{"id":493844,"date":"2025-10-12T21:48:10","date_gmt":"2025-10-12T21:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493844\/"},"modified":"2025-10-12T21:48:10","modified_gmt":"2025-10-12T21:48:10","slug":"benzinmangel-und-hohe-preise-dw-12-10-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/493844\/","title":{"rendered":"Benzinmangel und hohe Preise \u2013 DW \u2013 12.10.2025"},"content":{"rendered":"<p>Die Treibstoffkrise in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>, ausgel\u00f6st\u00a0durch <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ukrainische Drohnenangriffe<\/a>, versch\u00e4rft sich weiter. Eine Raffinerie nach der anderen muss\u00a0wegen Reparaturarbeiten schlie\u00dfen, die Produktionsmengen sinken\u00a0deutlich.<\/p>\n<p>Infolgedessen sind die Kraftstoffpreise an der B\u00f6rse auf Rekordwerte gestiegen. Auch an der Zapfs\u00e4ule ziehen die Preise an. Allerdings noch nicht so dramatisch, weil die Regierung sie k\u00fcnstlich niedrig h\u00e4lt. Doch wie einst zu Sowjetzeiten f\u00fchrt die Preisregulierung zu Engp\u00e4ssen.<\/p>\n<p>Welche Sch\u00e4den haben ukrainische Drohnen verursacht?<\/p>\n<p>In den vergangenen\u00a0Monaten haben ukrainische Drohnen laut von der DW ausgewerteten\u00a0offenen Quellen zahlreiche\u00a0\u00d6lraffinerien in Russland getroffen. Darunter\u00a0Afipskij, Ilskij und Slawjansk in der Region Krasnodar sowie Anlagen\u00a0in Wolgograd, Nowokuibyschewsk, Nowoschachtinsk, Rjasan, Samara, Saratow, Sysran und Uchta. Insgesamt ist damit fast die\u00a0H\u00e4lfte aller Raffinerien in Russland mindestens einmal angegriffen worden.<\/p>\n<p>Offizielle Produktionsdaten halten die russischen Beh\u00f6rden\u00a0geheim. Das Ausma\u00df der\u00a0Sch\u00e4den\u00a0l\u00e4sst sich lediglich\u00a0anhand anonymer Berichte von Insidern und Experten absch\u00e4tzen. Nach Recherchen von\u00a0Reuters und The Economist k\u00f6nnten bis zu 20 Prozent der Raffineriekapazit\u00e4ten zeitweise stillstehen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74074979\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74074979_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Blick auf \u00d6ltanks einer Raffinerie des russischen Unternehmens Rosneft\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Eine \u00d6lraffinerie des russischen Unternehmens RosneftBild: Yegor Aleyev\/TASS\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>Ein Marktteilnehmer best\u00e4tigte gegen\u00fcber der russischen Zeitung Kommersant eine \u00e4hnliche Sch\u00e4tzung: Im September h\u00e4tten rund 400.000 Tonnen Benzin gefehlt &#8211;\u00a0bei einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Tonnen. Auch der ukrainische Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wolodymyr-selenskyj\/t-48449478\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolodymyr Selenskyj<\/a> erkl\u00e4rte, der Benzinmangel in Russland habe 20 Prozent erreicht.<\/p>\n<p>Wieso kommt es jetzt zum Mangel?<\/p>\n<p>Die Krise hatte sich bereits\u00a0im Hochsommer abgezeichnet &#8211; noch bevor es zu massenhaften Ausf\u00e4llen in den Raffinerien kam. Mehrere Faktoren trafen\u00a0zusammen: eine saisonal gestiegene\u00a0Nachfrage, planm\u00e4\u00dfige Wartungsarbeiten in einigen Raffinerien und au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Reparaturen in anderen. Zudem steigerten die \u00d6lkonzerne ihre Exporte deutlich.<\/p>\n<p>Als die Knappheit die Preise auf Rekordh\u00f6hen trieb, verh\u00e4ngten die Beh\u00f6rden ein vor\u00fcbergehendes Exportverbot. Das k\u00fchlte den Markt zun\u00e4chst ab. Experten warnten jedoch fr\u00fch, dass die Wirkung schnell nachlassen werde, falls weitere St\u00f6rungen hinzuk\u00e4men &#8211;\u00a0etwa massive\u00a0Drohnenangriffe. Genau das trat ein.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Faktor d\u00fcrfte zudem die ver\u00e4nderte Taktik der ukrainischen Streitkr\u00e4fte gewesen sein.\u00a0Sie greifen gezielt dieselben Raffinerien immer wieder an und verhindern deren Wiederinbetriebnahme. So wurde etwa die Anlage in Rjasan, eine der gr\u00f6\u00dften des Landes, mindestens sechsmal getroffen, jene in Wolgograd und Sysran jeweils viermal.