{"id":499743,"date":"2025-10-15T04:52:11","date_gmt":"2025-10-15T04:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499743\/"},"modified":"2025-10-15T04:52:11","modified_gmt":"2025-10-15T04:52:11","slug":"komponistin-gloria-bruni-bringt-ihr-requiem-a-roma-nach-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/499743\/","title":{"rendered":"Komponistin Gloria Bruni bringt ihr &#8222;Requiem a Roma&#8220; nach Hamburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Wie kommt man dazu, etwas f\u00fcr den Papst auff\u00fchren zu d\u00fcrfen?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gloria Bruni:\u00a0<\/strong>Das war ein Zusammenspiel von gl\u00fccklichen Umst\u00e4nden. Ich hatte schon drei Teile von einem Requiem komponiert, das Kyrie, als erstes dann das Lacrimosa und dann das erste Requiem, und der Zufall wollte es, dass ich einen katholischen Missionar vom Vatikan kennengelernt hatte, der nach Hamburg kam, weil er hier eine Fernsehproduktion mit Kindern im Rahmen von einer kirchlichen Stra\u00dfenkindersendung machen wollte.<\/p>\n<p>Dann habe ich ihm diese Teile vorgespielt. Er war begeistert. Er fragte, ob ich denn schon w\u00fcsste, wo ich mein Requiem urauff\u00fchren w\u00fcrde. Ich habe gesagt, ich bin ganz ehrlich, ich habe mir jetzt noch keine Gedanken gemacht, ich wollte es jetzt erst einmal sch\u00f6n komponieren. Er fragte, wenn er es schaffen w\u00fcrde, es an den Vatikan zu bringen, ob dann daf\u00fcr ein Benefizkonzert f\u00fcr den Salesianer-Orden mache, also f\u00fcr die Stra\u00dfenkinder. Ich habe selbstverst\u00e4ndlich eingewilligt. Dann ging es los.<\/p>\n<p>Dann ist er mit meinen St\u00fccken zur\u00fcck zum Vatikan gegangen und hat es dort vorgestellt. Das gefiel ihnen. Dann wurde ich einbestellt und musste es vor zwei verschiedenen Kardin\u00e4len darlegen und vorspielen. Einmal dem Kardinal, der zust\u00e4ndig ist f\u00fcr die Musik des Petersdoms, und einmal f\u00fcr den Kardinal, der zust\u00e4ndig ist f\u00fcr den Vatikan. Wie es so manchmal ist, waren sie nicht unbedingt der gleichen Meinung. Aber irgendwie habe ich es geschafft, dass ich sie beide \u00fcberzeugt habe, dass meine Komposition besonders wertvoll ist. Und dann hatte ich den offiziellen Auftrag f\u00fcr das Heilige Jahr 2000, ein Requiem zu komponieren.<\/p>\n<p>        Gloria Bruni<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe so getan, als ob ich schon mehrere St\u00fccke komponiert habe, was nicht stimmte&#8220;.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Das ist fast wie ein Casting!<\/p>\n<p><strong>Bruni:\u00a0<\/strong>Das war wirklich so! Die Bedingung war, dass es nicht l\u00e4nger als eine Stunde sein d\u00fcrfe. Ich sagte, das kann ich gerne erf\u00fcllen. Ich habe so getan, als ob ich schon mehrere St\u00fccke komponiert h\u00e4tte, was nicht stimmte. Das konnte ich dann ausf\u00fcllen, indem ich die anderen St\u00fccke, die da noch fehlten, auch das Offertorium, habe ich dann so eingef\u00fcgt, dass es wirklich genau eine Stunde wurde.\u00a0<\/p>\n<p>        Gloria Bruni <\/p>\n<p>&#8222;Mein Requiem stellt den Tod als \u00dcbergang in ein sorgenfreies Dasein dar. Die Musik soll ergreifen, aber nicht traurig sein. Sie soll Hoffnung geben auf das Jenseits und spiegelt damit meine jetzige Auffassung vom Tode wieder&#8220;.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Vielleicht k\u00f6nnen Sie mir oder uns einmal erkl\u00e4ren, worum geht es in dem St\u00fcck &#8222;Requiem a Roma\u201c?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Bruni:\u00a0<\/strong>Es hei\u00dft deshalb &#8222;Requiem a Roma&#8220;, weil ich das gro\u00dfe Gl\u00fcck hatte, es in Rom tats\u00e4chlich uraufzuf\u00fchren. Dann hatte ich das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass ich dieses gro\u00dfe Werk relativ am Anfang meiner Kompositionskarriere geschrieben habe. Deshalb f\u00e4llt mein Requiem auch etwas positiver aus, als vielleicht andere Requien.<\/p>\n<p>Da gibt es einen sch\u00f6nen Satz, der steht auch auf meiner CD: &#8222;Mein Requiem stellt den Tod als \u00dcbergang in ein sorgenfreies Dasein dar. Die Musik soll ergreifen, aber nicht traurig sein. Sie soll Hoffnung geben auf das Jenseits und spiegelt damit meine jetzige Auffassung vom Tode wieder&#8220;. Das war 2000. Jetzt sind 25 Jahre vergangen, aber ich muss sagen, ich habe eigentlich immer noch die gleiche Einstellung.\u00a0<\/p>\n<p>        Gloria Bruni<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe mich gefreut, bin vorgeprescht und mich hat sofort ein Kardinal zur\u00fcckgehalten. Er sagte: &#8222;Nein, nat\u00fcrlich erst der Dirigent!