{"id":506341,"date":"2025-10-17T17:30:11","date_gmt":"2025-10-17T17:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506341\/"},"modified":"2025-10-17T17:30:11","modified_gmt":"2025-10-17T17:30:11","slug":"wir-stehen-bei-den-leuten-im-wort-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506341\/","title":{"rendered":"\u00bbWir stehen bei den Leuten im Wort\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Zum siebten Mal organisieren Anja K\u00f6sler, J\u00f6rn Dege und Nils Kahlefendt (zun\u00e4chst noch mit Claudius Nie\u00dfen) gemeinsam den Literarischen Herbst in Leipzig \u2013 h\u00f6chste Zeit f\u00fcr ein Treffen in voller Besetzung: In der M\u00f6belkooperative S\u00fcd, einem der Veranstaltungsorte des Festivals, sprechen wir \u00fcber prominente G\u00e4ste, die finanzielle Lage der st\u00e4dtischen Kultur und das Gesp\u00fcr daf\u00fcr, welche Lesungen die Menschen begeistern.<\/p>\n<p><strong>Im Juni hat die Stadt Leipzig die Projektgelder f\u00fcr die Kultur eingefroren. Wie plant man ein Festival, wenn die finanzielle Lage so ungewiss ist?<\/strong><\/p>\n<p>ANJA K\u00d6SLER: Wir bekamen Anfang des Jahres ein Schreiben vom Kulturamt, dass f\u00fcr uns eine F\u00f6rderung in H\u00f6he von 40.000 Euro vorgesehen ist, und haben dementsprechend unser Programm geplant. Dieses Schreiben ist kein F\u00f6rderbescheid, aber bisher war es so, dass man eigentlich mit diesem Geld rechnen konnte. Deshalb traf uns das dann wie ein Blitz aus heiterem Himmel.<\/p>\n<p>J\u00d6RN DEGE: Und das zu einem Zeitpunkt, als wir gerade das Programm fertig hatten. Pl\u00f6tzlich war da diese gro\u00dfe Unsicherheit und die Frage, wie wir \u00fcberhaupt weitermachen k\u00f6nnen. Wir haben uns dann auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet, aber das Festival erst mal so weitergef\u00fchrt, wie wir es geplant haben, und gehofft, dass alles gutgeht.<\/p>\n<p><strong><br \/>Der Leipziger H\u00f6rspielsommer hat sich dieses Jahr mit Spendenaufrufen \u00fcber Wasser gehalten. Sind auch beim Literarischen Herbst solche Ma\u00dfnahmen zu erwarten, damit das Programm stattfinden kann?<\/strong><\/p>\n<p>DEGE: Im Moment setzen wir darauf, dass der H\u00e4rtefallantrag, wie er gestellt ist, durchgeht. Dann kann alles wie geplant stattfinden. Sollte das nicht klappen, w\u00fcrden wir uns was einfallen lassen. Dann kann es durchaus sein, dass wir auch Crowdfunding und Spendenaufrufe starten oder einzelne Veranstaltungen absagen m\u00fcssen. Und im Worst Case k\u00f6nnen 80 Prozent vom Programm nicht stattfinden.<\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Das w\u00e4re f\u00fcr unseren Ruf als Festival eine Katastrophe, wir stehen ja auch bei den Leuten im Wort.<\/p>\n<p><strong><br \/>Angenommen, es kann alles stattfinden, was bietet dieser Jahrgang?<\/strong><\/p>\n<p>DEGE: Wir haben ein sehr politisches Programm in diesem Jahr, was einerseits an der Zeit liegt und an den politischen Voraussetzungen, da dr\u00e4ngt sich einiges auf. Und andererseits hat das auch mit Kooperationspartnern zu tun. <\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Mit dem Festival f\u00fcr Politik im Freien Theater machen wir zwei Veranstaltungen und \u00fcber die Kooperation mit dem Literaturhaus sogar noch drei weitere.<\/p>\n<p>DEGE: Der Anfang ist prominent besetzt. Wir starten mit Herbert Gr\u00f6nemeyer und Michael Lentz am Sonntagabend im Gewandhaus und Karl Schl\u00f6gel am Anfang der Woche.<\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Und dann geht es munter weiter mit G\u00f6tz Aly in der Albertina. Sein neues Buch macht gerade auch ziemlich Furore. Ich habe gestern geh\u00f6rt, dass es gerade nicht lieferbar ist. Das verspricht schon vieles.<\/p>\n<p>NILS KAHLEFENDT: Denis Scheck wird auch mal vorbeischauen mit \u00bbKafkas Kochbuch\u00ab. Das wird in der Kirow-Kantine sein, ein neuer Ort f\u00fcr uns \u00fcbrigens.<\/p>\n<p>DEGE: Wir f\u00fchren auch bew\u00e4hrte Reihen fort, die wir immer weiterentwickelt haben. \u00bbBeste erste B\u00fccher\u00ab machen wir wieder im Ost-Passage-Theater. Und das Lyrikhotel hier in der M\u00f6belkooperative S\u00fcd und in der Alten Post. Anja Kampmann liest in der Alten Nikolaischule, das wird sicher auch eine tolle Veranstaltung. Zwei wirklich sch\u00f6ne Sachen sind in der Galerie f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssische Kunst: Leif Randt ist zu Gast mit seinem neuen Roman, und Frank Witzel. Und ich freue mich wahnsinnig auf den Abend mit Dorothee Elmiger, weil ich das Buch so fantastisch finde. <\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Der \u00bbJunge Herbst\u00ab wird auch wieder stattfinden. Sp\u00e4testens w\u00e4hrend Corona hat sich gezeigt: Wenn du ein Festival f\u00fcr eine Stadt planst, geh\u00f6ren auch Kinder und Familien dazu. Am Freitag haben wir Veranstaltungen f\u00fcr Kitas und Schulen und der Samstag ist offen f\u00fcr Familien.