{"id":505400,"date":"2025-10-17T08:56:14","date_gmt":"2025-10-17T08:56:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/505400\/"},"modified":"2025-10-17T08:56:14","modified_gmt":"2025-10-17T08:56:14","slug":"oliver-blume-soll-als-porsche-chef-abgeloest-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/505400\/","title":{"rendered":"Oliver Blume soll als Porsche-Chef abgel\u00f6st werden"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Der Manager Oliver Blume soll als Vorstandsvorsitzender des Sportwagenbauers Porsche abgel\u00f6st werden. Das Pr\u00e4sidium des Aufsichtsrats habe den Aufsichtsratsvorsitzenden beauftragt, Gespr\u00e4che mit ihm \u00fcber ein einvernehmliches vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand zu f\u00fchren, wie das Unternehmen in Stuttgart mitteilten. Ein m\u00f6glicher Zeitpunkt wurde nicht genannt. Blume bleibe weiterhin VW-Chef, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Als m\u00f6glicher Nachfolger steht nach Unternehmensangaben der fr\u00fchere McLaren-Chef Michael Leiters zur Verf\u00fcgung. Mit ihm w\u00fcrden Verhandlungen aufgenommen. Der promovierte Maschinenbauer Leiters war fr\u00fcher 13 Jahre bei Porsche und vor seinem Engagement bei McLaren bei Ferrari.<\/p>\n<p>Damit geht wohl eine einzigartige Konstellation in der deutschen Unternehmenslandschaft zu Ende: Denn Blume f\u00fchrt seit rund drei Jahren zwei B\u00f6rsenunternehmen. Vor zehn Jahren &#8211; im Oktober 2015 &#8211; wurde er Vorstandsvorsitzender von Porsche. Am 1. September 2022 kam &#8211; kurz vor dem Porsche-B\u00f6rsengang &#8211; der Chefposten bei der Konzernmutter Volkswagen hinzu.<\/p>\n<p>Druck auf \u00abTeilzeitvorstandsvorsitzenden\u00bb<\/p>\n<p>Bereits l\u00e4nger war \u00fcber den R\u00fcckzug spekuliert worden: Aktion\u00e4rsvertreter sahen Blumes Doppelrolle ohnehin seit langem kritisch. Nicht nur wegen der riesigen Arbeitsbelastung, sondern auch wegen m\u00f6glicher Interessenkonflikte. Sie forderten den Top-Manager wiederholt dazu auf, sich f\u00fcr die F\u00fchrung von einem der Dax-Konzerne zu entscheiden. Hendrik Schmidt vom Fondsanbieter DWS kritisierte etwa, dass Porsche und VW die einzigen B\u00f6rsenunternehmen in Deutschland seien, die sich einen \u00abTeilzeitvorstandsvorsitzenden\u00bb leisteten.\u00a0<\/p>\n<p>Solche Vorw\u00fcrfe lie\u00df Blume an sich abprallen. Auch wenn sich der Ton in den vergangenen Monaten \u00e4nderte: Er verteidigte seine Doppelrolle bis zuletzt als ein Erfolgsrezept mit mehr Vor- als Nachteilen. Unterst\u00fctzung kam lange Zeit von den Milliard\u00e4rsfamilien Porsche und Pi\u00ebch, die im Volkswagen-Konzern die Mehrheit der Stimmrechte kontrollieren. Doch wie sieht die Bilanz des Top-Managers aus &#8211; und welche Baustellen hinterl\u00e4sst er seinem Nachfolger?<\/p>\n<p>Das hat Blume bei Porsche erreicht<\/p>\n<p>Blume \u00fcbernahm Porsche im Top-Zustand. 2015 war bis zu diesem Zeitpunkt das erfolgreichste Gesch\u00e4ftsjahr der Unternehmensgeschichte. Auf seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz sprach der Manager von einem \u00abselbst f\u00fcr Porsche-Ma\u00dfst\u00e4be au\u00dferordentlichen Ergebnis\u00bb. Das war bereits ein Vorgeschmack auf alles, was danach noch kommen sollte.<\/p>\n<p>\u00dcber Jahre hinweg ging es in Zuffenhausen fast ausschlie\u00dflich aufw\u00e4rts &#8211; mit Verkaufszahlen, Umsatz und Gewinn. Bei Blumes Amtsantritt verkaufte Porsche etwa 225.000 Autos j\u00e4hrlich. 2023, das Jahr mit dem h\u00f6chsten Absatz bislang, waren es gut 320.000 Sport- und Gel\u00e4ndewagen. Der Gewinn nach Steuern hat sich in seiner Amtszeit zwischenzeitlich mehr als verdoppelt.\u00a0<\/p>\n<p>B\u00f6rsenstart als Triumph<\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Erfolge Blumes: der B\u00f6rsengang im September 2022. Nach jahrelangen Spekulationen und monatelanger Pr\u00fcfung sammelte Volkswagen mit dem B\u00f6rsengang knapp 9,4 Milliarden Euro ein. Damit war es die gr\u00f6\u00dfte Erstemission in Deutschland seit der Telekom im Jahr 1996. Und das, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Corona-Folgen und den Ukraine-Krieg alles andere als rosig waren.\u00a0<\/p>\n<p>Das Papier mit dem K\u00fcrzel \u00abP911\u00bb &#8211; benannt nach der Sportwagen-Ikone 911 &#8211; setze danach zum H\u00f6henflug an. Im Dezember 2022 stieg das Unternehmen bereits in den Leitindex Dax auf. Das mache Porsche \u00abgl\u00fccklich und stolz\u00bb, sagte Blume damals. Zwischenzeitlich war Porsche an der B\u00f6rse auch mehr wert als die Konzernmutter VW. Das Hoch erreichte die Aktie im Fr\u00fchjahr 2022 mit fast 120 Euro &#8211; nach einem Ausgabepreis von 82,50 Euro.