{"id":494924,"date":"2025-10-13T08:23:12","date_gmt":"2025-10-13T08:23:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494924\/"},"modified":"2025-10-13T08:23:12","modified_gmt":"2025-10-13T08:23:12","slug":"hiv-forscher-finden-antikoerper-gegen-hiv-90-antivirale-wirksamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/494924\/","title":{"rendered":"HIV: Forscher finden Antik\u00f6rper gegen HIV &#8211; 90 % antivirale Wirksamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Noch immer stecken sich j\u00e4hrlich 1,3 Millionen Menschen weltweit mit HIV an. Deutsche Forscher haben jetzt einen potenten Antik\u00f6rper aus Blutproben von weltweit Infizierten identifiziert. Die Vorzeichen seien vielversprechend.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ein in Blutproben gefundener Antik\u00f6rper bek\u00e4mpft K\u00f6lner Forschern zufolge unter Laborbedingungen erfolgreich zahlreiche HIV-Varianten. Das Team um Florian Klein von der Uniklinik K\u00f6ln sieht Potenzial daf\u00fcr, dass der Antik\u00f6rper pr\u00e4ventiv verabreicht eine HIV-Infektion verhindern k\u00f6nnte. Klarheit wird allerdings erst eine langwierige Abfolge klinischer Studien bringen. Bislang gibt es keine Impfung, die vor einer HIV-Infektion sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das Forschungsteam hatte Blutseren von 32 sogenannten Elite-Controllern aus verschiedenen L\u00e4ndern untersucht. Dabei handelt es sich um Menschen, deren Immunsystem es schafft, eine HIV-Infektion dauerhaft in Schach zu halten \u2013 das kommt eher selten vor. Sie weisen eine sehr niedrige oder nicht nachweisbare Viruslast auf, ohne mit antiretroviralen Medikamenten behandelt zu werden.<\/p>\n<p>Elite-Controller haben eine besonders starke und breit wirksame Antik\u00f6rperantwort gegen das Virus. Aus dem Blut der 32 einbezogenen Probanden wurden insgesamt 831 verschiedene Antik\u00f6rper extrahiert und auf ihre Wirksamkeit gegen\u00fcber 337 HIV-1-Subtypen getestet. Nur ein Antik\u00f6rper mit dem Namen \u201e04_A06\u201c neutralisierte Viren besonders effizient, wie das Team im Fachjournal \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41590-025-02286-5\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41590-025-02286-5&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Nature Immunology<\/a>\u201c berichtet. Er habe zudem mehr als 95 Prozent der getesteten HIV-1-Varianten hemmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn ein Antik\u00f6rper ein Virus erfolgreich neutralisiert, bedeutet das, dass der Antik\u00f6rper an spezifische Strukturen auf der Virusoberfl\u00e4che bindet, die f\u00fcr das Virus entscheidend sind, um in Wirtszellen einzudringen und sich zu vermehren. Der Erreger wird dadurch in seiner Infektionsf\u00e4higkeit gehemmt und kann keine Zellen infizieren, was die Ausbreitung der Infektion im K\u00f6rper verhindert.<\/p>\n<p>\u201e04_A06\u201c blockiert die CD4-Bindungsstelle am <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/hiv-aids\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/hiv-aids&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">HI-Virus<\/a>, mit der das Virus w\u00e4hrend einer Infektion an k\u00f6rpereigene Immunzellen bindet, sie f\u00fcr seine Replikation nutzt und so auf lange Sicht das Immunsystem schw\u00e4cht. Der Antik\u00f6rper sei nicht anf\u00e4llig f\u00fcr bekannte Mutationen, die diese CD4-Bindungsstelle betreffen und dem Virus eine Flucht vor wirksamen Immunantworten bieten, so die Forscher.<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">gro\u00dfes Potenzial sowohl f\u00fcr eine pr\u00e4ventive als auch eine therapeutische Anwendung<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In Experimenten mit humanisierten M\u00e4usen, die mit einem HIV-1-Virusstamm (YU2) infiziert waren, unterdr\u00fcckte eine Behandlung mit \u201e04_A06\u201c das Virus vollst\u00e4ndig. Als humanisiert werden genetisch ver\u00e4nderte M\u00e4use bezeichnet, die ein menschliches Immunsystem oder andere menschliche Komponenten besitzen. Die Forscher um Klein sehen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine wirksame Behandlung und Pr\u00e4vention von HIV-1-Infektionen, den weltweit h\u00e4ufigsten und am st\u00e4rksten verbreiteten HIV-Typ. HIV-2 ist haupts\u00e4chlich in Westafrika verbreitet.