{"id":48973,"date":"2025-04-21T07:58:12","date_gmt":"2025-04-21T07:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48973\/"},"modified":"2025-04-21T07:58:12","modified_gmt":"2025-04-21T07:58:12","slug":"dr-johannes-sabel-warum-so-schweigsam-skepsis-und-auferstehungshoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/48973\/","title":{"rendered":"Dr. Johannes Sabel: Warum so schweigsam? Skepsis und Auferstehungshoffnung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Dr. Johannes Sabel\" alt=\"Dr. Johannes Sabel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/csm_2025-04-16-Sabel-FHH-Teaser_9496153284.jpg\" width=\"300\" height=\"173\"\/><\/p>\n<p>Dr. Johannes Sabel<\/p>\n<p>\u00a9 Privat<\/p>\n<p>\u201eErl\u00f6ster m\u00fcssten sie mir aussehen.\u201c Friedrich Nietzsches Spott gegen die Christ:innen und ihre Selbstdistanzierung vom Kern ihres Glaubens trifft tief \u2013 bis heute. Ostern, das Fest der Auferstehung, steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Die gro\u00dfe Hoffnung, die die Welt verwandeln will. Doch nicht nur zur Zeit Nietzsches wirkt es, als w\u00fcrde sie fast schamhaft verschwiegen. \u201eIch glaube an die Auferstehung der Toten\u201c \u2013 gemurmelt im Credo, aber noch geglaubt? Gesellschaftlich nahezu unsichtbar, politisch irrelevant. Warum ist das so?<\/p>\n<p>Man kann auf den umfassenden Prozess der S\u00e4kularisierung verweisen. Die religi\u00f6sen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten sind verschwunden, der Glaube bei weitem kein gemeinsamer Horizont mehr. Doch das erkl\u00e4rt nicht alles. Das Schweigen reicht tiefer. Denn es scheint, dass sich auch aktive Christ:innen mit der Auferstehungshoffnung schwertun. Kann es sein, dass die Privatisierung und Verinnerlichung des Auferstehungsglaubens nicht nur ein Prozess der modernen Individualisierung, sondern zugleich auch eine Art der \u201eMythologisierung\u201c ist? N\u00e4mlich hin zu der Auffassung, dass es in der christlichen Auferstehungshoffnung zuerst um das individuelle Heil des Einzelnen im Jenseits ginge?\u00a0 Ist dann die Distanz zu dieser Auferstehungshoffnung weniger Zeichen des Unglaubens, sondern Ausdruck einer begr\u00fcndeten \u2013 wenn auch eher intuitiven \u2013 Skepsis?\u00a0<\/p>\n<p>In der Moderne hat sich ein Bild verfestigt, das den urspr\u00fcnglich \u00f6ffentlichen \u201eSkandal\u201c und die gesellschaftliche Dimension von Ostern verstellt hat. Die Auferstehung reduziert auf ein individuelles Jenseitsversprechen, eine Art seelisches Fortleben f\u00fcr Fromme. Eine stille Versicherung gegen das eigene Ende. Doch das war nicht der Ursprung. Der Auferstehungsglaube entstand nicht im Innern der Seelen, sondern im Angesicht zerschlagener Hoffnungen auf ein gerechteres, auf ein besseres, auf ein w\u00fcrdigeres Leben, das Jesus verk\u00fcndete und realisierte.<\/p>\n<p>Die Osterhoffnung basierte auf einer Erfahrung, an die wir heute nicht mehr einfach heranreichen k\u00f6nnen. Es ist die Erfahrung der J\u00fcnger:innen, dass, so wird es \u00fcberliefert, Jesus Christus leibhaftig auferstanden ist. Die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind zutiefst ersch\u00fcttert und ver\u00e4ngstigt. Ihnen ist etwas widerfahren, was absolut neu und unerwartet war. Was wir wissen ist, dass diese Erfahrung schnell \u00f6ffentlich sichtbar gemacht wurde, in die \u00d6ffentlichkeit dr\u00e4ngte. Die J\u00fcnger:innen trugen das, was sie erlebt hatten, weiter, sie mussten es weitererz\u00e4hlen. Es wurde in der Jesusbewegung weitergegeben und es sollte nach und nach \u2013 insbesondere durch Paulus \u2013 alle Menschen erreichen. Die Auferstehungserz\u00e4hlung war darin auch kollektive Widerstanderz\u00e4hlung gegen eine \u00dcbermacht, die den Tod als Instrument der Herrschaft einsetzt, die r\u00f6mische Besatzungsmacht in Allianz mit den innerj\u00fcdischen Gegnern der \u201eJesusbewegung\u201c, die den Meister ans Kreuz geschlagen hatten. In dieser konkreten politisch-gesellschaftlichen Konstellation im ersten Jahrhundert nach Christus hat die Auferstehungshoffnung also ihren \u201eSitz im Leben\u201c. Sie war weit weg davon, individuelles Jenseitsversprechen zu sein, sondern hatte eine eminent politische und gemeinschaftliche Dimension: Weil der Tod eben nicht das letzte Wort hat, kann Gerechtigkeit auch den Toten noch widerfahren. Das sprengte die Macht des Todes als Schlussstrich der Sieger.\u00a0<\/p>\n<p>Eine solche Hoffnung l\u00e4sst sich nicht ins Private einhegen. Und wenn man es tut, wie es in der modernen Entwicklung des Christentums geschehen ist, merkt man ihr ihre Verzerrung an. Sie bleibt viel zu sperrig, um als individuelles Seelenheil alleine zu bestehen. Und das merken wir.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn wir als Christ:innen die Auferstehungshoffnung ernst nehmen, dann muss sie \u00f6ffentlich erkennbar sein: Denn das ist ihr Ursprung, ihre unverkennbare Signatur. Sie wird \u00f6ffentlich, sie meint das Ganze der Welt und die Menschen, die in dieser leben, im Protest gegen die gro\u00dfe Selbstverst\u00e4ndlichkeit, in der die Geschichte und die in ihr geschehenen Leidenserfahrungen und Lebensabbr\u00fcche als abgeschlossen, als erledigt verstanden werden. Die Osterhoffnung ist also nicht etwa eine besonders anspruchsvolle Theorie, und sie ist vielleicht auch nicht zuerst etwas \u201eGeglaubtes\u201c. Sie ist ein Weltverh\u00e4ltnis, das sich der Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den kleinen und gro\u00dfen Zwangl\u00e4ufigkeiten verweigert: besonders dann, wenn die humanen \u201eKollateralsch\u00e4den\u201c unseres Fortschritts als notwendige Kosten akzeptiert und vergessen werden. Auferstehung hei\u00dft, dass Gott die Toten nicht in Ruhe l\u00e4sst \u2013 und unsere Hoffnung besteht genau darin: \u201eAuferstehung hei\u00dft: Das letzte Wort ist nicht gesprochen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dr. Johannes Sabel \u00a9 Privat \u201eErl\u00f6ster m\u00fcssten sie mir aussehen.\u201c Friedrich Nietzsches Spott gegen die Christ:innen und ihre&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":48974,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[9518,23794,3364,29,23795,30,23793,8970,1209,2454],"class_list":{"0":"post-48973","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-auferstehung","9":"tag-bistum-muenster","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-dr-johannes-sabel","13":"tag-germany","14":"tag-montagsmeinung","15":"tag-muenster","16":"tag-nordrhein-westfalen","17":"tag-ostern"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114374895446483654","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48973"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48973\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/48974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}