{"id":490586,"date":"2025-10-11T14:14:11","date_gmt":"2025-10-11T14:14:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490586\/"},"modified":"2025-10-11T14:14:11","modified_gmt":"2025-10-11T14:14:11","slug":"die-alte-expansion-europas-kommt-zu-einem-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/490586\/","title":{"rendered":"Die alte Expansion Europas kommt zu einem Ende"},"content":{"rendered":"<p>Gastkommentar<\/p>\n<p>Leander Scholz<\/p>\n<p class=\"mb-2 font-sans text-base font-thin leading-[26px] md:mb-[16px] md:text-xl md:leading-[32px]\">Die Idee, dass ein Volk gar nicht genug Raum haben k\u00f6nne, entstammt dem 19.\u00a0Jahrhundert und dem Faktum, dass die industrielle Revolution Wachstum ohne Ende verhiess. Lange stand die Geopolitik im Zeichen dieser Ausdehnung. Mittlerweile aber ist Schrumpfung angesagt.<\/p>\n<p><img class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3102\" height=\"4101\" alt=\"Am Ziel der Tr\u00e4ume angekommen: Eine kleine Familie blickt in New York vom Immigranten-Kontrollpunkt Ellis Island aus auf die Freiheitsstatue, um 1930.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/>Am Ziel der Tr\u00e4ume angekommen: Eine kleine Familie blickt in New York vom Immigranten-Kontrollpunkt Ellis Island aus auf die Freiheitsstatue, um 1930.<\/p>\n<p>Getty<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkn0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Vor knapp 150 Jahren erlebte Deutschland eine letzte grosse Welle der Auswanderung. Noch einmal verliessen zahlreiche Familien f\u00fcr immer ihre Heimat, um zumeist in Nordamerika eine bessere Zukunft zu finden. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 waren es neben politischen Gr\u00fcnden \u00fcberwiegend wirtschaftliche Motive, die viele Verzweifelte zu diesem Schritt bewogen. Nicht nur in den St\u00e4dten hatte sich mit der drastischen Zunahme der Bev\u00f6lkerung innerhalb weniger Jahrzehnte auch das Elend ausgebreitet. Selbst auf dem Land konnten viele Familien kaum noch ihren Lebensunterhalt bestreiten.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Sie ebbte erst ab, als das industrielle Wachstum mit dem demografischen Schritt halten konnte.<\/p>\n<p>Zuwanderung nach Bedarf<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigko0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Heute z\u00e4hlt Deutschland nach den USA zu den weltweit gr\u00f6ssten Einwanderungsl\u00e4ndern. Laut dem Statistischen Bundesamt leben inzwischen rund 25 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik. Von ihnen sind \u00fcber 12 Millionen ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige. Auch wenn sich Deutschland erst seit dem Ende der neunziger Jahre als Einwanderungsland begreift, begann seine Einwanderungsgeschichte bereits mit der Anwerbung ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte wenige Jahre nach der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik.<\/p>\n<blockquote class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 mb-16 mt-16 w-[279px] pl-0 pr-0 text-center font-serif text-xl font-medium md:mb-20 md:mt-20 md:w-[520px] md:text-[28px] md:leading-[1.35]\" id=\"id-doc-1j58metgo0\" componenttype=\"quote\" data-team-quote=\"true\"><p>Das absehbare Ende des Wachstums der Weltbev\u00f6lkerung wird die zuk\u00fcnftige Raumpolitik von Grund auf ver\u00e4ndern.