{"id":500592,"date":"2025-10-15T12:51:14","date_gmt":"2025-10-15T12:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500592\/"},"modified":"2025-10-15T12:51:14","modified_gmt":"2025-10-15T12:51:14","slug":"freiburger-barockorchester-alles-im-fluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/500592\/","title":{"rendered":"Freiburger Barockorchester: Alles im Fluss"},"content":{"rendered":"<p>Da war doch mal was. Als 2005 das Festival \u201eTheater der Welt\u201c in Stuttgart zu Gast war, trug es das Motto \u201eHeimweh nach der Zukunft\u201c, und als unl\u00e4ngst mal wieder Politiker \u00fcber die Frage diskutierten, ob und wie man den Neckar wieder zum Teil der Stadt machen k\u00f6nnte, mag sich mancher daran erinnert haben. Vor allem an ein Konzert am Fluss, wo man Boote mit singenden Menschen an sich vorbeifahren sah. Lauter Ch\u00f6re im Wasser, vor\u00fcbergleitende Kl\u00e4nge \u2013 eine wundervolle Veranstaltung, fast wie der \u201eKoningsdag\u201c auf den Grachten von Amsterdam, nur weniger laut und eher klassisch. Ob die Landeshauptstadt ihr Heimweh nach dem Neckar jemals vollends stillen kann, wird die Zukunft zeigen, aber man k\u00f6nnte sich Vergangenes zum Vorbild nehmen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel jenes \u201eHafenkonzert\u201c von 2005. Oder eine Schifffahrt auf der Themse, die der englische K\u00f6nig Georg I. im Juli 1717 als eine Art Werbeveranstaltung in eigener Sache unternahm. Damals waren die Ufer ges\u00e4umt von Schaulustigen aller St\u00e4nde, die miterlebten, und unz\u00e4hlige Boote voller Adliger gemeinsam die Strecke von Whitehall nach Chelsea zur\u00fccklegten. Darunter auch eine Barke mit etwa f\u00fcnfzig Musikern, denen Georg Friedrich H\u00e4ndel Noten eines neuen Werkes auf die Pulte gelegt hatte. So wurde jene \u201eWassermusik\u201c uraufgef\u00fchrt, die heute zu den bekanntesten St\u00fccken des Komponisten geh\u00f6rt, und am Dienstagabend hat das Freiburger Barockorchester mit den zu drei Suiten zusammengef\u00fcgten S\u00e4tzen dieses Werkes seine Stuttgarter Konzertreihe im Mozartsaal er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Sp\u00fcrbare Leichtigkeit  <\/p>\n<p>Den Effekt eines Orchesters, dessen Kl\u00e4nge mal von n\u00e4her, mal von ferner \u00fcber das Wasser t\u00f6nen, konnte und wollte man im geschlossenen Raum zwar nicht reproduzieren. Immerhin aber haben die beiden Hornisten einmal hinter der B\u00fchne gespielt, der Fagottist ist durch das Parkett flaniert. Und die Leichtigkeit einer sommerlichen Open-Air-Veranstaltung war deutlich zu h\u00f6ren und zu sp\u00fcren. Hinzu kam die Freude am Spiel mit einer F\u00fclle, die bei H\u00e4ndel auch mit den Klangfarben der Instrumente zu tun hat. Und hinzu kam au\u00dferdem eine elaborierte, quicklebendige instrumentale Kommunikation \u2013 die an diesem Abend auch mit dem Freiburger Barockorchester zu tun hat. <\/p>\n<p>Unter der Leitung des Konzertmeisters P\u00e9ter Barczi deuten die Musikerinnen und Musiker die \u201eWassermusik\u201c aus ihren Dialogen heraus. Hier die Bl\u00e4ser, dort die Streicher, hier Oboen, dort die H\u00f6rner, schlie\u00dflich noch Fl\u00f6te, Pauke und Trompeten; auch zwischen den Streichergruppen gehen die Impulse hin und her. Das ist teilweise so fein und subtil, dass es bei einer Open-Air-Auff\u00fchrung gnadenlos untergegangen w\u00e4re. Aus eben diesem Grund hat H\u00e4ndel 1717 auf der Themse auch Cembalo und Laute in der Bassgruppe nicht vorgesehen. Jetzt aber sorgen sie inmitten der gut zwanzigk\u00f6pfigen Indoor-Besetzung nicht nur f\u00fcr ein farbreiches Fundament, sondern zwischendurch auch immer wieder f\u00fcr intime Passagen \u2013 etwa in der \u201eAir\u201c der ersten Suite, hier einer stillen Meditation f\u00fcr Viola und Laute, oder im Eingangssatz der dritten.<\/p>\n<p>Jubelndes Publikum <\/p>\n<p>Aparte Klanglandschaften ziehen vor\u00fcber. Die Streicher gestalten mit einer begl\u00fcckenden Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die rein gar nichts mit Routine zu tun hat, oft mit hochvirtuoser Bogenf\u00fchrung bei rasant genommenen Tempi wie etwa im \u201eMinuet\u201c-Finale der ersten Suite. Die Bl\u00e4ser-Pulte sind mit exzellenten Solistinnen und Solisten besetzt. Sogar die oft intonationsheiklen Naturh\u00f6rner liegen nur selten daneben. Erg\u00e4nzt werden die Suiten durch Einzelwerke H\u00e4ndels, deren sch\u00f6nstes, das kammermusikalisch besetzte d-Moll-Fl\u00f6ten-Concerto, wohl gar nicht von H\u00e4ndel ist. Sondern von Telemann \u2013 womit das Orchester indirekt schon f\u00fcr sein M\u00e4rz-Konzert wirbt. Ginge es nach dem Jubel des Publikums, dann w\u00e4re diese Zukunft schon morgen Gegenwart, ebenso wie das Konzert mit Bachs Weihnachtskantaten, der Abend mit Werken der Bach-Familie und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.freiburger-barockorchester-und-vox-luminis-in-stuttgart-es-ist-reine-magie.fca92e04-2321-4bc6-bde0-f2a77fd711bc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dem Vokalensemble Vox Luminis <\/a>oder das Arien-Programm mit dem Countertenor Alexander Chance. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Da war doch mal was. 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