{"id":48950,"date":"2025-04-21T07:45:08","date_gmt":"2025-04-21T07:45:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48950\/"},"modified":"2025-04-21T07:45:08","modified_gmt":"2025-04-21T07:45:08","slug":"schlacht-um-bautzen-vor-80-jahren-der-letzte-sieg-der-wehrmacht-im-zweiten-weltkrieg-ist-ein-sinnloser-opfergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48950\/","title":{"rendered":"Schlacht um Bautzen vor 80 Jahren: Der letzte Sieg der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist ein sinnloser Opfergang"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fr\u00fchjahr 1945: Das Deutsche Reich steht kurz vor dem Zusammenbruch. W\u00e4hrend die Schlacht um Berlin tobt, erleidet die Rote Armee eine unerwartete Niederlage. Bei Bautzen feiert die Wehrmacht einen letzten grausamen Triumph. Mehr als 17.000 Menschen m\u00fcssen daf\u00fcr sterben.<\/strong><\/p>\n<p>Am Mittag des 21. April 1945 liegen dichte Rauchschwaden \u00fcber Bautzen. In den Stra\u00dfen der osts\u00e4chsischen Stadt hallen Detonationen und Gewehrsch\u00fcsse wider, w\u00e4hrend sich sowjetische Sturmtruppen Haus um Haus ins Zentrum vork\u00e4mpfen. Doch anders als in Berlin, wo Hitlers Truppen kurz vor der endg\u00fcltigen Niederlage stehen, wendet sich hier das Blatt. <\/p>\n<p>&#8222;In der Schlacht um Bautzen errang die deutsche Wehrmacht einen letzten, jedoch bedeutungslosen Sieg&#8220;, sagt der Historiker Stefan Maximilian Brenner im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Der &#8222;\u00f6rtliche Erfolg&#8220; habe den Kriegsverlauf nicht beeinflusst, stattdessen aber noch Tausenden Menschen das Leben gekostet. &#8222;Es war ein sinnloser Opfergang&#8220;, fasst der Historiker am Kommando Heer zusammen.<\/p>\n<p>In den Planungen der deutschen und sowjetischen F\u00fchrungsst\u00e4be spielt ein milit\u00e4risches Aufeinandertreffen bei Bautzen gar keine Rolle. Das Hauptaugenmerk liegt auf Berlin. Am 16. April 1945 setzt die Rote Armee an der Oder mit einem Millionenheer zum Sturm auf die Reichshauptstadt an. Parallel dazu \u00fcberqueren die 52. sowjetische Armee und die 2. polnische Armee die Nei\u00dfe und sto\u00dfen nach Ostsachsen in Richtung Dresden vor. Ihre Aufgabe ist es, die s\u00fcdliche Angriffszange der &#8222;Berliner Operation&#8220; zu decken. Eines der Etappenziele: Bautzen.<\/p>\n<p>Schlacht ist dem Zufall geschuldet<\/p>\n<p>Die \u00dcbermacht der Sowjets und Polen scheint mit mehr als 120.000 Soldaten erdr\u00fcckend. Doch der Schein tr\u00fcgt. Die 52. Armee unter Befehlshaber Konstantin Korotejew ist durch vergangene Schlachten personell und materiell stark geschw\u00e4cht. Unwesentlich besser sieht es bei den Polen aus: Sie f\u00fchren 400 Panzer aus sowjetischen Best\u00e4nden ins Feld. Allerdings dienen unter General Karol \u015awierczewski \u00fcberwiegend unerfahrene und schlecht ausgebildete Soldaten. Zudem k\u00f6nnen beide Armeen nicht auf gro\u00dfe Reserven zur\u00fcckgreifen. Diese werden f\u00fcr die Offensive auf Berlin ben\u00f6tigt. Mit nennenswertem Widerstand rechnet die Rote Armee in Ostsachsen nicht. <\/p>\n<p>Doch das ist ein Irrtum. Die Verteidigung der Oberlausitz obliegt der 4. Panzerarmee mit etwa 50.000 Mann unter General Fritz-Hubert Gr\u00e4ser. Unter seinem Kommando stehen einige NS-Vorzeigeverb\u00e4nde wie die Fallschirm-Panzerdivision Hermann G\u00f6ring und die Panzergrenadierdivision Brandenburg. Gr\u00e4sers Divisionen sind dezimiert und haben nur noch die St\u00e4rke von Bataillonen. Zudem sind Munition und Treibstoff knapp. Aber noch hat die 4. Armee 350 gepanzerte Fahrzeuge &#8211; mehr als die Verteidiger von Berlin. <\/p>\n<p>&#8222;Die deutschen Truppen waren in dieser Endphase des Krieges zutiefst demoralisiert&#8220;, sagt Brenner. &#8222;Dennoch k\u00e4mpften viele Soldaten weiter. Sie f\u00fcrchteten die Standgerichte, welche Fahnenfl\u00fcchtige innerhalb k\u00fcrzester Zeit zum Tode verurteilten.&#8220; Zudem habe die NS-Propaganda tats\u00e4chliche, aber auch erfundene Gr\u00e4ueltaten \u00fcber Rotarmisten verbreitet und damit den Kampfwillen ein letztes Mal angeheizt. &#8222;Auch die Furcht vor Rache wegen fr\u00fcherer deutscher Verbrechen im Osten spielte eine Rolle.