{"id":491089,"date":"2025-10-11T18:59:24","date_gmt":"2025-10-11T18:59:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491089\/"},"modified":"2025-10-11T18:59:24","modified_gmt":"2025-10-11T18:59:24","slug":"ehrenamt-im-bremer-kunsthalle-shop-margrit-christanns-engagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491089\/","title":{"rendered":"Ehrenamt im Bremer Kunsthalle-Shop: Margrit Christanns Engagement"},"content":{"rendered":"<p>\n    &#8222;Moment, ich will hier mal kurz was gerade stellen, das st\u00f6rt mich&#8220;, sagt Margrit Christann mitten im Gespr\u00e4ch und geht zu einem Regal, in dem einige <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/thema\/kunst-q735\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunst<\/a>kataloge umgekippt sind. &#8222;Viel besser&#8220;, sagt sie nach ein paar Handgriffen und nickt kurz in Richtung B\u00fccherschrank. Die 84-J\u00e4hrige nimmt ihren Job ernst. Und das, obwohl es ein Ehrenamt ist. Seit etwa 24 Jahren arbeitet Christann im Museumsshop der Kunsthalle, <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/kunsthalle-bremen-40-jahre-museumsshop-mit-flashmob-gefeiert-doc82ez810sn7m1l5ggbgr9\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert<\/a>. Fr\u00fcher mehrmals die Woche, heutzutage immer freitags am Vormittag. Immer mal wieder macht das Shop-Team vom Museum aus auch kleine Ausfl\u00fcge. &#8222;Mein Mann f\u00fcgt sich da irgendwie ein&#8220;, sagt Christann und lacht.\n<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie durch den Shop geht, h\u00e4lt sie immer wieder inne, um auf besonders interessante Sch\u00e4tze hinzuweisen. Zum Beispiel auf einen St\u00e4nder mit Str\u00fcmpfen. Einmal, erz\u00e4hlt Christann, kam eine Frau in den Laden, die ein bekanntes rotes Kimonomuster mit Kranichen auf ihrem Rock hatte. &#8222;Ich habe ihr die passenden Socken und die passende Tasche dazu verkauft.&#8220;<\/p>\n<p>Ein paar Schritte weiter zeigt die Shopmitarbeiterin auf ein Regal mit h\u00fcbschen bunten Trinkflaschen. &#8222;Die haben meine Kinder auch schon alle von mir gekriegt&#8220;, sagt Christann. Es komme h\u00e4ufig vor, dass sie im Shop passende Geschenke f\u00fcr Freunde und Familie findet. Zum Beispiel B\u00fcchlein aus der Reihe &#8222;Kunst sortieren&#8220;, in der Ursus Wehrli Kunstwerke und andere vermeintlich unordentliche Dinge &#8222;aufr\u00e4umt&#8220;. &#8222;Solche Witzigkeiten machen mir Spa\u00df&#8220;, so Christann sichtlich am\u00fcsiert. &#8222;Diesen Kalender hier, den kaufe ich mir immer selbst&#8220;, sagt sie beim Weitergehen und zeigt auf einen Planer, bei dem jeden Tag ein anderes Kunstwerk vorgestellt wird. &#8222;Da lernt man noch was!&#8220;<\/p>\n<p>Wenn Kunst von der Arbeit ablenkt<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste an ihrer Arbeit sei f\u00fcr sie, so Christann, wenn ein Kunde unsicher ist und sich nach ihrer Beratung f\u00fcr einen Kauf entscheidet. &#8222;Das begl\u00fcckt mich&#8220;, sagt sie. Und es gibt eine weitere Leidenschaft, die Christann bei ihrer Arbeit im Shop ausleben kann: Papier. Die Rentnerin hat fr\u00fcher als Buchbinderin gearbeitet, sie sei schon immer kunstinteressiert gewesen. Auch weil sie w\u00e4hrend ihrer Berufsjahre h\u00e4ufig Kunstb\u00fccher repariert habe. &#8222;Ich habe mich oft festgelesen und dann schnell weitergearbeitet, wenn der Chef geguckt hat&#8220;, so Christann mit einem verschmitzten Lachen.<\/p>\n<p>Bei dieser Biografie wundert es nicht, dass jeder Handgriff sitzt, wenn ein Kunde einen Artikel in Geschenkpapier verpackt haben m\u00f6chte. &#8222;Welche Farbe m\u00f6chten Sie au\u00dfen haben?&#8220;, fragt Christann eine Kundin, deren just gekauftes Buch eingewickelt werden soll, und zeigt ihr das beidseitig farbig bedruckte Geschenkpapier. &#8222;Die pinkfarbene Seite bitte&#8220;, sagt diese. Gesagt, getan. Doch einfach nur einpacken reicht Christann nicht: &#8222;Ich mache Ihnen da einen gelben Streifen drauf&#8220;, sagt sie und knickt das Papier gekonnt so, dass das Geschenk am Ende noch einen kleinen Wow-Effekt hat, \u00fcber den die Kundin sich freut: &#8222;So sch\u00f6n h\u00e4tte ich selbst das nie geschafft!