{"id":502300,"date":"2025-10-16T04:23:09","date_gmt":"2025-10-16T04:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/502300\/"},"modified":"2025-10-16T04:23:09","modified_gmt":"2025-10-16T04:23:09","slug":"warum-kinderfotos-nicht-ins-internet-gehoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/502300\/","title":{"rendered":"Warum Kinderfotos nicht ins Internet geh\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Wer m\u00f6chte, kann der neuen Generation live beim Aufwachsen zusehen. Im Internet teilen viele ihr gesamtes Leben &#8211; und damit auch das ihrer Kinder. Ob Posts frisch nach der Geburt, Videoclips der ersten Schritte oder andere entscheidende Momente: Ist das problematisch?\u00a0<\/p>\n<p>Gerade erst in der vergangenen Woche sorgt die US-Streamerin \u00abFandy\u00bb f\u00fcr Schlagzeilen, als sie die Geburt ihres Babys live mit ihren Followern teilt. Die ersten Sekunden des noch jungen Lebens pr\u00e4sentiert sie wie selbstverst\u00e4ndlich ihren zigtausenden Zuschauern. Es gebe bereits eine Menge dokumentierte Geburten, rechtfertigt sich die zweifache Mutter. Es best\u00fcnde kein Unterschied zu diesen, nur weil die ihres Kindes live \u00fcbertragen wurde.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland ist das Thema l\u00e4ngst pr\u00e4sent. Zu Beginn des Jahres etwa steht die Influencerin \u00abLala\u00bb in der Kritik, weil sie ihr Baby in ihren Videos nicht zensiert. Es sei an den Eltern abzuw\u00e4gen, ob man seine Kinder zeige oder nicht, \u00e4u\u00dfert sich die junge Mutter damals. \u00abF\u00fcrs Kind w\u00e4re es am besten, nicht gezeigt zu werden\u00bb, schreibt hingegen eine Userin dazu.<\/p>\n<p>Vom Urlaubsbild ins Darknet<\/p>\n<p>Obwohl das Bewusstsein f\u00fcr m\u00f6gliche Gefahren bei einigen Eltern steigt und sie ihre Kinder online zensieren, scheinen andere den Nachwuchs unbedingt mit der Welt teilen zu wollen. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur empfiehlt der promovierte Kinder- und Jugendpsychiater Daniel Illy in diesem Zusammenhang den Vergleich mit klassischen Fotoalben. Beim Teilen online sollten sich Eltern die Frage stellen: \u00abWem h\u00e4tte ich dieses Fotoalbum vorgelegt?\u00bb<\/p>\n<p>\u00abKinderbilder geh\u00f6ren nicht ins Netz\u00bb, r\u00e4t auch das Bundeskriminalamt (BKA). Als Zentralstelle der Polizei ist es auch f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von sexuellem Missbrauch an Kindern zust\u00e4ndig. Mehr als 200.000 Hinweise auf kinderpornografisches Material gingen der Beh\u00f6rde zufolge vergangenes Jahr bei ihr ein. Darunter fallen demnach auch scheinbar harmlose Bilder, die mit K\u00fcnstlicher Intelligenz so umgestaltet werden, \u00abdass sie leicht bekleidete oder gar nackte Kinder abbilden.\u00bb<\/p>\n<p>Im Darknet werden solche Medien dann von p\u00e4dokriminellen T\u00e4tern verbreitet, sexualisiert oder in einen sexuellen Kontext gestellt. Die Bundesregierung erkl\u00e4rt, \u00abdass solches Material im Umlauf ist und dass die Menge des Materials grunds\u00e4tzlich ansteigt.\u00bb<\/p>\n<p>Man macht es P\u00e4dophilen schwer und Straft\u00e4tern leicht<\/p>\n<p>Familien-Blogger teilen neben den gro\u00dfen Momenten auch den Alltag ihres Nachwuchses. \u00abSharenting\u00bb nennt sich das &#8211; eine Symbiose aus den englischen Begriffen f\u00fcr Erziehung und dem Teilen auf sozialen Medien.\u00a0<\/p>\n<p>Doch die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit solcher Inhalte im Internet stellt eine erhebliche Herausforderung etwa f\u00fcr die Pr\u00e4ventionstherapie von P\u00e4dophilen dar. Das teilt ein Sprecher von \u00abKein T\u00e4ter werden\u00bb auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Pr\u00e4ventionsnetzwerk unterst\u00fctzt p\u00e4dophile Menschen, damit diese gar nicht erst straff\u00e4llig werden.<\/p>\n<p>In Deutschland f\u00fchlen sich Sch\u00e4tzungen zufolge bis zu ein Prozent der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung zu Kindern hingezogen. Die meisten von ihnen bem\u00fchen sich nach Angaben des Netzwerks jedoch darum, unerkannt zu bleiben und ihre Vorlieben zu unterdr\u00fccken. Doch Kinder-Posts k\u00f6nnen demnach \u00abein Gef\u00fchl der Normalit\u00e4t schaffen\u00bb und so die Motivation zur Verhaltens\u00e4nderung, die in Therapien angestrebt wird, untergraben. Auch die Anonymit\u00e4t im Netz senke die Hemmschwelle f\u00fcr den Konsum der Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Wenn Kinder sich selbst posten<\/p>\n<p>Neben Eltern, die Beitr\u00e4ge teilen, gibt es allerdings auch Kinder und Jugendliche, die sich selbst im Netz pr\u00e4sentieren. Obwohl das Mindestalter bei den meisten Plattformen derzeit bei 13 Jahren liegt, sind viele Kinder-Influencer noch j\u00fcnger.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren berichtet ein damals 11-j\u00e4hriges M\u00e4dchen, das seinerzeit als Model-Influencerin online bekannt ist, wie ein Mann sich in den Account ihrer besten Freundin gehackt und sie angeschrieben habe. Er sei sexuell erregt und sie solle ihm Bilder schicken, hat er ihr zufolge gefordert. Heute findet man ihr Profil nicht mehr.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses Verhalten nennt man Cyber-Grooming &#8211; eine Anbahnung von sexuellem Kontakt mit Minderj\u00e4hrigen im Internet. Diese Straftat kann mit Freiheitsstrafen von bis zu f\u00fcnf Jahren geahndet werden. Erwachsene versuchen dabei, Kinder und Jugendliche in private Chats zu locken, setzen sie unter Druck und fordern intime Bilder.<\/p>\n<p>Kinder- und Jugendpsychotherapeut Illy h\u00e4lt nichts davon, dass j\u00fcngere Kinder ein Tiktok-Profil haben. \u00abWof\u00fcr?\u00bb Insbesondere beim Posten von Babys stelle er sich die Frage: \u00abWas bringt es dem Baby, dass es auf dem Foto im Internet ist?\u00bb Eigentlich ginge es dabei nur um die Eltern. \u00abDas hat auf einem \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Profil nichts zu suchen.\u00bb<\/p>\n<p>Ob man Kinder mit Bildbearbeitung unkenntlich machen oder Fotos von ihnen nur von hinten schie\u00dfen sollte &#8211; das sind Fragen, auf die die Gesellschaft noch Antworten finden m\u00fcsse, so Illy. Das Thema sei noch recht jung, sodass es bislang keine allgemeing\u00fcltigen Normen gebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Wer m\u00f6chte, kann der neuen Generation live beim Aufwachsen zusehen. 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