{"id":494091,"date":"2025-10-13T00:14:13","date_gmt":"2025-10-13T00:14:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494091\/"},"modified":"2025-10-13T00:14:13","modified_gmt":"2025-10-13T00:14:13","slug":"75-jahre-landesmuenzkabinett-wie-unersetzliches-kulturgut-fuer-die-zukunft-gesichert-und-erforscht-wird-du-bist-halle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494091\/","title":{"rendered":"75 Jahre Landesm\u00fcnzkabinett \u2013 wie unersetzliches Kulturgut f\u00fcr die Zukunft gesichert und erforscht wird \u2013 Du bist Halle"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem  Festakt am Samstag hat das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) das 75. Gr\u00fcndungsjubil\u00e4um einer seiner bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen gefeiert: das Landesm\u00fcnzkabinett Sachsen-Anhalt. Die Geschichte dieser Sammlung ist eng mit dem kulturellen Wiederaufbau Mitteldeutschlands nach dem Krieg verbunden und spiegelt die tiefe Erkenntnis wider, dass Geld weit mehr ist als nur ein Tauschmittel \u2013 es ist ein essentielles Zeugnis von Kunst, Wirtschaft und Geschichte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"676\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/WhatsApp-Image-2025-10-13-at-00.33.13-1200x676.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-330870\"  \/><\/p>\n<p><strong>Ein Neuanfang aus einer schmerzlichen L\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Die offizielle Geburtsstunde des Landesm\u00fcnzkabinetts schlug am 19. September 1950, als es als neuer, eigenst\u00e4ndiger Sammlungsbereich innerhalb der damaligen Staatlichen Galerie Moritzburg Halle ins Leben gerufen wurde. Dieser Gr\u00fcndungsakt stellte zu diesem Zeitpunkt im gesamten deutschsprachigen Raum einen singul\u00e4ren Vorgang dar. Zwar blickt die M\u00fcnz- und Medaillensammlung des Museums auf eine weitaus l\u00e4ngere Tradition zur\u00fcck, da bereits seit der Museumsgr\u00fcndung im Jahr 1885 fortw\u00e4hrend numismatische Objekte gesammelt wurden. Doch die Neubegr\u00fcndung eines universalen numismatischen Kabinetts in der Mitte des 20. Jahrhunderts war ein Zeichen entschlossener kulturpolitischer Profilierung.<\/p>\n<p>Der heutige Leiter, Ulf Dr\u00e4ger, fasste die historische Bedeutung pr\u00e4gnant zusammen: \u201eWir sind ein Kind des Wiederaufbaus nach dem Krieg.\u201c Er erinnerte daran, dass zahlreiche bedeutende Sammlungen entweder zerst\u00f6rt, verkauft oder als Kriegsreparation in die Sowjetunion verbracht worden waren. Bereits 1947 habe es erste Zeitungsartikel \u00fcber die bevorstehende Gr\u00fcndung gegeben, und 1950 sei der Startschuss gefallen. Die erste Eintragung in die Inventarlisten erfolgte am 3. November jenes Jahres, und sie wurden von Beginn an kontinuierlich als Sammlungsbereich des \u201eLandesm\u00fcnzkabinetts Sachsen-Anhalt\u201c gef\u00fchrt, was nach der Wiedervereinigung die Fortf\u00fchrung der Einrichtung wesentlich vereinfachte. Schon fr\u00fch zeigte sich die enorme Dynamik des Kabinetts: Bis zum Jahr 1958 waren bereits 22.000 M\u00fcnzen und Medaillen sowie 40.000 Geldscheine in die Sammlung aufgenommen worden.<\/p>\n<p>Einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Anteil am Aufbau des Kabinetts hatte der bekannte Numismatiker und D\u00f6lauer Pfarrer Eberhard Mertens. Als Wissenschaftlicher Direktor der Sammlung formulierte er 1956 in der ersten Ver\u00f6ffentlichung des Landesm\u00fcnzkabinetts die Motivation hinter dem Neuanfang. Er sah die Gr\u00fcndung als eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Ma\u00dfnahme, da das Fehlen eines solchen Instituts \u201eimmer wieder als eine schmerzliche L\u00fccke empfunden werden musste\u201c. Mertens beklagte die damalige Verst\u00e4ndnislosigkeit: \u201eJa, bedenkt man, dass der Heimatboden der Provinz Sachsen die sch\u00f6nsten und bedeutendsten M\u00fcnzfunde hergegeben hat \u2026 und ihnen doch keine bleibende St\u00e4tte in ihrem mitteldeutschen Ursprungsland zu bieten verstand, \u2026 so wird man zugeben m\u00fcssen, dass man hier unersetzlichem Kulturgute der Heimat mit einer vollendeten Verst\u00e4ndnislosigkeit gegen\u00fcberstand.