{"id":493671,"date":"2025-10-12T20:11:21","date_gmt":"2025-10-12T20:11:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493671\/"},"modified":"2025-10-12T20:11:21","modified_gmt":"2025-10-12T20:11:21","slug":"klaus-manns-mephisto-intensiv-am-staatstheater-wiesbaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493671\/","title":{"rendered":"Klaus Manns \u00bbMephisto\u00ab intensiv am Staatstheater Wiesbaden &#8211;"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" width=\"640\" height=\"381\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Mephisto_STWi_a747449-2_c_mariia_shulga_6-640x381.jpg\" class=\"attachment-mh-magazine-content size-mh-magazine-content wp-post-image\" alt=\"\" title=\"Mephisto\" loading=\"eager\" decoding=\"async\"\/><br \/>\nMephisto ~ Staatstheater Wiesbaden ~ Hendrik H\u00f6fgen (Christian Klischat) ~ Foto: Mariia Shulga<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"188\" height=\"86\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kulturfreak_4_5.jpg\" alt=\"kulturfreak Bewertung: 4 von 5\" class=\"wp-image-521\"\/><\/p>\n<p>Die Rolle des Mephistopheles wurde f\u00fcr den Schauspieler Gustav Gr\u00fcndgens (1889 \u2013 1963) zur Rolle seines Lebens. Sie er\u00f6ffnete dem Opportunisten Kontakte in die h\u00f6chsten politischen Kreise seiner Zeit und legte insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus den Grundstein f\u00fcr seine weitere berufliche Entwicklung. Der Bruder seiner ersten Frau, der Schriftsteller Klaus Mann, schrieb bereits im Jahr 1936 ein Buch \u00fcber ihn. Die Figur des Hendrik H\u00f6fgen in dessen Roman \u201eMephisto\u201c ist dabei eine nur leicht verdeckte Anspielung auf Gustav Gr\u00fcndgens. <\/p>\n<p>Klaus Mann sah dies Zeit seines Lebens selbst nicht so (er w\u00fcrde nur einen Typ Menschen beschreiben, keine Portr\u00e4ts). Istv\u00e1n Szab\u00f3 brachte 1981 eine stark beachtete Filmversion davon heraus (mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle). Sie wurde 1982 mit einem Oscar ausgezeichnet (als bester ausl\u00e4ndischer Film).<\/p>\n<p>Sich selbst in Hendrik H\u00f6fgen wiedererkennen<\/p>\n<p>F\u00fcr das Staatstheater Wiesbaden hat jetzt der belgische Regisseur<strong> Luk Perceval <\/strong>eine B\u00fchnenfassung des Romans erarbeitet und inszeniert. Gespielt wird im Gro\u00dfen Haus. Dabei geht es ihm, \u00e4hnlich wie Claudia Bauer und Katja Herlemann bei ihrer Fassung 2020 am Schauspiel Frankfurt (<a href=\"http:\/\/kulturfreak.de\/schuldig-trotz-hehrer-ziele-klaus-manns-mephisto-am-schauspiel-frankfurt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Besprechung<\/a>) nicht darum, eine Biografie \u00fcber Gr\u00fcndgens zu zeigen.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Mephisto_STWi_a747449-2_c_mariia_shulga_4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-46925\"  \/><strong>Mephisto<\/strong><br \/>Staatstheater Wiesbaden<br \/><strong>Hendrik H\u00f6fgen (Christian Klischat), Juliette Martens (Lennart Preining)<\/strong><br \/>Foto: Mariia Shulga<\/p>\n<p><strong>Luk Perceval<\/strong> interessiert vielmehr die Frage, wie man sich in der polarisierenden Figur des Hendrik H\u00f6fgen selber wiedererkennen kann. Welche Position nimmt man in einem antidemokratischen System ein? Ist man Mitl\u00e4ufer oder positioniert man sich explizit? Angesichts der aktuellen Weltlage ist das St\u00fcck auch ein Resonanzraum f\u00fcr Fragen der Gegenwart.<\/p>\n<p>Leer ger\u00e4umte B\u00fchne<\/p>\n<p>Dabei unterscheidet sich die Wiesbadener Produktion von der Frankfurter szenischen stark. Angesichts zunehmender K\u00fcrzungen im Kulturbereich und daf\u00fcr zunehmender F\u00f6rderung der R\u00fcstungsindustrie wurde in der Landeshauptstadt auf ein klassisches B\u00fchnenbild verzichtet. Beim Betreten des Zuschauersaals befinden sich auf der bereits ge\u00f6ffneten und \u00fcber den Orchestergraben hinaus verl\u00e4ngerten B\u00fchne zwar noch Kulissenteile aus anderen Produktionen. Ein Beleuchtungszug h\u00e4ngt auf halber H\u00f6he, im Hintergrund ein Prospekt mit einer Rang-Ansicht des Hauses. