{"id":499248,"date":"2025-10-15T00:09:11","date_gmt":"2025-10-15T00:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499248\/"},"modified":"2025-10-15T00:09:11","modified_gmt":"2025-10-15T00:09:11","slug":"naechster-rueckschlag-fuer-europas-gruene-industriewende-erstem-gruenen-stahlwerk-droht-insolvenz-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499248\/","title":{"rendered":"N\u00e4chster R\u00fcckschlag f\u00fcr Europas gr\u00fcne Industriewende\u2009\u2013 erstem gr\u00fcnen Stahlwerk droht Insolvenz \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Geostrategisch unabh\u00e4ngig werden und gleichzeitig das Klima retten: Diese reizvolle Vision tr\u00e4gt seit 2019 die wichtigste politische Strategie der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" r=\"\" f=\"\" europas=\"\" gr=\"\" industriewende=\"\" erstem=\"\" stahlwerk=\"\" droht=\"\" insolvenz=\"\" g target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a>. Zuerst unter dem Namen \u201eEU Green Deal\u201c, hei\u00dft diese Politik angesichts des Gegenwindes von Industrie- und Wirtschaftsverb\u00e4nden seit heuer \u201eClean Industrial Deal\u201c. Im Kern geht es um dasselbe: Europas Schwerindustrien sollen dank pfiffiger Ingenieurskunst, klugen Rechtsrahmens und gezielter F\u00f6rderungen dekarbonisiert werden. Die Herstellung von Stahl, Zement, Glas und anderen energieintensiven Grundlagen des modernen Lebens soll unter dem Strich bis sp\u00e4testens 2050 keinen Beitrag mehr zum Klimawandel leisten.<\/p>\n<p>Ein Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr diese gr\u00fcne Industriewende steht im schwedischen Norden, ungef\u00e4hr 100 Kilometer vom Polarkreis entfernt. Auf einem Gel\u00e4nde, das knapp 200 Fu\u00dfballfeldern entspricht, entsteht hier ein Werk, das eine Patentl\u00f6sung verhei\u00dft: vom gr\u00fcnen Wasserstoff, der Kokskohle beziehungsweise Erdgas ersetzt, \u00fcber CO2-frei gewonnenes Eisen, das mit Stahlschrott in einem Elektrolichtbogen zu gr\u00fcnem Stahl verarbeitet wird.<\/p>\n<p>\u201eDas Stahlwerk von Stegra in Boden, das vom Europ\u00e4ischen Innovationsfonds unterst\u00fctzt wird, wird bald das gr\u00f6\u00dfte Projekt f\u00fcr erneuerbaren Wasserstoff auf der Welt sein\u201c, frohlockte <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/ursula-von-der-leyen\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" r=\"\" f=\"\" europas=\"\" gr=\"\" industriewende=\"\" erstem=\"\" stahlwerk=\"\" droht=\"\" insolvenz=\"\" g target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ursula von der Leyen<\/a>, die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, am 7.\u2009November 2024. 250 Millionen Euro waren das, hie\u00df es am Dienstag auf Nachfrage der \u201ePresse\u201c. Das Geld stammte nicht aus dem Unionshaushalt, sondern aus den Einnahmen des Emissionshandelssystems.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-1\" class=\"anchor\"\/>Parallelen zur Northvolt-Pleite <\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter ringt Stegra ums \u00dcberleben. Das Unternehmen hat kein Geld mehr. 1,5 Milliarden Euro an Zusch\u00fcssen sind erforderlich, damit die Lichter in Boden nicht ausgehen, ehe sie noch \u00fcberhaupt eingeschaltet wurden, berichtete die \u201e<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/financial-times\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" r=\"\" f=\"\" europas=\"\" gr=\"\" industriewende=\"\" erstem=\"\" stahlwerk=\"\" droht=\"\" insolvenz=\"\" g target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Financial Times<\/a>\u201c am Montag unter Berufung auf Personen, die einen Einblick in die Finanzen der Firma haben. Bei einer Vorstandssitzung vor einer Woche fiel das Wort \u201eInsolvenz\u201c. \u201eDie Eigenkapitalinvestoren beginnen zu akzeptieren, dass sie ziemlich sicher ausgel\u00f6scht werden\u201c, zitierte die Zeitung einen der Insider.