&#8220; Und dann sollte ich erst kommen. Ich trat als S\u00e4ngerin auf. Daraufhin dachte ich mir: Aha! Er wei\u00df wohl nicht, dass ich das komponiert habe&#8220;.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Wie war es denn f\u00fcr Sie, den Papst damals zu treffen und vor allem zu wissen, vor dem Papst aufzutreten?<\/p>\n<p><strong>Bruni:\u00a0<\/strong>Es war nicht damit zu rechnen, dass es mit dem Papst tats\u00e4chlich stattfinden k\u00f6nnte. Er war damals schon sehr zerbrechlich und sehr krank. Als ich dann aber tats\u00e4chlich den Anruf bekam, dass er das haben wollte, also quasi einen Tag vor der Urauff\u00fchrung, die am 5. November 2000 stattfand, sondern einen Tag davor, in dem gro\u00dfen Sala Nervi, wo 5.000 Leute zusammen waren und die Menschenrechtskonvention stattfand, wurde mir dann gesagt, dass der Papst gerne meine Musik haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Er w\u00fcrde w\u00e4hrend der Musik reingehen und w\u00e4hrend der Musik auch rausgehen. Daraufhin sagte ich dann am Telefon: &#8222;Das finde ich aber traurig, dann h\u00f6rt er meine Musik ja gar nicht.&#8220; Aber das Gl\u00fcck spielte mir auch da in die H\u00e4nde. Er sa\u00df schon, als meine Musik anfing, und er blieb vor allem auch sitzen, als es zu Ende ging. Dann machte er ein Zeichen, dass er uns kennenlernen wollte. Der Sala Nervi ist ein Riesensaal, der Papst war ziemlich weit von uns weg. Ich habe mich gefreut, bin vorgeprescht und mich hat sofort ein Kardinal zur\u00fcckgehalten. Er sagte: &#8222;Nein, nat\u00fcrlich erst der Dirigent!&#8220; Und dann sollte ich erst kommen.<\/p>\n<p>Ich trat als S\u00e4ngerin auf. Daraufhin dachte ich mir: Aha! Er wei\u00df wohl nicht, dass ich das komponiert habe. Als ich vor dem Papst niederkniete, machte er mir Komplimente f\u00fcr meine Stimme, und daraufhin sagte ich ihm, dass ich dieses St\u00fcck f\u00fcr Seine Heiligkeit und f\u00fcr die Stadt Rom geschrieben habe. Das ist eine wahre Geschichte. Einen Tag danach rief mich der Privatsekret\u00e4r vom Papst in meinem Hotel an und sagte mir, dass er von meiner Musik sehr bewegt war.\u00a0<\/p>\n<p>        Gloria Bruni<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin kein aufgeregter Typ&#8220;.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Seitdem das St\u00fcck dort uraufgef\u00fchrt wurde, sind Sie noch in zahlreichen anderen St\u00e4dten gewesen. Darunter in Warschau, in Salzburg, in Berlin und auch in Jerusalem. Nun geht es in den Sankt-Mariendom nach Hamburg, also Ihrer Heimat. Wie kommt es, dass Sie das St\u00fcck dann jetzt wieder auff\u00fchren?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Bruni:<\/strong> Mir wurde die Idee angetragen, weil es das 25-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um ist. Auch die Hamburger Symphoniker hatten Lust darauf, es noch einmal aufzuf\u00fchren. Das ist das gleiche Orchester, das auch damals die Urauff\u00fchrung gespielt hat.\u00a0<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Sie \u00fcbernehmen den Sopranpart. Sind Sie denn schon aufgeregt?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Bruni:\u00a0<\/strong>Nein. Ich bin kein aufgeregter Typ. Ich muss mich so konzentrieren auf alles, dass das einfach gar nicht geht.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses Interview f\u00fchrte Lara Burghardt.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.domradio.de\/glossar\/vatikanstaat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>      Vatikanstaat<\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>Welcher Religionsf\u00fchrer hat schon eine Tankstelle und einen Supermarkt unter sich? Und einen historischen Bahnhof. Was nach einer Insel mit zwei Bergen klingt, ist tats\u00e4chlich ein Kleinstaat mitten in Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE:\u00a0Wie kommt man dazu, etwas f\u00fcr den Papst auff\u00fchren zu d\u00fcrfen?\u00a0 Gloria Bruni:\u00a0Das war ein Zusammenspiel von gl\u00fccklichen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":499744,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692],"class_list":{"0":"post-499743","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115376393079470184","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=499743"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499743\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/499744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=499743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=499743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=499743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}