{"id":493089,"date":"2025-10-12T14:30:12","date_gmt":"2025-10-12T14:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493089\/"},"modified":"2025-10-12T14:30:12","modified_gmt":"2025-10-12T14:30:12","slug":"francos-fruehere-ruhestaette-bleibt-ein-streitthema","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493089\/","title":{"rendered":"Francos fr\u00fchere Ruhest\u00e4tte bleibt ein Streitthema"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 12.10.2025 15:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Spanien will die Franco-Diktatur aufarbeiten und hat in den vergangenen Jahren viele Denkm\u00e4ler und Statuen seiner Gefolgsleute entfernt. Seine ehemalige Grabst\u00e4tte aber sorgt weiter f\u00fcr Diskussionen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Julia Macher, ARD Madrid\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das 150 Meter hohe Betonkreuz ist schon von Weitem zu sehen. Es ragt auf einem Felsen der Sierra de Cuelgamuros im Nordwesten Madrids, \u00fcber einer in den Berg gegrabenen Basilika. General Francisco Franco lie\u00df das Ensemble 1959 errichten, als Denkmal f\u00fcr seinen Sieg im spanischen B\u00fcrgerkrieg (1936-1939).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bis 2019 lag der spanische Diktator hier begraben, unter einer schlichten Steinplatte vor dem Hauptaltar. Der f\u00fcr den Betrieb der Basilika zust\u00e4ndige Benediktinerorden las t\u00e4glich eine Messe f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch heute noch wird im Felsendom t\u00e4glich die Messe gelesen. Auf den Holzb\u00e4nken der Kirche sitzen meist nicht mehr als ein, zwei Dutzend Besucher. Viele treibt die Neugierde hierher, manche die Sympathie f\u00fcr den faschistischen General, der das Land von 1939 bis zu seinem Tod 1975 mit strenger Hand regierte.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        1936 putschte General Franco gegen die linke Regierung Spaniens. Mit Unterst\u00fctzung Nazi-Deutschlands siegten seine Truppen im nachfolgenden B\u00fcrgerkrieg. Seine Diktatur endete erst mit seinem Tod 1975.\n                    <\/p>\n<p>    Umbettung und Umbenennung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Emilio Silva treibt der \u00c4rger zum Felsendom. Der Pr\u00e4sident des Vereins Asociaci\u00f3n para la recuperaci\u00f3n de la Memoria Hist\u00f3rica (Verein zur Wiedererlangung des historischen Ged\u00e4chtnisses) war einer der ersten, der in Spanien eine kritische Aufarbeitung der Franco-Diktatur gefordert hat. &#8222;Das Geb\u00e4ude geh\u00f6rt zwar jetzt offiziell dem spanischen Staat, aber es atmet immer noch die Symbolik der Diktatur&#8220;, sagt Silva. &#8222;Es sind immer noch die Faschisten, die es als ihr Eigentum betrachten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit zwei gro\u00dfen erinnerungspolitischen Initiativen hat Spanien 2007 und 2022 versucht, zu einem neuen Umgang mit der Diktatur zu finden. Laut dem sogenannten Gesetz zur demokratischen Erinnerung soll das sogenannte &#8222;Valle de los Ca\u00eddos&#8220; (&#8222;Tal der Gefallenen&#8220;) zu einem Gedenkort f\u00fcr alle umgestaltet werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Francos \u00dcberreste wurden umgebettet, das Ensemble in &#8222;Valle de Cuelgamuros&#8220; umbenannt. Doch das sei zu wenig, sagt Silva. Der Aktivist f\u00fchrt in die Seitenkapellen der Basilika. In den Nischengr\u00e4bern des Tunnelgew\u00f6lbes liegen die \u00dcberreste von mehr als 33.000 Toten aus dem B\u00fcrgerkrieg. Sie wurden oft ohne oder sogar gegen den Willen der Angeh\u00f6rigen bestattet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Franco wollte die Kirche so zum Mahnmal der Vers\u00f6hnung stilisieren, zu einem Ort, an dem Opfer beider Seiten ruhen sollten. Dutzende Familien haben die Exhumierung ihrer Angeh\u00f6rigen beantragt, doch die Identifikation der \u00dcberreste dauert. Ein Grund daf\u00fcr: der Widerstand der Benediktinerm\u00f6nche, die sich jahrelang mit juristischen Klagen, Messen unter freiem Himmel und Blockadedrohungen gegen Eingriffe wehrten.