{"id":49002,"date":"2025-04-21T08:15:11","date_gmt":"2025-04-21T08:15:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49002\/"},"modified":"2025-04-21T08:15:11","modified_gmt":"2025-04-21T08:15:11","slug":"realitaet-wird-zur-zumutung-deutschland-sucht-orientierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49002\/","title":{"rendered":"Realit\u00e4t wird zur Zumutung: Deutschland sucht Orientierung"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Master_Jehle-dbc2774ba49a7d92.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"KI-generierte Illustration zeigt einen Mann im Anzug, der sich am Kopf kratzt, im Bild zu sehen,: Stra\u00dfensch\u00e4den, ein Fernsehger\u00e4t, kaputte, unleserliche Hinweisschilder, Baustellenkr\u00e4ne\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">KI-generierte Illustration<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Moderne Wissenschaft, marode Verwaltung und mediale Inszenierung \u2013 ein Kommentar zur Krise der Orientierung in Zeiten scheinbarer Aufkl\u00e4rung. Was passiert, wenn Illusionen br\u00f6ckeln?<\/p>\n<p>Je mehr man dank immer besserer wissenschaftlicher Methodik \u00fcber die Welt und ihre Zusammenh\u00e4nge erfahren kann, desto komplizierter erscheinen viele Strukturen und als sicher geglaubte Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten verlieren scheinbar pl\u00f6tzlich ihre Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Land der Schlagl\u00f6cher \u2013 und Schuldenl\u00f6sungen<\/p>\n<p>Ein typisches Beispiel f\u00fcr diesen Stabilit\u00e4tsverlust zeigt sich an der deutschen Verkehrsinfrastruktur, die einerseits f\u00fcr eine deutlich geringere Belastung geplant worden war und die jetzt ganz offensichtlich in die Jahre gekommen ist und ert\u00fcchtigt oder ganz neu aufgebaut werden muss.<\/p>\n<p>Das trifft die Bahn ebenso wie die Stra\u00dfen aller Kategorien. Bei Kommunalstra\u00dfen hilft man sich oftmals mit Hinweisschildern auf bestehende Stra\u00dfensch\u00e4den, wenn das Geld f\u00fcr Reparaturen fehlt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00fcbergeordneten Verkehrswege soll jetzt ein <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/deutschland\/sondervermoegen-infrastruktur-deutschland-verkehr-energie-bildung-digitalisierung-100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Sonderverm\u00f6gen<\/a> aktiviert werden, damit geliehenes Geld die Rettung bringen kann.<\/p>\n<p>Wie der Staat die Realit\u00e4t nachbucht<\/p>\n<p>Dass auch die Infrastruktur im Laufe ihrer Zeit ebenso degradiert wie die Menschen, wollte man \u00fcber Jahrzehnte nicht wahrnehmen und die kameralistische Buchf\u00fchrung (<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Staat\/Oeffentliche-Finanzen\/Glossar\/kameralistik.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Kameralistik<\/a>) als prim\u00e4r in der \u00f6ffentlichen Verwaltung angewendetes Buchf\u00fchrungsverfahren hat diese Denkweise auch unterf\u00fcttert.<\/p>\n<p>Mit dem Umstieg auf die <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Staat\/Oeffentliche-Finanzen\/Glossar\/doppelte-buchfuehrung-doppik.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Doppik<\/a> in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, die auf den Prinzipien der kaufm\u00e4nnischen Buchf\u00fchrung nach Handelsgesetzbuch beruht, hat man sich der wirtschaftlichen Realit\u00e4t inzwischen vielfach angen\u00e4hert.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass die damit realisierbaren Abschreibungen auch erwirtschaftet werden m\u00fcssen, hat so manchem K\u00e4mmerer schlaflose N\u00e4chte bereitet.<\/p>\n<p>Wenn das Fernsehen die Lebenswirklichkeit vorspiegelt<\/p>\n<p>Mit dem deutschen Wirtschaftswunder hat das zuerst nur \u00f6ffentlich-rechtliche Schwarz-Wei\u00df-Fernsehen die heimischen Wohnzimmer erobert und mit dem Farbfernsehen ab dem <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Bilderstrecken\/Sondermarken\/Programm_2017\/Briefmarken_Programm_2017\/1708_Farbfernsehen.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">25. August 1967<\/a> dann die vermeintliche Wirklichkeit noch realistischer zu Hause abgeliefert.<\/p>\n<p>Die Referenzquelle f\u00fcr die Wirklichkeit wurde nach der Tagesschau und dann den Tagesthemen f\u00fcr die \u00e4lteren Generationen die heute-Alternative des Zweiten, mit dem man angeblich noch besser sehen konnte.<\/p>\n<p>Die raue Wirklichkeit wurde dann bald und in steter Regelm\u00e4\u00dfigkeit von den unterschiedlichsten landestypischen Tatorten geboten, wo dann haupts\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/article250425876\/Auswertung-Beim-ARD-Tatort-morden-meist-Unternehmer-Manager-oder-Selbstaendige.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Unternehmer, Manager und Selbstst\u00e4ndige<\/a> die typischen M\u00f6rder darstellten und das gemeine TV-Publikum nicht unter Verdacht geriet.