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u1qk31\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Wie andere europ\u00e4ische L\u00e4nder auch setzte Deutschland in den Jahrzehnten des Aufschwungs auf eine Zuwanderung nach Bedarf. Nach der Wiedervereinigung wurde die Einwanderung dagegen haupts\u00e4chlich durch Fluchtmigration gepr\u00e4gt. Neben humanit\u00e4ren Verpflichtungen geh\u00f6rte aber auch die \u00dcberalterung der einheimischen Bev\u00f6lkerung zu den Gr\u00fcnden, die f\u00fcr eine fortgesetzte Einwanderung sprachen. Denn unter den Bedingungen eines demografischen Abschwungs wurde es zunehmend schwieriger, die deutschen Sozialsysteme zu unterhalten, deren Prinzipien noch aus dem Jahrhundert des Bev\u00f6lkerungswachstums stammen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkq0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Als Deutschland noch nicht zu den L\u00e4ndern mit den niedrigsten Geburtenraten und den h\u00f6chsten Einwanderungszahlen geh\u00f6rte, sondern im Gegenteil mit den massiven Folgen einer \u00dcberv\u00f6lkerung zu k\u00e4mpfen hatte, formulierte der Zoologe und Geograf Friedrich Ratzel seine \u00abGesetze des r\u00e4umlichen Wachstums der Staaten\u00bb, die im 20.\u00a0Jahrhundert zur Grundlage der modernen Geopolitik werden sollten.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u2hej1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In mehreren B\u00fcchern \u00fcber den Zusammenhang zwischen Territorium und Bev\u00f6lkerung beschrieb er den Antrieb moderner Staaten zum Wachstum, der eine ungeheure Expansion, von Europa ausgehend, in Gang gesetzt hatte. Selbstverst\u00e4ndlich war die Geschichte auch in den Jahrhunderten davor bereits durch Raubz\u00fcge, Eroberungskriege und die Entstehung grosser Imperien gepr\u00e4gt. Aber das Neue bestand f\u00fcr Ratzel in der Ausbreitung der Menschen \u00fcber den gesamten Planeten, ausgel\u00f6st durch eine forcierte Industrialisierung unter dem Druck einer wachsenden Weltbev\u00f6lkerung und der zunehmenden Konkurrenz um die daf\u00fcr n\u00f6tigen Ressourcen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkq1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Diese Faktoren bestimmen auch heute noch die Aufteilung der Welt, deren Neuordnung wir zurzeit erleben. In deren Zentrum steht allerdings weder Europa noch Amerika, sondern China mit seinen enormen Wachstumsraten in den letzten Jahrzehnten. Schon in den geopolitischen Debatten am Anfang des 20.\u00a0Jahrhunderts wurde das Land mit seiner ungeheuer grossen Bev\u00f6lkerung als \u00abgelbe Gefahr\u00bb wahrgenommen. Sollte das Riesenreich eines Tages aufwachen und aufholen, w\u00e4re seinem weltpolitischen Anspruch kaum etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n<p><img class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"2048\" height=\"1382\" alt=\"Die lange ersehnte Fackel der Freiheit: Europ\u00e4ische Auswanderer treffen in den USA ein, 1887.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/>Die lange ersehnte Fackel der Freiheit: Europ\u00e4ische Auswanderer treffen in den USA ein, 1887.<\/p>\n<p>Getty<\/p>\n<p>\u00abKampf um Raum\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u3t131\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Im Unterschied zu anderen Weltteilen ist China einer umfassenden Kolonisierung durch die Europ\u00e4er entgangen. Ab Anfang der achtziger Jahre gelang es dem Land, durch eine rigide Geburtenkontrolle den demografischen Zuwachs mit seinem Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen. Heute \u00fcbt China nicht nur weltweit massiven Einfluss auf zahlreiche Handelsrouten zu Wasser und zu Land aus, sondern hat sich auch durch strategische Investitionen auf beinahe allen Kontinenten abh\u00e4ngige Verb\u00fcndete geschaffen und wird in absehbarer Zukunft die gr\u00f6sste Milit\u00e4rmacht der Welt sein.