{"id":48948,"date":"2025-04-21T07:44:10","date_gmt":"2025-04-21T07:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48948\/"},"modified":"2025-04-21T07:44:10","modified_gmt":"2025-04-21T07:44:10","slug":"chronik-des-scheiterns-polizei-warnte-berliner-aemter-bereits-2024-vor-messerangreifer-shadi-s","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48948\/","title":{"rendered":"Chronik des Scheiterns: Polizei warnte Berliner \u00c4mter bereits 2024 vor Messerangreifer Shadi S."},"content":{"rendered":"<p>Der Fall des Berliner Messerangreifers Shadi S. offenbart, wie deutsche Sicherheitssysteme selbst bei hochgef\u00e4hrlichen Mehrfachstraft\u00e4tern versagen. WELT-Recherchen zeigen nun, dass die Polizei fr\u00fchzeitig vor dem Syrer warnte und nichts passierte.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Bereits am 7. Mai 2024 hatte die Berliner Polizei auf <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255928932\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255928932&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">die Gef\u00e4hrlichkeit des Syrers Shadi S.<\/a> in zwei gleichlautenden Schreiben an die sozialpsychiatrischen Dienste der Berliner Bezirke Pankow und Steglitz-Zehlendorf hingewiesen. W\u00f6rtlich hie\u00df es in den Schreiben, deren Inhalt WELT bekannt ist, dass es \u201ekonkrete Hinweise auf eine akute Eigen- und Fremdgef\u00e4hrdung\u201c gebe. Die Polizei warnte insbesondere vor einer Kombination aus paranoiden Wahninhalten, hoher Impulsivit\u00e4t, einer Neigung zu pl\u00f6tzlicher k\u00f6rperlicher Gewalt sowie einer tief sitzenden Aggression gegen\u00fcber staatlichen Autorit\u00e4ten, insbesondere Polizistinnen und Polizisten. <\/p>\n<p>Der Bericht wurde vom Staatsschutz des Landeskriminalamtes verfasst. Die Ermittler pr\u00fcften n\u00e4mlich, ob es sich bei dem Syrer aufgrund fr\u00fcherer \u201etiefgreifender Kontakte\u201c um einen Islamisten handeln k\u00f6nnte. Die Beamten berieten sich sogar mit Islamwissenschaftlern, stuften Shadi S. aber nicht als religi\u00f6s oder politisch motiviert ein. Hinweise auf eine geschlossene islamistische Gesinnung konnten trotz anf\u00e4nglichen Verdachts demnach nicht belegt werden, jedoch eine wertekonservative Glaubensauffassung.<\/p>\n<p>So habe der Syrer etwa ge\u00e4u\u00dfert, dass er Personen unmittelbar angreifen werde, die in seiner Gegenwart den Koran verbrennen oder Mohammed-Karikaturen zeigen w\u00fcrden. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden kamen jedoch zu dem Schluss, dass es sich bei diesen \u00c4u\u00dferungen eher um religi\u00f6s verbr\u00e4mte Ehrverletzung handelt und S. mit solchen religi\u00f6sen Aussagen eher kokettierte. <\/p>\n<p>Vielmehr sei die Gewaltbereitschaft pers\u00f6nlich motiviert: Er empfinde beh\u00f6rdliches Handeln oft als Ehrverletzung, neige zur Eskalation in Konflikten und zeige eine niedrige Frustrationstoleranz. Eine \u201eerhebliche Fremdgef\u00e4hrdung\u201c bei subjektiv empfundenen Ehrverletzungen k\u00f6nne laut Polizei nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Beamte wurden bereits 2022 angewiesen bei einem Aufeinandertreffen auf ihre Eigensicherheit zu achten <\/p>\n<p>Dass die Gefahr nicht neu war, zeigt auch ein weiteres Dokument, dessen Existenz WELT bekannt ist: Aus einer Personenfahndung der Bundespolizei aus dem Jahr 2022 geht hervor, dass die Beamten bereits damals angewiesen wurden, bei einem Aufeinandertreffen mit Shadi S. besonders auf ihre Eigensicherung zu achten. In der Einsch\u00e4tzung hie\u00df es, er sei gewaltt\u00e4tig, zeige einen pathologischen Hass auf Amtstr\u00e4ger und es sei nicht auszuschlie\u00dfen, dass er Verbindungen zur salafistischen und islamistischen Szene unterhalte. <\/p>\n<p>Trotz dieser deutlichen Warnungen reagierten die zust\u00e4ndigen Stellen nicht. Dominique Kr\u00f6ssin, Bezirksstadtr\u00e4tin f\u00fcr Soziales und