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"68518799\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/68518799_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Rauch steigt auf nach einem Angriff auf die Raffinerie in Rjasan im M\u00e4rz 2024\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Rauch steigt auf nach einem Angriff auf die Raffinerie in Rjasan im M\u00e4rz 2024Bild: Alexander Ryumin\/TASS\/picture alliance<\/p>\n<p>&#8222;Fr\u00fcher, etwa\u00a0im Jahr 2024, wurde\u00a0jede Raffinerie nur einmal angegriffen, sodass Sch\u00e4den innerhalb weniger Tage oder Wochen behoben werden konnten&#8220;, erkl\u00e4rt Sergei Vakulenko, Experte am Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin, im Gespr\u00e4ch mit der DW.\u00a0<\/p>\n<p>Formen der\u00a0Krise<\/p>\n<p>Russische Hersteller m\u00fcssen\u00a0mindestens 15 Prozent ihres Benzins an der B\u00f6rse verkaufen. Seit Jahresbeginn sind die Preise dort um mehr als 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig h\u00e4lt der Staat mit sogenannten D\u00e4mpferzahlungen den Binnenmarkt k\u00fcnstlich stabil: \u00d6lkonzerne verkaufen Benzin im Inland zu regulierten Preisen\u00a0und erhalten vom Staat Kompensationen f\u00fcr etwaige Verluste. Die Antimonopolbeh\u00f6rde kontrolliert zudem Preiserh\u00f6hungen und k\u00fcndigte\u00a0am 30. September Inspektionen an Tankstellen in mehreren Regionen an.<\/p>\n<p>Im Einzelhandel stiegen die Benzinpreise seit Jahresbeginn laut Rosstat (Stand: 24. September) um 8,36 Prozent an. Das ist zwar doppelt so hoch wie die allgemeine Inflationsrate, aber immer noch moderat. Problematisch ist, dass Tankstellen, die nicht an \u00d6lkonzerne angeschlossen sind und nicht direkt\u00a0Kraftstoff von ihnen beziehen, keine Ausgleichszahlungen erhalten. Sie m\u00fcssen Kraftstoff an der B\u00f6rse kaufen, wo die Preise an die im Einzelhandel herankommen.\u00a0<\/p>\n<p>Folgen f\u00fcr Tankstellen\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Das ist weder ein Kollaps noch ein Albtraum. Die Probleme entstehen dadurch, dass der Markt an eine Situation gew\u00f6hnt war, in der Benzin allgemein im \u00dcberfluss vorhanden war&#8220;, erl\u00e4utert Sergei Vakulenko und f\u00fcgt hinzu: &#8222;Es gibt logistische Probleme, weil eine Raffinerie nach der anderen den Betrieb einstellt. Unabh\u00e4ngige Tankstellenketten sind gezwungen, ihre K\u00e4ufe einzustellen, weil ihnen das Benzin an der B\u00f6rse zu teuer ist.&#8220;<\/p>\n<p>Viele unabh\u00e4ngige Tankstellen schlie\u00dfen, um Verluste zu vermeiden. Laut der Agentur OMT-Consult sank ihre Zahl zwischen dem 28. Juli und dem 22. September um rund 360 Standorte. Das erscheint zun\u00e4chst wenig, doch in manchen Regionen &#8211;\u00a0etwa in Rostow, Mari El und der J\u00fcdischen Autonomen Region &#8211;\u00a0mussten bis zu 14 Prozent der Stationen dichtmachen. Auf der von Russland annektierten ukrainischen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/krim-krise\/t-17476825\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Halbinsel Krim<\/a> ist die H\u00e4lfte aller Tankstellen inzwischen zu. Laut OMT-Consult sind die Regionen im Fernen Osten besonders gef\u00e4hrdet. In anderen Regionen, wo noch keine Tankstellen geschlossen haben, ist die Benzinversorgung aber eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Wie reagiert\u00a0die Regierung?<\/p>\n<p>Das Embargo f\u00fcr Treibstoffexporte galt zun\u00e4chst bis Ende\u00a0August, wurde dann aber bis Jahresende 2025 verl\u00e4ngert. Russland importiert inzwischen\u00a0vermehrt Benzin aus Belarus, doch auch das lindert den Mangel kaum.<\/p>\n<p>Vizepremier Aleksandr Nowak schlug laut der Zeitung Kommersant vor, Z\u00f6lle auf Importe aus China, S\u00fcdkorea und Singapur abzuschaffen, um Lieferungen von dort zu gew\u00e4hrleisten. Eine weitere Initiative sieht vor, Herstellern die Verwendung von Monomethylanilin zu erlauben, einem Oktanzahl-steigernden Zusatzstoff, der die Herstellung von Benzin aus minderwertigen Rohstoffen erm\u00f6glicht. Russland hat dessen Verwendung 2016 verboten und sich damit an die europ\u00e4ischen Emissionsstandards angepasst.<\/p>\n<p>Ob diese Ma\u00dfnahmen greifen, ist ungewiss &#8211;\u00a0zumal die Drohnenangriffe anhalten. In manchen Raffinerien, sagt Sergej\u00a0Vakulenko, &#8222;geht nichts mehr&#8220;. Langfristig k\u00f6nnte die russische F\u00fchrung gezwungen sein, \u00fcber ein stillschweigendes Abkommen mit der Ukraine nachzudenken &#8211;\u00a0\u00fcber den gegenseitigen Verzicht auf Angriffe auf Energieanlagen.<\/p>\n<p>Adaption aus dem Russischen: Markian Ostaptschuk<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Treibstoffkrise in Russland, ausgel\u00f6st\u00a0durch ukrainische Drohnenangriffe, versch\u00e4rft sich weiter. 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