{"id":492207,"date":"2025-10-12T06:20:20","date_gmt":"2025-10-12T06:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/492207\/"},"modified":"2025-10-12T06:20:20","modified_gmt":"2025-10-12T06:20:20","slug":"alzheimer-breitet-sich-jahrzehntelang-still-und-heimlich-aus-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/492207\/","title":{"rendered":"Alzheimer breitet sich jahrzehntelang still und heimlich aus \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Mutierte Proteine, die ins Gehirn wandern, setzen dem komplexen Organ \u00fcber sehr lange Zeit hinweg zu \u2013 bis der gef\u00fcrchtete Ged\u00e4chtnisverlust beginnt. Gelangen sie \u00fcber unser Essen in den K\u00f6rper? <\/p>\n<p>Jahrzehntelang k\u00e4mpfen Immunzellen namens Mikroglia im Gehirn gegen mutierte Proteine, die zu Ablagerungen verklumpen und zum Zelltod f\u00fchren. Wie? Sie fressen die Eiwei\u00dfe schlichtweg auf. Doch die Ver\u00e4nderungen greifen lawinenartig um sich, und die Immunzellen werden im Alter m\u00fcde. Die Versuche von <a href=\"https:\/\/psychlab.i-med.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Christian Humpel (Med-Uni Innsbruck)<\/a> st\u00fctzen dieses Verst\u00e4ndnis davon, wie die Alzheimer-Krankheit entsteht \u2013 gezeigt hat er dies im Mausmodell. <\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich besch\u00e4ftigte sich der Neurobiologe mit der Parkinson-Erkrankung, damals noch am an\u00adgesehenen Karolinska-Institut in Schweden. \u201eDort bin ich Anfang der 1990er-Jahre in Kontakt mit zwei Wachstumsfaktoren gekommen\u201c, erz\u00e4hlt Humpel. Das waren das erst neu entdeckte Protein GDNF, das Dopamin-Neuronen vor dem Zelltod sch\u00fctzt (und damit Parkinson entgegenwirkt), und das Protein NGF. Zur\u00fcck in \u00d6sterreich an der Med-Uni Innsbruck richtete er mit diesem Wissen seinen Fokus auf eine andere neurodegenerative\u00a0Erkrankung: Alzheimer. \u201eNGF sch\u00fctzt Nervenzellen, die den f\u00fcr die Erinnerung verantwortlichen Botenstoff Acetylcholin bilden und die bei der Alzheimer-Demenz absterben\u201c, erkl\u00e4rt er. Substanzen, die verhindern, dass es zum Abbau von Acetylcholin kommt, werden heute eingesetzt, um leichte bis mittelschwere Symptome zu lindern und die Demenz zu verz\u00f6gern.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-1\" class=\"anchor\"\/>Fehler verbreiten sich rasant<\/p>\n<p>\u201eMich hat interessiert: Warum sterben diese Nervenzellen bei der Alzheimer-Erkrankung, und wie k\u00f6nnen wir den Zelltod verhindern?\u201c Um Antworten auf diese Fragen zu finden, entwickelte er den dreidimensionalen \u201eorganotypischen Gehirnschnitt\u201c f\u00fcr das Mausmodell weiter und experimentierte mit NGF. \u00dcber drei Jahrzehnte hinweg verfeinerte er die Methode, um daran die eingangs erw\u00e4hnte Spreading-Hypothese \u00fcber die Ausbreitung von Ablagerungen an 150 Mikrometer d\u00fcnnen Hirnscheiben von gesunden sowie von genetisch ver\u00e4nderten \u201eAlzheimer-M\u00e4usen\u201c zu untersuchen. <\/p>\n<p>Sein Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der seltenen vererbbaren, sondern auf der \u201eerworbenen\u201c Form der Erkrankung. Hier treten erste Ver\u00e4nderungen \u2013 Mutationen des Proteinfragments Beta-Amyloid und des Proteins Tau \u2013 schon Jahrzehnte vor den Symptomen auf. Die Fehlfunktionen breiten sich ausgehend von einem Gehirnareal exponentiell in Nachbarregionen aus. Wenn die Ablagerungen (Plaques) riesig sind und ein Gro\u00dfteil der Nervenzellen durch massive Verklumpungen abgestor\u00adben ist, setzt der Ged\u00e4chtnisverlust ein. Humpel ist es \u2013 zuletzt <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/forschungsradar\/10.55776\/P32558\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">in einem vom Wissenschaftsfonds FWF gef\u00f6rderten Projekt<\/a> \u2013 gelungen, die Spreading-Hypothese zur Ausbreitung von Plaques zu untermauern. <\/p>\n<p><a id=\"kapitel-2\" class=\"anchor\"\/>Theorie: Aufnahme schadhafter Proteine \u00fcbers Essen<\/p>\n<p>Bei Alzheimer treten beide durch Beta-Amyloid und Tau ausgel\u00f6ste Pathologien auf, aber: \u201eEs ist viel komplizierter. Wir sehen Entz\u00fcndungen und, dass Immunzellen aktiviert werden, die das Gehirn sch\u00fctzen. Wir sehen, dass Zellen in bestimmte Bereiche einwandern und die Ablagerungen wieder abbauen. Doch wir sehen auch, dass Gef\u00e4\u00dfe degenerieren und sich die Blut-Hirn-Schranke \u00f6ffnet, wodurch toxische Substanzen ins Gehirn gelangen.