{"id":490149,"date":"2025-10-11T10:10:13","date_gmt":"2025-10-11T10:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490149\/"},"modified":"2025-10-11T10:10:13","modified_gmt":"2025-10-11T10:10:13","slug":"hans-werner-sinn-mahnt-europa-muss-sein-schicksal-endlich-selbst-in-die-hand-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490149\/","title":{"rendered":"Hans-Werner Sinn mahnt: Europa muss sein Schicksal endlich selbst in die Hand nehmen"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-introduction\"><strong>\u00d6konom Hans-Werner Sinn warnt vor Europas Schw\u00e4che und fordert eine politische Union mit gemeinsamer Armee \u2013 als Schutzschild gegen Putin und Trump.<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00d6konom Hans-Werner Sinn, einer der einflussreichsten deutschen Wirtschaftswissenschaftler der vergangenen Jahrzehnte, warnt in seinem neuen Buch \u201eTrump, Putin und die Vereinigten Staaten von Europa\u201c, das am kommenden Montag erscheint, vor einer tektonischen Verschiebung der globalen Machtverh\u00e4ltnisse \u2013 und vor einem existenziellen Vers\u00e4umnis Europas.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/mehr-wirtschaft\/hans-werner-sinn-im-interview-europa-muss-politische-union-mit-eigener-armee-werden-accg-110723853.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Im Gespr\u00e4ch mit der FAZ<\/a>\u00a0formuliert der langj\u00e4hrige ifo-Pr\u00e4sident seine Thesen mit einer Klarheit, die provoziert. Im Kern geht es ihm um zwei Dinge: den Wiederaufbau der \u00f6konomischen Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas \u2013 und die Schaffung einer politischen Union mit gemeinsamer Armee.<\/p>\n<p><strong>Europas Schw\u00e4che: Wohlstandsgesellschaft statt Dynamik<\/strong><\/p>\n<p>\u201eZiemlich schlimm\u201c, lautet Sinns ern\u00fcchterndes Urteil \u00fcber die aktuelle Lage von Deutschland und Europa. Die Bev\u00f6lkerung sei \u00fcberaltert, die Geburtenraten zu niedrig, die Schulen nicht konkurrenzf\u00e4hig, die Infrastruktur verlottert. Mit der politischen und wirtschaftlichen Dynamik anderer Weltregionen k\u00f6nne man so nicht mithalten.<\/p>\n<p>Die EU habe sich durch Kommission, Parlament und industriepolitische Interessen in ein System man\u00f6vriert, das Anreize schw\u00e4che und Wettbewerbsf\u00e4higkeit unterminiere. Sinn sieht auch hausgemachte Fehler: Deutschland habe seine Infrastruktur verlottern lassen, seine Schulen vernachl\u00e4ssige und zu viele Menschen finanziere, die arbeiten k\u00f6nnten, es aber nicht t\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Fehlende politische Union: \u201ePutin gegen\u00fcber stehen wir blank da\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum seiner Analyse steht ein Punkt, den Sinn mit gro\u00dfer Dringlichkeit formuliert: Europa habe die historische Chance vertan, eine politische Union zu schaffen \u2013 mit gemeinsamer Verteidigung und klarer milit\u00e4rischer Struktur. Sinn betonte, die europ\u00e4ischen Staaten h\u00e4tten wegen nationalstaatlicher Eifers\u00fcchteleien vers\u00e4umt, eine politische Union zu bilden. Eine solche Union sei keine Transfer- oder W\u00e4hrungsunion, sondern im Kern eine milit\u00e4rische Verteidigungsunion.<\/p>\n<p>Konrad Adenauer und Helmut Kohl h\u00e4tten genau dieses Ziel vor Augen gehabt. Doch am Ende sei stattdessen die W\u00e4hrungsunion gekommen \u2013 ohne politische Einheit, ohne Armee, ohne Schutz. Das Ergebnis: &#8222;Heute stehen wir Putin blank gegen\u00fcber und m\u00fcssen Trump Schutzgeld zahlen&#8220;, erkl\u00e4rt der emeritierte Hochschullehrer der M\u00fcnchen Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t gegen\u00fcber der Tageszeitung.\u00a0<\/p>\n<p><strong>\u201eAmerika erpresst uns mit Schutzgeld\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Scharfe Worte findet Sinn auch f\u00fcr das transatlantische Verh\u00e4ltnis. Donald Trumps Drohungen, die NATO zu verlassen, nimmt er ernst. \u00a0Die Lehre aus dieser Entwicklung k\u00f6nne nur sein, dass Europa selbst handlungsf\u00e4hig wird \u2013 milit\u00e4risch, politisch und wirtschaftlich.<\/p>\n<p>Europa m\u00fcsse sich daher unabh\u00e4ngig absichern. Sinns Vorschlag ist radikal und historisch ambitioniert: die Gr\u00fcndung eines Europ\u00e4ischen Bundes, einer neuen Struktur au\u00dferhalb der EU-Vertr\u00e4ge. Dieser Bund solle die Armeen der willigen Mitgliedsstaaten unter ein gemeinsames, demokratisch legitimiertes Oberkommando stellen \u2013 mit klarer Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Verteidigung und Grenzsicherung.