{"id":493220,"date":"2025-10-12T15:45:14","date_gmt":"2025-10-12T15:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493220\/"},"modified":"2025-10-12T15:45:14","modified_gmt":"2025-10-12T15:45:14","slug":"maja-lunde-hat-ein-sachbuch-ueber-die-gefahren-der-digitalisierung-fuer-kinder-und-jugendliche-geschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493220\/","title":{"rendered":"Maja Lunde hat ein Sachbuch \u00fcber die Gefahren der Digitalisierung f\u00fcr Kinder und Jugendliche geschrieben"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/panorama\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_panorama\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Panorama<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 12.10.2025, 17:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/jutta-martha-beiner-n8ie8mg0c.html\" title=\"Zur Autorenseite von Jutta Martha Beiner\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" martha=\"\" beiner=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jutta Martha Beiner<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/40043978-autorin-maja-lunde-im-maerz-2023-in-stockholm-2y7a.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"Autorin Maja Lunde im M&#xE4;rz 2023 in Stockholm\"\/>\u201eWir m\u00fcssen Kindern wieder die M\u00f6glichkeit geben, etwas aus sich selbst heraus zu schaffen\u201c, sagt Maja Lunde. \u00a9\u00a0IMAGO\/Pontus Lundahl \/ TT<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Maja Lunde hat ein Sachbuch \u00fcber die Gefahren der Digitalisierung f\u00fcr Kinder <br \/>und Jugendliche geschrieben. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Einsamkeit vorm Bildschirm und warum Politik und Gesellschaft die Macht der Tech-Giganten begrenzen m\u00fcssen<br \/>Von Jutta Martha Beiner<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Maja Lundes Romane sind weltweit in 40 Sprachen \u00fcbersetzt worden. In ihrem Sachbuch \u201eRettet die Kindheit\u201c, das jetzt auch auf Deutsch erscheint, macht sich die Bestseller-Autorin und Medienwissenschaftlerin daf\u00fcr stark, Kinder und Jugendliche vor digitalen Gefahren zu sch\u00fctzen. Norwegen z\u00e4hlt weltweit zu den Vorreitern, wenn es um Digitalisierung in Schulen geht, aber auch dort schlagen Fachleute Alarm: Bei Minderj\u00e4hrigen schadet zu viel Zeit im Internet massiv der Gesundheit. Davon ist auch Maja Lunde, selbst Mutter von drei S\u00f6hnen, \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Frau Lunde, woher kam das Bed\u00fcrfnis, sich mit einem Buch in die Debatte um digitale Bildung einzumischen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das hatte mehrere Gr\u00fcnde. Als Mutter und Medienwissenschaftlerin wurde mir zunehmend klar, dass die Massenmedien viel zu viel Raum einnehmen, nicht nur bei Kindern. Norwegen geh\u00f6rt zu den f\u00fchrenden L\u00e4ndern, wenn es um die Digitalisierung von Schulen und Bildung geht. Das Land hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um digitale Technologien in den Bildungsprozess zu integrieren. Als sich abzeichnete, wie das unsere Kinder negativ beeinflusst, habe ich ein Netzwerk zu ihrem Schutz gegr\u00fcndet. Als politische Aktivistin setze ich mich f\u00fcr mehr Lebensqualit\u00e4t in der Kindheit ein.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was macht Ihnen am meisten Sorgen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich beobachte, dass die digitale Pr\u00e4senz enorm viel Zeit stiehlt. Unsere Kinder schaffen es nicht mehr, sich dem zu widmen, was essenziell f\u00fcr sie ist: Schlaf oder k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t. Auch das Zusammensein mit anderen als soziales Training in der Gemeinschaft bleibt auf der Strecke. Das gilt auch f\u00fcr das Tr\u00e4umen und die Welt des Spiels. Spiel ist die wichtigste Ausdrucksform f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen. Durch die vielen Stunden im Internet bleibt ihnen keine Zeit mehr dazu. Wir nehmen unseren Kindern das Spielen, und stattdessen geben wir Technologie-Giganten Zugang zu ihnen. Wir lassen es zu, dass sie in den Griff wirtschaftlicher Interessen genommen und manipuliert werden. Nat\u00fcrlich ist nicht alles negativ, was Kinder am Bildschirm erleben k\u00f6nnen, zu viel Bildschirmzeit aber ist schlecht. Das Problem kann nur in Gesellschaft und Politik, gemeinsam durch kindgerechte Rahmenbedingungen, gel\u00f6st werden. Die Verantwortung darf nicht beim Einzelnen liegen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie stehen mit vielen Eltern im Austausch: Wie sehen diese die hohe Aktivit\u00e4t ihrer Kleinen im digitalen Raum?