<\/p>\n<p>Diese Baustellen hinterl\u00e4sst Blume\u00a0<\/p>\n<p>Trotz des guten Laufs t\u00fcrmten sich insbesondere auf der Zielgeraden der fast zehn Jahre andauernden \u00c4ra Blume die Probleme. Die Absatzzahlen lie\u00dfen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig &#8211; vor allem in China und den USA lief es schlecht. Und auch der Gewinn rauschte zuletzt in den Keller. Der Konzern\u00fcberschuss von Januar bis Juni lag bei 718 Millionen Euro &#8211; 71 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.\u00a0<\/p>\n<p>Aus dem einst erfolgsverw\u00f6hnten Sportwagenbauer ist ein Unternehmen im Krisenmodus geworden. Das ging auch an der B\u00f6rse nicht vorbei: Der Wert des Papiers hat sich seit dem H\u00f6chstwert mehr als halbiert. Zuletzt schwankte der Wert um 41 Euro. Anfang September flog Porsche auch aus dem Dax.<\/p>\n<p>In einem Brief an die Belegschaft skizzierte Blume im Sommer mehrere Gr\u00fcnde f\u00fcr die Misere: In China sei das Marktsegment f\u00fcr teure Luxusprodukte in kurzer Zeit f\u00f6rmlich zusammengebrochen. In den USA dr\u00fcckten die gestiegenen Z\u00f6lle und perspektivisch vor allem die aktuelle Kursentwicklung des Dollars das Porsche-Gesch\u00e4ft. Probleme, f\u00fcr die sein Nachfolger L\u00f6sungen finden muss.\u00a0<\/p>\n<p>Vom E-Auto zur\u00fcck zu Verbrennern<\/p>\n<p>Au\u00dferdem geht die Wende zum E-Auto nicht auf: Keine andere Marke im VW-Konzern hatte sich ein \u00e4hnlich ehrgeiziges Ziel gesetzt. Mehr als 80 Prozent aller Porsche-Neuwagen sollten bis 2030 vollelektrisch fahren. Davon ist nicht mehr viel \u00fcbrig. Im ersten Halbjahr lag der Anteil vollelektrischer Wagen bei 23,5 Prozent. Die E-Mobilit\u00e4t entwickle sich in vielen M\u00e4rkten deutlich langsamer, als \u00abwir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten\u00bb, so Blume.<\/p>\n<p>Daher haben die Zuffenhausener umgeschwenkt &#8211; nun wollen sie wieder mehr Fahrzeuge mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid entwickeln. Auch von den einst gro\u00dfen Batterie-Pl\u00e4nen des Managements ist wenig \u00fcbrig. Die Batterietochter Cellforce soll in Zukunft nur noch Forschung und Entwicklung betreiben, bis zu 200 Arbeitspl\u00e4tze sollen dort wegfallen. F\u00fcr den Schwenk rechnet Porsche mit Mehrkosten in Milliardenh\u00f6he.\u00a0<\/p>\n<p>Der Autohersteller muss deshalb den Rotstift ansetzen &#8211; und seine Strukturen schrumpfen. Bis zum Jahr 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialvertr\u00e4glich abgebaut werden. Ein weiteres Sparprogramm soll im Herbst geschn\u00fcrt werden. Dar\u00fcber wird aktuell mit dem Betriebsrat verhandelt.\u00a0<\/p>\n<p>Das sind die gr\u00f6\u00dften Aufgaben bei VW<\/p>\n<p>Auch wenn Blume sich nun komplett auf VW konzentrieren kann: Die Probleme bei Porsche d\u00fcrfte er auch von Wolfsburg aus im Blick behalten. Denn zuletzt belastete das schwache Abschneiden der fr\u00fcheren Gewinngiganten Porsche und Audi den Konzern. Die lange schw\u00e4chelnde Kernmarke fuhr im zweiten Quartal sogar mehr operativen Gewinn ein als die Premium-Marken zusammen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch nach Ende des Tarifkonflikts mit der IG Metall gibt es im Konzern noch gen\u00fcgend offene Baustellen: Mit der IG Metall muss jetzt bis Ende 2026 \u00fcber eine \u00c4nderung der Tarifstruktur verhandelt werden, von der sich VW weitere Einsparungen verspricht. Und bis 2030 will die Kernmarke fast jede vierte Stelle in Deutschland streichen. Jetzt muss der Konzern zeigen, wie das ohne eine einzige betriebsbedingte K\u00fcndigung gelingen soll.<\/p>\n<p>Mit dem Sparkurs will VW \u00dcberkapazit\u00e4ten abbauen und die Gewinnmarge der ertragsschwachen Kernmarke erh\u00f6hen. Auf viel R\u00fcckhalt der Besch\u00e4ftigten kann Blume nicht hoffen: In der Krise war der Unmut gewachsen. Hinzu kommen die Konzern-Dauerbaustellen: das wegbrechende China-Gesch\u00e4ft, der schleppende Elektro-Hochlauf, die konzerneigene Softwareschmiede Cariad, der Aufbau eigener Batteriefabriken und der Wettlauf beim autonomen Fahren. \u00abEs gibt mehr als genug bei Volkswagen zu tun\u00bb, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; Der Manager Oliver Blume soll als Vorstandsvorsitzender des Sportwagenbauers Porsche abgel\u00f6st werden. 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