{"id":50302,"date":"2025-04-21T19:49:13","date_gmt":"2025-04-21T19:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/50302\/"},"modified":"2025-04-21T19:49:13","modified_gmt":"2025-04-21T19:49:13","slug":"neues-theater-halle-penthesileas-sandra-huellers-tiefer-blick-in-den-suppentopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/50302\/","title":{"rendered":"Neues Theater Halle \u2013 \u00bbPenthesile:a:s\u00ab: Sandra H\u00fcllers tiefer Blick in den Suppentopf"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img304499\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304499\" alt=\"Was da wohl rauskommt? \u00bbPenthesile:a:s\u00ab am Neuen Theater Halle\"\/><\/p>\n<p>Was da wohl rauskommt? \u00bbPenthesile:a:s\u00ab am Neuen Theater Halle<\/p>\n<p>Foto: \u00a9 Falk Wenzel<\/p>\n<p>Penthesilea und Achilles \u2013 die Geschichte ist, in der einen oder anderen \u00dcberlieferung, bekannt. Sie, die Amazonenk\u00f6nigin, und er, der nahezu unverwundbare G\u00f6ttersohn, sind liebende Krieger. Das grausame Spiel der Geschlechter hat der alte Kleist in seinem Drama auf die Spitze getrieben: Das archaische Gesetz der Amazonen zwingt sie, den Geliebten erst freien zu d\u00fcrfen, wenn sie ihn auch im Kampf besiegt hat; Achilles will diesen Preis gerne zahlen und wird doch in Penthesileas Kampfes- und Liebeseifer zermalmt. Die K\u00f6nigin stirbt schlie\u00dflich im Wahnsinn \u00fcber ihre Untat.<\/p>\n<p>Es ist eine Geschichte \u00fcber den Krieg der Geschlechter \u2013 zwischen Achilles und Penthesilea, aber auch in jedem der beiden selbst. Auf andere Weise wird hier erz\u00e4hlt vom Krieg der V\u00f6lker gegeneinander. Und auch vom Krieg des Gesetzes gegen das Reich der Empfindungen.  <\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304556\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Autorin MarDi hat mit ihrem 2021 beim Festival d\u2019Avignon aufgef\u00fchrten St\u00fcck \u00bbPenthesile:a:s\u00ab Kleist gr\u00fcndlich \u00fcberschrieben. Penthesilea feiert den amazonischen Widerstand gegen die m\u00e4nnliche Gewalt, klagt bald \u00fcber die patriarchale Ordnung. Und auch Achilles hinterfragt irgendwann die Rollen der Geschlechter. Am Ende stehen nicht Tod und unaufl\u00f6sbare Widerspr\u00fcche, sondern das hohe Lied auf das Kollektive, auf die \u00dcberwindung des bin\u00e4ren Systems und auf die Einswerdung mit der Natur.  <\/p>\n<p>Nun hat sich Sandra H\u00fcller des Stoffs angenommen, um ihm auch in Deutschland zu seinem Recht zu verhelfen. Am Neuen Theater Halle wurde am Gr\u00fcndonnerstag Premiere gefeiert. Und so einem Regiedeb\u00fct kann man nicht alle Tage beiwohnen, z\u00e4hlt H\u00fcller, die zwischen B\u00fchne und Kamera hin und her wechselt, doch zu den herausragenden Schauspielerinnen ihrer Generation und ist einer der wesentlichen Gr\u00fcnde, aus dem man sich f\u00fcr deutsche Filme auch im internationalen Ma\u00dfstab nicht mehr sch\u00e4men muss. <\/p>\n<p>H\u00fcller hat sich mit Tom Schneider einen Ko-Regisseur zur Hilfe genommen. Zusammen haben sie den Text auf ein Dutzend Spieler aufgeteilt. Vor der ersten Zuschauerreihe nehmen sie auf St\u00fchlen Platz, Notenst\u00e4nder vor sich aufgebaut, und lassen, fein arrangiert, die Worte auf das Publikum niederprasseln, w\u00e4hrend einzelne von ihnen aufstehen, auf die B\u00fchne treten, abgehen und sich wieder einreihen beim sitzenden Chor. Das reduzierte B\u00fchnengeschehen und der eindringliche Text sind aufgespalten.