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkr0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Geboren 1844 und seit 1886 Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Geografie an der Universit\u00e4t Leipzig, hatte Ratzel bei der Ausformulierung seiner Geopolitik nicht China vor Augen, sondern den Aufstieg der Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei bek\u00fcmmerte ihn weniger, dass so viele Deutsche sich gezwungen sahen, ihr Gl\u00fcck in der Neuen Welt zu suchen, als dass die Auswanderer, sobald sie dort angekommen waren, ihr Heimatland mehr und mehr vergassen. Nicht die dramatische \u00dcberv\u00f6lkerung war das eigentliche Problem f\u00fcr ihn, sondern dass sich diese \u00abv\u00f6lkerzeugende Kraft\u00bb irgendwo in der Ferne verlor.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u53nj1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Ratzel hatte nicht nur Geografie studiert, sondern auch Zoologie und war vertraut mit den neuesten Erkenntnissen der Evolutionsbiologie. Die \u00fcbertrug er auf die kommenden Konflikte zwischen den neuen Grossm\u00e4chten. Wie die Populationen im Tierreich und in der Pflanzenwelt h\u00e4tten auch die V\u00f6lker keinen festen Platz auf der Erde, sondern breiteten sich aus, bis ihnen Grenzen durch andere V\u00f6lker gesetzt w\u00fcrden. Von allen Konkurrenzen zwischen den Lebewesen hielt Ratzel daher den \u00abKampf um Raum\u00bb f\u00fcr die entscheidende.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigks0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Nicht nur in der Evolutionsbiologie war die Fortpflanzung ein \u00fcberragendes Thema im letzten Drittel des 19.\u00a0Jahrhunderts, sondern auch in der Weltpolitik. Da Deutschland im Unterschied zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern keine Kolonien besass und auf Amerika kaum politischen Einfluss hatte, engagierte sich Ratzel f\u00fcr eine deutsche Kolonialpolitik mit Blick auf Afrika.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u5t6i1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Als Anh\u00e4nger der Nationalliberalen Partei, die lange die st\u00e4rkste Fraktion im Reichstag bildete, versuchte er, den Reichskanzler Otto von Bismarck davon zu \u00fcberzeugen, dass sich die massive Auswanderung nur auf diese Weise in einen Vorteil umm\u00fcnzen liess. W\u00e4hrend die deutschen Emigranten in den USA zur Entstehung einer neuen Weltmacht beitr\u00fcgen, w\u00fcrden sie in den zuk\u00fcnftigen Kolonien dem Mutterland verbunden bleiben. Weil Wanderung, Ausbreitung und Verdr\u00e4ngung bei den Menschen wie bei anderen Lebewesen auch keine Ausnahmen bildeten, sollte die Aufgabe der Politik darin bestehen, die Str\u00f6me zu steuern. Die moderne Geopolitik, die sich Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts formiert hat, war von Anfang an auch Bev\u00f6lkerungspolitik.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkt0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In der ersten H\u00e4lfte des 20.\u00a0Jahrhunderts haben alle Grossm\u00e4chte ihre Bev\u00f6lkerungen zum Gegenstand politischer Massnahmen gemacht, nicht zuletzt im Hinblick auf ihre weltpolitische Konkurrenz. Die USA entwickelten eine Einwanderungspolitik, die nicht nur nach individuellen Merkmalen ausw\u00e4hlte, sondern auch Quoten f\u00fcr die Herkunftsl\u00e4nder festlegte. So sollte sichergestellt werden, dass bei stetiger Zunahme der Bev\u00f6lkerung dennoch die bisherige Mischung erhalten blieb. Vor allem die Immigration aus Asien wurde stark eingeschr\u00e4nkt, w\u00e4hrend nordeurop\u00e4ische L\u00e4nder bevorzugt wurden.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u77621\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das \u00abDritte Reich\u00bb, das sich bereits fr\u00fch in Konkurrenz zur amerikanischen Vitalit\u00e4t sah, verfolgte nicht nur die Vorstellung eines nach \u00abRassenwerten\u00bb geordneten Kontinents, sondern auch den eugenischen Wahn einer \u00abRassenhygiene\u00bb, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen. Auch die Sowjetunion setzte auf eine vermeintliche St\u00e4rkung des \u00abVolksk\u00f6rpers\u00bb durch die Deportation ganzer Volksgruppen und die Steigerung der Fruchtbarkeit im Sozialismus.