{"id":503587,"date":"2025-10-16T16:16:15","date_gmt":"2025-10-16T16:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/503587\/"},"modified":"2025-10-16T16:16:15","modified_gmt":"2025-10-16T16:16:15","slug":"was-hinter-merz-satz-zum-stadtbild-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/503587\/","title":{"rendered":"Was hinter Merz&#8216; Satz zum &#8222;Stadtbild&#8220; steckt"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/friedrich-merz-340.jpg\" alt=\"Friedrich Merz\" title=\"Friedrich Merz | AP Photo\/Markus Schreiber\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 16.10.2025 17:27 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der Bundeskanzler \u00e4u\u00dfert sich inzwischen zur\u00fcckhaltender als fr\u00fcher. Doch nun spricht Merz im Zusammenhang mit Migration von einem Problem im &#8222;Stadtbild&#8220;. Warum das f\u00fcr Irritationen sorgt.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/belinda-grasnick-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Belinda Grasnik\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/belinda-grasnik-100.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als Bundeskanzler muss man seine Worte genau w\u00e4hlen. War Friedrich Merz als Oppositionsf\u00fchrer f\u00fcr seine markigen Spr\u00fcche bekannt, h\u00e4lt er sich nun meist zur\u00fcck. Und doch gibt es eine Aussage des Kanzlers, die in dieser Woche aufhorchen l\u00e4sst, weil sie in ihrer Tragweite gr\u00f6\u00dfer ist, als sie zun\u00e4chst klingt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei einem Termin in Brandenburg sagte er am Dienstag, bei der Migration habe seine Regierung viel erreicht und die Zahlen der neuen Asylantr\u00e4ge von August 2024 auf August 2025 um 60 Prozent reduziert. Dann f\u00fcgte er hinzu: &#8222;Aber wir haben nat\u00fcrlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr gro\u00dfem Umfang auch R\u00fcckf\u00fchrungen zu erm\u00f6glichen und durchzuf\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p>    Dr\u00f6ge fordert &#8222;ein bisschen mehr Anstand&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Interpretationsversuche der Aussage sind seitdem zahlreich, auch im Bundestag war sie heute mehrfach Thema. &#8222;Es w\u00e4re auch Zeit f\u00fcr ein bisschen mehr Anstand, Herr Merz&#8220;, sagte Gr\u00fcnen-Fraktionschefin Katharina Dr\u00f6ge. Merz&#8216; Satz sei verletzend, diskriminierend und unanst\u00e4ndig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unions-Fraktionschef Jens Spahn erwiderte darauf: &#8222;Ich wei\u00df nicht, Frau Kollegin Dr\u00f6ge, wo in Deutschland Sie unterwegs sind, aber an den Hauptbahnh\u00f6fen, auf den Marktpl\u00e4tzen dieses Landes, sind nat\u00fcrlich die Folgen irregul\u00e4rer Migration zu sehen.&#8220; Sie besch\u00e4ftigten die Menschen. &#8222;Und nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir dar\u00fcber reden, was das mit diesem Land macht&#8220;, so Spahn.<\/p>\n<p>    Unklares Gef\u00fchl der Fremdartigkeit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Erst vor wenigen Wochen hatte auch CSU-Chef Markus S\u00f6der den Begriff des &#8222;Stadtbilds&#8220; genutzt. Vom M\u00fcnchner Merkur wurde er gefragt, ob er sich daf\u00fcr einsetze, dass auch nicht-straff\u00e4llige Syrer und Afghanen Deutschland verlassen m\u00fcssen. &#8222;Das muss zwingend passieren&#8220;, antwortete Bayerns Ministerpr\u00e4sident. &#8222;Das Stadtbild muss sich wieder ver\u00e4ndern. Es braucht einfach mehr R\u00fcckf\u00fchrungen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Problem mit dem Begriff &#8222;Stadtbild&#8220;: Er greift ein unklares Gef\u00fchl der Fremdartigkeit und der Angst auf, ohne genau zu beschreiben, was damit gemeint ist. Der Begriff fungiere als besch\u00f6nigender Code f\u00fcr &#8222;die sichtbare Anwesenheit von Menschen, die als nicht-deutsch oder nicht-wei\u00df wahrgenommen werden, und zwar unabh\u00e4ngig von ihrer tats\u00e4chlichen Staatsb\u00fcrgerschaft&#8220;, erkl\u00e4rt Nina Perkowski, Soziologin an der Universit\u00e4t Hamburg, auf Anfrage von tagesschau.de.