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":488028,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1140,5401,3886,296,74225,31,29,30,692,1635,27668,10939,525,966,184],"class_list":{"0":"post-489042","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-arbeit","9":"tag-arbeitslosigkeit","10":"tag-ausbildung","11":"tag-berlin","12":"tag-berufe","13":"tag-cdu","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany","16":"tag-hamburg","17":"tag-jugend","18":"tag-kunst-in-berlin","19":"tag-meine-lehre","20":"tag-mitte","21":"tag-schule","22":"tag-spd"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115352580698231875","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=489042"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489042\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/488028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=489042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=489042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=489042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}