{"id":489336,"date":"2025-10-11T02:41:11","date_gmt":"2025-10-11T02:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489336\/"},"modified":"2025-10-11T02:41:11","modified_gmt":"2025-10-11T02:41:11","slug":"kuenstlerische-stadtfuehrung-durch-berlin-eine-flaschenpost-die-verbindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489336\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstlerische Stadtf\u00fchrung durch Berlin: Eine Flaschenpost, die verbindet"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Es ist Fr\u00fchherbst am Ufer hinter der East Side Gallery im Zentrum Berlins. Alisa Tretau bindet Schn\u00fcre um ein paar Plastikflaschen und wirft sie in die Spree. In ihnen befinden sich Zettel. Nahe der anderen Uferseite ragt der letzte Pfeiler der 1945 gesprengten Brommybr\u00fccke wie ein Fixpunkt aus dem Fluss. Auch Tretau blickt dorthin.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u201eHeute werden wir \u00fcber sichtbare und unsichtbare Br\u00fccken gehen\u201c, erz\u00e4hlt sie. Dann fordert sie das Publikum auf, Teil der Performance zu werden, indem je\u00adde:r eine Flasche aus dem Wasser zieht. Auf den Zetteln befinden sich Aufgaben f\u00fcr den Weg. Dinge wie \u201ebeobachte L\u00fccken und Br\u00fccken\u201c oder \u201ekommentiere, was du siehst\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Abseits davon ist Reden w\u00e4hrend der Wanderung unerw\u00fcnscht. Dann zieht die Gruppe beinahe schweigend am Spreeufer entlang: vorbei an kr\u00e4chzenden Kr\u00e4hen und Touristengruppen. Eine Teilnehmerin ber\u00fchrt mit der linken Hand alle m\u00f6glichen Oberfl\u00e4chen, die sich ihr bieten: Fassaden, Holzplanken, Plakate, den M\u00fcnzschlitz eines Fotoautomaten. Christof Zwiener summt derweil die Melodie von \u201eWind of Change\u201c. Er ist selbst K\u00fcnstler und organisiert seit 2022 die Veranstaltungsreihe \u201eBeton Berlin\u201c, zu der er Tretau f\u00fcr ein Gastspiel eingeladen hat.<\/p>\n<p>      Vergessener Fu\u00dfg\u00e4ngertunnel<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">\u201eIch will Menschen an nicht etablierte Orte in der Stadt bringen und damit einen Spannungsbogen zum Kunstwerk schlagen\u201c, erkl\u00e4rt er das Konzept. Das reicht von einem unter Amazon-Paketen versteckten M\u00e4hroboter auf der kleinen Gr\u00fcnfl\u00e4che unter der Warschauer Br\u00fccke bis hin zur l\u00e4rmenden Soundperformance in einem fast vergessenen Fu\u00dfg\u00e4ngertunnel im Grunewald. Der genaue Ort der etwa einmal monatlich stattfindenden Events wird erst am Tag der Veranstaltung bekannt gegeben. Bis zu 80 G\u00e4ste ziehen diese Darbietungen laut eigenen Angaben an.<\/p>\n<p>weitere Informationen zu Beton Berlin<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Seine Projekte im \u00f6ffentlichen Raum stattfinden zu lassen, bildet die Grundlage Zwieners kreativer Arbeit. So begann er 2024, den Gertraudenhain anzupflanzen \u2013 einen Tiny Forest am Spittelmarkt. Angefangen hat er aber mit etwas ganz anderem: zwei Quadratmetern, die es bis nach Kalifornien geschafft haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">So klein ist das einstige DDR-Pf\u00f6rtnerh\u00e4uschen, das er 2013 vor der Verschrottung bewahrte. Den Glas- und Metallkasten verwandelte er in einen Raum f\u00fcr wechselnde Interventionen. Broiler wurden darin schon gegrillt, genauso wie Konzerte gegeben wurden. Zum 25. Jubil\u00e4um des Mauerfalls fragte das \u201eWende Museum\u201c bei Los Angeles das Werk als Leihgabe an, wo es bis heute steht.