{"id":500320,"date":"2025-10-15T10:19:16","date_gmt":"2025-10-15T10:19:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500320\/"},"modified":"2025-10-15T10:19:16","modified_gmt":"2025-10-15T10:19:16","slug":"wie-hamburg-sein-prestigeprojekt-retten-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500320\/","title":{"rendered":"Wie Hamburg sein Prestigeprojekt retten will"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg k\u00e4mpft mit dem Elbtower-Fiasko: Stillstand, Kosten, Streit und neue Pl\u00e4ne \u2013 jetzt soll ein Naturkundemuseum den Turm retten.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dpa-Picture-Alliance-2.517989023-HighRes-scaled-e1744278451433-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Elbtower\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Vom Elbtower sind erst 100 von geplanten 245 Metern gebaut, doch bereits jetzt verursacht er durch Setzungen Sch\u00e4den an benachbarten Geb\u00e4uden. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance \/ www.neumayr.cc \/ picturedesk.com<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/a7d1b2604a054fba9da719e235d95d9f.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Es sollte das neue Wahrzeichen Hamburgs werden \u2013 ein Turm, der die Silhouette der HafenCity pr\u00e4gt, ein architektonisches Statement f\u00fcr eine moderne, selbstbewusste Metropole. Heute ist vom Elbtower jedoch nur ein rund 100 Meter hoher Rohbau zu sehen. Seit zwei Jahren steht die Baustelle still. Wo einst Glas, Stahl und Prestige versprochen wurden, herrschen jetzt Stillstand, Streit und Sorgen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich sollte der von Stararchitekt David Chipperfield entworfene Turm 245 Meter hoch werden. Ein Hotel, B\u00fcros, Gastronomie, eine Aussichtsplattform \u2013 das Konzept klang nach urbaner Zukunftsvision. Doch nach der Pleite der Signa-Gruppe des \u00f6sterreichischen Investors Ren\u00e9 Benko stoppte im Oktober 2023 das Bauunternehmen Lupp die Arbeiten \u2013 wegen unbezahlter Rechnungen in Millionenh\u00f6he. Seither steht der Rohbau am Oberhafenkanal wie ein Mahnmal der \u00dcberforderung.<\/p>\n<p>Stadt will Naturkundemuseum im Elbtower unterbringen<\/p>\n<p>Nun scheint sich eine neue Wendung abzuzeichnen. Die Stadt Hamburg plant, fast die H\u00e4lfte des Geb\u00e4udes zu \u00fcbernehmen und dort das neue Naturkundemuseum zu errichten. Daf\u00fcr will sie laut Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) 595 Millionen Euro bezahlen \u2013 ein Festpreis, der s\u00e4mtliche Kosten f\u00fcr Ausbau, Technik und Innenarchitektur abdecken soll.<\/p>\n<p>Damit w\u00fcrde Hamburg eine Verpflichtung einl\u00f6sen, die sie 2021 mit Nordrhein-Westfalen eingegangen ist. Damals schlossen beide L\u00e4nder einen Staatsvertrag zur Gr\u00fcndung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversit\u00e4tswandels (LIB). Darin wurde vereinbart, dass Hamburg ein modernes Forschungsmuseum errichtet, das an die Tradition des im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rten Naturhistorischen Museums ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD) begr\u00fcndet die Entscheidung so: \u201eEs soll die Sammlung der Universit\u00e4t in einem modernen Forschungsmuseum zug\u00e4nglich machen und die L\u00fccke schlie\u00dfen, die 1943 mit der Zerst\u00f6rung des Naturhistorischen Museums am Steintorwall entstanden ist.\u201c<\/p>\n<p>Laut Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Gr\u00fcne) soll das neue Museum bis zu 500.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr anziehen. Rund 200 Mitarbeitende aus \u00fcber 40 Nationen sollen dort forschen, lehren und Wissen vermitteln.