{"id":49827,"date":"2025-04-21T15:36:11","date_gmt":"2025-04-21T15:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49827\/"},"modified":"2025-04-21T15:36:11","modified_gmt":"2025-04-21T15:36:11","slug":"hommage-ans-meer-in-tegernseer-ausstellung-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49827\/","title":{"rendered":"Hommage ans Meer in Tegernseer Ausstellung &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Ein helles Bild mit grauen Schatten. Sicher ein abstraktes Bild. Doch dann im N\u00e4herkommen entdeckt man Strand, Meer, schwarze Menschen. Sie laufen, springen, rennen. Fl\u00fcchten sie vor irgendetwas? Heribert C. Ottersbach hat \u201ePiazza\u201c im Jahr 2008 gemalt, lange bevor das Meer f\u00fcr ungez\u00e4hlte Fl\u00fcchtlinge zum Grab wurde. Durch seine Ambivalenz z\u00e4hlt das Gem\u00e4lde zu jenen Bildern, die aus der j\u00fcngsten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ausstellung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstellung<\/a> im Olaf-Gulbransson-Museum dauerhaft im Ged\u00e4chtnis bleiben. Als eine jener \u201eGeschichten, die das Meer erz\u00e4hlt\u201c, so der Titel der neuen Schau.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Michael Beck, geb\u00fcrtiger Tegernseer, im Hauptberuf Galerist in D\u00fcsseldorf und seit November 2020 Vorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft, folgt darin wieder dem bereits bew\u00e4hrten Prinzip, befreundete Kunstsammler um Leihgaben zu bitten. Da sein Netzwerk nach 30 Jahren in der Branche gro\u00df ist, verdankt das kleine Museum seinen Kontakten schon eine ganze Reihe von ungew\u00f6hnlichen Ausstellungen, unter anderem die fantastische Gerhard-Richter-Schau aus der Sammlung von Thomas Olbricht im Vorjahr. Sie brachte bislang auch die meisten Besucher ins Haus. \u201eInzwischen z\u00e4hlen wir 25- bis 30 000 G\u00e4ste im Jahr\u201c, sagt Beck stolz.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Dieses Mal widmet er sich in seiner Funktion als Kurator dem Motiv des <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ozeane\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meers<\/a>, das tats\u00e4chlich auf fast jedem der Exponate auftaucht. August Macke begn\u00fcgt sich in seinem \u201eGro\u00dfen Fischzug\u201c (1913) allerdings mit dem See Genezareth. Wieder sind ganz gro\u00dfe Namen vertreten, Emil Nolde genauso wie Egon Schiele, Georges Braque, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pablo_Picasso\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pablo Picasso<\/a> oder Max Beckmann. Dreizehn Privatsammler haben Beck ihre Sch\u00e4tze zur Verf\u00fcgung gestellt, oft Arbeiten, die schon lange nicht mehr gezeigt worden sind, was die Ausstellung sehenswert macht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/61af3c5b-5f4a-4836-bf83-bdf1471375bf.jpeg\"  class=\"css-y4bre2\"\/>Pablo Picassos \u201eQuatre Poissons\u201c aus dem Jahr\u00a0 1922. (Foto: Succession Picasso\/ VG Bild-Kunst, Bonn 2025\/Krause, Johansen)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Das \u00e4lteste Bild stammt von Willem van de Velde, der als fl\u00e4mischer Marinemaler im 17. Jahrhundert Seeschlachten und Kriegsschiffe festhielt. Ein Sehnsuchtsort ist das Meer in dieser Zeit noch nicht, weder bei van de Velde noch in der Studie von Canaletto oder bei Theodore Gudin (1802\u20131880), der sein Bild aus einer ganz ungew\u00f6hnlichen Perspektive malt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Der franz\u00f6sische Maler war bekannt daf\u00fcr, unter extremen Bedingungen zu arbeiten und lie\u00df sich, wenn es ihm notwendig erschien, sogar an Masten festbinden, um die H\u00e4nde zum Zeichnen freizuhaben. Um die \u201eMatrosen an der Takelage\u201c festzuhalten, kletterte er in schwindelerregende H\u00f6hen, um deren Arbeit von einem anderen Mast aus genau zu beobachten. Ebenfalls extrem, wenn auch in einem ganz anderen Sinn, ist die bewegte Wasseroberfl\u00e4che, die Li Trieb (1953\u20132020) mit ungez\u00e4hlten Bleistiftstrichen gezeichnet hat. \u201e36 883 Minuten gezeichnete Zeit\u201c steht in der Bildunterschrift, sie selbst bezeichnete ihre Arbeiten als \u201egebannte Momente der Aufmerksamkeit\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/79b67eb2-f115-44ac-9778-e7141a7bc980.jpeg\"  