{"id":504301,"date":"2025-10-16T22:47:18","date_gmt":"2025-10-16T22:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/504301\/"},"modified":"2025-10-16T22:47:18","modified_gmt":"2025-10-16T22:47:18","slug":"kunsthalle-superstar-aus-schweden-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/504301\/","title":{"rendered":"Kunsthalle: Superstar aus Schweden &#8211; WELT"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der schwedische K\u00fcnstler Anders Zorn (1860 \u2013 1920) holt den Betrachter im wahren Wortsinn mit ins Boot. Aus n\u00e4chster N\u00e4he, so als s\u00e4\u00dfe er selbst im Heck des h\u00f6lzernen Kahns, portr\u00e4tiert er eine junge Frau, die in einer hellen, nordischen Sommernacht \u00fcber einen See rudert. Sie wirft einen Blick \u00fcber die Schulter, sodass von vorn nur ihr Profil zu sehen ist, w\u00e4hrend ihr helles Haar und ihre kr\u00e4ftigen Arme im sp\u00e4ten Licht leuchten. Viel von dem, was Zorn auszeichnet, findet sich in dem Gem\u00e4lde \u201eMitternacht\u201c, das vom 26. September an im Rahmen der Retrospektive \u201eAnders Zorn. Schwedens Superstar\u201c in der Kunsthalle zu sehen ist.<\/p>\n<p>Reflexe auf der Wasseroberfl\u00e4che als Markenzeichen<\/p>\n<p>So war der Maler besonders begnadet darin, Wasser lebendig abzubilden: \u201eEr hat Reflexe auf der Wasseroberfl\u00e4che zu seinem Markenzeichen gemacht\u201c, sagt Markus Bertsch, Kurator der Schau. Auch das Motiv des Bootes durchzieht das Werk des Malers, Grafikers und Bildhauers, der zahlreiche Reisen unternahm. So befahren seine Ruderer nicht nur die Gew\u00e4sser im schwedischen Sch\u00e4rengarten, sondern skullen auch vor Istanbul, Algier und Hamburg. F\u00fcr die Wahl origineller Perspektiven oder seinen Umgang mit dem Licht, der auf Zorns N\u00e4he zum Impressionismus verweist, ist das Bild der jungen Rudernden ebenfalls ein gutes Beispiel.<\/p>\n<p>Mit der \u00d6lmalerei setzte sich der Bierbrauersohn aus dem mittelschwedischen Mora, der sein Studium an der Akademie der K\u00fcnste in Stockholm bereits mit 15 Jahren aufgenommen hatte, erst relativ sp\u00e4t auseinander: \u201eEr war in den ersten Jahren als Aquarellmaler t\u00e4tig. Weil er schnell Erfolg damit hatte, hielt er daran fest\u201c, sagt Bertsch, der die Schau mit Leihgaben aus vielen europ\u00e4ischen und amerikanischen Sammlungen chronologisch aufgebaut hat. Bereits ein fr\u00fches Bildnis einer Frau in Trauer erregte gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Anerkennung erhielt Zorn bald auch international: In London und Paris, wo er lange lebte, sowie in den USA, wohin er sieben Reisen unternahm, wurde er zum Star.<\/p>\n<p>Immer wieder malte Zorn seine Ehefrau Emma<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchwerk griff er bereits alle seine sp\u00e4teren Sujets auf. Da sind seine Landschaften, die spannungsvoll zwischen N\u00e4he und Ferne, Detailgenauigkeit und Andeutung wechseln. Da sind au\u00dferdem seine in Spanien entstanden volkst\u00fcmlichen, erz\u00e4hlerische Szenen: ein junges Paar, das sich frisch getrennt hat oder zwei Liebende im bl\u00fchenden \u201ePark der Alhambra\u201c. Da sind auch die Bilder der werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung, etwa die Arbeiterin in einer Gobelinmanufaktur oder ein Pantoffelverk\u00e4ufer. Und da sind schlie\u00dflich seine Portr\u00e4ts: In Lissabon aquarellierte er beispielsweise einen steinreichen Auftraggeber \u2013 in einem blauen Sessel thronend, mit hochherrschaftlichem Gesichtsausdruck.<\/p>\n<p>Immer wieder malte Zorn seine Ehefrau Emma, die auch seine Marketingstrategin war, die \u201ema\u00dfgebliche treibende Kraft\u201c, so der Kurator. Sie geh\u00f6rte einer gro\u00dfb\u00fcrgerlichen j\u00fcdischen Familie in Stockholm an, war bestens vernetzt und vermittelte dem aufstrebenden K\u00fcnstler wichtige Kontakte. \u201eDie lesende Emma Zorn\u201c ist auf einem der ersten \u00d6lgem\u00e4lde von 1887 zu sehen. Selbstvergessen bl\u00e4ttert sie in einer Zeitung, wirkt dabei entspannt und nat\u00fcrlich, ihr einziger Schmuck ist ein Goldring mit einem Smaragd. Ab 1888 lebte das Ehepaar Zorn f\u00fcr acht Jahre in Paris, wo sich der Maler mit den Impressionisten Renoir, Degas und Max Liebermann anfreundete sowie Preise und Portr\u00e4tauftr\u00e4ge erhielt. Zu Zorns impressionistisch beeinflussten Arbeiten z\u00e4hlt das Gem\u00e4lde \u201eOmnibus\u201c, dessen Passagiere er kunstvoll ins Licht setzte.