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Die sch\u00e4dliche Wirkung dieser Aktivit\u00e4t ist nicht mehr zu \u00fcbersehen. Viele Eltern, mit denen ich spreche, f\u00fchlen sich hilflos. Die H\u00e4lfte der Neunj\u00e4hrigen in Norwegen hat Zugang zu sozialen Medien \u2013 nicht, weil die Eltern das so w\u00fcnschen. Tats\u00e4chlich f\u00fchlen sich die Eltern unter Druck gesetzt, wenn alle anderen ein Smartphone mit Internet-Zugang haben. Dein Kind soll dazugeh\u00f6ren und nicht als Au\u00dfenseiter aufwachsen. Daher brauchen Eltern Unterst\u00fctzung von Politik und Schulleitung. Sie m\u00fcssen darin best\u00e4rkt werden, Grenzen zu setzen und l\u00e4nger zu warten, bis sie ihren S\u00f6hnen und T\u00f6chtern ein Smartphone anschaffen. Und nicht zuletzt sollten sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen und das Handy \u00f6fter beiseitelegen. Gemeinsam m\u00fcssen wir unser Verh\u00e4ltnis zu Technologie \u00fcberdenken: Sie soll uns dienen und gut f\u00fcr uns sein \u2013 und nicht destruktiv. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie steht es in Ihrer Familie um die Balance zwischen Online-Zeit und analogem Leben?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Der \u00e4lteste, 21 Jahre alt, hatte eine Kindheit, die meiner eigenen \u00e4hnelte, w\u00e4hrend der j\u00fcngste in einer weitaus st\u00e4rker bildschirmgepr\u00e4gten Kinderkultur aufgewachsen ist. Ich sehe, dass er dabei etwas verloren hat. Viele Kinder in Norwegen haben bereits ab der ersten Klasse ein Tablet bekommen, aber zum Gl\u00fcck bekamen meine Kinder erst sp\u00e4ter im Schulverlauf einen Schulcomputer. Leider wurden die PCs mit nach Hause geschickt, wo sie schnell f\u00fcr alles M\u00f6gliche au\u00dfer f\u00fcr die Schule verwendet werden. Das ist in vielen Familien ein Problem. Aus der Forschung wissen wir, dass die digitale Schule dazu f\u00fchrt, dass die Sch\u00fcler mehr allein arbeiten \u2013 das ist einsamer. Manche der digitalen Schulwerkzeuge k\u00f6nnen auch zum Mobbing genutzt werden, etwa in Gruppen-Chats. Au\u00dferdem sind viel zu wenige Seiten auf den Ger\u00e4ten gesperrt. Auch sch\u00e4dliche Inhalte werden nicht ausreichend gefiltert. Die Digitalisierung der Schule ist viel zu schnell vorangeschritten, ohne grundlegende Dinge wie Filter sicherzustellen \u2013 stattdessen hat man sechsj\u00e4hrigen Kindern offene Tablets gegeben, mit Zugang zu allem, von Youtube bis Pornhub. Schulkinder sind heute h\u00e4ufiger zu Hause und allein. Sie haben Angst, auf andere zuzugehen, aus Furcht, abgelehnt zu werden \u2013 je weniger soziale \u00dcbung sie bekommen, desto schlimmer wird es. Sie sehen auch Gewalt im Internet, mit der sie nicht umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was kann man denn in Ihren Augen \u00fcberhaupt noch gegen diese Entwicklung tun?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Die Politik sollte sich mehr einmischen und f\u00fcr mehr Schutz sorgen, etwa durch von den Schulen angepassten Filtern, die den Zugang zu kindersch\u00e4dlichen Inhalten verhindern. Technisch ist das l\u00e4ngst m\u00f6glich. Zudem m\u00fcssen wir den Kindern wieder die M\u00f6glichkeit geben mehr zu spielen, und etwas aus sich selbst heraus zu schaffen. Ein Ziel ist es, dass sie nicht mehr so oft allein in ihrem Zimmer vor einem Schirm sitzen. Es m\u00fcssen von der Politik deutlichere Grenzen gesetzt und auch Empfehlungen f\u00fcr den Umgang von Kindern im Netz vermittelt werden. Das hilft den Familien. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Studien belegen seit langem die Abh\u00e4ngigkeit, die durch zu h\u00e4ufigen Zugang zu sozialen Medien und Internet entsteht. Wie sehen Sie das?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das ist h\u00f6chst bedenklich. Der Umgang mit dem Smartphone erfordert von jedem von uns st\u00e4ndig Willensst\u00e4rke. Wenn wir Erwachsenen das kaum schaffen, wie soll es den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern gelingen? Wir suchen st\u00e4ndig nach diesem Dopamin-Kick im Gehirn. In den sozialen Medien sind wir fast besessen davon, Anerkennung von anderen zu erhalten. So funktioniert Abh\u00e4ngigkeit. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das kindliche Gehirn noch in Entwicklung befindet. Disziplin und Impulskontrolle m\u00fcssen erst erlernt werden. Soziale Medien erschweren das, weil sie uns manipulieren und Abh\u00e4ngigkeiten schaffen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was haben Sie inzwischen erreicht? <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Es gibt in Norwegen sehr viele, die mir danken. Gerade erst haben die norwegischen Gesundheitsbeh\u00f6rden neue Empfehlungen herausgegeben, wie viel Zeit Kinder maximal, je nach Alter, vor dem Schirm verbringen sollen. Doch das ist viel zu wenig. Ich sehe das als eine vertane Chance. Denn auf die Qualit\u00e4t des Inhalts, das, was die Kinder zu sehen bekommen, wird gar nicht eingegangen \u2013 ob sch\u00e4dlich oder p\u00e4dagogisch wertvoll bleibt undifferenziert. Dabei geht es doch darum, unsere J\u00fcngsten aus dem Griff der Tech-Giganten zu befreien.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Und welche Rolle sollen Ihrer Ansicht nach die Schulen spielen, wenn es um einen ges\u00fcnderen Umgang mit dem Internet geht?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Norwegen ist das einzige Land in der digitalen Kompetenz grundlegend im Lehrplan verankert ist. Doch die Lehrkr\u00e4fte sind nicht gen\u00fcgend dazu ausgebildet. Es reicht nicht, nur einen internetg\u00e4ngigen PC ausgeteilt zu kommen, um kritisch damit umgehen zu k\u00f6nnen. Technologie sollte ein eigenes Unterrichtsfach werden, das kann nicht einfach dem Mathe-Lehrer zugemutet werden. Soziale Kompetenzen zu lehren, sollte ebenso auf dem Stundenplan verankert sein. Das Wichtigste ist es, den Kindern soziale Zusammenh\u00e4nge zu erm\u00f6glichen, wo sie nicht zuletzt ihre Regeln auch selbst aushandeln, um das zu \u00fcben. Das ist es, was sie am meisten brauchen. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir auch Langeweile wieder zulassen. Daraus k\u00f6nnen die gro\u00dfartigsten Dinge entstehen.<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Maja Lunde, 50, <\/strong>hat Literatur, Psychologie und Medienwissenschaften studiert. Nach dem Studium war sie zun\u00e4chst vor allem als Drehbuchautorin t\u00e4tig und schrieb Kinderb\u00fccher. 2015 erschien \u201eDie Geschichte der Bienen\u201c, mit dem sie auch international bekannt wurde. Das Buch ist das erste von insgesamt vier B\u00e4nden, in deren Geschichten sie Umweltthemen mit Geschichten von Menschen verbindet. Zuletzt erschien \u201eDer Traum von einem Baum\u201c. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Ihr neues Buch<\/strong> \u201eRettet die Kindheit\u201c ist dieser Tage bei Penguin erschienen. boh<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Panorama Stand: 12.10.2025, 17:00 Uhr Von: Jutta Martha Beiner DruckenTeilen \u201eWir m\u00fcssen Kindern wieder die M\u00f6glichkeit geben,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":493221,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-493220","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115361974640085542","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=493220"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493220\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/493221"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=493220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=493220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=493220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}