{"id":489489,"date":"2025-10-11T04:05:28","date_gmt":"2025-10-11T04:05:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489489\/"},"modified":"2025-10-11T04:05:28","modified_gmt":"2025-10-11T04:05:28","slug":"eine-ausstellung-wo-sie-schlange-stehen-werden-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/489489\/","title":{"rendered":"Eine Ausstellung, wo Sie Schlange stehen werden \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstlerin war abwesend, muss man in Anlehnung an die Performance im New Yorker <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/museum-of-modern-art\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" abramovi=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" modern:=\"\" eine=\"\" ausstellung=\"\" wo=\"\" sie=\"\" schlange=\"\" stehen=\"\" werden=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">MoMA<\/a> sagen, die Marina Abramovi\u0107 zu dem Popstar der Kunst machte, der sie heute ist: 2010 sa\u00df sie dort 75 Tage von fr\u00fch bis sp\u00e4t an einem Tisch und sah 1500 Menschen in die Augen, die sich ihr gegen\u00fcber setzten. Stumm und ernst. F\u00fcr viele ob der auratischen Unmittelbarkeits-Erwartung ein aufr\u00fcttelndes Erlebnis, wie man staunend beobachten konnte. \u201eThe Artist ist present\u201c hie\u00df diese Dauerperformance, typisch f\u00fcr das damals schon jahrzehntelange Schaffen der serbischen K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Bei der Er\u00f6ffnung ihrer ersten gro\u00dfen Retrospektive in Wien, einst geplant im <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/ba-kunstforum\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" abramovi=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" modern:=\"\" eine=\"\" ausstellung=\"\" wo=\"\" sie=\"\" schlange=\"\" stehen=\"\" werden=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BA Kunstforum<\/a>, nach dessen Schlie\u00dfung jetzt im Exil in der Albertina Modern, war Marina Abramovi\u0107 allerdings leider \u201enot present\u201c. Nicht einmal die mittlerweile zu einer Art spirituellem Guru f\u00fcr Celebrities wie <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/lady-gaga\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" abramovi=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" modern:=\"\" eine=\"\" ausstellung=\"\" wo=\"\" sie=\"\" schlange=\"\" stehen=\"\" werden=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lady Gaga<\/a> aufgestiegene Performance-Ikone kann sich zweiteilen. Aber das kommt wohl noch. <\/p>\n<p><a id=\"kapitel-1\" class=\"anchor\"\/>Hoch mit den R\u00f6cken!<\/p>\n<p>Jedenfalls weilt Abramovi\u0107 derzeit in Manchester, wo sie ihr bislang \u201eehrgeizigstes\u201c Projekt zur Urauff\u00fchrung bringt: \u201eBalcan Erotic Epic\u201c, eine Stationen-Performance, die in 13 Szenen Ritualen nachsp\u00fcrt, mit denen man sich am Balkan traditionell und k\u00f6rperbetont mit der Natur verband, etwa die R\u00f6cke l\u00fcpfte, um das schlechte Wetter abzuschrecken, liest man. <\/p>\n<p>Diese noch in Barcelona, Berlin, New York und Hong Kong wiederholte \u201eErotische Balkan Erz\u00e4hlung\u201c sei eine R\u00fcckkehr zu ihren Wurzeln, schw\u00e4rmte Abramovi\u0107. Das scheint sie, die n\u00e4chstes Jahr 80 wird, zunehmend zu besch\u00e4ftigen. Denn auch nach Wien reichen diese Wurzeln \u2013 zum Wiener Aktionismus und zu Ursula Krinzinger, der sie seit 1974 unterst\u00fctzenden Galeristin.