<\/p>\n<p>Bisher gr\u00f6sste Dynamik<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigkt1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Auch in der Geopolitik der Nachkriegszeit spielte das Wachstum der Bev\u00f6lkerung noch eine wichtige Rolle, allerdings \u00fcberwiegend beschr\u00e4nkt auf wirtschaftliche Aspekte. Das amerikanische Einwanderungsrecht wurde 1965 liberalisiert und vorrangig auf Fl\u00fcchtlinge und Fachkr\u00e4fte ausgerichtet. Im gleichen Jahrzehnt entwickelte das Wachstum der Weltbev\u00f6lkerung seine bislang gr\u00f6sste Dynamik. Auch heute nimmt die absolute Zahl immer noch zu, aber l\u00e4ngst nicht mehr exponentiell. Viele Regionen und Nationen haben inzwischen mit einem demografischen Schwund zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u80e31\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Zu den L\u00e4ndern mit sehr niedrigen Geburtenraten z\u00e4hlen nicht nur viele europ\u00e4ische, sondern auch Russland, aber vor allem China. Das Riesenreich hat seine demografische Bew\u00e4hrungsprobe noch vor sich. In vielen westlichen L\u00e4ndern hat der Umstand, dass die Geburtenrate von Einwanderern meist h\u00f6her ist als die der Einheimischen, inzwischen zu einem Gef\u00fchl der Verdr\u00e4ngung gef\u00fchrt. Das hat die Skepsis gegen\u00fcber einer L\u00f6sung der demografischen Probleme durch Einwanderung erh\u00f6ht.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56sigku0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Als Ratzel seine Gesetze des Wachstums formulierte, ging er davon aus, dass der globale Raum angesichts der zunehmenden Menge an Menschen und ihrer unaufhaltsamen Ausbreitung sehr bald knapp werden w\u00fcrde. Im weltweiten Wettbewerb um Nahrung und Ressourcen w\u00fcrden sich daher nur V\u00f6lker behaupten k\u00f6nnen, die raumgreifend seien. Wer nicht wachse, werde von anderen verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1j56u8u0i1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Aber das absehbare Ende des Wachstums der Weltbev\u00f6lkerung wird auch die zuk\u00fcnftige Raumpolitik von Grund auf ver\u00e4ndern. Nicht ohne Grund r\u00fcckt derzeit nach dem H\u00f6hepunkt der Globalisierung wieder die Frage nach strategischer Autonomie in den Vordergrund der politischen Debatten. Im Vorteil wird dabei sein, wer am besten mit dem demografischen Abschwung zurechtkommt. Von den Industriel\u00e4ndern hat Japan schon eine l\u00e4ngere Phase der \u00dcberalterung hinter sich und geh\u00f6rt zu den wenigen L\u00e4ndern, die anstelle von Einwanderung auf Effizienz setzen. Es ist noch keineswegs ausgemacht, welche neue Geopolitik eine weniger bev\u00f6lkerte Erde hervorbringen wird.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-700 dark:text-paper-200 darknzz:text-paper-200 dark:lightnzz:text-paper-700 relative pt-4 text-sm md:text-base font-sans after:content-[''] after:absolute after:top-0 after:left-0 after:w-[40px] after:h-0 after:border after:border-0 after:border-b after:border-solid border-paper-950 dark:border-paper-25 darknzz:border-paper-25 dark:lightnzz:border-paper-950 after:border-paper-500 dark:after:border-paper-400\" id=\"id-doc-1j56sigkv0\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" data-team-footnote=\"true\"><strong>Leander Scholz<\/strong> ist Philosoph und Schriftsteller. Er lebt in Berlin.