class=\"css-y4bre2\"\/>Giacomo Ballas \u201eMarina\u201c aus dem Jahr 1919. (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2025)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Wer freilich dem chronologisch geordneten Rundgang folgt, entdeckt, dass das Meer bald nicht mehr nur als Arbeitsplatz f\u00fcr Fischer und Seeleute auftaucht, sondern dank sich entwickelnder Zugverbindungen auch als Freizeit- und Erholungsort entdeckt wird. Eug\u00e8ne Boudin malt hinrei\u00dfend impressionistisch angehauchte Strandszenen, auch Auguste Renoir und Felix Vallotton sch\u00e4tzen den Strand als Motiv. D\u00fcster dagegen gestaltet der belgische Symbolist L\u00e9on Spilliaert das Meer. Zwei winzige Schiffe l\u00e4sst er 1904 am Horizont vorbeiziehen, das riesige Gew\u00e4sser eine einzige schwarze Fl\u00e4che.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die stilistische Vielfalt ist, wie immer in den Tegernseer Ausstellungen, gro\u00df, die Qualit\u00e4t der meisten Exponate hoch, die H\u00e4ngung dicht. Beck kennt die meisten Bilder gut, einige hat er vermittelt. \u201eBei einigen \u00e4rgere ich mich noch immer, dass ich sie verkauft habe\u201c, sagt er. Beispielsweise bei der zauberhaften fr\u00fchen Feininger-Zeichnung \u201eOn the Shore of our Sea, Julia Dear!\u201c, die noch an dessen Anf\u00e4nge als Karikaturist erinnert. Noch hat Feininger den Kubismus nicht kennengelernt, weder Robert Delaunay noch Picasso getroffen; von der strengen prismatischen Auff\u00e4cherung seiner sp\u00e4teren Arbeiten ist noch nichts zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0e2bc5ff-69b4-4ac1-9745-fa686ac9dfb8.jpeg\"  class=\"css-y4bre2\"\/>Wenn das Meer braun ist: Max Beckmanns \u201eMeer bei Ostende\u201c, entstanden 1932\/45. (Foto: Privatsammlung)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Auch Max Beckmann sch\u00e4tzte das Meer. Im holl\u00e4ndischen Seebad Scheveningen malte er 1928 \u201eAbends auf der Terrasse\u201c, ein eigenwilliges Hochformat. Noch beeindruckender ist \u201eOstende\u201c, das er schon 1932 begann, damals noch als \u201eNordsee\u201c betitelt. 1945 \u00fcberarbeitete er das Bild noch einmal, gab ihm den Namen \u201eOstende\u201c. Ein fast leerer Strand im Sturm, das Meer ist ganz braun geraten. Beckmann hatte am 19. Juli 1937, also genau an dem Tag, als in M\u00fcnchen die Propaganda-Ausstellung \u201eEntartete Kunst\u201c er\u00f6ffnet wurde, Deutschland verlassen. Er ging ins Exil, erst nach Amsterdam, dann nach Den Haag. Wer freilich die nachdenkliche junge Frau ist, die er 1939, mit einem Brief in der Hand, auf einem Balkon mit Meerblick festhielt, ist bis heute nicht gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Pl\u00e4ne f\u00fcr weitere Ausstellungen hat Michael Beck mehr als genug<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Beck hat schon viele weitere Projekte im Kopf. Dem Meer folgt demn\u00e4chst der sp\u00e4te Kirchner, danach plant er eine Ausstellung mit Werken der internationalen K\u00fcnstlergruppe Zero, die 1958 von Heinz Mack und Otto Piene in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndet wurde. Das Werk des 94-j\u00e4hrigen Mack wird im Mittelpunkt stehen \u2013 \u201eich hoffe sehr, dass er auch kommt\u201c.\u00a0 Aber \u201enat\u00fcrlich\u201c wird es auch Arbeiten von Yves Klein und Lucio Fontana geben. Danach steht Picasso auf Becks Wunschliste und eine Tony-Cragg-Einzelausstellung. Sieht nicht so aus, als w\u00fcrde es langweilig werden in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Tegernsee\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tegernsee<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Eines der Bilder, auf denen gar kein Gew\u00e4sser zu entdecken ist, stammt \u00fcbrigens von Kandinsky: ein kleines Aquarell aus dem Jahr 1940. Aber daf\u00fcr stehen auf Linien, die Regalbrettern \u00e4hneln, lauter h\u00fcbsche Schiffe.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\"><strong>Picasso, Beckmann, Turner und andere Geschichten, die das Meer erz\u00e4hlt, bis 20. Juli, Olaf Gulbransson Museum Tegernsee. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, 250 Seiten, 29,80 Euro.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein helles Bild mit grauen Schatten. Sicher ein abstraktes Bild. 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