{"id":500284,"date":"2025-10-15T10:00:11","date_gmt":"2025-10-15T10:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500284\/"},"modified":"2025-10-15T10:00:11","modified_gmt":"2025-10-15T10:00:11","slug":"mesut-oezils-geschichte-als-theaterstueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500284\/","title":{"rendered":"Mesut \u00d6zils Geschichte als Theaterst\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Bremen<\/strong> &#8211; In Bremen wurde Mesut \u00d6zil einst zum Fu\u00dfball-Nationalspieler. Und nach Bremen kehrt \u00d6zil an diesem Donnerstag zumindest als B\u00fchnenfigur zur\u00fcck. Im Kleinen Haus des Bremer Theaters wird ein St\u00fcck uraufgef\u00fchrt, das von Aufstieg und Abkehr des begnadeten Fu\u00dfballers in den vergangenen Jahren erz\u00e4hlt: vom Weltmeister und Integrationssymbol in Deutschland zu einer Art \u201ePosterboy\u201c t\u00fcrkischer Nationalisten, wie es der Autor Akin Emanuel \u015eipal nennt.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Sein Theaterst\u00fcck hei\u00dft: \u201eDer Zauberer von \u00d6z &#8211; eine Fu\u00dfballtrag\u00f6die\u201c, obwohl es um Fu\u00dfball im Kern nicht geht. \u201eEs geht um die Gesellschaft, um den Migrationsdiskurs und darum, wie sich diese verschiedenen Dinge erg\u00e4nzen und \u00fcberlagern\u201c, sagte \u015eipal der Deutschen Presse-Agentur.<\/p>\n<p>Kein Kontakt zu \u00d6zil<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Genau wie \u00d6zil hat \u015eipal t\u00fcrkische Wurzeln. Genau wie \u00d6zil wurde er im Ruhrgebiet geboren. Beide haben sogar gemeinsame Bekannte. Das half \u015eipal bei seiner Arbeit aber nicht. Auf Kontaktanfragen des Autors und auch der dpa reagierte der Fu\u00dfballer nicht, an dem Theaterst\u00fcck \u00fcber seine eigene Geschichte ist er in keiner Weise beteiligt. Auch das zeigt: Die Verbindungen zwischen \u00d6zil und seinem Heimatland Deutschland sind nachhaltig gest\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Sein Ex-Club Werder Bremen, der mit \u00d6zil den DFB-Pokal gewann, das Europacup-Endspiel erreichte und der ihn 2010 mit einem Millionengewinn an Real Madrid verkaufte, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Zum gro\u00dfen Abschiedsspiel seines einst kongenialen Partners Diego wurde er in diesem Jahr nicht eingeladen. Mesut habe \u201ein der letzten Zeit eine Entwicklung genommen, die nicht mit den Werten von Werder Bremen zusammenpasst\u201c, hie\u00df es ganz offiziell.<\/p>\n<p>Das falsche Integrationssymbol?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">In diesem Ton hat \u015eipal das Theaterst\u00fcck nicht verfasst. Es gehe ihm nicht um eine Abrechnung mit \u00d6zil. Oder mit der \u201erassistischen Hetze\u201c, der dieser teilweise \u201eausgesetzt war. Das ist ein Fall, der so stark polarisiert, obwohl er eigentlich ein Fall voller Feinheiten, Differenziertheit und vieler Nuancen ist\u201c, so \u015eipal.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">In der R\u00fcckschau glaubt der Autor, dass \u00d6zil in Deutschland trotz seiner Erfolge als Fu\u00dfball-Nationalspieler und trotz aller Auszeichnungen wie dem \u201eBambi\u201c f\u00fcr gelungene Integration nie zur Symbolfigur f\u00fcr dieses Thema taugte.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eIch glaube total, dass eine Vorbildwirkung in diesem Migrationsdiskurs hilfreich sein kann\u201c, sagt \u015eipal. \u201eAber in meiner Wahrnehmung war \u00d6zil immer jemand, der schwer lesbar ist, der nicht so gut zeigt, was er f\u00fchlt, der nicht so mitteilsam ist. Jemand, der es schwierig macht, einen Zugang zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Genau das mache ihn als Theaterfigur interessant. Das habe aber auch dazu gef\u00fchrt, dass \u201ealle Seiten ihn voll projiziert haben: mit Erwartungen, mit Ideen, mit Vorstellungen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eGro\u00dfe destruktive Kraft\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Besonders deutlich werde dies am gro\u00dfen Wendepunkt in \u00d6zils Karriere: den Wochen rund um die WM 2018 in Russland. \u00d6zil und sein Nationalmannschafts-Kollege Ilkay G\u00fcndogan besuchten kurz vor dem Turnier den t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan, was eine Lawine ausl\u00f6ste, die niemand mehr aufhielt. Das fr\u00fche WM-Aus, die teils z\u00fcgellose Kritik an \u00d6zil, sein R\u00fccktritt als Nationalspieler: Das alles folgte darauf.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u015eipal erkennt darin eine \u201egro\u00dfe destruktive Kraft\u201c, die viele Menschen mit Migrationshintergrund kennen. \u00d6zil habe sich \u201eganz klar zu Deutschland bekannt und f\u00fcr die deutsche Nationalit\u00e4t entschieden. Und dann merkt er: Dass gute Leistungen und gro\u00dfe Erfolge f\u00fcr einige nicht reichen. Dass seine Entscheidung immer erst noch von der anderen Seite nachhaltig akzeptiert werden muss.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Trauzeuge Erdogan<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Das hatte \u00d6zil 2018 in drei ausf\u00fchrlichen Statements in den sozialen Medien auch angeprangert. Was daraus folgte, findet \u015eipal dennoch paradox: \u201eDu bist ein Opfer eines rechten Narratives geworden &#8211; und suchst jetzt Schutz bei Rechten in der T\u00fcrkei. Du wirst ein politischer Funktion\u00e4r, nachdem du vorher immer behauptet hast, kein politischer Mensch zu sein.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Anfang dieses Jahres wurde \u00d6zil in den Vorstand der Erdogan-Partei AKP gew\u00e4hlt. Der heutige Pr\u00e4sident der T\u00fcrkei ist auch sein Trauzeuge. Es sei so, sagt \u015eipal, als ob \u00d6zil diejenigen best\u00e4tigen wolle, die schon immer gesagt haben: Der ist keiner von uns.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Am Ende geht es in diesem Theaterst\u00fcck aber genau darum, erkl\u00e4rt der Autor: \u201eMesut \u00d6zil ist in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen. Er war bis zu seinem 14. Lebensjahr kein einziges Mal in der T\u00fcrkei. Es ist also nicht die Geschichte eines T\u00fcrken, der Deutschland den R\u00fccken gekehrt hat. Sondern es ist die Geschichte eines Deutschen, der in die T\u00fcrkei ging.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bremen &#8211; In Bremen wurde Mesut \u00d6zil einst zum Fu\u00dfball-Nationalspieler. 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