&#8220;<\/p>\n<\/p>\n<p>Ihr K\u00f6nnen kann Christann noch an anderer Stelle einbringen: Anstatt alte Plakate, die sonst im M\u00fcll landen w\u00fcrden, zu entsorgen, werden sie von den Ehrenamtlichen im Shop zu kleinen Einschl\u00e4gen gefaltet, in denen die Museumsshopbesucher gekaufte Postkarten und andere sensible Eink\u00e4ufe unbeschadet nach Hause transportieren k\u00f6nnen. Solch filigrane Errungenschaften gibt es einige im Shop. &#8222;Die Ecke mit den sch\u00f6nen Papierkarten ist meine Lieblingsecke&#8220;, sagt Christann und f\u00e4hrt mit den Fingern ganz vorsichtig \u00fcber einen farbenfrohen, aus kleinen Pappstreifen geformten Baum, der die Vorderseite einer besonders sch\u00f6nen Karte ziert.<\/p>\n<p>\n    Im oberen Bereich des Shops, bei den Kunstkatalogen, kommt Christann dann noch einmal ins Schw\u00e4rmen und erinnert sich an all die tollen Ausstellungen, die sie w\u00e4hrend ihrer 24 Jahre <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/kunsthalle-bremen-pixelwald-sorgt-fuer-besucherandrang-doc8289o09arkj17qvthdz1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in der Kunsthalle <\/a>schon miterlebt hat. Die gro\u00dfe Van-Gogh-Ausstellung 2002 war die erste Schau, deren Er\u00f6ffnung sie als Mitarbeiterin begleiten konnte. Viele weitere folgten. &#8222;,Ikonen&#8216; war eine irre Ausstellung&#8220;, erinnert sich Christann beim Blick auf die Kataloge zu vergangenen Pr\u00e4sentationen. Auch eine Schau der K\u00fcnstlerin Lili Fischer aus dem Jahr 2005, die sich mit Faltern besch\u00e4ftigte, ist der 84-J\u00e4hrigen in Erinnerung geblieben. Ebenso die Retrospektive der Zeichnerin Nanne Meyer aus dem Jahr 2004.\n<\/p>\n<p>&#8222;Die Arbeit belebt&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin all die Jahre mit Freude hiergeblieben&#8220;, so Christann. &#8222;Die Arbeit belebt, sie muntert auf, aber sie fordert mich auch!&#8220; An ihrem fr\u00fcheren Beruf, der Buchbinderei, habe sie immer fasziniert, dass ihr Schaffen Bewunderung hervorruft. Die bekommt Christann auch in der Kunsthalle \u2013 sp\u00e4testens dann, wenn sie das n\u00e4chste prachtvoll als Geschenk verpackte Mitbringsel \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>                Zur Sache<\/p>\n<p>\n        Zur Geschichte des Kunsthallenshops<br \/>\n        <br \/>Der Wunsch nach einem Shop entstand in der Kunsthalle in den 80er-Jahren. Inspiriert von amerikanischen Museen wollte man damit auch eine neue Einnahmequelle generieren. Den Grundstein f\u00fcr den heutigen Shop legte das Museum im November 1985, als zu einer Paul-Klee-Ausstellung erstmals auch ein Verkaufsstand mit Merchandise-Artikeln aufgebaut wurde. Laut Museum war die Kunsthalle mit ihrem Museumsshop damals ein Vorreiter, an dem sich viele andere Museen sp\u00e4ter ein Beispiel nahmen. Mit den Jahren wuchs das Shop-Angebot und wurde neben klassischen Produkten wie Postkarten, Katalogen oder Kunstdrucken um zahlreiche weitere Geschenkartikel, praktische Alltagsgegenst\u00e4nde und Kuriosit\u00e4ten erg\u00e4nzt. Neben Shopleiterin Sonja Lauterbach und einer weiteren fest angestellten Mitarbeiterin sorgen heute insgesamt 60 Ehrenamtliche, die meisten von ihnen Rentner, daf\u00fcr, dass der Laden l\u00e4uft.\n    <\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc82fgfg2qo6p1e948taqv\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Moment, ich will hier mal kurz was gerade stellen, das st\u00f6rt mich&#8220;, sagt Margrit Christann mitten im Gespr\u00e4ch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":491090,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-491089","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115357074360637871","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/491089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=491089"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/491089\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/491090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=491089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=491089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=491089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}