{"id":490070,"date":"2025-10-11T09:25:14","date_gmt":"2025-10-11T09:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490070\/"},"modified":"2025-10-11T09:25:14","modified_gmt":"2025-10-11T09:25:14","slug":"hofjaegerallee-in-berlin-wird-helmut-kohl-allee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490070\/","title":{"rendered":"Hofj\u00e4gerallee in Berlin wird Helmut-Kohl-Allee"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wolf Jobst Siedler war seiner Zeit voraus. In einem Beitrag f\u00fcr die F.A.Z., der am 8. September 1990 ver\u00f6ffentlicht wurde, kritisierte er den geschichtsvergessenen Umgang mit Stra\u00dfennamen in Berlin. \u201eAber hat man 1945 nicht zwei der traditionsreichsten Stra\u00dfen der klassischen Epoche Berlins, die Tiergartenalleen Unter den Zelten und Hofj\u00e4gerallee, ebenfalls umbenannt in John-Foster-Dulles-Allee und Klingelh\u00f6fer\u00adallee?\u201c Der Kenner der Berliner Ar\u00adchitekturgeschichte und beherzte Ver\u00adteidiger von Putten, Stuck und anderem gr\u00fcnderzeitlichen Stadtmobiliar hatte sich vordergr\u00fcndig get\u00e4uscht; beide Stra\u00dfennamen, teilweise nicht ganz richtig wiedergegeben, gab es damals noch, doch sollte sich der vermeintliche Irrtum als Prophetie erweisen, die in diesem Jahr endg\u00fcltig in Erf\u00fcllung zu gehen scheint.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die John-Foster-Dulles-Allee, deren einziger Anlieger das Haus der Kulturen der Welt in der 1957 mit amerikanischem Geld erbauten Kongresshalle ist, war 1959 nach dem im selben Jahr verstorbenen amerikanischen Au\u00dfenminister benannt worden, vielleicht etwas zu schnell. Zuvor hie\u00df sie seit 1832 Zelten\u00adallee, nach den Bier- und Weinzelten im Spreebogen, die ein beliebtes Ausflugsziel waren. Die benachbarte und ebenfalls 1832 benannte, seit 1945 weitgehend unbewohnte Stra\u00dfe In den Zelten stand noch lange nach 1990 auf Stra\u00dfenschildern, wurde aber \u00fcberbaut und 2002 endg\u00fcltig eingezogen; heute steht dort das Bundeskanzleramt, eine architektonische Hinterlassenschaft von Helmut Kohl, auch wenn der 1998 abgew\u00e4hlte Bundeskanzler nie dort einziehen durfte.<\/p>\n<p>Das \u00f6stliche Jagdrevier<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Hofj\u00e4gerallee verwechselte Siedler mit ihrer s\u00fcdlichen Verl\u00e4ngerung; diese hie\u00df von 1874 bis 1961 Friedrich-Wilhelm-Stra\u00dfe, nach dem beliebten preu\u00dfischen Kronprinzen, der dann 99 Tage der sterbenskranke Kaiser Friedrich III. war. Da an Friedrichs und \u00adWilhelms im Berliner Schilderwald kein Mangel bestand, war die Umbenennung nach dem kurz zuvor verstorbenen \u00adsozialdemokratischen Politiker Gustav Klingelh\u00f6fer, einem Weggef\u00e4hrten Ernst Reuters und erstem Wirt\u00adschafts\u00adsena\u00adtor von Berlin, noch zu verschmerzen. Und zudem eine 1961 unvorher\u00adsehbare Pointe, denn Klingelh\u00f6ferstra\u00dfe 8 ist seit 2000 die offizielle Anschrift der Konrad-Adenauer-Haus genannten Bundesgesch\u00e4ftsstelle der CDU. Jetzt wird die Hofj\u00e4gerallee tats\u00e4chlich umbenannt. Der ungew\u00f6hnliche Name erinnert seit 1832 an die Dienstwohnung des Hofj\u00e4gers und damit das kurf\u00fcrstlich-k\u00f6nigliche Jagdrevier im Osten des fr\u00fcher viel gr\u00f6\u00dferen Grunewalds, aus dem dann der Gro\u00dfe Tiergarten wurde. Der Berliner Senat hat angek\u00fcndigt, dass die Stra\u00dfe zum 35. Jahrestag der Wiedervereinigung in Helmut-Kohl-Allee umbenannt wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die V\u00f6lker der Welt schauen auf diese Stadt, um sich \u00fcber den Stand der deutschen Geschichtspolitik zu informieren. 