<\/p>\n<p>Wird Stegra dasselbe unr\u00fchmliche Schicksal wie ein anderes schwedisches Vorzeigeunternehmen der gr\u00fcnen Industriewende ereilen? Der Batteriehersteller Northvolt (hinter dem anfangs \u00fcbrigens dieselben Investoren wie bei Stegra standen) erhielt noch Anfang vorigen Jahres jeweils knapp eine Milliarde Euro Kredit von der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/europaeische-investitionsbank\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" r=\"\" f=\"\" europas=\"\" gr=\"\" industriewende=\"\" erstem=\"\" stahlwerk=\"\" droht=\"\" insolvenz=\"\" g target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ischen Investitionsbank<\/a>, und F\u00f6rderung von der deutschen Bundesregierung. Wenige Monate sp\u00e4ter musste Northvolt Konkurs anmelden.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-2\" class=\"anchor\"\/>Technologien teurer als erwartet<\/p>\n<p>\u201eDie Zweifel am gr\u00fcnen Stahl entstehen durch die Kosten. Wir haben derzeit extrem hohe Gas- und Strompreise\u201c, sagt Axel Eggert,  Generaldirektor von Eurofer, dem europ\u00e4ischen Verband der Stahlindustrie. \u201eZudem sind die Technologien teurer geworden, als man das vor drei oder vier Jahren angenommen hat.\u201c Im konkreten Fall von Stegra, den Eggert nicht kommentieren wollte, kommt laut \u201eFinancial Times\u201c hinzu, dass das Unternehmen Infrastruktur wie eine Bahnlinie und einen Verladehafen, von denen es gehofft hat, dass andere Unternehmen sie betreiben, selbst managen muss.<\/p>\n<p>Erschwert wird die Lage f\u00fcr klimaneutralen Stahl aus der EU durch die riesigen globalen \u00dcberkapazit\u00e4ten, die nat\u00fcrlich nicht \u201egr\u00fcn\u201c produziert werden. \u201eDamit m\u00fcssen wir konkurrieren. Und gr\u00fcner Stahl hat nun einmal seinen Preis\u201c, sagt Eggert.<\/p>\n<p>Allerdings ist er vorsichtig optimistisch: \u201eEigentlich ist alles, was wir brauchen, im Aktionsplan der Kommission vom M\u00e4rz beschrieben.\u201c In dieser Mitteilung k\u00fcndigte die Br\u00fcsseler Beh\u00f6rde unter anderem an, bis Jahresende eine umfassende Novelle f\u00fcr den sogenannten Grenzausgleichsmechanismus vorzulegen. Dieser unter dem englischen K\u00fcrzel CBAM gel\u00e4ufige Mechanismus versieht bestimmte energieintensive Produkte wie Stahl und Zement bei ihrer Einfuhr in die EU mit amtlichen Preisaufschlag, wenn sie unter Bedingungen erzeugt wurden, die nicht den hohen Emissions- und Umweltstandards der EU entsprechen.<\/p>\n<p>\u201eSomit muss unsere Konkurrenz von au\u00dferhalb der EU auch gr\u00fcn investieren, und zwar weltweit, nicht nur f\u00fcr ihre Importe in die EU\u201c, erkl\u00e4rt Eggert. Er sieht die Gefahr, dass manche Produzenten in \u00dcbersee (vor allem in China und Indien) dem Grenzausgleichsmechanismus zu entgehen versuchen werden, indem sie in die EU nur aus ihren emissions\u00e4rmsten Werken exportieren, w\u00e4hrend der Rest ihrer herk\u00f6mmlichen Produktionsst\u00e4tten die Weltmarktpreise unver\u00e4ndert dr\u00fcckt. \u201eEs muss sichergestellt werden, dass es keine Umlenkungseffekte gibt\u201c, warnt Eggert.