<\/p>\n<p class=\"text-xs font-medium\">Detlev Piecha<\/p>\n<p>vor 36 Minuten1 Empfehlung<\/p>\n<p>Holte mir zum Thema nach langer Zeit mal wieder den seinerzeit vielgelesenen, beim Autor ungenannten Roman von Hans Grimm<\/p>\n<p>&#8222;Volk ohne Raum&#8220; (1926)<\/p>\n<p>aus dem Regal &#8211; stand nicht weit neben Hitlers &#8222;Mein Kampf&#8220; &#8211; und las mit neuem Erschrecken kursiv an meinen jahrzehntealten Anstreichungen vorbei dort hinein.<\/p>\n<p>\u201eEin Roman, nicht sosehr des deutschen Lebens als des deutschen Schicksals, steht hier da.\u201c<\/p>\n<p>hie\u00df damals und der sp\u00e4ter hochber\u00fchmte Germanist Emil Staiger w\u00fcrdigte den Roman mit<\/p>\n<p>&#8222;Deutschland aus dem Schlaf erwecken&#8220;<\/p>\n<p>in einer Vorlesung an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Aus dem Roman klingt einem ein fatal v\u00f6lkisch-faschistoider \u201eGrundton\u201c entgegen, den man von der AfD in der letzten Zeit als nationalen \u201eGlockenschall\u201c zu h\u00f6ren gewohnt ist.<\/p>\n<p>Japan hat eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Fl\u00e4che wie DE und eine \u00e4hnliche gro\u00dfe (am BIP gemessene) Wirtschaftskraft, aber dieses auch mit 250 % BIP erkauft. Seine Bev\u00f6lkerung ist immernoch um ca. die H\u00e4lfte gr\u00f6\u00dfer als die unsere (123,4Mio) und auch wenn Einzelne unauff\u00e4llig sehr wohlhabend sein m\u00f6gen, sind viele sehr, sehr arm &#8211; man liest immer auch von Rentnerinnen, die im Laden was mopsen um \u00fcber den Winter im Gef\u00e4ngnis zu bleiben. Es ist interessant, in Japan ein k\u00fcnftiges Deutschland sehen zu wollen, aber wir sind ein Staat der EU und das macht den Unterschied. Ich f\u00e4nde es interessanter, eine Staatenb\u00fcndnis wie unseres auf Japan etc. &#8211; vielleicht Kanada, Brasilien etc. &#8211; auszuweiten. Die Vielen werden sowieso im gewaltigen Gro\u00dfst\u00e4dten (in der Region Tokyo leben 37Mio, die Dichte in der Stadt selbst betr\u00e4gt 15.351 Ew.\/km\u00b2) zusammenkommen. Diese ganze biologistische \u201eIdee\u201c, ein \u201eVolk\u201c suchte und f\u00e4nde sich irgendwo \u201eRaum\u201c existiert nichtmal im Tierreich und falls ein Hobbybiologe da Analogien f\u00e4nde, wir sind keine Tiere, keine Viren, keine Insekten oder Mikroben. Viele Menschen bevorzugen es, sich gemeinsam mit anderen vielen Menschen in pr\u00e4chtige St\u00e4dte von gro\u00dfer Dichte ( NYC hat ca. 28.000 Ew.\/km\u00b2) aufzuhalten. Zumindest f\u00fcr die Arbeit und die Freizeit, aber manche \u00e4u\u00dferst wohlhabende auch mit Kindern. Ist ein Lifestyle. Den kann man sich in NYC, London oder Tokyo ganz gut abgucken: Die Menschen im Dichtestess haben tolle Verhaltensweisen erlernt, H\u00f6flichkeit, Toleranz, auch &#8211; meine pers\u00f6nliche Theorie und Beobachtung &#8211; eine gewisse positive Segregation sowohl in Stadtviertel, famili\u00e4re Strukturen wie auch im Park oder auf der Party. Das verlangt nach \u00e4u\u00dferster kultureller Sensibilit\u00e4t und Kompetenz. Der \u201eRaum\u201c kann beliebig verengt und vertikal sein, erkennt jeder seine Rolle und Position darin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gastkommentar Leander Scholz Die Idee, dass ein Volk gar nicht genug Raum haben k\u00f6nne, entstammt dem 19.\u00a0Jahrhundert und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":490587,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-490586","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115355953750583073","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490586","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=490586"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/490586\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/490587"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=490586"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=490586"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=490586"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}