{"id":494745,"date":"2025-10-13T06:39:17","date_gmt":"2025-10-13T06:39:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494745\/"},"modified":"2025-10-13T06:39:17","modified_gmt":"2025-10-13T06:39:17","slug":"blick-hinter-die-kulissen-auf-lieferfahrt-durch-stuttgart-unterwegs-mit-flink-kurier-daniel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494745\/","title":{"rendered":"Blick hinter die Kulissen: Auf Lieferfahrt durch Stuttgart \u2013 unterwegs mit Flink-Kurier Daniel"},"content":{"rendered":"<p>Der Eingang zum Lager von Flink f\u00fchrt direkt in die Vergangenheit: \u201eWir liefern deinen Einkauf in 10 Minuten!\u201c sind die Fensterscheiben an der Stuttgarter Schwabstra\u00dfe plakatiert. So warb der Lebensmittel-Lieferdienst in den Coronajahren. Schon damals funktionierte das Versprechen in den meisten F\u00e4llen nicht und war ein Verlustgesch\u00e4ft \u2013 trotz vieler zahlender Kunden. Jetzt stellt sich <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.kampf-der-lieferdienste-gorillas-verlaesst-stuttgart-kommen-picnic-und-aldi.efafc08d-d358-44b0-ade2-36e41cc5c263.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">der gr\u00f6\u00dfte verbliebene Schnelllieferdienst<\/a> neu auf. Und gibt Einblick in das Innerste seines Dienstes.<\/p>\n<p>Das ist ungew\u00f6hnlich. Schnelllieferdienste scheuten lange die \u00d6ffentlichkeit, weil sie wegen umstrittener Arbeitsbedingungen in Verruf gerieten. \u201eDas Image ist nicht gut\u201c, r\u00e4umt Flinks Gebietsleiter Albert Danckert an diesem Montagmorgen ein. Deshalb wolle man zeigen, wie Flink sich ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Gut eine halbe Stunde dauerte eine Lieferung im Schnitt <\/p>\n<p>Da ist die Geschwindigkeit. Statt einer genauen Zahl spricht das Unternehmen mittlerweile von einer Lieferung \u201ein Minuten\u201c. Etwas mehr als eine halbe Stunde dauert die Lieferung im Stuttgarter Kessel aktuell im Schnitt, sagt Danckert. In den Liefer-Randgebieten wie Botnang, der Waldau oder Kaltental m\u00fcssen Kunden auch mal bis zu zwei Stunden warten. Weiter entfernte Stadtteile wie M\u00f6hringen oder Untert\u00fcrkheim werden nicht versorgt.<\/p>\n<p>Danckert f\u00fchrt durch das Lager, wo die Lieferungen starten. Es wirkt wie ein kleiner Supermarkt, den man auf chaotisch wirkende Weise in schmale Regalreihen gequetscht hat und der rund 3000 Artikel fasst. Sie sind oft nach schierer Gr\u00f6\u00dfe geordnet, nach K\u00fchl- und Frischebereichen und Drogerie- und Haushaltswaren. Ein bisschen entspricht es Amazons \u201echaotischer Lagerhaltung\u201c, wo ein digitales System die Standorte der Artikel erfasst. Eine Software leitet die \u201ePicker\u201c, die Waren einr\u00e4umen und f\u00fcr die Lieferung zusammenstellen, auf dem k\u00fcrzesten Wege durch die Reihen. <\/p>\n<p>Mit Einkaufswagen und T\u00fcten wage ich den Selbstversuch. Der Scanner lotst mit der bebilderten Bestellung durch die schmalen G\u00e4nge zu den Regalmetern und ihren Nummern. Buchstaben verweisen auf die einzelnen Regalb\u00f6den. Das geht \u00fcberraschend intuitiv und leicht. Schnell sind die Artikel eingescannt und die Bestellung in zwei T\u00fcten verpackt. Viel Gem\u00fcse, Brot und Milchprodukte sind darunter.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst liefert Flink mehr als Chips, Cola und Pasta, auch weil je nach Entfernung der Mindesteinkauf 10 bis 20 Euro betr\u00e4gt. In <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> liege der Einkauf im Schnitt bei 45 Euro, sagt Danckert. Am meisten bestellt werden Tomaten, Bananen, Avocados, Gurken und Milch. Neben Studenten ordern auch junge Familien oder Senioren, der Trend gehe zum Wocheneinkauf. \u201eWir wollen, dass der Einkauf mit Flink Alltag wird.