{"id":496028,"date":"2025-10-13T18:27:10","date_gmt":"2025-10-13T18:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/496028\/"},"modified":"2025-10-13T18:27:10","modified_gmt":"2025-10-13T18:27:10","slug":"entwicklungsprogramm-der-eu-europas-seidenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/496028\/","title":{"rendered":"Entwicklungsprogramm der EU: Europas Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Br\u00fcssel\/Berlin taz | Das \u201eGlobal Gateway\u201c-Programm der EU droht hinter vergleichbare Projekte aus China oder den USA zur\u00fcckzufallen. Davor warnt der Unternehmer-Lobbyverband Business Europe. Die EU m\u00fcsse vor allem bei digitalen Infrastrukturprojekten schneller werden und gezielter als bisher investieren, sagte Verbandschef Fredrik Persson. Bei einer hochrangig besetzten Konferenz mit EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen in Br\u00fcssel gab es jedoch dabei keine nennenswerten Fortschritte. Kritiker beklagten neokoloniale Anwandlungen der EU.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Der Global Gateway, den die Kommissionschefin 2021 initiiert hat, soll das Gegenprojekt zu Chinas Neuer Seidenstra\u00dfe, der \u201eBelt and Road Initiative\u201c (BRI) sein. Mit Investitionen in Entwicklungsvorhaben vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Energie will die EU Partner und Rohstoffe sichern, verfolgt aber auch \u00f6kologische und soziale Ziele. Die H\u00e4lfte der Investitionen soll nach Afrika flie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Zu den Vorzeigeprojekten geh\u00f6rten dabei beispielsweise der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rohstoffexporte-aus-der-DR-Kongo\/!6108224\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lobito Corridor<\/a>, eine Eisenbahnstrecke, die von Kongos Kupferminen zu Angolas Hafen f\u00fchrt, sowie gr\u00fcner Wasserstoff in mehreren L\u00e4ndern oder auch die Medusa-Unterwasser-Glasfaserverbindungen zwischen Europa und Nordafrika.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Global Gateway bedient geopolitische Interessen und schafft keine Win-Win-Situation<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n            Veronica Fadzai Zano, Oxfam s\u00fcdliches Afrika<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"4\">Die meisten Investitionen im Rahmen des Global Gateway waren allerdings schon vor 2021 geplant oder sogar bereits gestartet. Die neue Initiative soll diese b\u00fcndeln, koordinieren \u2013 und neues Kapital \u201emobilisieren\u201c. Das hei\u00dft, dass die EU Zusagen von privaten Investoren dadurch einholt, indem sie das Risiko \u2013 also m\u00f6gliche Verluste \u2013 absichert. Bei der Konferenz in Br\u00fcssel gab die EU-Kommission bekannt, sie habe das Ziel, 300 Milliarden Euro bis 2027 zu mobilisieren, bereits jetzt mehr als erreicht.<\/p>\n<p>      Manche Milliarden stehen nur auf dem Papier<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Manche der mobilisierten 306 Milliarden d\u00fcrften aber vorerst nur auf dem Papier stehen, sie sind Versprechen. Wie viel Geld tats\u00e4chlich schon geflossen ist, bleibt unklar, die Summe d\u00fcrfte aber weitaus geringer sein. \u201eDie EU verh\u00e4lt sich extrem bedeckt mit Datentransparenz\u201c, sagt Simon Poppe von der Zivilorganisation Weltwirtschaft, \u00d6kologie und Entwicklung (Weed). \u201eEs ist auch schwer nachzuvollziehen, wie viel Geld davon nicht ohnehin \u2013 ohne das Programm \u2013 geflossen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Den Stellenwert von Global Gateway zeigt auch die Pr\u00e4senz der Staats- und Regierungschefs aus Afrika, Lateinamerika und der Karibik auf dem zweit\u00e4gigen Forum in Br\u00fcssel. Zw\u00f6lf waren hierhin angereist, am chinesischen Pendant, dem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gipfel-in-Peking\/!5963729\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BRI-Gipfel im Oktober 2023<\/a> nahmen zwanzig Staatschefs teil.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Auch aus <a href=\"https:\/\/greenfdc.org\/category\/belt-and-road-initiative-bri\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">den Monitoringberichten des Green Finance and Development Center<\/a> der Fudan-Universit\u00e4t in Shanghai, China, zum chinesischen Programm sprechen ganz andere Dimensionen. Allein 2024 wurden im Rahmen des Programms Bauauftr\u00e4ge im Wert von 70,7 Milliarden US-Dollar vergeben und Investitionen in H\u00f6he von etwa 51 Milliarden US-Dollar get\u00e4tigt. Seit der Gr\u00fcndung 2013 sollen insgesamt 1,175 Billionen US-Dollar in den Globalen S\u00fcden geflossen sein.