{"id":491505,"date":"2025-10-11T23:03:55","date_gmt":"2025-10-11T23:03:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491505\/"},"modified":"2025-10-11T23:03:55","modified_gmt":"2025-10-11T23:03:55","slug":"wie-sich-der-staat-von-banden-betruegen-laesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491505\/","title":{"rendered":"Wie sich der Staat von Banden betr\u00fcgen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Dampfschwaden h\u00e4ngen in der Luft, es riecht nach Apfeltabak. Die St\u00fchle sind mit Samt bezogen, aus der Musikbox erklingt \u201eGet Lucky\u201c von Daft Punk. Eine Kellnerin stellt eine Sch\u00fcssel Chips und Salzstangen auf den Tisch. Ein paar b\u00e4rtige M\u00e4nner halten mit der einen Hand das Mundst\u00fcck einer Wasserpfeife und nuckeln daran, in der anderen Hand halten sie ihr Smartphone, auf das sie starren.<\/p>\n<p>Manche Tische leuchten bunt, auf den Bildschirmen laufen elektronische Spiele. Mal flackert nur ein Kaminfeuer auf dem Bildschirm. Ein gem\u00fctlicher Ort, ein bisschen kitschig vielleicht. Zwei junge Frauen bringen die gl\u00e4sernen Wasserpfeifen an die Tische.<\/p>\n<p>Hier, in einer der rund 400 Berliner Shishabars mitten im <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/wedding\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wedding<\/a>, kann man gut entspannen. Jedenfalls, wenn man nicht dr\u00fcber nachdenkt, dass an solchen Orten mitunter hohe kriminelle Energie im Spiel ist. Denn das Gesch\u00e4ft mit unversteuertem Shishatabak boomt. Es ist mittlerweile fast so lukrativ wie das Gesch\u00e4ft mit Rauschgift. Das jedenfalls sagen Fahnder der Kripo. Shisha, das ist ein Kult f\u00fcr alle, die in einer Bar keinen Alkohol trinken, sondern in Wasserpfeifen aromatisierten Tabak rauchen. Andere sagen: Es sind die neuen Hotspots f\u00fcr Geldw\u00e4sche oder Steuerhinterziehung.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Eine Ahnung vom Ausma\u00df der Probleme kann man derzeit im Amtsgericht Tiergarten bekommen. Dort muss sich ein Mann wegen Steuerhinterziehung verantworten. Es geht um mehr als 15 Tonnen unversteuerten und unverzollten Wasserpfeifentabak, die nach Deutschland eingeschmuggelt wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Tag im September, Gerichtssaal A618: Ahmad A., 1985 in Bagdad geboren, tr\u00e4gt dunkle Kleidung und einen Vollbart. Er blickt d\u00fcster drein. Leise best\u00e4tigt er die Angaben, die der Richter zu seiner Person vorliest. Er soll Steuern und Zollgeb\u00fchren in einer H\u00f6he von mindestens einer halben Million Euro hinterzogen haben.<br \/><b\/><\/p>\n<p>Wie man mit illegalem Tabak seinen Einsatz verzehnfacht<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Glaubt man den Ermittlungsergebnissen, dann war Ahmad A. offenbar in ein \u00e4u\u00dferst lukratives Gesch\u00e4ft verwickelt. Denn die Gewinnspannen beim illegalen Gesch\u00e4ft mit Shishatabak\u00a0sind riesig, aber auch die mit illegalen Zigaretten und Vapes, also E-Zigaretten. Die kriminellen Banden, die den Tabak am Zoll vorbei nach Deutschland schmuggeln, agieren international und arbeitsteilig.<\/p>\n<p><img alt=\"Sch\u00f6n feucht: Shishatabak hat eine andere Konsistenz als der von Zigaretten.\" loading=\"lazy\" width=\"5093\" height=\"3395\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/7f0de816-24a3-4e54-a079-f2650684b9f2.