{"id":499101,"date":"2025-10-14T22:50:17","date_gmt":"2025-10-14T22:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499101\/"},"modified":"2025-10-14T22:50:17","modified_gmt":"2025-10-14T22:50:17","slug":"klima-volksentscheid-sechsmal-so-teuer-wird-es-wenn-wir-spaeter-ausbuegeln-muessen-was-wir-heute-versaeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499101\/","title":{"rendered":"Klima-Volksentscheid: \u201eSechsmal so teuer wird es, wenn wir sp\u00e4ter ausb\u00fcgeln m\u00fcssen, was wir heute vers\u00e4umen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Hamburger Zukunftsentscheid sieht Transformationsforscherin Maja G\u00f6pel ein Signal f\u00fcr die Klimapolitik in Deutschland. Sie erkl\u00e4rt, warum verbindliche Zwischenziele, klare Anreize und sichtbare Vorteile entscheidend sind, um Akzeptanz zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Hamburg hat mit einem Volksentscheid sein Klimaschutzgesetz versch\u00e4rft: Klimaneutralit\u00e4t bis 2040, j\u00e4hrliche Zwischenziele, verbindliche \u00dcberpr\u00fcfung. Damit ist die Stadt bundesweit das erste Bundesland, in dem ein solches Gesetz beschlossen wurde. F\u00fcr die Transformationsforscherin Maja G\u00f6pel ist das ein Signal, das \u00fcber Hamburg hinausweist. \u201eEs verschiebt die Debatte von der Frage \u201aOb\u2018 zur Frage \u201aWie\u2018\u201c, sagt sie. Und dieses \u201eWie\u201c m\u00fcsse so gestaltet sein, dass es sich rechnet \u2013 f\u00fcr Haushalte, Unternehmen und Kommunen.<\/p>\n<p>G\u00f6pel hatte sich bereits vor der Abstimmung klar positioniert. Gemeinsam mit mehr als 70 norddeutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterzeichnete sie einen Offenen Brief, der ein \u201eJa\u201c zum Zukunftsentscheid empfahl. F\u00fcr sie ist die Botschaft eindeutig: \u201eDas Wichtigste ist, endlich loszulaufen\u201c, sagt sie. Nicht endlos debattieren, ob das Ziel realistisch ist, sondern zeigen, was sich positiv ver\u00e4ndert, wenn man anf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die 49-J\u00e4hrige geh\u00f6rt zu den bekanntesten Stimmen f\u00fcr Nachhaltigkeit in Deutschland. Sie war Generalsekret\u00e4rin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung f\u00fcr Globale Umweltver\u00e4nderungen, ist Honorarprofessorin an der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg und Mitbegr\u00fcnderin von Scientists for Future. G\u00f6pel ber\u00e4t Politik und Wirtschaft, schreibt B\u00fccher wie \u201eUnsere Welt neu denken\u201c und besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie sich \u00f6kologische Notwendigkeiten mit sozialer Gerechtigkeit und \u00f6konomischer Vernunft verbinden lassen.<\/p>\n<p>Ihr zentrales Argument: Nicht Klimaschutz, sondern das Unterlassen sei volkswirtschaftlich teurer. Extremwetter, Hitzesch\u00e4den, steigende Bau- und Energiekosten \u2013 all das tauche in der Debatte oft nur am Rande auf. \u201eWir reden st\u00e4ndig \u00fcber die Kosten der Transformation, aber kaum \u00fcber die Kosten des Nichthandelns\u201c, kritisiert G\u00f6pel. Wer die Rechnung ehrlich aufmache, komme zu einem klaren Ergebnis: \u201eSechsmal so teuer wird es, wenn wir sp\u00e4ter ausb\u00fcgeln m\u00fcssen, was wir heute vers\u00e4umen.\u201c<\/p>\n<p>Gleichzeitig warnt sie vor einer Illusion: Transformation bedeutet nicht, dass jeder Betrieb seine Renditeziele unver\u00e4ndert halten kann. \u201eWir brauchen kreative Zerst\u00f6rung\u201c, sagt G\u00f6pel. Gesch\u00e4ftsmodelle m\u00fcssten sich anpassen, Versicherer kalkulierten l\u00e4ngst mit Klimarisiken, die sich nicht mehr r\u00fcckversichern lassen. F\u00fcr sie folgt daraus ein neues Verst\u00e4ndnis von Verantwortung: Unternehmen sollten sich nicht hinter den Langsamsten verstecken, sondern aktiv f\u00fcr faire Regeln eintreten. \u201eCorporate Political Responsibility\u201c nennt sie das \u2013 ein Gegenmodell zur Abw\u00e4rtsspirale, in der alle warten, bis die anderen anfangen.<\/p>\n<p>Wie das praktisch aussehen kann, zeigen f\u00fcr G\u00f6pel Beispiele aus Europa. Norwegen etwa habe E-Mobilit\u00e4t nicht allein mit Subventionen vorangebracht, sondern mit einer Mischung aus Anreizen und klaren Vorgaben: privilegierte Spuren f\u00fcr Elektroautos, Verbrenner aus den St\u00e4dten. Paris wiederum habe nicht mit dem Schlagwort \u201eautofrei\u201c \u00fcberzeugt, sondern mit dem Versprechen der 15-Minuten-Stadt: k\u00fcrzere Wege, k\u00fchlere Viertel, mehr Aufenthaltsqualit\u00e4t. \u201eDas sind Co-Benefits, die wir viel st\u00e4rker kommunizieren m\u00fcssen\u201c, sagt G\u00f6pel. Begr\u00fcnte Stra\u00dfen, Schwammst\u00e4dte, leisere Quartiere \u2013 all das steigere die Lebensqualit\u00e4t in einer sich ver\u00e4ndernden Welt.<\/p>\n<p>Und die Politik? Die m\u00fcsse sich von der Vorstellung verabschieden, Klimaschutz sei ein Wahlkampfrisiko, das man besser klein h\u00e4lt. Der Einwand, ambitionierte Klimapolitik st\u00e4rke automatisch die AfD, greife zu kurz, sagt G\u00f6pel. Populistische Akteure w\u00fcrden das Thema ohnehin besetzen. \u201eWir d\u00fcrfen ihnen nicht die Agenda \u00fcberlassen.\u201c Stattdessen brauche es Ruhe, Rechenschaft und Ehrlichkeit: klare Zwischenziele, sichtbare Fortschritte, nachvollziehbare Kosten-Nutzen-Rechnungen. <\/p>\n<p>Der Satz mit den AfD-W\u00e4hlern soll daher nicht provozieren, sondern illustrieren: Anreize schlagen Lagerdenken. \u201eAuch AfD-W\u00e4hlerinnen und -W\u00e4hler haben eine Solaranlage auf dem Dach oder eine W\u00e4rmepumpe \u2013 wenn es sich finanziell lohnt\u201c, sagt G\u00f6pel. F\u00fcr sie ist das kein Nebensatz, sondern ein Schl\u00fcssel: Klimapolitik gewinnt, wenn sie sich lohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Hamburger Zukunftsentscheid sieht Transformationsforscherin Maja G\u00f6pel ein Signal f\u00fcr die Klimapolitik in Deutschland. 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