\u201c <\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild1 Humpel.jpg\" alt=\"Der Neurobiologe Christian Humpel\u00a0h\u00e4lt gesunde Gef\u00e4\u00dfe \u2013 wie beim Herzen \u2013 f\u00fcr die Gehirngesundheit f\u00fcr entscheidend.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Der Neurobiologe Christian Humpel\u00a0h\u00e4lt gesunde Gef\u00e4\u00dfe \u2013 wie beim Herzen \u2013 f\u00fcr die Gehirngesundheit f\u00fcr entscheidend.\u2003Med-Uni Innsbruck<\/p>\n<p>Woher kommen nun die krankhaften Eiwei\u00dfe? Auf die Gehirnschnitte \u2013 von sowohl gesunden als auch transgenen M\u00e4usen \u2013 wurden die mit der Alzheimer-Krankheit verbundenen mutierten Proteine aufgebracht und deren Effekte untersucht. Es gebe vage Theorien, dass schadhaft mutierte Eiwei\u00dfe z.\u2009B. \u00fcber das Essen aufgenommen werden, sagt Humpel mit Verweis auf die Creutzfeldt-Jakob- und die Kuru-Krankheit. Als erwiesen gilt hingegen, dass ein Lebensstil mit guter Ern\u00e4hrung, viel Bewegung, lebenslangem Lernen, sozialen Kontakten und Verzicht auf Nikotin und Alkohol das Risiko senkt. Er selbst h\u00e4lt gesunde Gef\u00e4\u00dfe wie beim Herzen f\u00fcr entscheidend.<\/p>\n<p> <a id=\"kapitel-3\" class=\"anchor\"\/>Einmal spucken, bitte<\/p>\n<p>Da die Menschen immer \u00e4lter werden und das Risiko mit den Lebensjahren steigt, rechnet Humpel mit einem enormen Anstieg der F\u00e4lle. Da Therapien in jungen Jahren\u2009\u2013 bevor die ersten Symptome \u00fcber den Betroffenen hereinbrechen\u2009\u2009\u2013 starten sollten, ist die Forschung an einer g\u00fcnstigen und unkomplizierten Diagnostik essenziell. In der klinischen Routine sind Biomarker im Liquor (R\u00fcckenmarkfl\u00fcssigkeit) zuverl\u00e4ssig und g\u00e4ngig, was allerdings einen invasiven Eingriff voraussetzt. Ein aktueller Ansatz ist, gute Biomarker in Blut oder sogar Speichel zu identifizieren und Labore f\u00fcr deren Bestimmung zu zertifizieren. Humpel ist zuversichtlich: \u201eIch denke, dass wir 2026 entsprechende Blutbiomarker in der klinischen Routine etablieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>              Zur Person<\/p>\n<p><strong>Christian Humpel<\/strong> (63) ist Professor f\u00fcr Experimentelle Psychiatrie an der Med-Uni Innsbruck. F\u00fcr die von ihm optimierte Gehirnschnitt-Methode erhielt er im Jahr 2000 den Staatspreis, 2001 wurde er mit dem Otto-Loewi-Award ausgezeichnet und k\u00fcrzlich \u2013 f\u00fcr sein Lebenswerk \u2013 mit dem \u201eTuba-Preis\u201c (Dr. Johannes und Hertha Tuba-Stiftung).<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mutierte Proteine, die ins Gehirn wandern, setzen dem komplexen Organ \u00fcber sehr lange Zeit hinweg zu \u2013 bis&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":492208,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[1049,123542,1051,29,597,123545,30,141,232,288,123546,123544,91928,123543,193],"class_list":{"0":"post-492207","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-alzheimer","9":"tag-christian-humpel","10":"tag-demenz","11":"tag-deutschland","12":"tag-forschung","13":"tag-gehirnschnitte","14":"tag-germany","15":"tag-gesundheit","16":"tag-health","17":"tag-krankheit","18":"tag-mausmodell","19":"tag-med-uni-innsbruck","20":"tag-proteine","21":"tag-spreading-hypothese","22":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115359752125633475","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/492207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=492207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/492207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/492208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=492207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=492207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=492207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}