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Sch\u00f6n feucht: Shishatabak hat eine andere Konsistenz als der von Zigaretten.Sepp Spiegel\/imago<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Beh\u00f6rdensch\u00e4tzungen zufolge verdienen die Banden in ganz Deutschland pro Jahr allein mit illegalen Zigaretten mindestens sieben Milliarden Euro. \u00c4hnlich hoch d\u00fcrfte der Gewinn bei Shishatabak sein. In Berlin, so sch\u00e4tzt man beim Zoll und in den Ordnungs\u00e4mtern, die die Gewerbekontrollen durchf\u00fchren, liegt der Markt f\u00fcr Shishatabak bei etwa 300 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Ein gro\u00dfer Teil des Gesch\u00e4fts befindet sich in den H\u00e4nden arabischer <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/clan\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Clans<\/a>.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In letzter Zeit kam das Gesch\u00e4ftsfeld der E-Zigaretten hinzu \u2013 weitere etwa 100 Millionen Euro. \u201eWenn man sieht, wie viele Verpackungen von illegalem Rauchzeug im Umfeld dieser L\u00e4den liegen, bekommt man ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wieviel illegal verdient wird\u201c, sagt ein Ordnungsamtsmitarbeiter, der sich auf dieses Gebiet spezialisiert hat. Er berichtet von einem Baustellenloch, das es vor einem Laden gab. Neun von zehn Verpackungen, die dort hineingeworfen wurden, h\u00e4tten zu illegaler Ware geh\u00f6rt, denen die Steuerbanderole fehlte oder die nicht marktf\u00e4hig waren, wegen zu hohen Nikotingehalts.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Mit illegalem Tabak kann man seinen Einsatz durchaus verzehnfachen: Beim Dealer ihres Vertrauens kaufen Kriminelle den gepanschten \u201esteuerfreien\u201c Tabak f\u00fcr 60 bis 70 Euro pro Kilo ein. 600 bis 700 Euro machen sie dann im Laden durch den Verkauf per Wasserpfeife, rechnet der Mann vom Ordnungsamt vor.<\/p>\n<p>15.000 Kilogramm Tabak geschmuggelt \u2013 mindestens<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Angeklagte Ahmad A. ist da nur ein kleiner Akteur in einem riesigen Milliardengesch\u00e4ft. Seine Frau war von 2016 bis 2022 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin einer Firma in Neuk\u00f6lln. Im Handelsregister war das Unternehmen als \u201eEinzelhandel mit Wasserpfeifen und Zubeh\u00f6r sowie der Handel mit Getr\u00e4nken und Geschenkartikeln\u201c eingetragen. Tats\u00e4chlich, so steht es in der Anklageschrift, k\u00fcmmerte sich Ahmad A. aber um die laufenden Gesch\u00e4fte, um die Beschaffung des unversteuerten Wasserpfeifentabaks.<\/p>\n<p><img alt=\"Das ist keine Linsensuppe, sondern sichergestellter Shishatabak in einer illegalen Werkstatt in Berlin.\" loading=\"lazy\" width=\"900\" height=\"1200\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6d60495e-9d1d-4ee8-8c33-c6b5dd005d7d.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Das ist keine Linsensuppe, sondern sichergestellter Shishatabak in einer illegalen Werkstatt in Berlin.Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Am 12. August 2019 kam es zu einer ersten Razzia in den R\u00e4umen seines Shishashops an der Sonnenallee. Dabei fanden Zollfahnder einen Autoschl\u00fcssel, der zu einem Wagen geh\u00f6rte, der in einer Seitenstra\u00dfe der Sonnenallee stand. Darin lagen 270 Kilogramm Shishatabak.