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Mephisto_STWi_4453_upscalemedia-transformed_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-46923\"  \/><strong>Mephisto<\/strong><br \/>Staatstheater Wiesbaden<br \/><strong>Ensemble<\/strong><br \/>Foto: Mariia Shulga<\/p>\n<p>Wenn der Abend startet, wird die B\u00fchne komplett leerger\u00e4umt, die Seiten- und R\u00fcckvorh\u00e4nge hochgezogen. Es entsteht ein schmuckloser schwarzer Raum. Durch Anhebung des B\u00fchnenbodens im Stil einer Treppenanlage, durch Rauch und punktuelle Ausleuchtung (Licht: <strong>Nicholas Langer<\/strong>) entstehen trotz aller Reduktion atmosph\u00e4risch dichte Bilder (B\u00fchne: <strong>Philip Bu\u00dfmann<\/strong>). Schlie\u00dflich steht Theater pur, H\u00f6fgens Lebenswelt, im Mittelpunkt. Dies spiegelt sich auch in den Kost\u00fcmen von Ilse Vandenbussche wider. <\/p>\n<p>Der Abend des Christian Klischat<\/p>\n<p><strong>Christian Klischat <\/strong>zeigt die Figur des Schauspielers Hendrik H\u00f6fgen in vielen Facetten. Es ist zweifelsohne ganz sein Abend. Er zeigt ihn weniger als prahlerischen, vor Selbstbewusstsein strotzenden Egomanen, als vielmehr verunsicherten Menschen, der nur in seiner Rolle im Rampenlicht wirklich strahlt. W\u00e4hrend der pausenlosen 120-min\u00fctigen Auff\u00fchrung durchlebt er die H\u00f6hen und Tiefen der Figur mit hoher Glaubw\u00fcrdigkeit. F\u00fcr H\u00f6fgens Paraderolle die unter den Nationalsozialisten beliebt war, Mephisto aus Goethes Faust, zeigt er sich voller Scham nackt und mit wei\u00dfem Puder im Gesicht.<\/p>\n<p>H\u00f6fgens Weg als noch unbedeutender Schauspieler, S\u00e4nger und Regisseur, \u00fcber seinen kometenhaften Aufstieg in Berlin, bis zu seinem einsamen Ende, wird schlaglichtartig in kleinparzelligen Bildern gezeigt. Dialogszenen gibt es keine. Der Text wird von allen Beteiligten stark verk\u00fcrzt nacherz\u00e4hlt. Dies sehr kunstvoll und oftmals mit langen Pausen. Dadurch gewinnt der Abend an Tiefe, erfordert aber auch ein sehr konzentriertes Zuh\u00f6ren. Eine Verst\u00e4rkung durch Mikrofone gibt es nicht in allen Szenen. Oftmals wird sehr leise gesprochen, fast gefl\u00fcstert. Mikrofone an langen Kabeln dienen auch als Sinnbild f\u00fcr ein Im-System-gefangen-sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Mephisto_STWi_a747449-2_c_mariia_shulga_13.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-46924\"  \/><strong>Mephisto<\/strong><br \/>Staatstheater Wiesbaden<br \/><strong>Barbara Bruckner (Laura Taleni), Nicoletta von Niebuhr (S\u00fcheyla \u00dcnl\u00fc), Otto Ulrichs (Adi Hrustemovi\u0107), Juliette Martens (Lennart Preining), Hendrik H\u00f6fgen (Christian Klischat), Hans Miklas (Felix Str\u00fcven)<\/strong><br \/>Foto: Mariia Shulga<\/p>\n<p>Zudem werden perkussive Sounds und Stimm-Samples der Darsteller*innen zugespielt. Auch rauscht akustisch ein Zug fast wie im Kino durch den Zuschauerraum bis auf die B\u00fchne. Und es gibt kurze Redeausz\u00fcge verschiedener Diktatoren (Komposition\/3D-B\u00fchnenmusik: <strong>Karol Nepelski<\/strong>).<\/p>\n<p>Die vielen Menschen um H\u00f6fgen herum werden in Mehrfachbesetzung gespielt und sind die ganze Zeit \u00fcber anwesend. Meist harren sie ruhig aus. Einzig H\u00f6fgens kommunistischer Freund Otto Ulrich dr\u00fcckt aktiv seinen Seelenzustand k\u00f6rperlich aus (agil: <strong>Adi Hrustemovi\u0107<\/strong>; Choreografie: <strong>Ted Stoffer<\/strong>). Sie sind hier in der Tat Typen und keine Charaktere, die sich entwickeln: <strong>Felix Str\u00fcven <\/strong>(als Hans Miklas), <strong>Laura Talenti <\/strong>(als Barbara Bruckner), <strong>S\u00fcheyla \u00dcnl\u00fc<\/strong> (als Nicoletta von Niebuhr) und <strong>Hannah Lindner <\/strong>(als Dora Martin).