<\/p>\n<p>Dergleichen funktioniert selbstverst\u00e4ndlich nur, wenn der Text auch eine Qualit\u00e4t hat, die einen solchen Fokus rechtfertigt. Gibt es in diesem Fall diese Qualit\u00e4t? Die Kleist\u2019sche Vielschichtigkeit sucht man vergebens. Und sprachlich? Ein wenig gemahnt das St\u00fcck an Eve Enslers \u00bbVagina-Monologe\u00ab aus grauer Vorzeit. Von einer \u00bbVulvenarmee\u00ab ist da die Rede, von einem Speer \u00bbsteif und fest wie dein Schwanz\u00ab. Zur Unterscheidung der Geschlechter f\u00fchrt die Autorin an, dass das eine \u00bbfest wie Feuerstein\u00ab sei, das andere \u00bbweich und feucht wie Gelatine\u00ab. Nun ja, die Erkenntnis ist nicht neu, aber recht selten wurde sie in so literarisch plumpe Formulierungen gepackt. Und wenn dann der Satz f\u00e4llt \u00bbIn der Zeit ist nichts fest\u00ab, f\u00fchlt man sich angekommen in der Welt der Kalenderspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist an diesem eineinhalbst\u00fcndigen Theaterabend mit einer K\u00fcche gef\u00fcllt. Hier werden H\u00e4nde gewaschen und M\u00f6hrchen geschnitten. Erzeugt der Widerspruch von h\u00e4uslicher Umgebung und martialischem Text anfangs durchaus eine Spannung, verfliegt diese Wirkung sehr schnell. Diese sehr konkrete B\u00fchnensituation verkleinert das Problem des Geschlechterkriegs auf unangemessene Weise. Und der Schauwert, den die Verrichtung allt\u00e4glicher K\u00fcchent\u00e4tigkeiten bietet, ist leider sehr begrenzt.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr wen wird hier das Tischlein gedeckt? Kartoffeln sch\u00e4lt man doch nicht ohne tieferen (szenischen) Grund? Tschechow hat uns gelehrt, dass ein Gewehr, das im ersten Akt auf der B\u00fchne zu sehen ist, im dritten Akt auch abgefeuert geh\u00f6rt. Ein Jahrhundert und eine engagierte Austreibung des Dramatischen aus dem Theater sp\u00e4ter wei\u00df der geneigte Zuschauer: Wenn in der ersten Viertelstunde auf der B\u00fchne Gem\u00fcse geschnippelt wird, darf er am Ende des Theaterabends auch auf einen kleinen Imbiss hoffen.<\/p>\n<p>Und so verzichtet man bei dieser leisen und ziemlich unterspannten Inszenierung auch auf alles, was unberechenbar sein k\u00f6nnte. Mit dem an Donna Haraway geschulten Schluss des St\u00fcckes, der an uns alle appelliert, doch endlich eins zu werden mit der Natur, wird endlich aufgetischt: Es gibt Suppe und Baguette. Wer m\u00f6chte, darf von der Zuschauertrib\u00fcne an den gedeckten Tisch kommen. Ein Drama findet nicht statt, alle Konflikte sind befriedet, Einigkeit herrscht auf allen Ebenen. Hoffentlich hat\u2019s geschmeckt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">N\u00e4chste Vorstellungen: 19., 23.4. und 17.5.<br \/>www.buehnen-halle.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was da wohl rauskommt? \u00bbPenthesile:a:s\u00ab am Neuen Theater Halle Foto: \u00a9 Falk Wenzel Penthesilea und Achilles \u2013 die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50303,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,17331,860,12,94],"class_list":{"0":"post-50302","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-halle","15":"tag-halle-saale","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-saale","20":"tag-sachsen-anhalt","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114377691274085958","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50302","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50302"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50302\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50302"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50302"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}