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Laut Anklage stellte Ahmad A. wohl auch 844 Kilo Shishatabak in den Geschmacksrichtungen True Passion, Al Fakher Mastigum, Fakher gr\u00fcn und Fakher blau selbst her oder besorgte den Tabak. Allein daf\u00fcr w\u00e4ren mehr als 20.000 Euro Steuern f\u00e4llig. Das Ganze flog durch einen Feuerwehreinsatz in Gropiusstadt auf, wo er und seine Frau wohnen. Das Paar hatte fast eine Tonne Shishatabak in einer Garage gelagert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Mitten in der Corona-Pandemie, im November 2020, versuchte A. laut Anklage, die gr\u00f6\u00dften illegalen Gesch\u00e4fte mit Wasserpfeifentabak zu machen: Etwas mehr als 15.000 Kilogramm Shishatabak soll er am Zoll vorbeigeschmuggelt haben. Da hatten ihn Fahnder der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Zigaretten (GE Zig) des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg und des Landeskriminalamts Berlin schon auf dem Schirm. Sie erwischten ihn und zwei Helfer, als sie den Tabak von einem Laster luden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Nun l\u00e4uft endlich der Prozess gegen ihn. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, allein f\u00fcr diese Ladung 362.865,64 Euro Tabaksteuer hinterzogen zu haben. Hinzu kommt eine Zollgeb\u00fchr in H\u00f6he von 96.097,67 Euro und Einfuhrumsatzsteuer in H\u00f6he von 93.962,34 Euro. Das macht insgesamt 552.925 Euro sowie 65 Cent.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Vielleicht kommt Ahmed A. bei einem Schuldspruch f\u00fcr ein paar Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Vielleicht auch nicht. Das Urteil soll Anfang November fallen. Nach Einsch\u00e4tzung von Fahndern ist das Gesch\u00e4ft mit illegalem Shishatabak auch deshalb so attraktiv f\u00fcr die T\u00e4ter, weil die Strafandrohung auf Steuerhehlerei aus ihrer Sicht l\u00e4cherlich ist: Wenn nicht mindestens eine Million Euro Steuerschaden entstanden ist, droht kein Gef\u00e4ngnis. Tats\u00e4chlich gibt es meist Geldstrafen und ab 50.000 Euro auch Haftstrafen. Erst bei Betr\u00e4gen von mehr als einer Million Euro sind Freiheitsstrafen ohne Bew\u00e4hrung die Regel.<\/p>\n<p>Illegale Tabakdosen hinter einem Regal<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">So sind eben die Gesetze. Und trotzdem machen die Fahnder weiter. Es ist 13 Uhr, bei der Polizei ist die Besprechung des kommenden Einsatzes angesetzt. An diesem Tag im September steht wieder eine gemeinsame Kontrollaktion an, bei der Mitarbeiter mehrerer Beh\u00f6rden sich gemeinsam auf den Weg machen, um Gewerbetreibende zu \u00fcberpr\u00fcfen. Mit dabei sind Steuerfahnder des Finanzamtes f\u00fcr K\u00f6rperschaften III, Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Berlin und Mitarbeiter des Ordnungsamtes Neuk\u00f6lln. Besch\u00fctzt werden sie von mehr als einhundert Kr\u00e4ften der Bereitschaftspolizei.<\/p>\n<p><img alt=\"Ab dem 1. Juli d\u00fcrfen nur noch 25 Gramm schwere Verpackungen mit Wasserpfeifentabak in den deutschen Handel kommen.\" loading=\"lazy\" width=\"2048\" height=\"1365\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/7a4fb14b-a68b-4f75-9b57-348209b1ad06.