<\/p>\n<p>Ein Deal mit Risiko<\/p>\n<p>So vielversprechend die Idee klingt \u2013 sie ist nicht ohne Risiko. Denn Hamburg w\u00fcrde mit dem Kauf zwar knapp die H\u00e4lfte des Turms erwerben, sich aber nicht an der Fertigstellung des Geb\u00e4udes beteiligen. Die Stadt will erst zahlen, wenn der Elbtower au\u00dfen vollst\u00e4ndig fertig und innen weitgehend ausgebaut ist.<\/p>\n<p>Das soll verhindern, dass \u00f6ffentliche Gelder in eine weitere Baustelle flie\u00dfen. Finanzsenator Dressel betont, dass Hamburg im Falle eines R\u00fcckzugs der privaten Investoren ein Optionsrecht beh\u00e4lt. So k\u00f6nne die Stadt selbst \u00fcbernehmen, falls das Projekt erneut scheitert \u2013 ohne mit \u201eirgendeinem saudischen Immobilienfonds \u00fcber die Aufzugreparatur verhandeln\u201c zu m\u00fcssen, wie Dressel es pointiert formulierte.<\/p>\n<p>Politisch bleibt das heikel. Denn B\u00fcrgermeister Tschentscher hatte nach der Signa-Pleite mehrfach betont, dass sich die Stadt nicht finanziell am Elbtower beteiligen werde. Nun werfen ihm Opposition und Bund der Steuerzahler Wortbruch vor. Tschentscher h\u00e4lt dagegen, die Entscheidung sei \u201edie wirtschaftlichste L\u00f6sung\u201c und diene allein den Interessen der Stadt.<\/p>\n<p>Schrumpfkur f\u00fcr den Turm<\/p>\n<p>Der neue Elbtower wird kleiner. Statt 245 sollen es k\u00fcnftig nur noch 199 Meter werden. Zw\u00f6lf Etagen fallen weg \u2013 vor allem B\u00fcrofl\u00e4chen. F\u00fcr Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) ist das kein Problem: \u201eAm Nutzungskonzept \u00e4ndert sich nichts. Es bleibt bei Hotel, B\u00fcroetagen und Aussichtsplattform.\u201c<\/p>\n<p>Rund 46.000 Quadratmeter sollen k\u00fcnftig vom Naturkundemuseum genutzt werden \u2013 etwa 48 % der Gesamtfl\u00e4che. Der Rest bleibt f\u00fcr kommerzielle Nutzung vorgesehen. Die K\u00fcrzung k\u00f6nnte auch technische Vorteile bringen. Denn der Baugrund am Oberhafenkanal gilt als heikel. Schon w\u00e4hrend der Gr\u00fcndungsarbeiten kam es zu Setzungen, also zu ungleichm\u00e4\u00dfigem Absinken des Bodens. Die Deutsche Bahn hatte 2021 Einspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt \u2013 aus Sorge um die Stabilit\u00e4t ihrer nahegelegenen Gleisanlagen.<\/p>\n<p>Wenn der Boden nachgibt<\/p>\n<p>Die Warnungen erwiesen sich als berechtigt. Interne Messprotokolle zeigen, dass sich der Boden unter dem Elbtower st\u00e4rker gesetzt hat als erlaubt. Alarm- und Grenzwerte wurden teils deutlich \u00fcberschritten. Besonders betroffen war die Eisenbahn\u00fcberf\u00fchrung an der Station Elbbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Dort registrierten Messger\u00e4te Verwindungen und Verkippungen, die eigentlich sofortiges Handeln erfordert h\u00e4tten. Doch die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde wurde erst Monate sp\u00e4ter informiert \u2013 ein Vorgang, den Oppositionspolitiker*innen heute als \u201eInformationsskandal\u201c bezeichnen.<\/p>\n<p>Heike Sudmann, baupolitische Sprecherin der Linken, kritisiert: \u201eDer Senat hat es quasi beil\u00e4ufig erfahren und offenbar nicht nachgefragt.\u201c Im M\u00e4rz 2025 zog die Stadt schlie\u00dflich die Notbremse. Das Bauamt verh\u00e4ngte ein Weiterbauverbot bis mindestens M\u00e4rz 2026. Erst wenn die Sch\u00e4den an den Bahnanlagen behoben sind, darf der Turm weiter in die H\u00f6he wachsen.<\/p>\n<p>Selbst im Stillstand bleiben die Werte kritisch. Auch im Dezember 2024, lange nach Baustopp, lagen die Messungen noch knapp unter den Grenzwerten. Die Bahn betont, die Werte seien bewusst konservativ gew\u00e4hlt, um fr\u00fchzeitig reagieren zu k\u00f6nnen. Doch das Vertrauen ist besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Der schwierige Spagat zwischen Technik und Politik<\/p>\n<p>Der Elbtower ist l\u00e4ngst mehr als ein Bauprojekt. Er ist ein politischer Pr\u00fcfstein. Hamburgs Senat steht unter Druck, einerseits wirtschaftlich zu handeln, andererseits ein Symbol des Scheiterns zu vermeiden.