\u201c<\/p>\n<p>Flink arbeitet dabei eng mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Rewe\" title=\"Rewe\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rewe<\/a> zusammen \u2013 einer der Hauptinvestoren des Unternehmens. Von Rewe bezieht Flink den Gro\u00dfteil der Waren, dazu kommen Getr\u00e4nkeh\u00e4ndler und ein Metzger aus der Region. Damit sich die Lieferung lohnt, konzentriert sich Flink in Stuttgart gro\u00dfteils auf die bev\u00f6lkerungsreiche wie flache Innenstadt. Mit einem zweiten Lager im Osten der Stadt will Flink ab Ende Oktober noch mehr Kunden erreichen. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/media.media.b930f16e-b65a-4353-9f25-9ec1c93fb469.original1024.media.jpeg\"\/>     Im Lager von Flink stellt eine Frau \u2013 Picker genannt \u2013 eine Bestellung zusammen.    Foto: Daniel Gr\u00e4fe    <\/p>\n<p>Danckert f\u00fchrt in die Garage mit den Flink-R\u00e4dern. Mit ihren pinken Fahrradtaschen fallen sie im Stuttgarter Kessel ebenso auf wie die pinke Kleidung ihrer \u201eRider\u201c, wie die Ausfahrer hei\u00dfen. 16 bis 18 Rider sind in den Hochzeiten wie etwa den Samstagabenden unterwegs, w\u00e4hrend vier bis f\u00fcnf Besch\u00e4ftigte die Bestellungen verpacken. Die Auslieferung ist, von einer Frau abgesehen, M\u00e4nnersache. Man k\u00f6nnte auch sagen, dass sie mehrheitlich in den H\u00e4nden von Studenten aus Indien liegt. In der indischen Community ist die Arbeit bei Flink offenbar ein Dauerbrenner.<\/p>\n<p>Daniel Maier ist einer der wenigen Deutschen und Rider im Teilzeitjob. 24 Stunden f\u00e4hrt der 39-J\u00e4hrige Bestellungen aus. Nach der Schicht als Zeitungszusteller schwingt er sich einige Stunden t\u00e4glich aufs Rad. Er bekommt den Mindestlohn: 12,82 Euro die Stunde. Dazu kommen im Schnitt zehn Euro Trinkgeld pro Tag. <\/p>\n<p> Statt Briefe stellt Rider Daniel Maier nun Lebensmittel zu <\/p>\n<p>Der gelernte Kinderpfleger arbeitete zuvor bei einem privaten Postdienstleister. \u201eIch wollte mehr mit Kunden zu tun haben, nicht nur Post zustellen\u201c, sagt Maier, der sich als Daniel vorstellt \u2013 bei Flink duzen sich praktische alle Besch\u00e4ftigten und teils auch die Kunden. In seinem neuen Job f\u00fchle er sich wohl. \u201eEs gibt hier keine Konflikte. Man hat das Gef\u00fchl, dass man f\u00fcreinander da ist.\u201c Das Verh\u00e4ltnis sei wohl auch deshalb recht gut, weil es mit dem Hub eine Anlaufstelle f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten gebe \u2013 im Gegensatz zu anderen Lieferdiensten. \u201eHier kann man auch mal zwei, drei Minuten verschnaufen.\u201c <\/p>\n<p>Zuerst aber geht es zu den n\u00e4chsten Kunden. Die Bestellungen kamen gerade herein und wurden verpackt. Maier verstaut die T\u00fcten in den ausladenden Fahrradtaschen, die wohl zu den gr\u00f6\u00dften unter den Lieferdiensten z\u00e4hlen. Vier Taschen \u2013 Esscontainer genannt \u2013 z\u00e4hlen die meisten R\u00e4der. Einige gro\u00dfe fassen sogar acht.