<\/p>\n<p>H\u00f6fgen war zwar mehrfach verheiratet, gleichwohl war seine Homosexualit\u00e4t kein Geheimnis. In der Inszenierung wird das mit der Figur der farbigen \u201eHerrin\u201c Juliette Martens (<strong>Lennart Preining<\/strong> auf High Heels) vage angedeutet.<\/p>\n<p>Am Ende lang anhaltender und intensiver Beifall.<\/p>\n<p>Markus Gr\u00fcndig, Oktober 25<\/p>\n<p>Ein gedrucktes Programmheft gibt es nicht. Neben einem kleinen Poster gibt es allerdings ein <a href=\"http:\/\/staatstheater-wiesbaden.de\/aktuelles\/digitales-programmheft-mephisto\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">digitales Programmheft<\/a> mit vielen weiterf\u00fchrenden Informationen, Interviews, Podcasts und Fotos aus dem Probenprozess. Die Inszenierung wird auch theaterp\u00e4dagogisch betreut. Die n\u00e4chsten Vorstellungen: 19.10., 21.11., 05.12.2025 und 11.01.2026.<\/p>\n<p>Mephisto<\/p>\n<p><strong>Roman von:<\/strong> Klaus Mann (1906 \u2013 1949)<br \/><strong>B\u00fchnenbearbeitung von:<\/strong> Luk Perceval<\/p>\n<p><strong>Premiere am Staatstheater Wiesbaden:<\/strong> Samstag, 11. Oktober 25 (Gro\u00dfes Haus)<\/p>\n<p><strong>Inszenierung: <\/strong>Luk Perceval<br \/><strong>Choreografie: <\/strong>Ted Stoffer<br \/><strong>B\u00fchne:<\/strong> Philip Bu\u00dfmann<br \/><strong>Kost\u00fcme: <\/strong>Ilse Vandenbussche<br \/><strong>Licht:<\/strong> Nicholas Langer<br \/><strong>Komposition\/3D-B\u00fchnenmusik: <\/strong>Karol Nepelski<br \/><strong>Sound:<\/strong> Christine S\u00f6ring<br \/><strong>Dramaturgie:<\/strong> Hannah Stollmayer<br \/><strong>Vermittlung: <\/strong>Valentina Eimer<br \/><strong>Abendspielleitung\/Regieassistenz: <\/strong>Paul Ansmann<br \/><strong>B\u00fchnenbildassistenz: <\/strong>Mascha Dilger<br \/><strong>Kost\u00fcmassistenz: <\/strong>Ivet Duran Murillo<\/p>\n<p><strong>Besetzung:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hendrik H\u00f6fgen: <\/strong>Christian Klischat<br \/><strong>Hans Miklas:<\/strong> Felix Str\u00fcven<br \/><strong>Otto Ulrichs: <\/strong>Adi Hrustemovi<br \/><strong>Barbara Bruckner:<\/strong> Laura Talenti<br \/><strong>Nicoletta von Niebuhr:<\/strong> S\u00fcheyla \u00dcnl\u00fc<br \/><strong>Juliette Martens:<\/strong> Lennart Preining<br \/><strong>Dora Martin:<\/strong> Hannah Lindner<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/staatstheater-wiesbaden.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">staatstheater-wiesbaden.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mephisto ~ Staatstheater Wiesbaden ~ Hendrik H\u00f6fgen (Christian Klischat) ~ Foto: Mariia Shulga Die Rolle des Mephistopheles wurde&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":493672,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,2052,38196,123858,123859,14,15,12,27718,94,4544],"class_list":{"0":"post-493671","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wiesbaden","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-hessen","16":"tag-klaus-mann","17":"tag-luk-perceval","18":"tag-mephisto","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-staatstheater-wiesbaden","23":"tag-theater","24":"tag-wiesbaden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115363020618105086","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=493671"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/493671\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/493672"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=493671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=493671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=493671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}