<\/p>\n<p><strong>Der \u201eEurop\u00e4ische Bund\u201c: eine Armee, ein Kommando, eine Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Sinn\u00a0verweist dabei\u00a0auf historische Beispiele: Der Euro-Vertrag sei in nur vier Jahren entstanden. Eine Verteidigungsunion k\u00f6nne ebenso schnell beschlossen werden \u2013 schneller jedenfalls als die Entwicklung neuer Waffensysteme.\u00a0<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung eines Europ\u00e4ischen Bundes durch die Zusammenlegung der Armeen werde Putin st\u00e4rker abschrecken.\u00a0Der Bund k\u00f6nne auch Gro\u00dfbritannien einschlie\u00dfen und st\u00fcnde innerhalb der NATO gleichberechtigt neben den USA. F\u00fcr Frankreich, das \u00fcber Atomwaffen verf\u00fcgt, schl\u00e4gt Sinn Kompensationen \u00fcber Target-Forderungen vor.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgergeld abschaffen, Migration steuern, Schulen reformieren<\/strong><\/p>\n<p>Neben geopolitischen Fragen spart Sinn die innenpolitischen Herausforderungen Deutschlands nicht aus. Sein wirtschaftspolitisches Reformprogramm ist ebenso klar umrissen wie provokant:<\/p>\n<p>\u2022 B\u00fcrgergeld abschaffen und durch kommunal organisierte B\u00fcrgerarbeit ersetzen.\u00a0<\/p>\n<p>\u2022 Migration steuern: Kein Sozialmagnetismus, stattdessen qualifizierte Zuwanderung nach kanadischem Punktesystem.<\/p>\n<p>\u2022 Schulen reformieren: Leistungsanreize f\u00fcr Lehrer und Sch\u00fcler erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>\u2022 Fehlanreize abbauen: Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag abschaffen.<\/p>\n<p>Rentenreform: Renteneintrittsalter dynamisch an die Lebenserwartung koppeln und die \u201ekinderfeindliche Grundtendenz\u201c der gesetzlichen Rente korrigieren.<\/p>\n<p><strong>Ein \u00f6konomischer Weckruf \u2013 und ein geopolitischer Masterplan<\/strong><\/p>\n<p>Hans-Werner Sinn liefert mit seinem neuen Buch keinen gem\u00fctlichen Essay, sondern einen politischen Weckruf. In einer Welt, in der sich die Machtverh\u00e4ltnisse verschieben, pl\u00e4diert er f\u00fcr einen historischen Sprung nach vorn: eine politische Union Europas mit gemeinsamer Verteidigung, weniger inneren Fehlanreizen und mehr au\u00dfenpolitischer Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Trotz seiner drastischen Warnungen endet Sinns Buch mit einer Botschaft des Optimismus: Freihandel bleibt f\u00fcr ihn der Schl\u00fcssel zum Frieden. Seine Vision: ein Europa, das milit\u00e4risch eigenst\u00e4ndig, politisch geeint und wirtschaftlich offen ist \u2013 und so gegen\u00fcber Russland, China und den USA als starker Partner auftreten kann.<\/p>\n<p>Sinns Buch ist damit weniger eine Analyse als ein Appell: Die aktuelle Polykrise ist nicht nur eine Bedrohung, sondern eine historische Chance, Europas politische Architektur neu zu gestalten. Es liege nun an den politischen F\u00fchrungen der Mitgliedsstaaten, den Mut aufzubringen, diesen Schritt tats\u00e4chlich zu gehen \u2013 bevor andere M\u00e4chte die L\u00fccke f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Ob dieser Plan realistisch ist, wird wesentlich vom Fortgang des Krieges in der Ukraine, der Haltung der USA und der Bereitschaft Europas abh\u00e4ngen, alte Blockaden zu \u00fcberwinden. Sinns Botschaft aber ist eindeutig: Wer Europas Wohlstand und Sicherheit erhalten will, muss mehr tun, als ihn zu verwalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"width: auto;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/vgzm.1003603-afb61d16-bf78-4efb-8107-973e0e31c0b1.gif\" height=\"1\" width=\"1\" border=\"0\" loading=\"lazy\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00d6konom Hans-Werner Sinn warnt vor Europas Schw\u00e4che und fordert eine politische Union mit gemeinsamer Armee \u2013 als Schutzschild&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":490150,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-490149","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115354994415386929","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490149","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=490149"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490149\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/490150"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=490149"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=490149"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=490149"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}