<\/p>\n<p>Ich folge Maier auf einem Flink-Rad. Der Motor zieht stark an, mit einem normalen E-Bike ist es kaum zu vergleichen. Bis zu 50 Kilogramm Gewicht transportiert das kleinere Rad. Der Anstieg der Weinsteige w\u00e4re damit trotz Motorkraft nur schwer zu schaffen. <\/p>\n<p>Auch jetzt zeigt die Software auf der Handy-App die g\u00fcnstigste Route f\u00fcr die Lieferungen an. Der erste Kunde wohnt nur einige Hundert Meter entfernt. Ein Mann, der sich sp\u00e4ter als Ronald Russat vorstellt, \u00f6ffnet die T\u00fcr. Ein freundlicher Familienvater, drei schwere Einkaufst\u00fcten nimmt er in Empfang. <\/p>\n<p> Familienvater Ronald Russat macht mit Flink seinen Wocheneinkauf <\/p>\n<p>Ein- bis zweimal die Woche kaufe er \u00fcber Flink ein. Der Zeitersparnis wegen, wie Russat sagt \u2013 ein Kind sei zuhause, hier k\u00f6nne er die Zeit sinnvoller nutzen. Und er bestelle auch ein wenig aus Bequemlichkeit. \u201eMit Flink mache ich den allt\u00e4glichen Einkauf und gehe nur noch zum Wochenmarkt.\u201c<\/p>\n<p>Mit ihm hat Flink wohl den idealen Kunden gefunden \u2013 ein gl\u00fccklicher Zufall f\u00fcr den Schnelllieferdienst an diesem Tag. Auch das Wetter spielt mit. Anstrengend, sagt Maier, sei es bei vor allem bei Regen und im Winter. Oder wenn es die abgelegenen Touren gebe. <\/p>\n<p>In Erinnerung aber blieben die Momente, wo er viel Zustimmung und Dankbarkeit erfahre, etwas von alten oder gehbehinderten Menschen, sagt Maier. \u201eDann merke ich, dass meine Arbeit auch sinnhaft ist.\u201c<\/p>\n<p> Flink und seine Wettbewerber <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Boomjahre<\/strong><br \/>In den Coronajahren steckten Investoren auf der Suche nach Anlagem\u00f6glichkeiten Hunderte Millionen Euro in das Gesch\u00e4ftsmodell um Flink und Gorillas, die mit Milliarden Euro bewertet wurden. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Marktbereinigung<\/strong><br \/>Inzwischen sind Gorillas und Getir aus dem deutschen Markt verschwunden und Flink dominiert den Markt bei den Lebensmittel-Schnelllieferdiensten. Bedeutend langsamer liefern Rewe und Picnic Lebensmittel aus, die daf\u00fcr wirtschaftlicher arbeiten. Ob Flink inzwischen schwarze Zahlen schreibt, wollte das Unternehmen nicht beantworten.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Lager<\/strong><br \/>Rund 100 Lager beziehungsweise Verteilzentren \u2013 \u201eHubs\u201c genannt \u2013 unterh\u00e4lt Flink in den Gro\u00dfst\u00e4dten bundesweit, in Millionenst\u00e4dten wie Berlin oder M\u00fcnchen mehr als ein halbes Dutzend. Meist mit einem Hub hat sich Flink in den baden-w\u00fcrttembergischen St\u00e4dten Pforzheim, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Freiburg und Heidelberg aufgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Eingang zum Lager von Flink f\u00fchrt direkt in die Vergangenheit: \u201eWir liefern deinen Einkauf in 10 Minuten!\u201c&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":494746,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,21907,66044,83395,30,10429,49274,45159,124071,124072,124070,1441],"class_list":{"0":"post-494745","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-extra","12":"tag-flink","13":"tag-geld-und-karriere","14":"tag-germany","15":"tag-hub","16":"tag-lebensmittellieferung","17":"tag-lieferdienst","18":"tag-picker","19":"tag-rider","20":"tag-schnelllieferdienst","21":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/494745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=494745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/494745\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/494746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=494745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=494745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=494745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}