{"id":491650,"date":"2025-10-12T00:32:55","date_gmt":"2025-10-12T00:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491650\/"},"modified":"2025-10-12T00:32:55","modified_gmt":"2025-10-12T00:32:55","slug":"die-seele-nicht-nur-spaniens-goya-kuenstlerisch-wertvoll-und-leider-total-aktuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/491650\/","title":{"rendered":"Die Seele (nicht nur) Spaniens: Goya &#8211; k\u00fcnstlerisch wertvoll und leider total aktuell"},"content":{"rendered":"<p><strong>Woran denken Sie, wenn Sie den Namen Goya h\u00f6ren? Ist schon &#8217;ne Weile her, eher dunkel, Spanien, aus dem Rokoko direkt in die Romantik? Dann sind Sie gut! Wer sich intensiver f\u00fcr den K\u00fcnstler interessiert, der mit seinen Motiven auch im Jetzt malen k\u00f6nnte, schaut in den einzigartigen Bildband &#8222;Goya&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Was w\u00e4re Goya heute wohl f\u00fcr ein Typ? Ein Journalist mit k\u00fcnstlerischem Background, ein Forscher, ein Politiker vielleicht? 80 r\u00e4tselhafte Radierungen waren es jedenfalls, mit denen Francisco de Goya 1797 begann, seinem Schaffen eine radikale Wendung gab, weltber\u00fchmt wurde. Unter dem Namen &#8222;Caprichos&#8220;, spanisch f\u00fcr &#8222;Launen&#8220;, wird die erw\u00e4hnte Sammlung des k\u00f6niglichen Portr\u00e4tisten, Hofmalers und Ehrenmitglied der Akademie der K\u00fcnste bekannt. Sein Werk wirkt lange nach &#8211; bis in unsere heutige Zeit.<\/p>\n<p>&#8222;In den &#8218;Caprichos&#8216; spiegelt Goya eine Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist, gepr\u00e4gt von Lastern, Eigennutz und Betrug.&#8220; Kommt Ihnen bekannt vor? &#8222;Neben Adeligen, M\u00f6nchen und Richtern spuken Ausgesto\u00dfene, Verr\u00fcckte, Prostituierte, Monster und Fabelwesen durch die Bilder, ihre Gesichter meist angstvoll und schmerzverzerrt. Es ist ein Horrorkabinett der Dummheit, der Willk\u00fcr und des religi\u00f6sen Wahns.&#8220; Kommt Ihnen ebenfalls bekannt vor? Das schreibt Jochen Pioch im Magazin &#8222;Geo Epoche&#8220; vor \u00fcber zehn Jahren. Doch damals kamen einem diese Gestalten weiter weg vor als heute. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/318A-GOYA-CL-08114.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"This Is Worse Esto es peor Desastres 37 \u2219 1810\u20131814\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/318A-GOYA-CL-08114.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">This Is Worse Esto es peor Desastres 37 \u2219 1810\u20131814<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: London, The British Museum, 1975)<\/p>\n<p>   Wunder schaffen<\/p>\n<p>1797: Goya war von einer Krankheit genesen, die ihn fast das Leben gekostet h\u00e4tte &#8211; kein Wunder also, dass er nicht allzu gut gelaunt ist. Mit scharfem Blick und Erfindungsgabe erfasste er in seinen Druckgrafiken die Seele Spaniens in dieser bewegten Zeit. Die nun bei Taschen erschienene, vollst\u00e4ndige Sammlung seiner 287 Radierungen und Lithografien offenbart das Werk eines K\u00fcnstlers um die Jahrhundertwende, der vor den Abgr\u00fcnden menschlicher Torheit, Heuchelei, Gewalt und Macht nicht zur\u00fcckschreckte. &#8222;Phantasie ohne Vernunft f\u00fchrt zu Ungeheuerlichkeiten; vereint aber bringen sie wahre Kunst hervor und schaffen Wunder&#8220;, das war seine \u00dcberzeugung im Jahre 1799.<\/p>\n<p>Francisco de Goya, einer der innovativsten Maler und Grafiker des sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhunderts, hat Radierungen und Lithografien hinterlassen, die als Meisterwerk der modernen Druckgrafik gelten. Zu Beginn seiner Laufbahn, gleich nach seiner Ausbildung in Spanien und Italien, wurde er zum ersten Hofmaler Karls IV. ernannt. In seinen Werken brachte er die fortschrittlichen Ideen der Aufkl\u00e4rung in einen spannungsgeladenen Dialog mit der brutalen Realit\u00e4t seiner Zeit. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/319A-GOYA-CL-08114.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Barbarians! Barbaros! Desastres 38 \u2219 1810\u20131814\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/319A-GOYA-CL-08114.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Barbarians! Barbaros! Desastres 38 \u2219 1810\u20131814<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: London, The British Museum, 1975)<\/p>\n<p>Ob in Einzelbl\u00e4ttern wie dem ersch\u00fctternden &#8222;Der Garrottierte&#8220; oder dem erhabenen &#8222;Der sitzende Gigant&#8220; oder in seinen ber\u00fchmten Serien &#8211; den bereits erw\u00e4hnten satirischen &#8222;Caprichos&#8220;, den schonungslosen &#8222;Desastres de la Guerra&#8220;, der dynamischen &#8222;Tauromaquia&#8220; und den albtraumhaften &#8222;Disparates&#8220; &#8211; Goya hielt sowohl Licht als auch die Schatten einer Welt im Umbruch fest, in der das Individuum h\u00e4ufig Opfer von Gewalt, Aberglauben oder der herrschenden Macht wurde. <\/p>\n<p>Eine Klage in Kupfer<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich ist das nicht gerade, denn seine Werke waren nicht nur Reflexionen \u00fcber die spanische Gesellschaft, es waren Anklagen, Meditationen und Warnungen, eingraviert in Kupferplatten. Die herausragende Sammlung von 287 Radierungen und Lithografien, die Jos\u00e9 Manuel Matilla und Anna Reuter zusammengefasst haben, vereint Goyas gesamtes druckgrafisches Werk, darunter Ausgaben, die unter seiner direkten Aufsicht entstanden, sowie seltene Zustandsdrucke aus nicht ver\u00f6ffentlichten Serien. <\/p>\n<p>   <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/202A-GOYA-CL-08114.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Until Death, Hasta la muerte Caprichos 55\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/202A-GOYA-CL-08114.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Until Death, Hasta la muerte Caprichos 55<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-1921-2076)<\/p>\n<p>Die AutorInnen dieses monumentalen Bildbands haben sich wahrlich ins Zeug gelegt: Anna Reuter promovierte an der Philipps -Universit\u00e4t Marburg in Kunstgeschichte. Sie wirkte an zahlreichen spanischen und internationalen Ausstellungsprojekten sowie an wissenschaftlichen Publikationen zur europ\u00e4ischen und spanischen Kunst mit. Als freie Wissenschaftlerin forscht sie \u00fcber Francisco de Goya und die Zeichnungen der Alten Meister. <\/p>\n<p>Jos\u00e9 Manuel Matilla ist Leiter der Grafischen Sammlung des Prado. Zuvor koordinierte er die Aktivit\u00e4ten der Calcografi\u00e0 Nacional de la Real Academia de Pellas Artes de San Fernando in Madrid. Seinen Forschungsschwerpunkt bilden Zeichnungen und Druckgrafiken Goyas sowie Kupferstiche des 17. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>&#8222;Goya&#8220; bietet einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Einblick in die Experimentierfreude des K\u00fcnstlers und in seine Kontrolle \u00fcber den Druckprozess. Mit detaillierten Kommentaren zu jeder Druckgrafik und profunden Essays von Matilla und Reuter ist dieser Band die Kr\u00f6nung von mehr als zwei Jahrhunderten wissenschaftlicher Forschung und eine eindringliche visuelle Erz\u00e4hlung. <\/p>\n<p>Aktuell wie lange nicht mehr<\/p>\n<p>Goya hat die Welt nicht einfach nur dargestellt, er hat sie seziert und die Spannungen zwischen Vernunft und Wahnsinn, Gerechtigkeit und Grausamkeit, Hoffnung und Verzweiflung offengelegt. Goya ist nicht einfach nur ein K\u00fcnstler aus dem fernen 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert &#8211; Goya ist leider h\u00f6chstgradig aktuell und h\u00e4lt uns einen Spiegel vor, von dem wir uns gew\u00fcnscht h\u00e4tten, dass wir ihn nie wieder aus der Schublade ziehen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Woran denken Sie, wenn Sie den Namen Goya h\u00f6ren? 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