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Ab dem 1. Juli d\u00fcrfen nur noch 25 Gramm schwere Verpackungen mit Wasserpfeifentabak in den deutschen Handel kommen.J\u00f6rg Carstensen\/dpa\/dpa<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei diesem sogenannten Verbundeinsatz stehen 50 L\u00e4den auf dem Zettel: auch Shishabars und L\u00e4den f\u00fcr Shishazubeh\u00f6r. Mit quietschenden Reifen halten drei Polizeiautos vor einem Shishazubeh\u00f6rgesch\u00e4ft in Friedrichshain. Keiner der beiden M\u00e4nner, die hinter dem Ladentresen stehen, darf raus, kein Kunde darf rein. Vor der T\u00fcr postieren sich drei Polizeibeamte. Die Verk\u00e4ufer m\u00fcssen dem Mann vom Finanzamt die Kassenaufzeichnungen geben. W\u00e4hrenddessen durchst\u00f6bern Z\u00f6llner die Regale nach Tabakb\u00fcchsen, auf denen die Steuerbanderole fehlt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ein weiterer Trupp Kontrolleure nimmt wenig sp\u00e4ter eine Shishabar im Norden Neuk\u00f6llns unter die Lupe. Auch hier m\u00fcssen die Kassenaufzeichnungen vorgezeigt werden, die Arbeitserlaubnis und die Tabakbeh\u00e4ltnisse. Die Kassenf\u00fchrung ist nicht in Ordnung. Aber sonst wird nichts Illegales gefunden. Die Ausbeute des Einsatzes an diesem Tag ist im Vergleich zu anderen <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/gegen-die-clankriminalitaet-li.2359536\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Razzien<\/a> eher m\u00e4\u00dfig: 65 illegale Vapes beschlagnahmen die Fahnder.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">An anderen Tagen sind es schon mal kiloweise unversteuerter und unverzollter Tabak. Erst im Juli entdeckte der Zoll in Wedding acht Kilo illegalen Shishatabak in einem Keller unter einer Weddinger Shishabar. Den Kontrolleuren war dort die Menge des versteuerten Tabaks aufgefallen. Angesichts der vielen G\u00e4ste erschien sie ihnen ziemlich gering. 50 Gramm waren f\u00fcr zwei Pfeifen offiziell verkauft, doch zehn Leute sa\u00dfen da und rauchten. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer konnte das nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Als die Zollfahnder den Keller der Bar n\u00e4her in Augenschein nahmen, stie\u00dfen sie auf ein Regal, das eine T\u00fcr zu einem weiteren Raum verbarg. Dort lagerten drei Dutzend E-Zigaretten ohne Steuerbanderole sowie zahlreiche Dosen mit Tabak, ebenfalls ohne Steuerbanderole. Gegen den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde ein Steuerstrafverfahren wegen gewerbsm\u00e4\u00dfiger Steuerhehlerei eingeleitet.<\/p>\n<p>Etwa 400 Shishabars gibt es in Berlin<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Immer wieder finden Ermittler in Berlin unversteuerten Shishatabak. Im Mai dieses Jahres vollstreckte die GE Zig im Berliner Stadtgebiet 20 Durchsuchungsbeschl\u00fcsse wegen des Verdachts der besonders schweren und bandenm\u00e4\u00dfigen Steuerhinterziehung sowie gewerbsm\u00e4\u00dfigen Steuerhehlerei. Eine Schmugglerbande soll seit September vergangenen Jahres mehr als 25 Tonnen unversteuerten Wasserpfeifentabak vertrieben und teils selber hergestellt haben. Der reine Steuerschaden liegt laut Zollfahndungsamt bei mehr als einer Million Euro. Bei der Razzia nahmen Polizisten in Kreuzberg einen 48-j\u00e4hrigen kuwaitischen Staatsb\u00fcrger fest, den mutma\u00dflichen Bandenchef.<\/p>\n<p><img alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1476\" height=\"1968\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/6350c3e3-96f2-4429-a338-f64904584828.