{"id":503174,"date":"2025-10-16T12:29:11","date_gmt":"2025-10-16T12:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/503174\/"},"modified":"2025-10-16T12:29:11","modified_gmt":"2025-10-16T12:29:11","slug":"witten-kassel-einsam-oder-einfach-allein-gefuehle-deuten-und-handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/503174\/","title":{"rendered":"Witten\/Kassel | Einsam oder einfach allein? Gef\u00fchle deuten &#8211; und handeln"},"content":{"rendered":"<p>Witten\/Kassel (dpa\/tmn) &#8211; Es ist ein schmerzhaftes Gef\u00fchl, das jeder kennt: Dass ich anderen Menschen wohl nicht wichtig bin, dass ich niemanden habe, der wei\u00df, wie es wirklich in mir aussieht. Und das belastet &#8211; oft im Stillen und ungesehen.\u00a0<\/p>\n<p>Zwar gibt es auch Momente, in denen Alleinsein wohltuend ist. Einige Menschen empfinden es sogar als bereichernd, weil es ihnen Raum f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Selbstreflexion bietet. Doch wenn sich die Zeit allein nicht mehr frei gew\u00e4hlt anf\u00fchlt, sondern schmerzhaft wird, spricht man von Einsamkeit.<\/p>\n<p>\u00abJeder f\u00fchlt sich irgendwann mal einsam, das ist v\u00f6llig normal\u00bb, sagt Psychologie-Professorin Susanne B\u00fccker von der Universit\u00e4t Witten\/Herdecke. Problematisch wird es, wenn Einsamkeit lange anh\u00e4lt und Betroffene keinen Weg mehr herausfinden. Dann kann sie die psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Einsamkeit erkennen \u2013 was sie von Alleinsein unterscheidet<\/p>\n<p>In der Psychologie wird Einsamkeit als subjektives Gef\u00fchl verstanden. Sie beschreibt die L\u00fccke zwischen den sozialen Beziehungen, die man sich w\u00fcnscht, und denen, die tats\u00e4chlich bestehen. Nicht die Anzahl der Kontakte ist entscheidend, sondern deren Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Sozialp\u00e4dagogin Salome M\u00f6hrer-Nolte von der Telefonseelsorge Deutschland beschreibt, wie sp\u00fcrbar diese L\u00fccke ist: \u00abEinsamkeit tut weh.\u00bb Gef\u00fchle von innerer Leere, Traurigkeit und R\u00fcckzug sind typische Anzeichen. Oft \u00e4hneln sie sogar depressiven Symptomen. Besonders t\u00fcckisch: Aus Angst vor Zur\u00fcckweisung ziehen sich viele Menschen noch weiter zur\u00fcck \u2013 ein Teufelskreis entsteht.<\/p>\n<p>Wie Einsamkeit entsteht \u2013 und wer besonders gef\u00e4hrdet ist<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Einsamkeit sind vielf\u00e4ltig. Trennungen, der Tod nahestehender Menschen oder fehlende soziale Bindungen \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume geh\u00f6ren dazu. Manche Menschen berichten, dass sie sich bereits ihr Leben lang einsam f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Auch die Pers\u00f6nlichkeit spielt eine Rolle. \u00c4ngstliche oder sch\u00fcchterne Menschen neigen eher dazu, Einsamkeit intensiver zu erleben. \u00abDas hei\u00dft nicht automatisch, dass diese Personen immer einsam sind\u00bb, betont B\u00fccker. \u00abAber es erh\u00f6ht die Wahrscheinlichkeit, vor allem in belastenden Lebenssituationen.\u00bb<\/p>\n<p>Einsamkeit ist noch immer ein Tabuthema<\/p>\n<p>Trotz ihrer Verbreitung bleibt Einsamkeit oft unausgesprochen, etwa weil Betroffene die Schuld auf sich selbst schieben: \u00abMan hat den Eindruck, man sei es nicht wert, dass andere mit mir Zeit verbringen\u00bb, sagt B\u00fccker. Auch M\u00f6hrer-Nolte beobachtet: \u00abKeiner sagt gerne: &#8222;Ich bin einsam&#8220;. Es schwingt oft die Angst mit, nicht liebenswert genug zu sein.\u00bb<\/p>\n<p>Gerade deshalb sei es wichtig, sich das Gef\u00fchl einzugestehen. Anonyme Anlaufstellen wie die <a href=\"https:\/\/www.telefonseelsorge.de\/\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Telefonseelsorge<\/a> bieten einen niedrigschwelligen Zugang. \u00abAllein das Zuh\u00f6ren hilft schon vielen weiter\u00bb, berichtet Salome M\u00f6hrer-Nolte. F\u00fcr manche ist es der erste Schritt zur\u00fcck ins soziale Leben.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist das, weil Einsamkeit die Wahrnehmung beeinflussen kann: Wer lange einsam ist, sieht die Welt oft durch eine verzerrte Brille. Harmlose Gesten anderer werden schnell negativ gedeutet. \u00abMenschen, die lange allein sind, nehmen soziale Kontakte oft als Bedrohung wahr\u00bb, erkl\u00e4rt Susanne B\u00fccker. Diese Wahrnehmung verst\u00e4rkt das Misstrauen \u2013 ein N\u00e4hrboden f\u00fcr gesellschaftliche Entfremdung.