&#8220;<\/p>\n<p> Deutscher Flankenangriff \u00fcberrascht die Polen<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst l\u00e4uft f\u00fcr die Rote Armee alles wie geplant. Nach \u00dcberquerung der Nei\u00dfe durchbrechen die 52. und die 2. Armee die d\u00fcnnen deutschen Verteidigungslinien. Abgesehen von kurzzeitig aufflammenden Abwehrversuchen scheint die Wehrmacht zu keinem nennenswerten Widerstand f\u00e4hig zu sein. Die Ortschaften Muskau und Rothenburg werden \u00fcberrannt, Wei\u00dfenberg f\u00e4llt nach kurzem Kampf. <\/p>\n<p>Am 19. April erreichen sowjetische Truppen Bautzen und kesseln die Stadt ein. Etwa 1200 Verteidiger von Wehrmacht, Volkssturm und Hitlerjugend verschanzen sich auf der Rotenburg, einer mittelalterlichen Burganlage am Spreeufer. Eine Kapitulation der Eingeschlossenen scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend in Bautzen die Stra\u00dfenk\u00e4mpfe toben, machen sich polnische Einheiten auf den Weg nach Dresden. Mit dem hohen Tempo der Angriffsspitze kann die Nachhut nicht Schritt halten und f\u00e4llt zur\u00fcck. Dies bleibt auch Gr\u00e4ser nicht verborgen. Der General dirigiert seine Truppen in die L\u00fccke der polnischen Verb\u00e4nde.<\/p>\n<p>Der deutsche Gegensto\u00df bei Niesky trifft die Polen v\u00f6llig unvorbereitet. \u015awierczewski verliert den \u00dcberblick und l\u00e4sst zun\u00e4chst nur einen Teil seiner Angriffsspitze umkehren, um nicht abgeschnitten zu werden. Doch seinen schlecht ausgebildeten Offizieren unterlaufen taktische Fehler. Die polnischen Truppen geraten in Unordnung und erleiden schwere Verluste. Der Vorsto\u00df auf Dresden ger\u00e4t damit zur Nebensache. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich \u015awierczewskis Armee neu organisiert, ersp\u00e4hen deutsche Aufkl\u00e4rungstrupps eine gro\u00dfe Ansammlung polnischer Kr\u00e4fte bei F\u00f6rstgen und Weigersdorf. Im Eilmarsch beordert Gr\u00e4ser seine Einheiten zu einer weiteren Attacke.<\/p>\n<p>Massaker auf beiden Seiten<\/p>\n<p>&#8222;Die Stunde der Rache ist gekommen! In konzentrischen Angriffen werden wir die bolschewistische Soldateska vernichten!&#8220;, heizt Gr\u00e4ser die Stimmung in seinem Tagesbefehl am 22. April an. &#8222;Die Sowjets sind eingekesselt. Vergeltet an ihnen, was sie unserem Volke angetan haben! Jetzt gibt es kein Pardon mehr!&#8220;<\/p>\n<p>Gr\u00e4sers M\u00e4nner nehmen ihren Befehlshaber beim Wort. In Guttau ermorden deutsche Soldaten \u00c4rzte, Krankenschwestern und die Verwundeten eines polnischen Feldlazaretts, in Horka (damals Wehrkirch) bringen sie 300 polnische Verwundete um. Bei Wuischke t\u00f6tet ein Feldgendarmerie-Trupp des Panzerkorps &#8222;Gro\u00dfdeutschland&#8220; in einem Waldst\u00fcck 80 Unbewaffnete per Kopfschuss. Die Opfer sind sowjetische Gefangene und deutsche Fahnenfl\u00fcchtige.<\/p>\n<p>&#8222;Diese Feldgendarmerie-Einheit handelte entweder auf direkte Anordnung oder zumindest mit Zustimmung Gr\u00e4sers&#8220;, sagt Historiker Brenner. &#8222;Der Trupp machte sich nicht einmal die M\u00fche, die Leichen zu verscharren.&#8220; Massaker gibt es aber nicht nur auf deutscher Seite. Bei Niederkaina richten sowjetische Soldaten etwa 200 Volkssturmleute hin.<\/p>\n<p>Nach den erfolgreichen deutschen Flankenangriffen geraten auch die sowjetischen Angreifer in Bautzen in Bedr\u00e4ngnis. Am 23. April erreichen deutsche Soldaten die Stadt und fallen den Einheiten der 52. Armee in den R\u00fccken. Um nicht selbst eingekesselt zu werden, ziehen sich die letzten Rotarmisten drei Tage sp\u00e4ter aus der Stadt zur\u00fcck und weichen nach Norden aus. Zu diesem Zeitpunkt ist auch Wei\u00dfenberg wieder unter deutscher Kontrolle. Die Schlacht ist damit entschieden &#8211; bis Kriegsende bleibt die Region um Bautzen in der Hand der Wehrmacht.<\/p>\n<p>Die Verluste sind betr\u00e4chtlich. Die 2. polnische Armee und die sowjetische 52. Armee z\u00e4hlen etwa 11.000 Tote und 21.000 Verwundete. Auf deutscher Seite fallen rund 6500 Soldaten, hinzu kommen 9000 Verwundete. Zwei Wochen nach dem Sieg bei Bautzen kapituliert die Wehrmacht bedingungslos. Das Abschlachten ist vorbei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fr\u00fchjahr 1945: Das Deutsche Reich steht kurz vor dem Zusammenbruch. 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