<\/p>\n<p><a id=\"kapitel-3\" class=\"anchor\"\/>Schrott und Reifen<\/p>\n<p>Dieser Grenzausgleichsmechanismus wird ab dem Neuen Jahr voll gelten. Die Kommission hat nach einer Testphase im Zuge ihrer Entb\u00fcrokratisierungspolitik vorgeschlagen, dass Kleinimporteure von CBAM ausgenommen werden. Das betrifft rund 90 Prozent der Importeure, allerdings bleiben 99 Prozent der Emissionen, die mit den weiterhin erfassten Produkten verbunden sind, im System. \u201eInfolgedessen werden die Umweltfolgen eingeschr\u00e4nkt, und es gibt weniger Verwaltungsaufwand\u201c, hielt der Forschungsdienst des Europaparlaments im Mai fest.<\/p>\n<p>Eggert f\u00fchrt drei weitere Faktoren an, die f\u00fcr den Erfolg des gr\u00fcnen Stahls wichtig seien. Erstens m\u00fcsse die EU danach trachten, dass m\u00f6glichst viel Stahlschrott in Europa wiederverwertet wird. Derzeit exportiert die EU j\u00e4hrlich rund 17 Millionen Tonnen Stahlschrott. Damit lie\u00dfen sich laut Eurofer in der EU rund 30 Millionen Tonnen an Rohstoffen und 35 Terawattstunden Strom einsparen: Das entspreche ungef\u00e4hr dem j\u00e4hrlichen Stromverbrauch D\u00e4nemarks. F\u00fcr den Schrott gibt es allerdings in Staaten mit laxeren Umwelt- und Sozialvorschriften h\u00f6here Preise, was seine Ausfuhr betriebswirtschaftlich reizvoll macht. Eine Ausfuhrgeb\u00fchr f\u00fcr Stahlschrott k\u00f6nnte dies eind\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Zweitens m\u00fcssten auch Produkte, die viel Stahl enthalten, von CBAM umfasst werden. Eggert f\u00fchrt beispielsweise Autoreifen an, die einen Stahlg\u00fcrtel haben. Die Kommission hat angek\u00fcndigt, auch dieses Problem in ihrer CBAM-Reform bis Jahresende anzugehen. Allerdings wird das zu h\u00f6heren Preisen f\u00fcr solche nachgelagerten Produkte f\u00fchren.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich erhofft sich die Stahlbranche neue Marktanreize f\u00fcr gr\u00fcnen Stahl, allen voran bei der \u00f6ffentlichen Auftragsvergabe. Auch hier hat die Kommission bereits angek\u00fcndigt, entsprechende rechtliche Definitionen im Vergaberecht so zu \u00e4ndern, dass neben dem Preiskriterium auch andere Fragen wie zum Beispiel die CO2-Intensit\u00e4t von Produkten eine Rolle spielen k\u00f6nnen sollen.<\/p>\n<p>Andernfalls sehe es f\u00fcr den gr\u00fcnen Stahl aus Europa d\u00fcster aus, warnt Eggert: \u201eDie Unternehmen wetten derzeit auf die Zukunft. Denn einen richtigen Business Case haben wir bisher noch nicht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Geostrategisch unabh\u00e4ngig werden und gleichzeitig das Klima retten: Diese reizvolle Vision tr\u00e4gt seit 2019 die wichtigste politische Strategie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":499249,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,30354,14,15,12],"class_list":{"0":"post-499248","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-industriepolitik","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115375280345038354","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=499248"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499248\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/499249"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=499248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=499248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=499248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}