\u201c Mit der Begr\u00fcndung des Landesm\u00fcnzkabinetts zeigte sich folglich erstmals in seiner institutionellen Struktur die Profilierung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) als Landeskunstmuseum.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"714\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/WhatsApp-Image-2025-10-13-at-00.33.45-1200x714.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-330869\"  \/><\/p>\n<p><strong>Die \u201eWelt des Geldes\u201c ist in Halle zu Hause<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Bestand von heute circa 40.000 M\u00fcnzen und Medaillen sowie 50.000 Geldscheinen z\u00e4hlt das Landesm\u00fcnzkabinett Sachsen-Anhalt heute zu den 20 gr\u00f6\u00dften numismatischen Kabinetten in Deutschland. Man kann hier, im besten Wortsinn, die \u201eWelt des Geldes\u201c zu Hause nennen.<\/p>\n<p>Die Sammlung ist von einem universalen Anspruch gepr\u00e4gt und umfasst Objekte von der Antike bis in die Gegenwart aus allen Kontinenten und Kulturen. Besondere Bedeutung kommt dabei mehreren wichtigen Bestandsgruppen zu, darunter die umfassenden mittelalterlichen und neuzeitlichen deutschen M\u00fcnzen, welche die M\u00fcnz- und Geldgeschichte der historischen Territorien des heutigen Sachsen-Anhalts beleuchten. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt die Einrichtung \u00fcber bedeutende Sammlungen europ\u00e4ischer Medaillen sowie asiatischer und anderer nichteurop\u00e4ischer Geldzeichen, deren Best\u00e4nde chinesischer und ostasiatischer M\u00fcnzen zu den gr\u00f6\u00dften in Deutschland geh\u00f6ren. Erg\u00e4nzt wird dies durch eine umfangreiche Sammlung deutschen Papiergeldes des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Dabei wird die Sammlung kontinuierlich erweitert und vertieft. In den zur\u00fcckliegenden Jahren trugen gro\u00dfz\u00fcgige Schenkungen und Ank\u00e4ufe dazu bei, den Bestand sowohl qualitativ als auch in nicht unbedeutendem Ma\u00dfe quantitativ zu vergr\u00f6\u00dfern. Dies zeige die Verankerung und Bedeutung der Einrichtung in der Gesellschaft, betonte Ulf Dr\u00e4ger beim Festakt. Ein fr\u00fcher Meilenstein in der Vermittlungsarbeit war bereits 1951 die Organisation der ersten Ausstellung im Mansfeld-Kombinat mit dem klaren Ziel, das Einschmelzen historischer M\u00fcnzen zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Das Alleinstellungsmerkmal der modernen Medaillenkunst<\/strong><\/p>\n<p>Ein besonderer, profilbestimmender Schwerpunkt des Landesm\u00fcnzkabinetts ist die Sammlung zeitgen\u00f6ssischer Kunstmedaillen. Diese Tradition wird im Museum bereits seit 1898 gepflegt und ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal. Halle gilt seit \u00fcber 100 Jahren als ein weltweit bedeutendes Zentrum der Medaillenkunst, nicht zuletzt durch die pr\u00e4gende Lehrt\u00e4tigkeit von Bildhauern wie Gustav Weidanz, Gerhard Lichtenfeld und Bernd G\u00f6bel an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Dr. Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, hob hervor, dass diese Rolle der modernen Medaillenkunst von Anfang an eine Rolle gespielt habe und \u201ebis heute ein Alleinstellungsmerkmal\u201c der Einrichtung sei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"676\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/WhatsApp-Image-2025-10-13-at-00.34.38-1200x676.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-330868\"  \/><\/p>\n<p><strong>Mehr als nur M\u00fcnzen: Kulturelles Erbe und Zukunftsfragen<\/strong><\/p>\n<p>Zu den zentralen Aufgaben des Landesm\u00fcnzkabinetts z\u00e4hlen nicht nur das kontinuierliche Sammeln und Bewahren, sondern auch die Erforschung der M\u00fcnz- und Geldgeschichte der Region, die Durchf\u00fchrung von Ausstellungen und Ver\u00f6ffentlichungen sowie die Unterst\u00fctzung von Museen und Wissenschaftler*innen.<\/p>\n<p>Beim Festakt wurde die hohe gesellschaftliche und kulturelle Relevanz der Numismatik von allen Seiten unterstrichen.