Gesundheit in Pankow, best\u00e4tigte WELT auf Nachfrage, dass der Hinweis der Polizei aus dem vergangenen Jahr bekannt sei. Man pr\u00fcfe derzeit, was mit dem Schreiben geschehen ist. Auch Gespr\u00e4che mit Mitarbeitern w\u00fcrden gef\u00fchrt. In Steglitz-Zehlendorf erkl\u00e4rte Bezirksstadtr\u00e4tin Carolina B\u00f6hm, dass dem dortigen sozialpsychiatrischen Dienst das Schreiben ebenfalls vorliege. Einen Kontakt zu Shadi S. habe es aber nie gegeben. Warum nicht, konnten weder B\u00f6hm noch Krossin auf Nachfrage sagen. Der Fall werde nun intensiv aufgearbeitet. <\/p>\n<p>Dabei war Shadi S. l\u00e4ngst kein Unbekannter mehr: <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255970740\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255970740&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">WELT-Recherchen hatten erstmals \u00f6ffentlich gemacht<\/a>, dass der Syrer bereits im Februar 2022 seiner Schwester in Chemnitz mit einem K\u00fcchenmesser in den Oberschenkel gestochen hatte, weil sie ihm den Zugriff auf ihr Handy verweigerte. Bei der Festnahme verletzte er einen Polizisten schwer. W\u00e4hrend der Untersuchungshaft bedrohte er Mitgefangene und k\u00fcndigte massive Gewalt bei seiner Gerichtsverhandlung an. Im M\u00e4rz 2023 verurteilte ihn das Landgericht Chemnitz dennoch lediglich zu zwei Jahren auf Bew\u00e4hrung. <\/p>\n<p>Auch in Berlin und Brandenburg fiel Shadi S. immer wieder auf: Verurteilungen wegen Beleidigung, K\u00f6rperverletzung, Bedrohung, Drogenbesitzes und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte summierten sich. Die Amtsgerichte Berlin-Tiergarten, F\u00fcrstenwalde\/Spree, Neuruppin und Dresden f\u00fchrten entsprechende Verfahren \u2013 allein in einem Fall aus 2021 wurde er zu 120 Tagess\u00e4tzen verurteilt, im Februar 2024 erneut zu derselben Strafe. <\/p>\n<p>Nach mehrfachen Verst\u00f6\u00dfen gegen seine Bew\u00e4hrungsauflagen stellte die Staatsanwaltschaft Chemnitz im Dezember 2024 beim Landgericht Berlin den Antrag, die Strafaussetzung zu widerrufen und einen Sicherungshaftbefehl zu erlassen. Der Antrag traf im M\u00e4rz 2025 ein. Nur wenige Wochen vor der Tat am Abend des 12. April 2025. <\/p>\n<p>In der U-Bahnlinie U2 am Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz griff Shadi S. den 29-j\u00e4hrigen Fitnesstrainer Steve H. mit einem K\u00fcchenmesser an und verletzte ihn t\u00f6dlich. Auf der Flucht wurde er von der Polizei gestellt. Als er mit dem Messer auf die Beamten losging, schossen sie viermal. Shadi S. erlag sp\u00e4ter seinen Verletzungen.<\/p>\n<p>Shadi S. war seit 2016 als Fl\u00fcchtling anerkannt und besa\u00df eine Aufenthaltserlaubnis bis Oktober 2025. Trotz seiner kriminellen Karriere wurde keine Abschiebung gepr\u00fcft. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article255964838\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article255964838&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Als erste Konsequenz plant der Berliner Senat nun ein Waffen- und Messerverbot<\/a> im gesamten \u00f6ffentlichen Nahverkehr, einschlie\u00dflich U- und S-Bahnen, Trams, Bussen und Bahnh\u00f6fen. <\/p>\n<p><b>Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise oder \u00e4hnlichen Themen f\u00fcr uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich \u2013 <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article255970740\/mailto:investigativ@welt.de\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;mailto:investigativ@welt.de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>per E-Mail<\/b><\/a><b> oder \u00fcber den verschl\u00fcsselten Messenger Threema (X4YK57TU).<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Fall des Berliner Messerangreifers Shadi S. offenbart, wie deutsche Sicherheitssysteme selbst bei hochgef\u00e4hrlichen Mehrfachstraft\u00e4tern versagen. 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