{"id":498808,"date":"2025-10-14T20:02:17","date_gmt":"2025-10-14T20:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/498808\/"},"modified":"2025-10-14T20:02:17","modified_gmt":"2025-10-14T20:02:17","slug":"die-eu-sollte-ihren-schutzplan-fuer-die-stahlindustrie-abschwaechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/498808\/","title":{"rendered":"Die EU sollte ihren Schutzplan f\u00fcr die Stahlindustrie abschw\u00e4chen"},"content":{"rendered":"<p>Die Bezeichnung QE-Programm (Quantitative Easing) ist nicht die offizielle Bezeichnung des Programms der EZB, sondern bezeichnet lediglich eine geldpolitische Methode, bei der die Zentralbank Schuldtitel kauft, um das Niveau der Marktzinsen nach unten zu dr\u00fccken. Das QE-Programm hei\u00dft im offiziellen EZB-Sprachgebrauch <strong>Programm zum Ankauf von Verm\u00f6genswerten<\/strong> (Asset Purchase Programme, APP) und wurde Anfang 2015 beschlossen. Das APP bestand zun\u00e4chst aus drei Einzelprogrammen zum Ankauf<\/p>\n<ul>\n<li>gedeckter Schuldverschreibungen (<strong>CBPP 3<\/strong>, Start Oktober 2014),<\/li>\n<li>forderungsbesicherter Wertpapiere (<strong>ABSPP<\/strong>, Start November 2014) und<\/li>\n<li>von Wertpapieren des \u00f6ffentlichen Sektors (<strong>PSPP<\/strong>, Start M\u00e4rz 2015).<\/li>\n<li>Im Juni 2016 kam das Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (<strong>CSPP<\/strong>) hinzu.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine genauere Beschreibung der einzelnen Programme finden Sie am Ende dieses Beitrags.<\/p>\n<p>Die EZB hat f\u00fcr die einzelnen Programme keine konkreten Kaufvolumina, sondern lediglich monatliche Zielmarken f\u00fcr das gesamte APP festgelegt.<\/p>\n<ul>\n<li>M\u00e4rz 2015 bis M\u00e4rz 2016: 60 Milliarden Euro<\/li>\n<li>April 2016 bis M\u00e4rz 2017: 80 Milliarden Euro<\/li>\n<li>April 2017 bis Dezember 2017: 60 Milliarden Euro<\/li>\n<li>Januar 2018 bis September 2018: 30 Milliarden Euro<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was kauft die EZB genau?<\/p>\n<p>Der Blick auf die pro Monat aufgekauften Wertpapiere zeigt, dass die EZB durchaus die Zusammensetzung ihrer K\u00e4ufe variiert hat und im Rahmen der einzelnen Programme unterschiedlich aktiv war. Auch lag das monatliche Kaufvolumen nicht immer pr\u00e4zise bei den angek\u00fcndigten 60 bzw. 80 Milliarden Euro \u2013 allerdings hat die EZB w\u00e4hrend der jeweiligen Phasen im Durchschnitt doch ziemlich exakt das angek\u00fcndigte Volumen gekauft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Monatliche-K\u00e4ufe_2.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-24539\" src=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Monatliche-K\u00e4ufe_2.jpg\" alt=\"\" width=\"672\" height=\"431\"  data-\/><\/a>*APP tats\u00e4chlich: Diese Linie zeigt, wie viel die EZB w\u00e4hrend der bisherigen drei Phasen des APP (Zielwert M\u00e4rz 2015 bis M\u00e4rz 2016: 60 Milliarden Euro, Zielwert April 2016 bis M\u00e4rz 2017: 80 Milliarden Euro, Zielwert April 2017 bis Dezember 2017: 60 Milliarden Euro) durchschnittlich pro Monat gekauft hat. Quellen: EZB, eigene Berechnungen<\/p>\n<p>Die unterschiedliche Gewichtung der Unterprogramme wird im folgenden Chart noch etwas deutlicher. Dieser zeigt, wie hoch der Anteil der jeweiligen Programme w\u00e4hrend der einzelnen Monate seit Start des APP im M\u00e4rz 2015 war. Daraus wird ersichtlich, dass die EZB den Anteil der gekauften Staatsanleihen zuletzt wieder etwas reduziert hat (von in der Spitze \u00fcber 90% auf zuletzt etwa 80%).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Monatliche-K\u00e4ufe.