{"id":49829,"date":"2025-04-21T15:37:08","date_gmt":"2025-04-21T15:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49829\/"},"modified":"2025-04-21T15:37:08","modified_gmt":"2025-04-21T15:37:08","slug":"verbrannt-verteufelt-versteckt-syriens-verbotene-buecher-kehren-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/49829\/","title":{"rendered":"Verbrannt, verteufelt, versteckt: Syriens verbotene B\u00fccher kehren zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>                    Verbrannt, verteufelt, versteckt<br \/>\n                Syriens verbotene B\u00fccher kehren zur\u00fcck<\/p>\n<p>\t\t\t\t              21.04.2025, 17:03 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Unter der Herrschaft von Baschar al-Assad werden in Syrien unz\u00e4hlige B\u00fccher verboten, manchmal nur wegen eines einzelnen Wortes im Titel. Nach dem Sturz des Diktators erlebt das Land nun eine literarische Wiedergeburt. Aber f\u00fcr wie lange? <\/strong><\/p>\n<p>&#8222;\u00dcber 53 Jahre habe ich meine Geschichte f\u00fcr mich behalten&#8220;, sagt Nisar Abasa. &#8222;Heute kann ich sie endlich in Worte fassen und ver\u00f6ffentlichen.&#8220; Jahrzehntelang behielt der heute 80-j\u00e4hrige Schriftsteller viele seiner Ideen und Gedanken f\u00fcr sich &#8211; aus Angst, allein f\u00fcr seine Gedankeng\u00e4nge in einem der ber\u00fcchtigten Foltergef\u00e4ngnisse Syriens zu landen. &#8222;Ich habe sie in meinem Herzen bewahrt. Sie beschreiben, was ich und so viele Syrer tagt\u00e4glich durchleben mussten. Nun d\u00fcrfen sie endlich an die \u00d6ffentlichkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Im Syrien von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad waren die Gedanken gedrosselt. Hunderte, gar Tausende B\u00fccher wurden nach Einsch\u00e4tzungen syrischer Verlage von Assads Regierung zensiert, vom Markt genommen und verbannt. Im Dezember war der syrische Langzeitherrscher nach fast 14 Jahren eines brutalen B\u00fcrgerkrieges mit Hunderttausenden Toten von einer Rebellenallianz gest\u00fcrzt worden. Nach einer mehr als 50-j\u00e4hrigen Herrschaft der Assad-Familie wird das Land nun von einer \u00dcbergangsregierung unter F\u00fchrung von Islamisten geleitet. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/519443237.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Der syrische Schriftsteller Nisar Abasa.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/519443237.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Der syrische Schriftsteller Nisar Abasa.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: picture alliance\/dpa)<\/p>\n<p>   B\u00fccher versteckt in Abwasserrohren<\/p>\n<p>Besonders jene B\u00fccher, die die autorit\u00e4re Regierung Assads infrage stellten oder sich einer anderen Ideologie verschrieben, galten als gef\u00e4hrlich, berichtet der Presseverantwortliche des Verlags Dar al-Fikr, Wahid Taja, in Damaskus. \u00dcbersetzen l\u00e4sst sich Dar al-Fikr mit Haus der Ideen &#8211; ein Name, der in sich bereits dem Kurs der Regierung widersprach.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden seien oft willk\u00fcrlich gewesen, seien sich selbst nicht einig gewesen, was auf dem Markt erlaubt sein sollte und was nicht. &#8222;Sie hatten Stimmungsschwankungen&#8220;, beschreibt Taja. Ein Buch, das heute erlaubt war, konnte morgen verboten werden &#8211; abh\u00e4ngig von der politischen Wetterlage. Regelm\u00e4\u00dfig habe es Listen vom Informationsministerium gegeben, die vorgaben, was verboten werden sollte. &#8222;Wenn sie bei ihren Besuchen B\u00fccher fanden, die nicht erlaubt waren, wurden sie verbrannt&#8220;, sagt er. Kritische B\u00fccher wanderten in den Untergrund. Manche seien gar in Abwasserrohren versteckt worden.<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe viele B\u00fccher versteckt, beh\u00fctet wie einen Schatz&#8220;, sagt Taja. Immer an verschiedenen Orten, bei Freunden oder in Kellern. Als Assad gest\u00fcrzt worden sei, habe er &#8222;den Staub von ihren Seiten gewischt&#8220; und sie wieder ans Tageslicht geholt. &#8222;Es war ein Tag der Befreiung &#8211; auch f\u00fcr Syriens Literatur&#8220;, so der Verleger. Heute gebe es keine Listen mit Verboten mehr. Dar al-Fikr z\u00f6gere aber mit Blick auf die neue islamistisch gepr\u00e4gte F\u00fchrung in Damaskus mit der Ver\u00f6ffentlichung religionskritischer B\u00fccher, auch wenn es dazu nie eine konkrete Ansage gab.