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-2\" class=\"anchor\"\/>Hier kommt man ihr auf die Spur <\/p>\n<p>Durch diese lokalen Verbindungen bekommt die Ausstellung in Wien eine spezielle kunsthistorische Bedeutung. Denn neu ist diese Abramovi\u0107-\u201eShow\u201c keineswegs, sie tourt seit 2023 durch Europa, war schon in London, Amsterdam und Z\u00fcrich. In Wien aber, betreut von BA-Kunstforum-Kuratorin Bettina M. Busse, kommt man Abramovi\u0107s \u2013 hier passt tats\u00e4chlich das Wort \u2013 ikonischem Fr\u00fchwerk weniger auf die Schliche als auf die Spur. Gleich am Beginn der Ausstellung verharrt man vor der Dokumentation der Performance \u201eRhythm 0\u201c, 1974 im Studio Morra in Neapel umgesetzt. Noch heute ersch\u00fcttert das hier erprobte Experiment in seiner Grausamkeit. <\/p>\n<p>Abramovi\u0107 stellte sich damals jedenfalls f\u00fcr sechs Stunden dem Publikum zur Verf\u00fcgung, lieferte sich seinen Handlungen aus. Auf einem Tisch sind die \u201eRequisiten\u201c ausgelegt, die daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung standen: Messer, Scheren, Ketten, aber auch eine Rose, Trauben, Honig, Wein, W\u00fcrfelzucker, Bandagen. Man sp\u00fcrt: <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/hermann-nitsch\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" abramovi=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" modern:=\"\" eine=\"\" ausstellung=\"\" wo=\"\" sie=\"\" schlange=\"\" stehen=\"\" werden=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hermann Nitsch<\/a> l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen, das ist eindeutig Teil seines dionysisch-abgr\u00fcndigen Vokabulars, und Morra war nicht zuf\u00e4llig auch einer seiner fr\u00fchesten F\u00f6rderer. <\/p>\n<p>Abramovi\u0107 hatte Nitsch und andere Wiener Aktionisten tats\u00e4chlich schon 1973 bei ihrer ersten Reise hinaus aus Jugoslawien zu einem Festival in Edinburgh kennengelernt. 1975 nahm Krinzinger sie mit nach Prinzendorf, wo sie sogar als Akteurin mitwirkte. Die Welt der radikalen Performance-Kunst war eine kleine.<\/p>\n<p>Auch Yoko Ono muss Abramovi\u0107 bekannt gewesen sein: Bei deren \u201eCut Piece\u201c (ab 1964) durfte das Publikum mit einer Schere ihre Kleidung bearbeiten. Das war pionierhaft. Abramovi\u0107 als Pionierin zu bezeichnen, t\u00e4te ihr also unrecht. Sie schaffte aber etwas, das in der Kunstgeschichte fast mehr z\u00e4hlt: Sie verhalf einer Gattung zu Sichtbarkeit und institutioneller Anerkennung. <\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/marina-abramovic_balkan-baroque_1997_courtesy-of-ma-archives-and-lisson-gallery_c_courtesy-of-ma-arc.webp\" alt=\"Eine andere legend\u00e4re Performance: Marina Abramovi\u0107 putzte w\u00e4hrend des Jugoslawien-Kriegs bei der Biennale Venedig 1997 die Knochen \u2013 und sang dazu Volkslieder. \u201eBalkan Baroque\u201c dauerte vier Tage lang.    \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Eine andere legend\u00e4re Performance: Marina Abramovi\u0107 putzte w\u00e4hrend des Jugoslawien-Kriegs bei der Biennale Venedig 1997 die Knochen \u2013 und sang dazu Volkslieder. \u201eBalkan Baroque\u201c dauerte vier Tage lang.    \u2003Courtesy of the Marina Abramovi\u0107 Archives \/ Bildrecht, Wien 2025<\/p>\n<p>Wie sie das schaffte? Eben durch eine Symbiose aus feministischer K\u00f6rperkunst (Yoko Ono, Valie Export), Wiener Aktionismus und US-Konzeptkunst (lange Dauer), die sie in international lesbare, \u00e4sthetisch herausragende Bilder verwandelte. Unterlegt mit dem n\u00f6tigen pers\u00f6nlichen Drama, der Coming of Age-Geschichte einer K\u00fcnstlerin, die sich erst von den kommunistischen Helden-Eltern in Tito-Jugoslawien emanzipiert, zur Liebe und Kollaboration mit dem niederl\u00e4ndischen K\u00fcnstler Ulay findet, sich nach der Trennung als Superstar neu definiert und zuletzt, auch das, die Selbsterkenntnis sucht, die sie im Spirituellen, teils Natur-Esoterischen findet. <\/p>\n<p><a id=\"kapitel-3\" class=\"anchor\"\/>Die Performance geriet au\u00dfer Kontrolle<\/p>\n<p>Erst aber geriet 1974 der \u201eRhythm 0\u201c in Neapel au\u00dfer Kontrolle: Nach anf\u00e4nglich nur sch\u00fcchternen Eingriffen begannen