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-24538\" src=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Monatliche-K\u00e4ufe.jpg\" alt=\"\" width=\"671\" height=\"430\"  data-\/><\/a>Quellen: EZB, eigene BerechnungenWorauf es zu achten gilt: Konkrete Umsetzung und Reinvestitionen f\u00e4lliger Anleihen<\/p>\n<p>In den kommenden Monaten gilt es also vor allem zu beobachten, wie die EZB die angek\u00fcndigte Reduzierung ihres Aufkaufvolumens konkret umsetzt, weil sich dies auf die betroffenen Marktsegmente unterschiedlich auswirken wird. So hat die EZB wie oben gezeigt seit Start ihrer Aufkaufprogramme demonstriert, dass sie in der Lage und gewillt ist, die angek\u00fcndigten Kaufvolumina auch tats\u00e4chlich umzusetzen. Das hei\u00dft, dass die gesamten APP-Best\u00e4nde in ihrer Bilanz ungef\u00e4hr dem im folgenden Chart skizzierten Verlauf (rote gestrichelte Linie) folgen und Ende September 2018 ein Gesamtvolumen von ca. 2,6 Billionen Euro erreichen d\u00fcrften \u2013 die Frage ist eben lediglich, durch welche Wertpapiere die gro\u00dfe wei\u00dfe L\u00fccke im Chart konkret gef\u00fcllt wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Best\u00e4nde.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-24537\" src=\"https:\/\/makronom.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/APP_Best\u00e4nde.jpg\" alt=\"\" width=\"873\" height=\"474\"  data-\/><\/a>Anmerkung: Die Best\u00e4nde werden immer am Ende eines Quartals um Amortisierungen bereinigt. Das bedeutet, dass der Wert von unter ihrem Nominalwert gekauften Anleihen nach oben korrigiert werden, wenn sie n\u00e4her an ihren F\u00e4lligkeitstermin kommen. F\u00fcr \u00fcber Nominalwert gekaufte Anleihen gilt entsprechend eine Abw\u00e4rtskorrektur. *Erwarteter Verlauf auf Basis der EZB-Ank\u00fcndigung, ab Januar 2018 im Rahmen des APP monatlich Wertpapiere im Wert von 30 Milliarden Euro erwerben zu wollen. Die Reinvestionsvolumina sind nicht dabei nicht ber\u00fccksichtigt. Quellen: EZB, eigene Sch\u00e4tzungen<\/p>\n<p>Es muss auch ber\u00fccksichtigt werden, dass das APP noch lange \u00fcber sein eigentliches Ende hinaus Wirkung entfalten wird. So hat die EZB bereits im Dezember 2015 angek\u00fcndigt, die Eink\u00fcnfte aus bis zur F\u00e4lligkeit gehaltenen Anleihen wieder zu reinvestieren und dieses Versprechen auf der Oktober-Ratssitzung noch einmal <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/pr\/date\/2017\/html\/ecb.pr171026.en.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erneuert und pr\u00e4zisiert<\/a>. Sollte also beispielsweise eine deutsche Staatsanleihe 2019 f\u00e4llig und die EZB vom deutschen Staat ausbezahlt werden, wird sie \u2013 Stand heute \u2013 dieses Geld f\u00fcr den erneuten Erwerb einer (deutschen) Staatsanleihe nutzen. Ihre Best\u00e4nde an Staatsanleihen werden sich somit nicht zwangsl\u00e4ufig verringern und ihre Pr\u00e4senz auf den M\u00e4rkten auch nicht sehr viel kleiner werden \u2013 sie schafft nur kein neues Geld, um Staatsanleihen zu erwerben.<\/p>\n<p>QE-K\u00e4ufe nach L\u00e4ndern<\/p>\n<p>Die EZB hat beim Start des PSPP (also des Staatsanleihen-Programms) angek\u00fcndigt, dass sich das Kaufvolumen am Kapitalschl\u00fcssel der beteiligten L\u00e4nder orientieren soll. Jedoch ist die EZB von diesem Ziel deutlich abgewichen: Sie hat mehr Staatsanleihen der gro\u00dfen Eurostaaten gekauft, als dies eigentlich nach dem Kapitalschl\u00fcssel angemessen gewesen w\u00e4re. So machen beispielsweise deutsche Staatsanleihen mittlerweile knapp 27% des aufgekauften Staatsanleihen-Portfolios aus, obwohl der deutsche Kapitalschl\u00fcssel nur bei knapp 18% liegt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Kaufverhalten_Abweichung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-24543\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Kaufverhalten_Abweichung.jpg\" alt=\"\" width=\"877\" height=\"472\"  data-\/><\/a>Quellen: EZB, eigene Berechnungen<\/p>\n<p>Diese \u201cBevorzugung\u201d der gro\u00dfen Staaten k\u00f6nnte unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass es bei den kleineren L\u00e4ndern schlicht nicht genug Anleihen gibt, damit die EZB ihr angepeiltes Kaufvolumen erreichen kann. Es wird sich zeigen, ob die EZB somit ihr Kaufverhalten \u00e4ndern wird, wenn sie nur noch eine kleinere Summe an Staatsanleihen aufkaufen muss.