<\/p>\n<p>      Mit der Umwelt verkn\u00fcpfen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Seitdem initiiert Zwiener immer wieder Projekte, die Menschen mit ihrer Umwelt in Kontakt bringen sollen, und schlie\u00dft sich dabei mit Gleichgesinnten wie Tretau zusammen. Sie kommt aus der Theaterregie und entschied sich bewusst daf\u00fcr, auch abseits der B\u00fchne k\u00fcnstlerisch zu wirken. \u201eUm an Orte zu gehen, an denen die Klimakrise erlebbar ist\u201c: Wie die Spree und ihr niedriger werdender Wasserstand.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Im Rahmen der Performance nimmt sie sich bewusst zur\u00fcck und gibt keinen Pfad vor. \u201eF\u00fcr mich ist das auch eine \u00dcbung, um loszulassen. Ich bin eigentlich ein totaler Kontrollfreak\u201c, gibt sie zu. Dass die Gruppe sich dazu entschied, \u00fcber die Schiller- statt die Oberbaumbr\u00fccke die Spree zu kreuzen, sei v\u00f6llig offen gewesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"11\">Der Weg danach f\u00fchrt entlang der Kreuzberger K\u00f6penicker Stra\u00dfe, von einer industriellen Backsteinfassade zur n\u00e4chsten, vorbei an Eventspaces, Logistikzentren und einem Weinladen. Nach knapp einer Stunde erreicht die Gruppe eine Terrasse auf der anderen Uferseite. Und pl\u00f6tzlich sieht man ihn wieder, den Pfeilerfu\u00df der Brommybr\u00fccke, wie er unbeirrt im Fluss steht.<\/p>\n<p>      Ein Fluss als Lebensader<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Nun d\u00fcrfen die Teilnehmenden ihre Flaschenpost \u00f6ffnen und die darin versteckten Geschichten vortragen. Sie handeln von den fiktiven Br\u00fccken auf den Euroscheinen, der Spree als Lebensader, als nat\u00fcrlicher Grenze und nat\u00fcrlich von Karl Rudolf Brommy, dem namensgebenden Befehlshaber der ersten gesamtdeutschen Marine.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Jeder Textschnipsel wirkt wie ein Denkansto\u00df, was an diesem Ort verbindet und was entzweit. Tretaus \u201eBr\u00fcckenschlag\u201c endet, wie er begann, indem die G\u00e4ste ihre Zettel wieder in die Flaschen stecken, diese am Stahlgel\u00e4nder festschn\u00fcren und anschlie\u00dfend zur\u00fcck in die Spree werfen. Dort bleiben sie, bis jemand Neues sie f\u00fcr sich entdeckt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">2026 wird es erstmals keine F\u00f6rderung f\u00fcr \u201eBeton Berlin\u201c geben. Zwiener plant jedoch, das Projekt fortzuf\u00fchren \u2013 interessante K\u00fcnst\u00adle\u00adr:in\u00adnen und Locations gibt es ohnehin zur Gen\u00fcge. Zum Schluss verr\u00e4t er noch, was es mit dem Projektnamen eigentlich auf sich hat.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Denn an ein bestimmtes Baumaterial sind die Auftritte gar nicht gebunden. \u201eBeton ist dauerhaft, aber ich mache eigentlich das genaue Gegenteil\u201c, erkl\u00e4rt er. Im Vordergrund stehe das Fl\u00fcchtige, das er lediglich f\u00fcr die Nachwelt dokumentiere. Und so mag auch hier der Schein tr\u00fcgen, wenn sich demn\u00e4chst wieder eine Menschengruppe in einen der unscheinbaren Winkel der Stadt verirrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist Fr\u00fchherbst am Ufer hinter der East Side Gallery im Zentrum Berlins. 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