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Formulierung sei &#8222;nicht neutral beschreibend&#8220;. Damit werde &#8222;ein kollektives Gef\u00fchl des Unwohlseins&#8220; konstruiert, nur weil Unterschiede sichtbar werden, und so w\u00fcrden Ma\u00dfnahmen wie\u00a0Abschiebungen als notwendige Reaktion auf eine vermeintlich &#8222;gest\u00f6rte Ordnung&#8220; legitimiert. &#8222;Das erzeugt ein Klima, das rassistische Anfeindungen und \u00dcbergriffe bef\u00f6rdert.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Keine einheitliche \u00f6ffentliche Meinung&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Perkowskis Forschung zeige: &#8222;Es gibt keine einheitliche \u00f6ffentliche Meinung zu Migration und Sicherheit. Vielmehr existieren fundamental unterschiedliche, teils widerspr\u00fcchliche Sicherheitsverst\u00e4ndnisse.&#8220; Es gebe allerdings eine &#8222;dominante narrative Struktur, die Migration seit Jahrzehnten als Sicherheitsbedrohung rahmt&#8220; &#8211; und zwar von politischen Akteuren aller Parteien, verst\u00e4rkt durch mediale Berichterstattung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.968457.de\/publikationen\/wochenberichte\/2025_30_1\/das_sicherheitsgefuehl_in_deutschland_ist_sozial_und_regional_ungleich_verteilt.html\" title=\"DIW-Studie zu Kriminalit\u00e4tsfurcht\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaft (DIW)<\/a> in Berlin zeigt: Die Kriminalit\u00e4tsfurcht korreliert nur teilweise mit der Entwicklung der Kriminalit\u00e4t. Zuletzt ging die Kriminalit\u00e4tsrate zur\u00fcck, die Furcht davor stieg aber.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen h\u00e4tten erfolgreich \u00c4ngste vor einem &#8222;rassifizierten Anderen&#8220; gesch\u00fcrt und damit nicht nur Wahlerfolge erzielt, sondern auch den Diskurs nach rechts verschoben, sagt Perkowski. Die Soziologin betont auch: &#8222;Viele Menschen in Deutschland &#8211; gerade auch jene mit Rassismuserfahrungen &#8211; empfinden nicht Migration, sondern Rassismus, Diskriminierung und soziale Exklusion als zentrale Bedrohungen ihrer Sicherheit.&#8220;<\/p>\n<p>    Merkel hat noch anders reagiert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bislang kamen Aussagen wie die von Bundeskanzler Merz vor allem von der AfD. Schon 2017 sagte der damalige AfD-Chef J\u00f6rg Meuthen zum Beispiel in der Berliner Runde unmittelbar nach der Bundestagswahl: &#8222;Ich sehe zum Teil in den Innenst\u00e4dten, in denen ich mich bewege, nur noch vereinzelt Deutsche. Das kann nicht Ziel unserer Politik sein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die damalige Bundeskanzlerin, Angela Merkel, antwortete ihm, sie wisse nicht\u00a0&#8222;was Sie sehen, denn ich kann auf der Stra\u00dfe Menschen mit Migrationshintergrund, die deutsche Staatsb\u00fcrger sind und solche, die die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft nicht haben, nicht unterscheiden&#8220;. Der heutige Kanzler scheint eine andere Wahrnehmung zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 16.10.2025 17:27 Uhr Der Bundeskanzler \u00e4u\u00dfert sich inzwischen zur\u00fcckhaltender als fr\u00fcher. 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