{"id":498275,"date":"2025-10-14T15:14:38","date_gmt":"2025-10-14T15:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/498275\/"},"modified":"2025-10-14T15:14:38","modified_gmt":"2025-10-14T15:14:38","slug":"der-trend-geht-zu-immer-plakativeren-online-schlagzeilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/498275\/","title":{"rendered":"Der Trend geht zu immer plakativeren Online-Schlagzeilen"},"content":{"rendered":"<p class=\"h3 subtitle serif\">Internationale Studie wertet 40 Millionen Schlagzeilen in englischsprachigen Medien aus 20 Jahren aus<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" alt=\"Illustration: Ein Megafon schallt die Worte &quot;News&quot;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/original-1747840846.jpg\" class=\"img-responsive\" title=\"Online-Schlagzeilen sind in den letzten 20 Jahren l\u00e4nger und negativer geworden und zielen zunehmend auf Klickzahlen ab.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/1760454878_865_original-1747840846.jpg\" class=\"visible-print-block mb-1 banner\" alt=\"Illustration: Ein Megafon schallt die Worte &quot;News&quot;\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Online-Schlagzeilen sind in den letzten 20 Jahren l\u00e4nger und negativer geworden und zielen zunehmend auf Klickzahlen ab.<\/p>\n<p class=\"copyright hidden-print\" id=\"copyright_24742246\">\n          \u00a9 MPI f\u00fcr Bildungsforschung\n        <\/p>\n<p>\n          Online-Schlagzeilen sind in den letzten 20 Jahren l\u00e4nger und negativer geworden und zielen zunehmend auf Klickzahlen ab.\n        <\/p>\n<p>\n          \u00a9 MPI f\u00fcr Bildungsforschung\n        <\/p>\n<p>Auf den Punkt gebracht<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Neue Studie \u00fcber Journalismus: <\/strong>In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Stil von Online-\u00dcberschriften in digitalen Medien stark ver\u00e4ndert.<\/li>\n<li><strong>Clickbait z\u00e4hlt:<\/strong> \u00dcberschriften sind l\u00e4nger und negativer geworden. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, sind sie besonders klicktr\u00e4chtig formuliert.<\/li>\n<li><strong>Gro\u00dfer Datensatz:<\/strong> Diese Entwicklung l\u00e4sst sich unabh\u00e4ngig von der journalistischen Qualit\u00e4t der Medien beobachten. Ausgewertet wurden 40 Millionen Online-Nachrichten im englisch-sprachigen Raum.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"paragraph\">Online-Schlagzeilen sind in den vergangenen 20 Jahren nicht nur l\u00e4nger geworden, sondern auch negativer und zunehmend auf Klickzahlen ausgerichtet \u2013 und das unabh\u00e4ngig von der journalistischen Qualit\u00e4t. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung, die rund 40 Millionen Schlagzeilen englischsprachiger Nachrichtenseiten aus den letzten zwei Jahrzehnten ausgewertet haben.<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Die Forscher vergleichen das Internet mit einem riesigen Marktplatz, auf dem Journalistinnen und Journalisten mit ihren Schlagzeilen um die Aufmerksamkeit der Leserschaft konkurrieren. Diese Aufmerksamkeit ist ein kostbares Gut, denn im digitalen Zeitalter k\u00f6nnen Inhalte so g\u00fcnstig wie nie produziert werden\u2013 ein \u00dcberangebot und starke Konkurrenz von Inhalten ist die Folge. Um durchzudringen, kommt der \u00dcberschrift eine entscheidende Funktion zu. Sie muss Aufmerksamkeit erzeugen und Neugier wecken.