<\/p>\n<p>Dr. Christian Philipsen unterstrich die tiefe Verankerung des Themas im kollektiven Bewusstsein, indem er auf Redewendungen wie \u201eManche haben Geld wie Heu, manche schmei\u00dfen Geld sogar zum Fenster raus\u201c verwies. Er folgerte: \u201eSie alle kennen diese Sprichworte, unsere Sprache hat wahnsinnig viel davon.\u201c Dies zeige die immense Bedeutung von Geld, \u201eegal ob wir es wollen oder nicht.\u201c Neben dem Sammeln nannte er die Forschung, die wissenschaftliche Beratung und die Bewahrung und den Ausbau der numismatischen Sammlungen des Landes als Kernaufgaben.<\/p>\n<p>Dr. Sebastian Putz, Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Kultur, griff die Aktualit\u00e4t des Themas auf, indem er auf einen j\u00fcngsten TV-Bericht in der Tagesschau angesichts des digitalen Euros verwies, in dem die Frage aufgeworfen wurde, ob Bargeld \u00fcberhaupt noch n\u00f6tig sei. Er betonte, dass Geld eine hohe gesellschaftliche Bedeutung habe, die sowohl die kulturelle Bedeutung als Zahlungsmittel als auch die kunsthistorische Wichtigkeit umfasse. Daran zeige sich, dass die Numismatik nur auf den ersten Blick eine Nische sei. Das Landesk\u00fcnzkabinett in Sachsen-Anhalt sei eine deutschlandweit f\u00fchrende Einrichtung.<\/p>\n<p>Historisch vertiefte Dr. Hendrik M\u00e4keler von der Deutschen Bundesbank die Diskussion und erl\u00e4uterte, dass das Studium der Numismatik f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Welt von grundlegender Bedeutung sei. An k\u00fcnstlerisch wertvollen M\u00fcnzen habe man einst einen guten Herrscher erkannt, da sich sein Charakter hier widergespiegelt habe.<\/p>\n<p>Die herausragende Rolle der halleschen Einrichtung wurde von h\u00f6chster Stelle best\u00e4tigt: Prof. Dr. Bernhard Weisser, Vorsitzender der Numismatischen Kommission der L\u00e4nder in der Bundesrepublik Deutschland und Direktor des M\u00fcnzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, adelte die Stadt mit dem Ausruf: \u201eHalle ist der Hotspot der Numismatik.\u201c Dies liege auch an den Personen hinter dem Landesm\u00fcnzkabinett, dessen heutiger Leiter Ulf Dr\u00e4ger seit 37 Jahren in der Einrichtung t\u00e4tig sei und dessen Vorg\u00e4ngerin ebenfalls einen entscheidenden Schritt zur heutigen Bedeutung beigetragen habe.<\/p>\n<p><strong>Der Weg in die Alte M\u00fcnze<\/strong><\/p>\n<p>Die Vermittlungsarbeit des Kabinetts erfuhr in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder H\u00f6hepunkte durch numismatische, vor allem landesgeschichtlich interessante Sonderpr\u00e4sentationen. Mit Ausstellungen wie Chinas Geld (2016) und Levon I. Ein armenischer K\u00f6nig im staufischen Outremer (2019) hat die Einrichtung ihren Fokus bewusst auch international auf numismatisch-kulturgeschichtliche Blicke in ferne L\u00e4nder gerichtet. Seit 2017 sind die faszinierenden Best\u00e4nde zudem mittels der Medaillen auch Teil der permanenten Sammlungspr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>Die Zukunft der Dauerausstellung wird jedoch alle bisherigen Formate \u00fcbertreffen, wie Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), begeistert darlegte: \u201eZudem arbeiten wir derzeit an der Etablierung eines eigenen Dauerausstellungsraums f\u00fcr diesen Sammlungsbereich am authentischen Ort, in der Alten M\u00fcnze im Untergeschoss des S\u00fcdfl\u00fcgels der Moritzburg.\u201c Er freue sich schon heute sehr darauf, k\u00fcnftig einem breiten Publikum die faszinierende Welt des Geldes in einer einzigartigen Pr\u00e4sentation zug\u00e4nglich machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Landesm\u00fcnzkabinett Sachsen-Anhalt ist somit nicht nur ein Ort der Bewahrung, sondern ein lebendiges Zentrum der Forschung und Vermittlung, das 75 Jahre nach seiner Gr\u00fcndung st\u00e4rker und profilierter denn je ist. Es sichert ein unersetzliches Kulturgut und beweist eindr\u00fccklich, dass die Geschichte von Land und Leuten untrennbar mit der Geschichte ihrer Zahlungsmittel verbunden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit einem Festakt am Samstag hat das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) das 75. 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