<\/p>\n<p>DEGE: Da gibt es viele Mitmachsachen, aber auch klassische Lesungen, Karen K\u00f6hler kommt zum Beispiel mit ihrem Kinderbuch.<\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Und wahrscheinlich nicht so bekannt, aber auch ein hinrei\u00dfendes Buch kommt von Ond\u0159ej Buddeus. \u00bbFahr Rad!\u00ab hei\u00dft es, ein super Sachbuch \u00fcber Fahrradfahren, das ist wie eine Wundert\u00fcte. <\/p>\n<p><strong><br \/>Der prominenteste Name im Programm ist Herbert Gr\u00f6nemeyer. Anfang des Jahres hatten Sie in einer Sonderveranstaltung schon Angela Merkel an selber Stelle. Entsteht ein gewisser Druck, wenn man solche Pers\u00f6nlichkeiten einl\u00e4dt?<\/strong><\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Gute Frage. Ich finde schon. Wenn man das einmal geschafft hat, kann man damit andere Veranstaltungen finanzieren, die sonst nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>DEGE: Dann l\u00e4sst sich auch ein Programm aufstellen, das in Teilen zwar nur f\u00fcr eine kleine Nische interessant ist, aber aus unserer Sicht unbedingt zu so einem breiten Festival geh\u00f6rt. <\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Und f\u00fcr die Strahlkraft des Festivals ist es wichtig, auch den Verlagen zu zeigen: Wir k\u00f6nnen so was wuppen. <\/p>\n<p><strong><br \/>2023 ist Alice Schwarzer beim Literarischen Herbst aufgetreten. Auch dieses Mal sind nicht ganz unumstrittene Namen dabei, Peter Sloterdijk zum Beispiel. Wie entscheiden Sie dar\u00fcber, wer eine B\u00fchne bekommt und wer nicht?<\/strong><\/p>\n<p>DEGE: Wir entscheiden die Sachen gemeinsam. Bei Kooperationsveranstaltungen, wie jetzt der Veranstaltung im Literaturhaus mit Peter Sloterdijk, kann es manchmal so sein, dass wir im Vorhinein nicht ganz wissen, was auf uns zukommt. Aber in der Regel entscheiden wir das gemeinsam. Auch das klappt nicht immer hundertprozentig, wie im Fall von Alice Schwarzer, wo es dann doch komplizierter wurde.<\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Ich glaube aber, dass wir im Allgemeinen zu relativ ausgewogenen Entscheidungen kommen, weil wir alle unterschiedlich alt sind und aus unterschiedlichen Kontexten kommen.<\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Wir machen eben ein Festival f\u00fcr die ganze Stadt. Es gibt bestimmte Sachen, die w\u00fcrden wir nicht machen, aber das ist immer wieder auszuhandeln. Im ber\u00fchmten Jahr von Schwarzer war auch ein queeres Kindertheaterst\u00fcck im Programm, das hat blo\u00df keiner so richtig gemerkt.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie kann man sich den Prozess der Programmgestaltung bei Ihnen vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>DEGE: Es l\u00e4uft parallel auf sehr unterschiedlichen Wegen. Mit dem Programm sind wir so ein halbes Jahr besch\u00e4ftigt: Was sollte man mal machen, was wollten wir eigentlich letztes Jahr machen, hat aber nicht geklappt? Dazu geh\u00f6ren dann Gespr\u00e4che mit Verlagen, Kooperationspartnern, Veranstaltern vor Ort und so weiter. <\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Manchmal gibt es besonders sch\u00f6ne Gelegenheiten, zum Beispiel das Lyrikhotel mit Ulf Stolterfoht, daran schrauben wir seit vier, f\u00fcnf Jahren. Und irgendwann klappt es, zack, dann ist die Freude gro\u00df. <\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Neuerscheinungen sind ein wichtiges Thema, aber wir haben auch B\u00fccher im Programm, die durchaus ein paar Jahre alt sein k\u00f6nnen. Diese Tendenz im Buchhandel, dass es immer schneller geht, m\u00f6chten wir nicht so unterst\u00fctzen. Und wir bem\u00fchen uns nat\u00fcrlich auch, Leute, die hier in Leipzig schreiben, mit ins Programm zu integrieren.<\/p>\n<p>DEGE: Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr finde ich die Kombination von Marko Martin und August Modersohn. Modersohn hat einen Reportageband \u00fcber die Ver\u00e4nderungen in Ostdeutschland seit der Wende geschrieben. Das passte dann auf dieses literarische Tagebuch von Martin von 1990. Das ist das Tolle, man kann Konstellationen herstellen, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Da entstehen \u00fcber die Woche hinweg richtige Landschaften und einzelne Zentren mit Anziehungskraft.