die Leute Abramovic auszuziehen, sie zu verletzen \u2013 und schlie\u00dflich legte ein Mann der bereits Tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mten die zuvor von ihm geladene Pistole, die er vom Tisch nahm, in die eigene Hand und f\u00fchrte diese zu ihrem Hals. Ende. Hatte ihr zuvor auch schon jemand mit einem Stift auf die Stirne geschrieben. <\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Marina Abramovic Albertina Imponderabilia.webp\" alt=\"Vier historische Performances werden in der Ausstellung mit Akteurinnen wiederholt: Hier ein Foto mit der Originalbesetzung Ulay und Abramovi\u0107 1977.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Vier historische Performances werden in der Ausstellung mit Akteurinnen wiederholt: Hier ein Foto mit der Originalbesetzung Ulay und Abramovi\u0107 1977.\u2003Marina Abramovi\u0107 Archives \/ Bildrecht<\/p>\n<p>Auf gro\u00dfen Projektionen, durch die man wandern kann, begegnet man Abramovics anderen ber\u00fchmten Perfomances, viele mit Ulay: wo sich beide gegenseitig bis zur Ohnmacht in den Mund atmen \u2013 es sieht aus wie ein intensiver Kuss. Wo sie sich gegenseitig watschen. Wo sie den Bogen spannt und er den Pfeil darin h\u00e4lt, gerichtet auf ihr Herz.<\/p>\n<p>Vier dieser historischer Performances werden in der Ausstellung von eigens nach der Abramovic-Methode geschulten Akteurinnen nachgestellt. Das ist lange erprobt und funktioniert erstaunlich gut. Wenn man etwa mit seinem Distanzbed\u00fcrfnis konfrontiert wird und sich \u00fcberlegt, ob man sich wirklich durch zwei nackten Leibern im T\u00fcrrahmen durchschl\u00e4ngeln m\u00f6chte, um in den n\u00e4chsten Raum zu gelangen. Im Original \u00fcbrigens war der Abstand zwischen den zwei Torw\u00e4chtern \u2013 damals Abramovi\u0107 und Ulay \u2013 noch um die wesentlichen Zentimeter knapper.  <\/p>\n<p><a id=\"kapitel-4\" class=\"anchor\"\/>B\u00fcgeln mit spiritueller Verbindung<\/p>\n<p>Eros und Thanatos, Nacktheit und Schmerz, die Verletzung \u2013 das kann Abramovic. Die \u201eHeilung\u201c all dessen, der sie sich im sp\u00e4teren Werk zuwandte, ist um einiges schwieriger. Da scheinen dann die Gef\u00fchle weniger universell zu sein. Unter einer Kuppel aus Amethyst und in klobigen Kristall-Schlapfen steckend f\u00fchlt nun einmal nicht jeder dasselbe. Manche vielleicht \u00fcberhaupt nichts. <\/p>\n<p>Was rettet, ist ihr Humor: Mit einer langgezogenen roten Energie-Spitzm\u00fctze am Haupt, die sie mit dem Universum verbindet, l\u00e4sst sich gut die Augen schlie\u00dfen. Aber auch, wie ein Foto zeigt, sehr gut b\u00fcgeln.<\/p>\n<p>              Zur Ausstellung<\/p>\n<p><strong>Bis 1. M\u00e4rz,<\/strong> t\u00e4glich 10-18 Uhr, Albertina Modern, Karlsplatz. <a href=\"https:\/\/www.albertina.at\/albertina-modern\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.albertina.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die K\u00fcnstlerin war abwesend, muss man in Anlehnung an die Performance im New Yorker MoMA sagen, die Marina&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":489490,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,2076,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-489489","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-ausstellung","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-kunst-und-design","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115353558996825535","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=489489"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489489\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/489490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=489489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=489489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=489489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}