<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Anders als bei Print-Schlagzeilen l\u00e4sst sich der Erfolg jeder einzelnen \u00dcberschrift im Internet messen, denn dort kann man sehen, wie viele Klicks sie erhalten hat. Das f\u00fchrt nach Ansicht der Wissenschaftler dazu, dass Online-Schlagzeilen so formuliert werden, um m\u00f6glichst viele Klicks zu generieren (sogenanntes Clickbait). \u201eUnsere Analyse zeigt, dass sich die Sprache von Online-Schlagzeilen \u00fcber die Jahre hinweg systematisch ver\u00e4ndert hat\u201c, erkl\u00e4rt Erstautor Pietro Nickl, Doktorand am Forschungsbereich Adaptive Rationalit\u00e4t des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung. \u201eViele dieser Ver\u00e4nderungen deuten auf eine Anpassung an die Anforderungen und M\u00f6glichkeiten des digitalen Umfelds hin.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Online-\u00dcberschriften haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Im Zentrum der Analyse standen die sprachlichen und strukturellen Ver\u00e4nderungen von Schlagzeilen seit dem Jahr 2000. Diese weisen nicht auf blo\u00dfe \u00c4nderungen in redaktioneller Praxis hin, sondern auch auf die wachsende Bedeutung der Schlagzeile als zentrales Element im digitalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Anders als im Print-Journalismus, wo \u00dcberschriften vor allem informativ und platzsparend sein mussten, werden sie online gezielt genutzt, um Klicks zu generieren. Charakteristisch f\u00fcr Clickbait-Schlagzeilen ist ihre L\u00e4nge: Sie sind in konversationellem Ton gehalten und dienen dazu, Neugierde zu wecken, ohne selbst viele Information preiszugeben.<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Tats\u00e4chlich stellten die Forscher fest, dass die durchschnittliche L\u00e4nge der Schlagzeilen kontinuierlich zunahm. Gleichzeitig wurde ein verst\u00e4rkter Einsatz sprachlicher Mittel festgestellt, die typischerweise mit Clickbait assoziiert werden. Dazu z\u00e4hlen etwa aktive Verben, der Einsatz von Pronomen wie \u201eich\u201c, \u201edu\u201c oder \u201esie\u201c sowie der h\u00e4ufigere Gebrauch von Fragew\u00f6rtern (\u201ewie\u201c, \u201ewas\u201c, \u201ewarum\u201c). Diese Elemente wecken Neugier, indem sie eine Informationsl\u00fccke schaffen \u2013 ein psychologischer Mechanismus, der Leserinnen und Leser zum Klicken anregen soll.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Ein weiterer markanter Befund betrifft die Satzstruktur. W\u00e4hrend in den fr\u00fchen 2000er-Jahren sogenannte Nominals\u00e4tze \u2013 zum Beispiel \u201eErdbeben in Myanmar\u201c\u2013 g\u00e4ngig waren, traten in sp\u00e4teren Jahren vermehrt vollst\u00e4ndige S\u00e4tze auf. Diese sind dynamischer und emotionaler, oft narrativ aufgebaut, und zielen st\u00e4rker auf eine emotionale Ansprache ab. Ebenfalls auff\u00e4llig war die Entwicklung der emotionalen Tonalit\u00e4t. Die Sentiment-Analyse ergab, dass Schlagzeilen im Durchschnitt negativer geworden sind \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um hochqualitativen oder boulevardesken Journalismus handelt. Interessanterweise nutzten rechtsgerichtete Medienh\u00e4user im Mittel deutlich h\u00e4ufiger negativ konnotierte \u00dcberschriften als linke oder politisch neutrale.\u00a0<\/p>\n<p>Entwicklungen werden durch Algorithmen verst\u00e4rkt\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph\">\u201eDie Ver\u00e4nderungen sind nicht das Ergebnis einzelner redaktioneller Entscheidungen, sondern Ausdruck eines kulturellen Selektionsprozesses. Bestimmte sprachliche Merkmale setzen sich durch, weil sie unter den Bedingungen der digitalen Aufmerksamkeits\u00f6konomie erfolgreicher sind. Sie werden h\u00e4ufiger verwendet \u2013 gegebenenfalls auch ohne, dass sich Produzenten oder Konsumenten dieser Mechanismen bewusst sind\u201c, sagt Pietro Nickl. Das Ganze wird durch Empfehlungsalgorithmen sozialer Medien verst\u00e4rkt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Die Studie basiert auf Daten aus vier internationalen Nachrichtenportalen \u2013 New York