<\/p>\n<p>Bilanzsumme<\/p>\n<p>Die im Rahmen des QE-Programms get\u00e4tigten K\u00e4ufe machen inzwischen fast die H\u00e4lfte der insgesamt knapp 4,4 Billionen Euro gro\u00dfen EZB-Bilanz aus. Wenn die EZB die Summe der monatlichen Anleihek\u00e4ufe ab Januar senkt, ist in der kurzen Frist zu erwarten ist, dass sich die EZB-Bilanz zun\u00e4chst etwas langsamer ausweiten wird. Um die tats\u00e4chliche expansive Wirkung der Geldpolitik zu beurteilen ist es aber auch notwendig zu beobachten, wie sich die \u00fcbrigen Posten der Bilanz ver\u00e4ndern, was aus heutiger Sicht aber nicht absch\u00e4tzbar ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/EZB_Bilanz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"lazyload size-full wp-image-24541\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/EZB_Bilanz.jpg\" alt=\"\" width=\"873\" height=\"473\"  data-\/><\/a>Quelle: EZB<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Glossar: Die Programme im Detail<\/p>\n<p>Das erste <strong>Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen<\/strong> (Covered Bond Purchase Programme, <strong>CBPP<\/strong>) wurde bereits 2009 von der EZB beschlossen, um nach der Finanzkrise den Markt f\u00fcr diese Papiere (z. B. Pfandbriefe) zu stabilisieren und Refinanzierungsproblemen der Banken entgegenzuwirken. Innerhalb eines Jahres wurden Wertpapiere im Gesamtvolumen von 60 Milliarden Euro angekauft. Ein zweites CBPP mit folgte dann von November 2011 bis Oktober 2012. Das aktuell laufende dritte CBPP wurde im Oktober 2014 verabschiedet.<\/p>\n<p>Das <strong>Programm zum Ankauf forderungsbesicherter Wertpapiere<\/strong> (Asset Backed Securities Purchase Programme, <strong>ABSPP<\/strong>) wurde im September 2014 in Verbindung mit dem Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen (CBPP 3) beschlossen. Dabei werden ABS-Papiere am Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rmarkt aufgekauft.<\/p>\n<p>Im Rahmen des <strong>Programms zum Ankauf von Wertpapieren des \u00f6ffentlichen Sektors<\/strong> (Public Sector Purchase Programme, <strong>PSPP<\/strong>) werden seit M\u00e4rz 2015 Wertpapiere des \u00f6ffentlichen Sektors wie Staatsanleihen sowie Schuldtitel europ\u00e4ischer Institutionen und Agenturen gekauft. F\u00fcr die Ank\u00e4ufe im Rahmen des PSPP gibt es <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/mopo\/implement\/omt\/html\/pspp-qa.en.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">detaillierte Regeln<\/a>. So d\u00fcrfen Staatsanleihen beispielsweise wegen des Verbots der monet\u00e4ren Staatsfinanzierung nur am Sekund\u00e4rmarkt erworben werden. Es d\u00fcrfen nur Papiere mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr aufgekauft werden. Zudem will die EZB nicht mehr als 33% aller auf den Sekund\u00e4rm\u00e4rkten befindlichen Papiere aufkaufen.<\/p>\n<p>Mit dem <strong>Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors<\/strong> (Corporate Sector Purchase Programme, <strong>CSPP<\/strong>) werden seit Juni 2016 auch Anleihen von Unternehmen in der Eurozone erworben. Ausgeschlossen sind Kreditinstitute und Unternehmen, deren Anleihen von den Ratingagenturen nicht mindestens als \u201eInvestment Grade\u201c bewertet werden. Die Anleihen m\u00fcssen Laufzeiten zwischen sechs Monaten und 30 Jahren haben und k\u00f6nnen sowohl am Prim\u00e4rmarkt als auch am Sekund\u00e4rmarkt gekauft werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Bezeichnung QE-Programm (Quantitative Easing) ist nicht die offizielle Bezeichnung des Programms der EZB, sondern bezeichnet lediglich eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":498809,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,124946,14,15,12],"class_list":{"0":"post-498808","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-ignacio-garcia-bercero","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115374309270882523","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/498808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=498808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/498808\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/498809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=498808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=498808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=498808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}