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen von Social-Media sah sich auch die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien herausgefordert, die Wirklichkeit in den Nachrichtensendungen und den bei Bedarf eingeschobenen Sondersendungen nachzusch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Wer wollte, konnte sich die TV-Eindr\u00fccke aus fremden Welten dann auch in unz\u00e4hligen Pauschalreisen best\u00e4tigen lassen, wo man in deutschen Ressorts bei Eisbein und Sauerkraut der lokalen Kultur scheinbar n\u00e4her kommen konnte und nebenbei feststellen konnte, dass die Ziell\u00e4nder der TV-gen\u00e4hrten Sehnsucht au\u00dferhalb der besuchten touristischen Blase dann nur wenig mit der TV-Idylle gemein hatten.<\/p>\n<p>Warum Wissenschaft f\u00fcr Unsicherheit sorgt<\/p>\n<p>Abseits der TV-Wirklichkeit sah sich das verw\u00f6hnte Publikum dann jedoch immer wieder mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen konfrontiert, die keineswegs so statisch fixiert wie die TV-Traumwelt waren und bei welchen der fachliche Fortschritt seine gewachsene Weltsicht durchaus ins Wanken bringen konnte.<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig war dies zuletzt im Falle der Corona-Pandemie, bei der sich die wissenschaftliche Fachwelt erst langsam zu gut begr\u00fcndeten L\u00f6sungsans\u00e4tzen vorarbeitete.<\/p>\n<p>Politische Stakeholder, welche die notwendige Geduld glaubten, nicht aufbringen zu k\u00f6nnen, haben damals gerne Zwischenergebnisse verabsolutiert und die wissenschaftliche Weiterentwicklung ignoriert. Dabei wurde v\u00f6llig ausgeblendet, dass Wissenschaft ein Prozess ist und kein starres System.<\/p>\n<p>Die somit bestehende Volatilit\u00e4t der wissenschaftlichen Ergebnisse sorgte bei zahlreichen Beobachtern, die mit wissenschaftlichen Methoden nicht so vertraut waren, f\u00fcr zunehmende Unsicherheit und man sehnte sich zur\u00fcck nach Autorit\u00e4ten, denen man blind vertrauen konnte.<\/p>\n<p>Dass man sich dabei faktisch ein \u00fcberkommenes Gottvertrauen zur\u00fcckw\u00fcnschte, bei welchem man sich auf die Interpretationen, welche die Geistlichkeit von der Kanzel predigte, wurde gerne \u00fcbersehen. Dabei bot die kirchliche Lehre vielmals eine starke Gl\u00e4ttung aller Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>B\u00fcrokratieabbau nimmt Rechtssicherheit<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dftes Hindernis f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung wird oftmals die scheinbar \u00fcberbordende B\u00fcrokratie beschrieben, doch in der Praxis beginnt dann mit dem vermeintlichen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/windraeder-buerokratie-chaos-li.3235344\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcrokratieabbau<\/a> das reine Chaos.<\/p>\n<p>Ein geradezu typisches Beispiel daf\u00fcr lieferte die Ampelkoalition mit einer Gesetzes\u00e4nderung, die den Betreibern von Windr\u00e4dern das Leben leichter machen sollte, die jedoch das glatte Gegenteil bewirkte und daf\u00fcr sorgte, dass nun unz\u00e4hlige schon genehmigte Projekte auf Eis liegen.<\/p>\n<p>Bei der \u00c4nderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes, die unter anderem den Bau neuer Windr\u00e4der erleichtern sollte, wurde damals noch eine Erg\u00e4nzung eingef\u00fcgt, die ganz unb\u00fcrokratisch Abweichungen von den urspr\u00fcnglichen Planungen erleichtern sollte.<\/p>\n<p>Wird eine genehmigte Anlage ein paar Meter vom urspr\u00fcnglichen Platz entfernt gebaut, braucht es keine neue Genehmigung mehr. Das Gleiche gilt, wenn sie bis zu 20 Meter h\u00f6her wird als eigentlich geplant.<\/p>\n<p>In der Praxis sorgte sich dann jedoch beispielsweise die Bundeswehr, die Nachteile f\u00fcr den Flugradar f\u00fcrchtete, wenn die M\u00f6glichkeit bestehen k\u00f6nnte, dass die Anlagen h\u00f6her ausfallen w\u00fcrden, als urspr\u00fcnglich genehmigt und das unabh\u00e4ngig davon, ob die Anlagen wirklich h\u00f6her gebaut werden.<\/p>\n<p>So sorgte ein B\u00fcrokratieabbau letztlich f\u00fcr einen Abbau der gewohnten Rechtssicherheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"KI-generierte Illustration Moderne Wissenschaft, marode Verwaltung und mediale Inszenierung \u2013 ein Kommentar zur Krise der Orientierung in Zeiten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":49003,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,1098,162,3364,29,23799,30,13,5544,14,3923,15,3921,12,17075,8135,193],"class_list":{"0":"post-49002","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-buerokratie","13":"tag-coronavirus","14":"tag-de","15":"tag-deutschland","16":"tag-deutschland-medien","17":"tag-germany","18":"tag-headlines","19":"tag-infrastruktur","20":"tag-nachrichten","21":"tag-nachrichten-aus-deutschland","22":"tag-news","23":"tag-news-aus-deutschland","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-verwaltung","26":"tag-wirtschaftskrise","27":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114374962342806586","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49002","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49002"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49002\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49003"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49002"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49002"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49002"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}