<\/p>\n<p>&#8222;Sie wollten keine Bildung&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sie haben uns nicht erlaubt, zu denken&#8220;, sagt Adham Adschamja und bezieht sich auf die Assad-Regierung. Seit zehn Jahren verkauft er B\u00fccher auf dem Freiluftb\u00fcchermarkt unter der nun sogenannten Freiheitsbr\u00fccke in Damaskus. &#8222;Sie wollten keine Bildung&#8220;, sagt er. Einmal seien sie mit Bulldozern gekommen, um alle St\u00e4nde zu zerst\u00f6ren. Triggerw\u00f6rter wie &#8222;Revolution&#8220; im Titel seien Anlass genug gewesen, um die entsprechenden B\u00fccher vom Markt zu nehmen. Zahlreiche B\u00fcchereien und Buchhandlungen im ganzen Land seien in simple Schreibwarenl\u00e4den umgewandelt worden.<\/p>\n<p>Doch Adschamja habe immer daran geglaubt, dass Assad eines Tages verschwinden werde, dass die Bildung zur\u00fcckkehren w\u00fcrde. Jahrelang verkaufte er die vielen verbotenen B\u00fccher nur im Verborgenen. Heute liegen sie offen und frei zum Verkauf.<\/p>\n<p>Abdallah Hamdan, Verk\u00e4ufer religi\u00f6ser Literatur am Nachbarstand, hat mit Anh\u00e4ngern der neuen syrischen F\u00fchrung eigene Erfahrungen gemacht. Nach dem Sturz Assads seien einige von ihnen zu ihm gekommen, h\u00e4tten B\u00fccher, die christliche Symbole oder Aufschriften abbildeten, kritisch be\u00e4ugt und ihn aufgefordert, sie zu verbrennen. &#8222;Begeht nicht die gleichen Fehler, wie das alte Regime&#8220;, habe er ihnen entgegnet. &#8222;Wir alle wollten Freiheit, Bildung und Literatur bedeutet Freiheit&#8220;, so Hamdan. Verbrennen musste er die B\u00fccher dennoch.<\/p>\n<p>Angst vor &#8222;Wiedergeburt des alten Regimes&#8220;<\/p>\n<p>Auch andere Kulturbereiche des Landes stehen dem von au\u00dfen mit gro\u00dfer Hoffnung belegtem Wandel im Land skeptisch gegen\u00fcber. &#8222;Was wir jetzt erleben, ist Copy-and-paste&#8220;, sagt die Co-Gr\u00fcnderin der Kunstgalerie Zawaya in einem christlichen Viertel von Damaskus, Rola Sleiman. Vorher habe es einen Sicherheitsstaat &#8211; also einen Staat basierend auf kontrollierenden Geheimdiensten, Polizei und Milit\u00e4r &#8211; gegeben. Heute st\u00fctze sich die \u00dcbergangsregierung auf ein religi\u00f6ses System. &#8222;Freiheit gibt es bei beiden nicht&#8220;, sagt Sleiman.<\/p>\n<p>Zwar habe sie Erleichterung versp\u00fcrt, dass Assad und auch seine Frau Asma, die f\u00fcr sich die Kontrolle \u00fcber Kultur und kulturelles Erbe beansprucht hatte, nicht mehr \u00fcber Syrien herrschten. Dennoch versp\u00fcre sie Angst vor dem, was nun kommt.<\/p>\n<p>Im Blitztempo bewegten sich Rebellen unter der F\u00fchrung der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham Anfang Dezember auf Damaskus zu, um Assad zu st\u00fcrzen. &#8222;Als sie kurz vor Damaskus standen, habe ich alle Kunst aus unserer Galerie eingepackt und in meinem Zuhause versteckt&#8220;, berichtet Sleiman. Erst drei Wochen nach dem Sturz traute sie sich, die Kunstgegenst\u00e4nde wieder zur\u00fcckzubringen.<\/p>\n<p>Ein vermeintliches Mitglied der neuen \u00dcbergangsregierung bezeichnete ihre ausgestellten Skulpturen bei einem Besuch in der Galerie als &#8222;haram&#8220;, also s\u00fcndhaft. Doch die Bildhauerei sei eine der \u00e4ltesten K\u00fcnste Syriens, betont Sleiman. &#8222;Ich habe Angst, denn wir brauchen wirklich keine Wiedergeburt des alten Regimes&#8220;, sagt sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Verbrannt, verteufelt, versteckt Syriens verbotene B\u00fccher kehren zur\u00fcck 21.04.2025, 17:03 Uhr Artikel anh\u00f6ren Diese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":49830,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[24027,1784,1785,29,214,30,984,93,58,215],"class_list":{"0":"post-49829","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-baschar-al-assad","9":"tag-books","10":"tag-buecher","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-international","15":"tag-literatur","16":"tag-syrien","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114376700514623621","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49829\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}