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Alla Belova f\u00fcr Berliner Zeitung am Wochenende<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei den Durchsuchungen in Berlin konnten insgesamt \u00fcber sechs Tonnen unversteuerter Wasserpfeifentabak, 8500 nicht versteuerte Einweg-E-Zigaretten, 80.000 Euro Bargeld sowie diverse Grundstoffe zur Herstellung von Wasserpfeifentabak sichergestellt werden. Ausgehend von diesen Ermittlungen gab es am selben Tag Razzien in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie in Tschechien, Schweden und den Niederlanden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In Berlin gibt es nach Angaben des Zollfahndungsamtes zirka 400 Shishabars, das ist die gr\u00f6\u00dfte Ansammlung bundesweit. Und doch scheinen zumindest in der Hauptstadt die Zeiten, in denen man gro\u00dfe Mengen Tabak in Shishabars beschlagnahmte, vorbei zu sein. \u201eWegen der vielen Kontrollen haben die nicht mehr so viel im Laden\u201c, sagt ein Ordnungsamtsmitarbeiter. \u201eSie haben den Tabak au\u00dferhalb gebunkert und ein System von Just-in-time-Belieferung entwickelt. Sie lernen dazu.\u201c<\/p>\n<p>Zollfahnder: \u201eDas ist oft richtig ekelhaft, was wir vorfinden\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten, wie der Tabak in die Shishabars kommt: offiziell importiert aus L\u00e4ndern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Kuwait \u2013 ordnungsgem\u00e4\u00df verzollt und versteuert. Die Beh\u00f6rden vermuten aber auch, dass bei offiziellen Herstellern in Deutschland und Europa die Maschinen nach Feierabend noch weiterlaufen \u2013 dann ohne Steuerbanderole.<\/p>\n<p>Oder aber: Der Tabak wird in Kellern illegal zusammengepanscht. Aus Polen importierter Grobtabak wird zu Rauchtabak zerkleinert. Dann kommt Glyzerin hinzu, um ihn geschmeidig zumachen. Auch Aromastoffe werden hinzugesetzt. Mit einem R\u00fchrer aus dem Baumarkt als Bohrmaschinenaufsatz wird der Tabak gemischt. Es ist nicht schwer, Shishatabak herzustellen, wenn man die Grundstoffe hat. Aus Sicht der Finanzbeh\u00f6rden hat man so einen neuen \u201eSteuergegenstand\u201c kreiert \u2013 der nur eben nicht versteuert wird.<\/p>\n<p><img alt=\"Nicht ganz sauber: Sichergestellte Ger\u00e4tschaften in einer illegalen Tabakwerkstatt.\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"800\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/b62a417f-f7b1-47a1-a58d-1f60e8f9f5d8.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Nicht ganz sauber: Sichergestellte Ger\u00e4tschaften in einer illegalen Tabakwerkstatt.Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Werkst\u00e4tten hierf\u00fcr befinden sich in zahllosen Kellern in der Stadt, nicht selten direkt unter Shishabars, oder in Brandenburg. In einer fr\u00fcheren Kfz-Werkstatt nahmen Ermittler vor einiger Zeit ein gro\u00dfes Tabaklabor hoch. \u201eDas ist sehr oft richtig ekelhaft, was wir bei den Durchsuchungen vorfinden\u201c, sagt Christian Lanninger vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg. \u201eStatt Tabak ist dann auch mal Kleintierstreu dabei. Der selbst zusammengemixte Tabak kommt dann in Originalverpackungen. Das wird dann tats\u00e4chlich geraucht.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die GE Zig hat sich in den vergangenen Jahren verst\u00e4rkt auf den illegalen Handel mit Wasserpfeifentabak konzentriert. Noch vor zehn Jahren bl\u00fchte das Gesch\u00e4ft mit illegal hergestellten und eingeschmuggelten Zigaretten. Diese kamen vor allem aus polnischen Werkst\u00e4tten. Im Tabak fand sich unter anderem zusammengekehrter Rattendreck, wie Untersuchungen der Kriminaltechnik ergaben. Nachdem polnische Elitepolizisten mehrere dieser Werkst\u00e4tten st\u00fcrmten und die Polizei mehrere \u201ePaten\u201c aus dem Verkehr ziehen konnte, sieht man nun weniger illegale Zigarettenh\u00e4ndler an Bahnh\u00f6fen und in Parks.