<\/p>\n<p><strong><br \/>Sie legen viel Wert darauf, Veranstaltungen abseits der klassischen Wasserglas-Lesung zu machen. Funktioniert die nicht mehr oder sind andere Formate einfach reizvoller?<\/strong><\/p>\n<p>NILS KAHLEFENDT: Ich w\u00fcrde nicht das eine gegen das andere ausspielen, aber es ist so, wie J\u00f6rn sagt: uns reizen Konstellationen manchmal mehr als einfach einen Autor oder eine Autorin einzuladen.\u00a0<\/p>\n<p>ANJA K\u00d6SLER: Wir wollen unsere Handschrift aufdr\u00fccken. Am Ende kauft man das Buch und liest es selbst, aber das Gespr\u00e4ch \u00fcber das Buch ist doch etwas sehr Wichtiges.<\/p>\n<p>J\u00d6RN DEGE: Und es ist nat\u00fcrlich super, Abende zu machen, an denen du nicht wei\u00dft, was passiert. Es gibt keine Regeln, kein Thema.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie \u00fcber die Jahre ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelt, welche Lesung bei den Leuten gut ankommen wird?<\/strong><\/p>\n<p>DEGE: Ich hatte eine richtige Lernkurve \u00fcber die Jahre. Trotzdem ist es fast unm\u00f6glich, vorab zu sagen, welcher Abend wirklich gro\u00dfartig wird und welche Lesung schleppend l\u00e4uft. Da gibt es immer wieder \u00dcberraschungen. Wir hatten Sachen, bei denen wir uns sicher waren, es kommen viele Leute und es wird ein tolles Ding, und dann war das eine ziemlich m\u00fcde Sache.<\/p>\n<p>K\u00d6SLER: Und umgekehrt genauso.<\/p>\n<p>KAHLEFENDT: Manchmal hat man auch das Qu\u00e4ntchen Gl\u00fcck. Ich denke an diese tolle Veranstaltung mit Martina Hefter und Jan Kuhlbrodt letztes Jahr, zusammen mit einem supereinf\u00fchlsamen Moderator, der die beiden vorher besucht hat. Der Abend war nicht lang, aber megaintensiv. Das sind dann wirklich die Sternstunden, von denen man tr\u00e4umt.<\/p>\n<p><strong><br \/>Gibt es eine Person, die Sie bisher noch nicht dabeihatten, sich aber w\u00fcnschen w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p>J\u00d6RN DEGE: Wen wir jedes Jahr anfragen und bisher nicht bekommen haben, ist Clemens Setz (lacht).\u00a0Er sagt jedes Jahr \u00bbAch, n\u00e4chstes Jahr sollte es eigentlich klappen\u00ab. Dieses Jahr habe ich ihn gar nicht gefragt!<\/p>\n<p>ANJA K\u00d6SLER: Doch, hast du. <\/p>\n<p>J\u00d6RN DEGE: Habe ich? Das ist jedes Jahr meine Standardaufgabe: Clemens Setz anfragen.<\/p>\n<p>NILS KAHLEFENDT: Ich habe auch eine Standardaufgabe: F\u00fcr den \u00bbJungen Herbst\u00ab frage ich seit sieben Jahren Axel Scheffler an, weil der meistens zur Frankfurter Buchmesse in Deutschland ist. Er lebt in London. Seit sieben Jahren muss ich mir anh\u00f6ren, dass er nicht kann, weil in England Schulferien sind und er Zeit mit seiner Tochter verbringen will. Aber die Tochter wird jetzt mit der Schule fertig und vielleicht klappt es n\u00e4chstes Jahr endlich. Ich werde es jedenfalls wieder versuchen.<\/p>\n<p>&gt; 19.\u201326.10., verschiedene Orte, <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.literarischer-herbst.com\" rel=\"noopener\">www.literarischer-herbst.com<\/a>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum siebten Mal organisieren Anja K\u00f6sler, J\u00f6rn Dege und Nils Kahlefendt (zun\u00e4chst noch mit Claudius Nie\u00dfen) gemeinsam den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":506342,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[126397,3364,29,30,851,71,126398,101,83156,77043,93,126399,859,3699,33065,20183,33067,33068],"class_list":{"0":"post-506341","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-buchlesung","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-herbst","13":"tag-leipzig","14":"tag-leipziger-literarischer-herbst","15":"tag-lesung","16":"tag-literarischer","17":"tag-literarischer-herbst","18":"tag-literatur","19":"tag-literaturbetrieb","20":"tag-sachsen","21":"tag-veranstaltung","22":"tag-veranstaltung-leipzig","23":"tag-veranstaltungshinweis","24":"tag-veranstaltungsreihe","25":"tag-veranstaltungstipp"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115390698332062400","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/506341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=506341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/506341\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/506342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=506341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=506341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=506341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}