<\/p>\n<p>    Die letzte Bastion des Nationalkatholizismus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Emilio Silva wundert das nicht. &#8222;Die katholische Kirche war St\u00fctzpfeiler des Regimes und mitverantwortlich f\u00fcr die Repression&#8220;, sagt er. Die f\u00fcr die Basilika zust\u00e4ndige Klostergemeinschaft galt als extrem konservativ und letzte Bastion des sogenannten Nationalkatholizismus, eine religi\u00f6s-nationalistische Ideologie, die das Franco-Regime pr\u00e4gte. Zu einem demokratischen Gedenkort k\u00f6nne das Monument nur werden, wenn die Kirche es verlasse, sagt Silva.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch das ist ausgeschlossen. Im Fr\u00fchjahr 2025 hat sich die Linkskoalition mit dem Vatikan geeinigt: Die Benediktinerm\u00f6nche d\u00fcrfen im Kloster bleiben und weiter Messen lesen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Weithin sichtbar ist das Kreuz \u00fcber Valle de Cuelgamuros &#8211; es misst 152 Meter und ist das weltweit h\u00f6chste freistehende Kreuz.\n                    <\/p>\n<p>    Z\u00f6gerliche Umgestaltung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um Ideen f\u00fcr einen angemessenen Umgang mit dem schwierigen Erbe zu finden, hat die Regierung einen Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. Umgesetzt werden soll die Siegeridee dann im Laufe des n\u00e4chsten Jahres. Ein Budget von 30 Millionen Euro ist daf\u00fcr eingepreist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sich die Umwidmung des Franco-Mahnmals so lange hinzieht, kritisiert auch Antonio Cazorla S\u00e1nchez, Historiker an der kanadischen Trent University. &#8222;Die Diktatur ist seit einem halben Jahrhundert vorbei. Und wir haben weder ein Museum dazu noch eine angemessene Musealisierung des sogenannten Valle de los Ca\u00eddos.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Spanien habe es vers\u00e4umt, die Diktatur-Vergangenheit angemessen zu vermitteln. &#8222;Wir zahlen daf\u00fcr einen hohen Preis: den Aufstieg der Ultrarechten&#8220;, so der Historiker.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        2019 wurden die Gebeine Francos in die Familiengruft bei Madrid umgebettet. Seine Familie versuchte vergeblich, das zu verhindern.\n                    <\/p>\n<p>    Die ultrarechte Vox als Profiteur?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut einer Befragung der Tageszeitung El Pa\u00eds w\u00fcrden derzeit 30 Prozent der Spanier unter 35 Jahren die rechtsextreme Vox w\u00e4hlen, Tendenz steigend. Die ultrarechte Partei verteidigt die Franco-Diktatur und sieht den umstrittenen Felsendom als &#8222;Symbol f\u00fcr Spaniens christliche Wurzeln&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gemeinsam mit den Benediktinerm\u00f6nchen hat Vox versucht, die Umgestaltungspl\u00e4ne zu stoppen &#8211; vergeblich. Die Ordensbr\u00fcder sehen die Regierungspl\u00e4ne weiter kritisch, aber der Ton der Auseinandersetzung ist nach dem R\u00fccktritt des Priors der Gemeinschaft gem\u00e4\u00dfigter: Referenzen auf die Diktatur wurden aus dem Webauftritt von Kloster und Basilika inzwischen getilgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 12.10.2025 15:26 Uhr Spanien will die Franco-Diktatur aufarbeiten und hat in den vergangenen Jahren viele Denkm\u00e4ler und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":493090,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[3274,29,9825,214,105584,30,4026,215],"class_list":{"0":"post-493089","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-kirche","9":"tag-deutschland","10":"tag-diktatur","11":"tag-entertainment","12":"tag-franco","13":"tag-germany","14":"tag-spanien","15":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115361679380012799","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=493089"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493089\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/493090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=493089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=493089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=493089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}