<\/p>\n<p>Illegale Profite auch mit Zigaretten<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auch wenn der Kleinverkauf, vor allem durch Vietnamesen, eingebrochen ist \u2013 die Zigarettenmafia gibt es immer noch. Der Markt mit illegalen Zigaretten und zunehmend auch mit alternativen Produkten wie E-Zigaretten und Nikotinbeuteln, boomt. Der j\u00e4hrlich von KPMG herausgegebene Bericht zum Konsum illegaler Zigaretten in 38 europ\u00e4ischen Staaten verzeichnet f\u00fcr das Jahr 2023 einen Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den konsumierten illegalen Zigaretten ist das ein Anstieg um 1,5 Milliarden auf 52,2 Milliarden St\u00fcck.<\/p>\n<p><img alt=\"Aus solch einer Werkstatt kommt h\u00e4ufig der Tabak, der in manchen Shishabars teuer an G\u00e4ste verkauft wird.\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/705ab632-cdb7-490b-8d4d-dd2101f9121f.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Aus solch einer Werkstatt kommt h\u00e4ufig der Tabak, der in manchen Shishabars teuer an G\u00e4ste verkauft wird.Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) stellte j\u00fcngst fest, dass auch der gesetzliche Jugendschutz bei E-Zigaretten in der Praxis nicht funktioniert. Minderj\u00e4hrige kommen weiterhin problemlos an Einweg-E-Zigaretten. Bei Testk\u00e4ufen in Berliner Shishashops stellte der Verband fest, dass 10 von 14 Shops, die in allen drei Testphasen gepr\u00fcft wurden, durchg\u00e4ngig illegale Ware verkauften. In 16 von 20 F\u00e4llen wurde gegen das Jugendschutzgesetz versto\u00dfen. Alle Shops mit Jugendschutzverst\u00f6\u00dfen f\u00fchrten mindestens einmal illegale Produkte im Sortiment.<\/p>\n<p>Illegale Produkte mit \u00fcberh\u00f6htem Nikotingehalt<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Gleichzeitig \u00fcberschwemmen illegale Produkte den Markt, h\u00e4ufig mit \u00fcberh\u00f6htem Nikotingehalt, ohne Kennzeichnung oder Registrierung. Laut dem Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) wurden deshalb 2024 mehr als 1,9 Millionen illegale Einwegger\u00e4te in Deutschland vom Zoll sichergestellt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Dunkelziffer d\u00fcrfte weit dar\u00fcber liegen. Die Sch\u00e4tzungen in der Branche: Etwa 50 Prozent aller in Deutschland verkauften Einwegprodukte sind illegal. Das bringt nicht nur gesundheitliche Risiken mit sich, sondern auch einen Steuerausfall von j\u00e4hrlich etwa 200\u202fMillionen Euro. Seri\u00f6se Fachgesch\u00e4fte geraten dadurch massiv unter Druck.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Fast jede Woche kontrollieren Ordnungs\u00e4mter in Berlin Gewerbebetriebe, auch um gegen die Clankriminalit\u00e4t vorzugehen.\u00a0Aber was nutzen die Kontrollen durch Ordnungs\u00e4mter, Zoll, Finanzamt und Polizei, wenn die Justiz lahmt. F\u00fcnf Jahre hat es gedauert, bis gegen Ahmad A. der Strafprozess er\u00f6ffnet wurde wegen der halben Million Euro, die er hinterzogen haben soll. Und offensichtlich hat die Beschlagnahme seines Tabaks Ahmad A. auch nicht sonderlich beeindruckt. Er steht vor Gericht nur f\u00fcr die Tabakmenge, die man ihm nachweisen konnte. Laut Anklage gab es 2021 weitere F\u00e4lle, bei denen er Wasserpfeifentabak entweder selbst herstellte oder organisierte \u2013 ohne damalige Kenntnis der Beh\u00f6rden, versteht sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dampfschwaden h\u00e4ngen in der Luft, es riecht nach Apfeltabak. 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