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Das chinesische Programm wird vielfach daf\u00fcr kritisiert, dass sich die \u00fcberdimensionierten Infrastrukturprojekte f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder h\u00e4ufig nicht rechnen, sie auf den Schulden sitzen bleiben \u2013 und in Abh\u00e4ngigkeit gehalten werden. Die EU betont hingegen, auf Nachhaltigkeit und Qualit\u00e4t zu setzen. Investitionen werden \u201eden h\u00f6chsten sozialen und \u00f6kologischen Standards entsprechen und mit den Werten und Normen der EU im Einklang stehen\u201c, sagte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen.<\/p>\n<p>      NGOs beklagen Neokolonialismus<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Aus Sicht von Zivilorganisationen weltweit sieht die Realit\u00e4t aber h\u00e4ufig anders aus. Auf einer Veranstaltung von Eurodad und anderen NGOs im Vorfeld des Global Gateway Forums vergangene Woche beklagten sie neokoloniale Z\u00fcge: Die Vorhaben befriedigten vor allem Europas Interessen. Bei vielen Projekten sei die Finanzierung nicht gesichert und es fehle an Transparenz. Die Zivilgesellschaft und von den Projekten betroffene Gemeinschaften w\u00fcrden h\u00e4ufig nicht einbezogen. Umweltpr\u00fcfungen seien mangelhaft.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Afrika sei immer als Exporteur von Rohstoffen gehandelt worden, ohne dass die Menschen dort davon profitieren, sagt Veronica Fadzai Zano von der Entwicklungsorganisation Oxfam s\u00fcdliches Afrika. Auch im Hinblick auf den Lobito Korridor zeichne sich das ab. \u201eGlobal Gateway bedient geopolitische Interessen und schafft keine Win-Win-Situation\u201c. Wenn soziale und \u00f6kologische Standards wichtig seien \u2013 warum w\u00fcrden Ex\u00adper\u00adt*in\u00adnen der Zivilgesellschaft dann nicht einbezogen?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Kasachstan wolle ein wichtiger Anbieter von Wasserstoff werden, aber wie Projekte im Rahmen von Global Gateway umgesetzt werden, werfe Fragen auf, sagt auch Kaisha Atakhanova, von der Umweltorganisation ARGO in Kasachstan. \u201eWir haben Bedenken hinsichtlich der enormen Wasser- und Landressourcen, die daf\u00fcr ben\u00f6tigt werden. Und wir wissen, dass das Kaspische Meer bereits schrumpft.\u201c Zugleich fehle es an Informationen \u00fcber das Projekt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Udo Bullmann, sozialdemokratischer Sprecher im Entwicklungsausschuss des EU-Parlaments, sieht auch positive Beispiele. Er nennt die Eisenfabrik HyIron Oshivela in Namibia, die mit Solarenergie betrieben wird und Eisenabf\u00e4lle recycelt. Das schaffe Wertsch\u00f6pfung vor Ort. \u201eDamit werden Ausbildungschancen angeboten und Menschen in Arbeit gebracht\u201c, sagt Bullmann.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"15\">Dennoch sieht auch er, dass das nicht bei allen Projekten so ist. F\u00fcr ihn ist das Hauptproblem von Global Gateway, dass es <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-10-2025-003691_EN.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">keine hinreichende parlamentarische Kontrolle<\/a> gibt. \u201eIm Gegensatz zu Wirtschaftsvertretern und Mitgliedstaaten wird das Parlament nicht angemessen einbezogen\u201c, sagt Bullmann. Und: \u201eDie Ergebnisse m\u00fcssen messbar werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Br\u00fcssel\/Berlin taz | Das \u201eGlobal Gateway\u201c-Programm der EU droht hinter vergleichbare Projekte aus China oder den USA zur\u00fcckzufallen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":496029,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-496028","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115368273153989611","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/496028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=496028"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/496028\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/496029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=496028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=496028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=496028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}