<\/p>\n<p>Ein Neubau f\u00fcr das Naturkundemuseum w\u00fcrde laut Stadt 824 Millionen Euro kosten \u2013 rund 230 Millionen mehr als der Einstieg in den Elbtower. Zudem w\u00e4re der Museumsbau dort rund f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher fertig, voraussichtlich Ende 2029.<\/p>\n<p>Finanziell klingt das vern\u00fcnftig. Doch Kritiker warnen: Ein halbfertiger Turm, dessen Statik bereits Probleme macht, ist keine ideale Grundlage f\u00fcr ein \u00f6ffentliches Forschungsinstitut. Auch Architekt David Chipperfield musste seine urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne \u00fcberarbeiten. Das war nicht selbstverst\u00e4ndlich \u2013 schlie\u00dflich besitzt er die Urheberrechte am Entwurf<\/p>\n<p>Zwischen Hoffnung und Misstrauen<\/p>\n<p>Hamburgs Politik pr\u00e4sentiert den geplanten Teilerwerb als Rettung \u2013 f\u00fcr den Elbtower und f\u00fcr das neue Museum. Doch der Plan wirft viele Fragen auf: Wie belastbar ist der Untergrund wirklich? Wer tr\u00e4gt die Verantwortung, falls die Sch\u00e4den an der Bahn erneut auftreten? Und wie l\u00e4sst sich sicherstellen, dass die Kosten am Ende nicht doch explodieren?<\/p>\n<p>Auch die B\u00fcrgerschaft muss dem Deal erst noch zustimmen. Dort d\u00fcrfte es hitzige Debatten geben. Denn das Projekt ist emotional aufgeladen \u2013 ein Symbol f\u00fcr den Umgang mit Gro\u00dfprojekten, f\u00fcr politische Glaubw\u00fcrdigkeit und technische Grenzen.<\/p>\n<p>Ein Blick nach vorn<\/p>\n<p>Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, soll ab 2026 weitergebaut werden. 2029 k\u00f6nnte der Elbtower \u2013 dann 199 Meter hoch \u2013 er\u00f6ffnet werden. Im besten Fall beherbergt er dann ein modernes Museum, das Wissen \u00fcber Artenvielfalt vermittelt und Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht.<\/p>\n<p>Doch bis dahin bleibt viel Unsicherheit. Der Baugrund muss stabilisiert, die Finanzierung abgesichert, das Vertrauen wiederhergestellt werden. Und selbst wenn der Elbtower fertig wird, wird er wohl nie das werden, was er einmal sein sollte: ein Symbol des Aufbruchs.<\/p>\n<p>Einsch\u00e4tzung<\/p>\n<p data-start=\"8596\" data-end=\"8948\">Der Elbtower zeigt exemplarisch, wie riskant st\u00e4dtische Gro\u00dfprojekte sein k\u00f6nnen, wenn Politik, Investoren und Technik nicht im Gleichschritt arbeiten. Hamburg sucht nach einer L\u00f6sung, die Gesicht wahrt und finanziell vertretbar bleibt. Der Teilkauf k\u00f6nnte eine pragmatische Option sein \u2013 wenn es gelingt, die technischen Probleme dauerhaft zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p data-start=\"8950\" data-end=\"9109\">Noch aber steht der Turm wie ein Fragezeichen in Beton gegossen. Und es ist unklar, ob er je das halten kann, was seine Planer*innen einst versprochen haben.<\/p>\n<p>(mit Material der dpa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg k\u00e4mpft mit dem Elbtower-Fiasko: Stillstand, Kosten, Streit und neue Pl\u00e4ne \u2013 jetzt soll ein Naturkundemuseum den Turm&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":500321,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692],"class_list":{"0":"post-500320","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115377679435213371","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/500320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=500320"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/500320\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/500321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=500320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=500320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=500320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}