Times, The Guardian, The Times of India und ABC News Australia \u2013 sowie dem umfassenden News on the Web-Korpus (NOW), der rund 30 Millionen weitere Schlagzeilen aus verschiedenen L\u00e4ndern enth\u00e4lt. Erg\u00e4nzend wurden Daten von Upworthy (als Beispiel f\u00fcr expliziten Clickbait) und von wissenschaftlichen Preprint-Titeln (als Gegenbeispiel) analysiert. In den meisten Variablen wurden die Nachrichtenschlagzeilen den Clickbait-Titeln \u00fcber die Zeit immer \u00e4hnlicher. Die Datenauswertung erfolgte mithilfe moderner Methoden der nat\u00fcrlichen Sprachverarbeitung wie Sentiment-Analyse, syntaktischer Analyse und w\u00f6rterbuchbasierter Ausz\u00e4hlung.\u00a0<\/p>\n<p>Das Erkennen von manipulativen Inhalten wird immer schwieriger\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Die Ergebnisse werfen auch grundlegende gesellschaftliche Fragen auf. Die zunehmende Verbreitung von Clickbait-Elementen in etablierten Medien k\u00f6nnte langfristig das Vertrauen in den Journalismus untergraben und die Unterscheidung zwischen seri\u00f6sen und manipulativen Inhalten erschweren. Denn viele sprachliche Merkmale, die bislang als Warnsignale f\u00fcr unseri\u00f6se Inhalte (wie Clickbait oder manipulative Inhalte) galten \u2013 wie starke Emotionalisierung oder der vermehrte Einsatz von Pronomen und Fragew\u00f6rtern \u2013 sind inzwischen auch in Qualit\u00e4tsmedien verbreitet. \u201eWenn sich der Stil etablierter Medien denen von problematischen Quellen immer st\u00e4rker ann\u00e4hert, verschwimmen die Grenzen \u2013 und das erschwert auch die Unterscheidung zwischen seri\u00f6sen und manipulativen Inhalten\u201c, warnt Co-Autor Philipp Lorenz-Spreen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Adaptive Rationalit\u00e4t des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung.<\/p>\n<p class=\"paragraph\">Trotz dieser Entwicklung sehen die Forschenden Handlungsspielr\u00e4ume. Denn die digitale Informationslandschaft ist gestaltbar. Wenn bisherige Erfolgskennzahlen wie Klicks oder Verweildauer Inhalte verzerren, sei es an der Zeit, \u00fcber alternative Metriken nachzudenken. Erste Plattformen experimentieren bereits mit neuen Ans\u00e4tzen \u2013 etwa durch die Hervorhebung \u201etief gelesener\u201c statt nur \u201emeistgeklickter\u201c Artikel. Auch individuell w\u00e4hlbare Kriterien k\u00f6nnten dazu beitragen, langfristig eine vielf\u00e4ltigere und nachhaltigere Medienlandschaft zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Internationale Studie wertet 40 Millionen Schlagzeilen in englischsprachigen Medien aus 20 Jahren aus Online-Schlagzeilen sind in den letzten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":498276,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,124850,296,1937,124847,29,82282,30,124849,124848,1940,1938,124846],"class_list":{"0":"post-498275","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-aufmerksamkeitsoekonomie","11":"tag-berlin","12":"tag-berlin-news","13":"tag-clickbait","14":"tag-deutschland","15":"tag-digitale-medien","16":"tag-germany","17":"tag-journalistische-qualitaet","18":"tag-klickzahlen","19":"tag-nachrichten-aus-berlin","20":"tag-news-aus-berlin","21":"tag-online-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115373177287729657","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/498275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=498275"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/498275\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/498276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=498275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=498275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=498275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}