<\/p>\n<p>Es seien bereits einige breit neutralisierende, gegen die CD4-Bindungsstelle gerichtete Antik\u00f6rper gefunden worden, erkl\u00e4rte Alexandra Trkola von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich zu den Ergebnissen. Sie selbst war nicht an der Studie beteiligt. \u201e04_A06\u201c sei definitiv ein au\u00dferordentlich potenter Vertreter dieser Gruppe und habe deswegen gro\u00dfes Potenzial sowohl f\u00fcr eine pr\u00e4ventive als auch eine therapeutische Anwendung.<\/p>\n<p>Mehr als 90 Prozent Wirksamkeit<\/p>\n<p>Die Neutralisationskapazit\u00e4t, also die antivirale Wirksamkeit, lag Kleins Team zufolge bei mehr als 90 Prozent \u2013 ein sehr hoher Wert, wie Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen sagt, der selbst nicht an der Studie beteiligt war. \u201eDamit eignet er sich theoretisch zur Pr\u00e4vention und Therapie einer HIV-Infektion.\u201c Die Wirksamkeit von Pr\u00e4expositionsprophylaxe oder Therapie liege bei 95 bis mehr als 99 Prozent.<\/p>\n<p>Dem Forschungsteam um Klein sei ein wichtiger und unverzichtbarer erster Schritt gelungen, der Weg zu einer potenziellen klinischen Nutzbarkeit sei allerdings noch lang. Die in Laboranalysen gewonnenen Daten k\u00f6nnten nicht direkt auf das echte Leben \u00fcbertragen werden, betonte Spinner. Vielmehr lieferten sie die Grundlage f\u00fcr jetzt notwendige Studien zu Dosisfindung, Vertr\u00e4glichkeit und Wirksamkeit des Antik\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Aktuell lasse sich noch nicht vorhersagen, ob der Antik\u00f6rper sich auch im klinischen Einsatz bew\u00e4hren werde, sagte Trkola. \u201eDie Vorzeichen sind auf jeden Fall vielversprechend.\u201c<\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Immunschw\u00e4chekrankheit Aids ist global gesehen eine der gr\u00f6\u00dften medizinischen Herausforderungen. Noch immer stecken sich knapp 1,3 Millionen Menschen pro Jahr mit HIV an. Wenn eine Infektion nicht behandelt wird, schw\u00e4cht das Virus das Immunsystem so stark, dass lebensgef\u00e4hrliche Krankheiten auftreten. Man spricht dann von Aids (Erworbenes Immunschw\u00e4che-Syndrom).<\/p>\n<p>Bisher gibt es Arzneimittel, die bei infizierten Menschen die Vermehrung des Virus hemmen, sodass die Krankheit nicht ausbricht. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Menschen mit erh\u00f6htem Infektionsrisiko Medikamente nehmen, die vor einer Ansteckung sch\u00fctzen (PrEP).<\/p>\n<p>Keine Impfung in Sicht<\/p>\n<p>An Impfstoffkandidaten wird seit vielen Jahren geforscht \u2013 schwierig ist das vor allem, weil das HI-Virus in vielen verschiedenen Varianten vorkommt und sich vergleichsweise schnell ver\u00e4ndert. Eine weitere Herausforderung ist, dass ein Impfstoff die Infektion vollst\u00e4ndig verhindern und anders als etwa bei Grippe oder Covid-19 nicht nur abschw\u00e4chen muss. Eine kurzfristige oder leichte Infektion trotz Impfung darf nicht m\u00f6glich sein, da das sich im K\u00f6rper einnistende Virus direkt das Immunsystem angreifen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ebenfalls in weiter Ferne scheint eine Heilung. Sie scheitert vor allem an den Reservoirs, die der Erreger im K\u00f6rper anlegt, etwa in Darm, Gehirn und Lymphknoten. Auch wenn eine antivirale Therapie die Zahl der Viren im Blut unter die Nachweisgrenze dr\u00fcckt, verbleiben in diesen Reservoirs inaktive Proviren, die von den Medikamenten nicht erreicht werden. Wird die antivirale Therapie abgesetzt, k\u00f6nnen diese Proviren wieder aktiv werden, sich vermehren \u2013 und die Infektion flammt wieder auf.<\/p>\n<p>Annett Stein, dpa\/wb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Noch immer stecken sich j\u00e4hrlich 1,3 Millionen Menschen weltweit mit HIV an. 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