<\/p>\n<p>Portr\u00e4ts, Genrebilder, Akte<\/p>\n<p>Die Schau zeigt viele Hauptwerke aus dieser Zeit \u2013 etwa das Bildnis einer \u201eParisienne\u201c im gr\u00fcnen Mantel, das Genrebild \u201eIn der Brotb\u00e4ckerei\u201c oder das resolute Aktportr\u00e4t \u201eVenus de la Villette\u201c: Hier malte Zorn eine einfache Frau, die unbefangen in seinem Atelier posiert, \u201eeine Person, die mit beiden F\u00fc\u00dfen fest auf dem Boden steht\u201c, so Bertsch. Auch mit der Aktmalerei befasste sich Zorn immer wieder.<\/p>\n<p>Ende 1891 bekam er vom Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark den Auftrag, dessen \u201eSammlung von Bildern aus Hamburg\u201c zu erg\u00e4nzen. \u201eEr war der erste Maler von internationalem Rang, der dieser Einladung folgte\u201c, erkl\u00e4rt der Kurator. Zorn aquarellierte am Hamburger Hafen Frachtschiffe, Schlepper und kleine Boote, vor allem aber das flirrende Licht auf den Elbwellen. Lichtwark tr\u00f6delte mit der Bezahlung, erwarb aber Radierungen des K\u00fcnstlers. Eine gro\u00dfe Gruppe dieser gekonnt schraffierten Grafiken, meist Portr\u00e4ts und oft Variationen bereits bearbeiteter Motive, ist in der Schau zu sehen.<\/p>\n<p>In den USA waren drei Pr\u00e4sidenten Zorns Kunden<\/p>\n<p>Gem\u00e4lde verkaufte Zorn in Deutschland nur selten \u2013 in den USA hingegen kam er als Portr\u00e4tist gro\u00df heraus, z\u00e4hlte sogar drei Pr\u00e4sidenten zu seinen Kunden: William Howard Taft, Theodore Roosevelt sowie Stephen Grover Cleveland. Das Bildnis des letzteren entstand 1899 und kam jetzt aus dem Washingtoner Smithsonian in die Hansestadt. \u201eWas meine h\u00e4ssliche Visage betrifft, so denke ich, dass der K\u00fcnstler sie in gro\u00dfartiger Form weggestrichen hat\u201c, soll das zufriedene Staatsoberhaupt angesichts des Bildes gesagt haben.<\/p>\n<p>Auch das schwedische K\u00f6nigspaar Sofia und Oskar II. lie\u00df sich von Zorn malen, der 1896 mit Emma wieder in seine Geburtsstadt zog. In Mora griff er heimatliche Sujets auf, schuf etwa das dynamische, von feierlich gestimmten Menschen bev\u00f6lkerte Bild \u201eMittsommertanz\u201c. Dass Zorn ein Meister der Atmosph\u00e4re war, beweist auch das Gem\u00e4lde \u201eHirtin\u201c: Eine junge Kuhhirtin steht stoisch in einem Tannenwald, mit dem Horn an ihrem G\u00fcrtel wird sie die Tiere am Abend zusammenrufen. Die scharlachrote Sch\u00fcrze des M\u00e4dchens hat dieselbe Farbe wie der Anzug, den Anders Zorn auf seinem letzten Selbstbildnis von 1915 tr\u00e4gt; der wohlhabende Malerstar posiert hier in einem schlichten, schwedischen Holzhaus.<\/p>\n<p>Kunsthalle: \u201eAnders Zorn\u201c: bis 25. Januar 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der schwedische K\u00fcnstler Anders Zorn (1860 \u2013 1920) holt den Betrachter im wahren Wortsinn mit ins Boot. Aus&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":504302,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[14661,15323,29,30,692,28226,36916],"class_list":{"0":"post-504301","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-anders","9":"tag-balken-inbox","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hamburg","13":"tag-hamburger-kunsthalle","14":"tag-zorn"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115386282434134807","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/504301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=504301"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/504301\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/504302"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=504301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=504301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=504301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}