{"id":492823,"date":"2025-10-12T12:06:15","date_gmt":"2025-10-12T12:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/492823\/"},"modified":"2025-10-12T12:06:15","modified_gmt":"2025-10-12T12:06:15","slug":"wie-musik-aus-einer-anderen-dimension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/492823\/","title":{"rendered":"Wie Musik aus einer anderen Dimension"},"content":{"rendered":"<p class=\"intro\">\n  Es war das einzige Deutschlandkonzert einer legend\u00e4ren Formation. Und der Auftritt des Philip Glass Ensembles im Tollhaus Karlsruhe wurde zum Ereignis.\n<\/p>\n<p>    <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"\" alt=\"F\u00fcnf M\u00e4nner und eine Frau stehen auf einer B\u00fchne und nehmen Beifall entgegen.\" src=\"https:\/\/bnn.de\/img\/16019058\/K8UVN-PyUKLc_26xIKyjYw\/glass?size=1920&amp;format=jpeg&amp;variant=LANDSCAPE_16x9\" width=\"1920\" height=\"1080\" loading=\"eager\" data-upscaled=\"\"\/><\/p>\n<p>                \u201eStanding Ovations\u201c erhielt das Philip Glass Ensemble nach seinem Auftritt im Tollhaus Karlsruhe, dem einzigen Deutschlandtermin seiner aktuellen Tour.<\/p>\n<p>            Foto: Andreas J\u00fcttner<\/p>\n<p>Es gibt klassische Musik und es gibt \u201eglassische\u201c Musik. Pardon, das war jetzt nicht das originellste Wortspiel. Aber sie sind nun mal ein ganz eigenes Genre, die Kompositionen des US-Komponisten, dessen Werk von radikaler Avantgarde bis zu oscarnominierten Filmsoundtracks reicht.<\/p>\n<p>Und ebenfalls einzigartig ist die Kunst, diese Musik aufzuf\u00fchren. Das wurde jetzt deutlich beim Gastspiel des Philip Glass Ensembles im Tollhaus Karlsruhe. <\/p>\n<p>Gralsh\u00fcter der Minimal Music in Karlsruhe<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bnn.de\/karlsruhe\/einmalige-gelegenheit-philip-glass-ensemble-gastiert-in-karlsruhe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die 1968 in New York gegr\u00fcndete Formation kann man als Zeitzeugen und Gralsh\u00fcter der Minimal Music bezeichnen<\/a>. F\u00fcr genau dieses Ensemble hat Glass viele seiner Klanglandschaften entwickelt. Und es ist schwer vorstellbar, dass anderen Ensembles eine Auff\u00fchrung mit dieser Intensit\u00e4t gelingen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Glass\u2019 Musik vereint die kreisenden Wiederholungen des Barock mit der maschinenhaften Pr\u00e4zision von Techno-Sequencing. Die enorme musikhistorische Spanne spiegelt sich auch in der Instrumentierung. Die H\u00e4lfte des sechsk\u00f6pfigen Ensembles agiert an Synthesizern. <\/p>\n<p>Die andere H\u00e4lfte spielt Fl\u00f6te, Klarinette und Saxofon \u2013 also analoge Instrumente, die durch menschlichen Atem betrieben und somit dem menschlichsten Instrument, der Stimme, besonders nahe sind.<\/p>\n<p>Auch die Gesangsstimme ist ein wichtiges Element. Und es ist wohl die eindrucksvollste Leistung des Abends, wie Lisa Bielawa (geboren im Gr\u00fcndungsjahr des Ensembles und Mitglied seit 1992) hier agiert. <\/p>\n<p>Musik aus Rhythmen statt Melodien<\/p>\n<p>Auf dem Programm stehen der Zyklus \u201eGlassworks\u201c von 1981 sowie je ein Ausschnitt aus Glass\u2019 Opern \u201eSathyara\u201c, \u201eAkhnaten\u201c und \u201eThe Photographer\u201c (1980 bis 1983). In diesen St\u00fccken gibt es keine Melodien im herk\u00f6mmlichen Sinn, sondern vor allem rhythmische Muster von tragenden Vierteln bis zu rasanten Sechzehnteln.<\/p>\n<p>Das Bl\u00e4sertrio (Dan Bora, Peter Hess und Ryan Kelly) galoppiert oft von Tonika \u00fcber Terz und Quinte zur Oktave und wieder zur\u00fcck. Bielawas Gesangsstimme st\u00f6\u00dft unfassbar tonsicher dazwischen, rhythmisch ebenso pr\u00e4zise dazwischen wie die Synthesizerakkorde, die Mick Rossi und auch sie selbst platzieren. <\/p>\n<p>Hinzu kommen die ebenfalls uhrwerkgenauen L\u00e4ufe an Klaviert\u00f6nen und Synthesizer-B\u00e4ssen, die Rossi und Ensembleleiter Michael Riesman in atemberaubender Synchronizit\u00e4t abliefern.<\/p>\n<p>Diese insgesamt sieben Ebenen verschieben sich immer neu in- und gegeneinander. So entstehen vielfarbige Klanggewebe, in deren faszinierend schillernden Geflecht man sich labyrinthisch verliert. <\/p>\n<p>Aus Abstraktion entsteht \u00fcberirdische Sch\u00f6nheit<\/p>\n<p>Selbst ohne das \u201eSpaceship\u201c aus Glass\u2019 erster Oper \u201eEinstein on the Beach\u201c von 1976, das in der Zugabe abhebt, h\u00e4tte das Konzert den Eindruck eines Weltall-Trips hinterlassen. Und zwar einerseits so futuristisch abstrakt wie in Stanley Kubricks Kinovision \u201e2001\u201c und andererseits von mitunter \u00fcberirdischer Sch\u00f6nheit. <\/p>\n<p>Denn verfolgt man die Spur der einzelnen Instrumente, dann wirken ihre Kl\u00e4nge wie \u00fcbereinander geschichtete Sph\u00e4ren, durch die man h\u00f6rend hindurchfliegt. So erlaubt diese scheinbar mathematisch kalte Musik ein Eintauchen in die antike Vorstellung der Sph\u00e4renharmonie. Das war nichts weniger als ein Ereignis.<\/p>\n<p>          <a href=\"https:\/\/bnn.link\/55g\" target=\"_blank\" class=\"link-acquire\" rel=\"nofollow noopener\">Rechte am Artikel erwerben<\/a><\/p>\n<p>    <a class=\"button--full button--home button button--primary\" href=\"https:\/\/bnn.de\/\" _keys=\"class href\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war das einzige Deutschlandkonzert einer legend\u00e4ren Formation. 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