{"id":493428,"date":"2025-10-12T17:42:11","date_gmt":"2025-10-12T17:42:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493428\/"},"modified":"2025-10-12T17:42:11","modified_gmt":"2025-10-12T17:42:11","slug":"kolumbus-tag-kulturkampf-um-einen-feiertag-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493428\/","title":{"rendered":"Kolumbus Tag? Kulturkampf um einen Feiertag &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> ist an diesem Montag ein bundesweit anerkannter Feiertag. Aber was da genau gefeiert wird, h\u00e4ngt schwer davon ab, wo man wohnt. Unter anderem in Arizona, Idaho, Georgia, Illinois und New York wird der \u201eColumbus Day\u201c zu Ehren von Christopher Kolumbus begangen. In einigen Staaten wie New Mexico, Vermont und Maine hingegen wurde der \u201eColumbus Day\u201c vor einigen Jahren abgeschafft und durch den \u201eIndigenous Peoples\u2019 Day\u201c ersetzt. Ohio, Pennsylvania, Nebraska und Alabama feiern beide Tage auf einmal, w\u00e4hrend Tennessee den Kolumbus-Tag zwar offiziell \u201ebefolgt\u201c, aber den freien Arbeitstag lieber im November an Thanksgiving dranh\u00e4ngt. Es ist ein veritabler Feiertagsflickenteppich.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Selbstverst\u00e4ndlich ist die Frage, wer am Montag wegen des sogenannten Entdeckers Amerikas oder wegen der von ihm Entdeckten zu Hause bleibt, nicht allein eine Frage der Geografie, sondern inzwischen auch eine der Ideologie. Der Kulturkampf um Kolumbus ist in vollem Gange. Und der US-Pr\u00e4sident will da jetzt mal f\u00fcr klare Verh\u00e4ltnisse sorgen. Er verf\u00fcgt: Es wird am Montag der \u201eultimative Triumph der westlichen Zivilisation\u201c gefeiert!<\/p>\n<p>Der \u201eIndigenous Peoples Day\u201c ist f\u00fcr Trump ein Versuch von \u201elinken Brandstiftern\u201c, den Namen von Kolumbus zu zerst\u00f6ren<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In dem <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2025\/10\/columbus-day-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Dekret<\/a>, das Trump gerade diesbez\u00fcglich unterzeichnet hat, wird der in Genua geborene und unter spanischer Flagge segelnde Kolumbus als \u201etrue American hero\u201c bezeichnet, der geleitet von seinem \u201efrommen Gebet und seiner unersch\u00fctterlichen St\u00e4rke und Entschlossenheit\u201c, Tausende von Jahren an Weisheit, Philosophie, Vernunft und Kultur \u00fcber den Atlantik nach Amerika gebracht habe. \u201eBei seiner Ankunft errichtete er in einem Akt der Hingabe ein majest\u00e4tisches Kreuz und weihte das Land im Namen Gottes\u201c, hei\u00dft es auf dem Papier des Wei\u00dfen Hause.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nat\u00fcrlich ist das, gelinde gesagt, ein etwas eurozentrischer Ausschnitt der Geschehnisse vom 12. Oktober 1492, dem Tag, als Kolumbus die K\u00fcste der heutigen Bahamas erreichte, in der Annahme, es handle sich um die R\u00fcckseite von Indien. Dass der amerikanische Kontinent zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrtausenden bewohnt war, unter anderen von Hochkulturen wie den Maya, den Inka, den Azteken, dass auch auf dem heutigen Staatsgebiet der USA indigene V\u00f6lker lebten, die keineswegs auf das majest\u00e4tische Kreuz und alles, was es mit sich brachte, gewartet hatten: etwa den Landraub, die Zwangschristianisierung, die eingeschleppten Seuchen \u2013 all das erw\u00e4hnt der US-Pr\u00e4sident mit keinem Wort.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es ist, als ob es all das nicht gegeben h\u00e4tte, was Kerri Malloy, ein Professor der \u201eNative American and Indigenous Studies\u201c von San Jos\u00e9 State University gegen\u00fcber \u201eNPR Radio\u201c so beschreibt: Die Ankunft von Kolumbus \u201el\u00f6ste einen Massengenozid an den Ureinwohnern in der gesamten westlichen Hemisph\u00e4re aus\u201c. Um auch dieses Teils der Geschichte zu gedenken, wurde der \u201eIndigenous Peoples\u2019 Day\u201c eingef\u00fchrt \u2013 und in den zur\u00fcckliegenden Jahren auch immer weiter popularisiert. Aus Sicht des aktuellen US-Pr\u00e4sidenten ist das aber lediglich ein Versuch von \u201elinken Brandstiftern\u201c, den Namen von Kolumbus zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Tats\u00e4chlich war es der ehemalige demokratische Pr\u00e4sident Joe Biden, der den \u201eIndigenous Peoples\u2019 Day\u201c offiziell dem \u201eColumbus Day\u201c gleichstellte, an jedem zweiten Montag im Oktober. Die Behauptung Trumps allerdings, es seien vor allem seine politischen Gegner, also das von ihm als linksradikal bezeichnete Amerika, das mit Kolumbus ein Problem habe und dessen Erbe \u201eentehren\u201c wolle, geht so nicht ganz auf. Oklahoma beispielsweise ist einer der konservativsten Staaten der USA, in dem verl\u00e4sslich republikanisch gew\u00e4hlt wird. Es ist aber gleichzeitig auch die Heimat von 39 indigenen Stammesnationen. Und am Columbus Day wird dort selbstverst\u00e4ndlich auch der \u201eOklahoma Native American Day\u201c gefeiert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Bundesangestellten der USA haben es in dieser hoch komplizierten Gemengelage noch am einfachsten. Sie bleiben am Montag weder wegen der amerikanischen Ureinwohner noch wegen Christopher Kolumbus daheim. Sondern schon allein wegen des weiterhin andauernden Regierungs-Shutdowns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den USA ist an diesem Montag ein bundesweit anerkannter Feiertag. 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