{"id":491103,"date":"2025-10-11T19:06:11","date_gmt":"2025-10-11T19:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491103\/"},"modified":"2025-10-11T19:06:11","modified_gmt":"2025-10-11T19:06:11","slug":"jan-boehmermann-im-hkw-bis-keiner-mehr-uebrigbleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491103\/","title":{"rendered":"Jan B\u00f6hmermann im HKW: Bis keiner mehr \u00fcbrigbleibt"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">B B\u00f6hmermann: check\u201c, schrieb eine Freundin, als sich der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Boehmermanns-Pleite-im-Berliner-HKW\/!6117007\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Shitstorm gegen den Satiriker<\/a> abzeichnete. Angeh\u00e4ngt war ein Screenshot ihrer \u201eShitstorm Liste 2025\u201c mit Menschen, die sie in diesem Jahr noch gecancelt glaubt: Rapper Ski Aggu (auch check), Podcaster Tommi Schmitt, Moderator Joko Winterscheidt und Rapper Zartmann stehen noch drauf. Mal schauen, wer bis Ende des Jahres noch steht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Der Shitstorm gegen B\u00f6hmermann ist v\u00f6llig \u00fcberzogen. Die ersten werden hier aufh\u00f6ren zu lesen \u2013 und genau da liegt das Problem. In linken Kreisen herrscht n\u00e4mlich derzeit die moralische Einheitsmeinung: B\u00f6hmermann ist schei\u00dfe. Aber wer nimmt sich \u00fcberhaupt noch die Zeit (und hat die Energie), Dinge einzuordnen?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Daf\u00fcr schwemmen zu viele Emp\u00f6rungswellen die Feeds: Rapperin Zs\u00e1 Zs\u00e1, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Shitstorm-um-Autorin-Caroline-Wahl\/!6109228\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Autorin Caroline Wahl,<\/a> Moderation Dunja Hayali \u2013 alle in den letzten paar Wochen gecancelt. Die Gemeinsamkeit: alles Linke. Haben wir nicht andere Feinde? Der Shitstorm gegen B\u00f6hmermann zeigt: offenbar nicht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Die Kurzfassung: B\u00f6hmermann hatte den Rapper Chefket eingeladen, bei der von ihm kuratierten Veranstaltungsreihe \u201eDie M\u00f6glichkeit der Unvernunft\u201c am 7. Oktober im Haus der Kulturen der Welt (HKW) aufzutreten. Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer (CDU) wertete ein Shirt von Chefket als antisemitisch und forderte B\u00f6hmermann daraufhin auf, ihn wieder auszuladen. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Konzert-Absage-Jan-Boehmermann-knickt-vor-Wolfram-Weimer-ein\/!6112772\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00f6hmermann sagte das Konzert f\u00fcr den 7. Oktober ab<\/a>, der Shitstorm brach \u00fcber ihn herein.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Im HKW sagte B\u00f6hmermann Anfang der Woche dann jedoch: \u201eEs wurde keiner ausgeladen.\u201c Und weiter: \u201eAlle reden miteinander.\u201c Umso bizarrer sei es, zu sehen, was in den Medien passiert, wenn man wisse, was eigentlich passiert ist. Was der Staatsminister sagt, sei f\u00fcr seine Bewertung der Sachlage \u201ekomplett irrelevant\u201c, so B\u00f6hmermann. Er habe selbstkritisch erkannt, dass es nicht richtig sei, die j\u00fcdische Perspektive am Jahrestag des \u00dcbergriffs der Hamas nicht zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>      Mangelndes Interesse an anderen Sichtweisen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Die Erkl\u00e4rung st\u00f6\u00dft jedoch auf taube Ohren, der Shitstorm brodelt bereits, B\u00f6hmermann gilt als gecancelt. Wie gering das Interesse ist, andere Sichtweisen auszuhalten, zeigte sich dann auch bei einer Veranstaltung im HKW am Montagabend, bei der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Boehmermann-und-Schertz-im-HKW\/!6118405\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00f6hmermann und der Medienanwalt Christian Schertz f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Debattenr\u00e4ume pl\u00e4dierten.<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Schertz vertritt Promis wie G\u00fcnther Jauch, Jan B\u00f6hmermann und Rammstein-S\u00e4nger Till Lindemann \u2013 aber auch MeToo-Betroffene oder die Berliner Polizistin Judy S., die Ziel einer Hetzkampagne der Bild-Zeitung wurde. Sein Anspruch: \u201eIch versuche immer, auf der richtigen Seite zu stehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Die Aussage sorgt im Saal f\u00fcr Aufruhr. Eine emp\u00f6rte Zuschauerin wirft Schertz vor, es sei \u201everlogen\u201c, M\u00e4nner wie Lindemann zu verteidigen und sich zugleich als \u201eMeToo-Vorreiter\u201c zu geben. Schertz kontert n\u00fcchtern: \u201eIch habe Lindemann verteidigt, weil es unzul\u00e4ssige Verdachtsberichterstattung war.\u201c Seine Kanzlei war gegen den Spiegel vorgegangen, der Lindemann ohne Beweise unterstellt hatte, Frauen mit K.O.-Tropfen bet\u00e4ubt zu haben.<\/p>\n<p>      Moralische Grenzen sind nicht einheitlich<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Schertz\u2019 Anspruch \u201eimmer auf der richtigen Seite\u201c zu stehen, ist kein moralischer, es ist ein rechtlicher. Das kann man kritisieren \u2013 oder akzeptieren. Seine moralische Grenze zieht er woanders als andere. F\u00fcr ihn steht etwa fest: \u201eIch verteidige keine Nazis.\u201c Anfragen von AfD-Abgeordneten lehne er strikt ab. Sein Hauptgegner bleibt die Bild-Zeitung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">B\u00f6hmermann und Schertz wollen dem Rechtsruck etwas entgegensetzen, die Ausstellung im HKW soll \u201edie Korridore des Sagbaren\u201c weiten. Das Publikum jedoch will nicht weiten, sondern werten. Immer wieder wird Schertz unterbrochen, fast alle Fragen \u2013 vielmehr Anklagen \u2013 drehen sich um Till Lindemann. Sein Appell, man solle mehr Gnade walten lassen, verhallt ungeh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Was das hei\u00dft, erf\u00e4hrt auch B\u00f6hmermann derzeit, der den \u00fcber ihn hereinbrechenden Shitstorm jedoch stoisch ertr\u00e4gt. \u201eMein Name hat schon eine Menge \u00fcberstanden\u201c, sagt er s\u00fcffisant. \u201eIch bin die laufende Projektionsfl\u00e4che.\u201c Das Dilemma: Inzwischen sind alle, die sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfern und sich dabei nicht exakt an die rigiden Vorgaben linker Moralvorstellungen halten, laufende Projektionsfl\u00e4chen einer daueremp\u00f6rten Bubble. Nur: Wem ist damit geholfen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"B B\u00f6hmermann: check\u201c, schrieb eine Freundin, als sich der Shitstorm gegen den Satiriker abzeichnete. 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