{"id":496110,"date":"2025-10-13T19:12:17","date_gmt":"2025-10-13T19:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/496110\/"},"modified":"2025-10-13T19:12:17","modified_gmt":"2025-10-13T19:12:17","slug":"kingdom-die-zeit-die-zaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/496110\/","title":{"rendered":"Kingdom \u2013 Die Zeit, die z\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p><b>Inhalt \/ Kritik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Korsika, 1995. Die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Lesia (<strong>Ghjuvanna Benedetti<\/strong>) lebt nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante (<strong>Pascale Mariani<\/strong>), w\u00e4hrend ihr Vater Pierre-Paul (<strong>Saveriu Santucci<\/strong>) seit Jahren im Untergrund lebt. Nur in den Schulferien darf sie ihn gelegentlich besuchen. Eines Tages wird sie \u00fcberraschend von einem Mann namens Santu (<strong>Andrea Cossu<\/strong>) abgeholt und zu ihm gebracht \u2013 in ein abgelegenes, streng bewachtes Haus in den korsischen Bergen. Pierre-Paul ist das Oberhaupt eines einflussreichen Clans, der im Verborgenen agiert und sich in einem latenten Konflikt mit rivalisierenden Gruppen befindet. W\u00e4hrend Lesia die Tage mit ihrem Vater und dessen Gefolgsleuten verbringt, bleiben die Spannungen in ihrem Umfeld nicht verborgen. Aus den Fernsehnachrichten erf\u00e4hrt sie von Anschl\u00e4gen und Vergeltungsaktionen, deren Ursprung in ihrem unmittelbaren Umfeld zu liegen scheint. Als die Lage eskaliert und Pierre-Pauls Leben zunehmend bedroht ist, muss er fliehen \u2013 und Lesia begibt sich, ohne dass ihr Vater das m\u00f6chte, mit auf diese Flucht.<\/p>\n<p>Korsika, Clan und Coming of Age<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Julien Colonnas<\/strong> Spielfilmdeb\u00fct Kingdom \u2013 Die Zeit, die z\u00e4hlt verbindet die karge Sch\u00f6nheit Korsikas mit einer Geschichte \u00fcber Loyalit\u00e4t, Angst und das Erwachsenwerden im Schatten organisierter Gewalt. Der Regisseur, selbst als Sohn eines mutma\u00dflichen korsischen Mafiabosses aufgewachsen, zeigt ein Korsika jenseits touristischer Idylle: eine Landschaft, in der Schweigen, Misstrauen und Clanbindungen das soziale Gef\u00fcge bestimmen. Die korsische Mafia, hier ohne Glanz und Mythen, erscheint als fast b\u00e4uerlich verwurzelte Struktur, deren Rituale und Hierarchien sich tief ins Alltagsleben eingegraben haben. Colonna verzichtet bewusst auf klassische Genrekonventionen und schildert diese Welt aus der Perspektive eines jugendlichen M\u00e4dchens, das versucht, das Unbegreifliche zu verstehen \u2013 und erweitert damit die Grenzen des Mafiafilms.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Getragen wird der Film von zwei herausragenden Hauptdarstellern, die beide zuvor keine nennenswerte Schauspielerfahrung hatten. Ghjuvanna Benedetti \u00fcberzeugt mit einer beeindruckenden Leinwandpr\u00e4senz, die weit \u00fcber ihr Alter hinausreicht. Ihr Spiel ist leise, konzentriert und ausdrucksstark, besonders in den Momenten des Beobachtens. Sie erz\u00e4hlt mit Blicken, Gesten und vor allem mit den H\u00e4nden \u2013 eine intuitive K\u00f6rperlichkeit, die sich tief einpr\u00e4gt. Saveriu Santucci als Pierre-Paul steht ihr in nichts nach. Er verk\u00f6rpert einen Mann, der zugleich Vaterfigur, Clanf\u00fchrer und Gefangener seiner eigenen Entscheidungen ist. Dass Colonna mit einem Ensemble aus gr\u00f6\u00dftenteils Laiendarstellern und -darstellerinnen arbeitet, verleiht dem Film eine ungek\u00fcnstelte Authentizit\u00e4t, die sich in jeder Szene sp\u00fcren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4re statt Action<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Regiedeb\u00fctant beweist ein bemerkenswertes Gesp\u00fcr f\u00fcr Rhythmus und Zur\u00fcckhaltung. Kingdom \u2013 Die Zeit, die z\u00e4hlt ist ruhig erz\u00e4hlt, beinahe kontemplativ, und entfaltet seine Spannung weniger durch Handlung als durch Atmosph\u00e4re. Die Gewalt bleibt meist im Off, ihre Pr\u00e4senz aber ist permanent sp\u00fcrbar. Das verleiht dem Film eine latente Bedrohung, die sich mit der noch eher kindlichen Wahrnehmung Lesias deckt. Ihre Perspektive bestimmt nicht nur die Kamera, sondern auch das Tempo der Erz\u00e4hlung: beobachtend, tastend, manchmal naiv, aber stets von Zuneigung gepr\u00e4gt. Dadurch erscheinen selbst die M\u00e4nner des Clans nicht als Monster, sondern als Menschen, gefangen in einem System, das sie selbst erschaffen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Figurenzeichnung \u00fcberzeugt Kingdom \u2013 Die Zeit, die z\u00e4hlt durch seine pr\u00e4zise Inszenierung. Kamera (<strong>Antoine Cormier<\/strong>) und Regie bleiben dicht an Lesia, beobachten Gesten und Blicke, w\u00e4hrend die Welt um sie herum zunehmend ins Chaos driftet. Worte sind rar, Mimik und Gestik tragen das Gewicht der Handlung. Colonna versteht es, mit minimalen Mitteln gro\u00dfe emotionale Wirkung zu erzielen, auch indem er einen im Vergleich zum Recht des Films untypischen Monolog Pierre-Pauls geschickt einsetzt. Das Drehbuch, entstanden in Zusammenarbeit mit<strong> Jeanne Herry<\/strong> (Regisseurin von<a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2023\/12\/all-eure-gesichter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> All eure Gesichter<\/a> und Tochter der Schauspielerin <strong>Miou-Miou<\/strong>), balanciert gekonnt zwischen Familiendrama und Kriminalfilm. Dass der Film ohne Effekthascherei auskommt, macht seine Wucht umso gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><b>Credits<\/b><\/p>\n<p><strong>OT:<\/strong> \u201eLe Royaume\u201c<br \/><strong>Land:<\/strong> Frankreich<br \/><strong>Jahr:<\/strong> 2024<br \/><strong>Regie:<\/strong> Julien Colonna<br \/><strong>Drehbuch:<\/strong> Julien Colonna, Jeanne Herry<br \/><strong>Musik:<\/strong> Audrey Ismael<br \/><strong>Kamera:<\/strong> Antoine Cormier<br \/><strong>Besetzung:<\/strong> Ghjuvanna Benedetti, Saveriu Santucci, Anthony Morganti, Andrea Cossu, Fr\u00e9deric Poggi, R\u00e9gis Gomez, Eric Ettori, Thoman Bronzini<\/p>\n<p><b>Kaufen \/ Streamen<\/b><\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf \u00fcber diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass f\u00fcr euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise k\u00f6nnt ihr unsere Seite unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt \/ Kritik Korsika, 1995. 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