1968 meldete die \u201eNew York Times\u201c die R\u00fcckbenennung des Adenauerdamms in Kaiserdamm.\" height=\"507\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/die-voelker-der-welt-schauen.jpg\" width=\"241\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Die V\u00f6lker der Welt schauen auf diese Stadt, um sich \u00fcber den Stand der deutschen Geschichtspolitik zu informieren. 1968 meldete die \u201eNew York Times\u201c die R\u00fcckbenennung des Adenauerdamms in Kaiserdamm.The New York Times Company<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin Kai Wegner, der sich 1990 erste politische Sporen in der Berliner Sch\u00fcler-Union verdiente, h\u00e4lt in diesem Fall, was er verspricht; die Benennung einer Stra\u00dfe nach Helmut Kohl steht seit 2023 im Koalitionsvertrag des von ihm gef\u00fchrten Senats. Dieser scheint offensichtlich Sinn f\u00fcr Humor zu haben. Wie <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Helmut Kohl\" data-rtr-id=\"3874c485a8f0bc959181006b55dde1532fbb1878\" data-rtr-score=\"62.33057851239669\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/helmut-kohl\" title=\"Helmut Kohl\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Helmut Kohls<\/a> Planung eher unbeabsichtigt eine ganze historische Stra\u00dfe beseitigte, so ersetzt nun der Name des zweifelsohne verdienten und stra\u00dfennamenw\u00fcrdigen Kanzlers, der lange f\u00fcr sein Interesse an Berlin bel\u00e4chelt wurde, den n\u00e4chsten historischen Stra\u00dfennamen \u2013 wie von Siedler vorausschauend beklagt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sp\u00f6tter m\u00f6gen vermuten, Christdemokrat Wegner habe die N\u00e4he der Zentrale seiner Partei im Auge; in Bonn befand sich das 2003 abgerissene erste Konrad-Adenauer-Haus von 1971 in der Friedrich-Ebert-Allee. Mit der W\u00fcrdigung von Bundeskanzlern hat Berlin kein Gl\u00fcck; 1967 war unmittelbar nach dem Tod des ersten Kanzlers der Kaiserdamm im Bezirk Charlottenburg einschlie\u00dflich eines U-Bahnhofs in Adenauerdamm umbenannt worden. Dagegen formierte sich unerwarteter und bis dahin in diesem Ausma\u00df unbekannter Protest nicht nur der allerdings zahlreichen Anlieger; nach nicht einmal neun Monaten kehrte 1968 der alte Stra\u00dfenname zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Bei der Hofj\u00e4gerallee kann so etwas nicht passieren; die Stra\u00dfe, im Wesentlichen eine Zufahrtsstra\u00dfe auf den von Albert Speer gestalteten Gro\u00dfen Stern mit der Siegess\u00e4ule, hat keine Anwohner. Die \u201egro\u00dfe Stra\u00dfe f\u00fcr einen gro\u00dfen Mann\u201c (Kai Wegner) erweist sich so als Weg des geringsten Widerstandes; po\u00adlitische Bequemlichkeit bewirkt historischen Kollateralschaden. Ein besseres Gleichnis f\u00fcr Stadtplanung in der von ihm so benannten \u201egeschundenen Me\u00adtro\u00adpole\u201c Berlin h\u00e4tte sich Siedler kaum ausdenken k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wolf Jobst Siedler war seiner Zeit voraus. In einem Beitrag f\u00fcr die F.A.Z., der am 8. 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