\u00a0<\/p>\n<p>Was aber kann ich tun, um einen Weg aus der Einsamkeits-Spirale zu finden? Wie komme ich wieder unter Menschen und f\u00fchle mich wohl?\u00a0<\/p>\n<p>Tipp 1: Alte Kontakte reaktivieren!<\/p>\n<p>\u00abGrunds\u00e4tzlich ist es viel leichter, alte Kontakte zu reaktiven als neue zu kn\u00fcpfen\u00bb, sagt Susanne B\u00fccker. Ihr erster Rat lautet daher: Das Telefonbuch im Handy oder den Chat-Verlauf durchgehen und sich bei jenen zu melden, mit denen man l\u00e4nger nicht Kontakt hatte. \u00abDie meisten Menschen finden das gut! Die Gefahr, zur\u00fcckgewiesen zu werden, ist sehr viel kleiner, als viele meinen\u00bb, sagt die Einsamkeitsforscherin.<\/p>\n<p>Tipp 2: Auf Gemeinsamkeiten achten!<\/p>\n<p>Zweiter Tipp: Durch die Stadt gehen und ganz bewusst auf Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen achten. Etwa den gleichen Kleidungsgeschmack, die gleichen Schuhe oder den gleichen Kuchen, den man im Caf\u00e9 aussucht. Hintergrund: Menschen, die sich einsam f\u00fchlen, tendieren dazu, Unterschiede wahrzunehmen. \u00abWenn ich jedoch sehe, da ist mir jemand \u00e4hnlich, erzeugt das ein Gef\u00fchl von Sympathie und schult den Blick, dass nicht alle um einen herum anders sind als man selbst.\u00bb<\/p>\n<p>Tipp 3: Auf Positives konzentrieren!\u00a0<\/p>\n<p>Ein weiterer Rat der Psychologin: Sich im Alltag st\u00e4rker auf positive Reize zu konzentrieren. Daf\u00fcr ein paar trockene Erbsen in die rechte Hosentasche stecken und immer, wenn man etwas Sch\u00f6nes wahrgenommen hat, eine davon in die linke Tasche wechseln. \u00abAbends sieht man dann, wie viele den Weg r\u00fcber gefunden haben!\u00bb Wer sich bewusst \u00fcber Kleinigkeiten freut &#8211; Sonnenschein, Blumen am Wegesrand, das L\u00e4cheln einer Kassiererin im Supermarkt &#8211; nimmt den Alltag nicht mehr als \u00abals grauen Einheitsbrei\u00bb wahr.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Ich kann durch mein eigenes Verhalten auch selbst dazu beitragen, dass ich mich nicht nur auf das Negative fokussiere. \u00abDie Forschung zeigt, dass durch so genannte &#8222;acts of kindness&#8220; das eigene Wohlbefinden und Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl gesteigert werden\u00bb, sagt B\u00fccker. Also: Einfach mal jemanden an der Kasse vorlassen und das gute Gef\u00fchl genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Professionelle Hilfe suchen<\/p>\n<p>Wer es jedoch auch auf Dauer nicht schafft, sich aus der Einsamkeit zu befreien, wer sich immer mehr zur\u00fcckzieht und das Gef\u00fchl hat, das eigene Leben und man selbst habe keine Relevanz, sollte sich professionelle Hilfe suchen: angefangen von der Telefon- oder Chat-Seelsorge \u00fcber den Hausarzt oder eine Sozialberatungsstelle bis zur Akut-Sprechstunde einer psychotherapeutischen Praxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Witten\/Kassel (dpa\/tmn) &#8211; Es ist ein schmerzhaftes Gef\u00fchl, das jeder kennt: Dass ich anderen Menschen wohl nicht wichtig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":503175,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1605,2632,3364,29,5348,13112,553,30,1724,141,638,1209,13353,6807,624,104155],"class_list":{"0":"post-503174","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-bielefeld","9":"tag-brcmj","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-educateme","13":"tag-einsamkeit","14":"tag-familie","15":"tag-germany","16":"tag-gesellschaft","17":"tag-gesundheit","18":"tag-krankheiten","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-psychologie","21":"tag-psychotherapie","22":"tag-ratgeber","23":"tag-tmn1201"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115383852348294241","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/503174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=503174"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/503174\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/503175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=503174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=503174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=503174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}