{"id":506445,"date":"2025-10-17T18:25:15","date_gmt":"2025-10-17T18:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506445\/"},"modified":"2025-10-17T18:25:15","modified_gmt":"2025-10-17T18:25:15","slug":"lage-in-der-ukraine-eine-umstrittene-entmachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506445\/","title":{"rendered":"Lage in der Ukraine: Eine umstrittene Entmachtung"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Wie l\u00e4sst sich der B\u00fcrgermeister einer Millionenstadt st\u00fcrzen? In Odessa: schnell. Am Montag wurde <a href=\"https:\/\/petition.president.gov.ua\/petition\/254076\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf dem staatlichen Petitionsportal<\/a> ein Aufruf an Pr\u00e4sident <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/wolodymyr-selenskyj\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolodymyr Selenskyj<\/a> ver\u00f6ffentlicht, Odessas B\u00fcrgermeister, Hennadij Truchanow, die ukrainische Staatsb\u00fcrgerschaft zu entziehen. Der Grund: Truchanow habe auch einen russischen Pass, das sei mit ukrainischem Recht nicht vereinbar und in Kriegszeiten eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Innerhalb eines Tages erreichte die Petition das n\u00f6tige Quorum von 25.000 Unterschriften, ab dem sich der Pr\u00e4sident damit befassen muss.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am Dienstag <a href=\"https:\/\/t.me\/SBUkr\/16061\" class=\"\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU Dokumente<\/a>, die Truchanows russische Staatsb\u00fcrgerschaft belegen sollten, darunter die Kopie eines auf ihn laufenden russischen Passes. Kurz darauf verk\u00fcndete Selenskyj, dass er &#8222;einigen Personen&#8220; die Staatsangeh\u00f6rigkeit entzogen habe. Namen nannte er nicht, kritisierte jedoch <a href=\"https:\/\/t.me\/V_Zelenskiy_official\/16502\" class=\"\" target=\"_blank\">in seiner abendlichen Videoansprache<\/a>, dass in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/odessa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Odessa<\/a> &#8222;zu viele Sicherheitsfragen ungel\u00f6st&#8220; seien. Um das zu \u00e4ndern, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/ukraine-odessa-militaerverwaltung-selenskyj-buergermeister-krieg-russland\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">werde Odessa unter Milit\u00e4rverwaltung gestellt<\/a>. Am Donnerstag darauf stand Truchanows B\u00fcrgermeisterb\u00fcro bereits leer.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Truchanow wird seit Jahren eine N\u00e4he zu <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> sowie Korruption vorgeworfen. In der Vergangenheit des Politikers finden sich immer wieder russische Spuren: In den Nullerjahren arbeitete er f\u00fcr den russischen Konzern Lukoil; 2012 zog er f\u00fcr die Partei des damaligen prorussischen Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowytsch ins Parlament ein und unterst\u00fctzte zeitweise dessen repressiven Kurs gegen die Demonstranten des sogenannten Euromaidan. 2019, zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre lang im Amt des B\u00fcrgermeisters von Odessa, kandidierte er f\u00fcr eine weitere inzwischen verbotene prorussische Partei erneut f\u00fcrs Parlament. Im selben Jahr erkl\u00e4rte er seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr den proeurop\u00e4ischen Nachfolger Janukowytschs, Petro Poroschenko. 2022 erhob die Antikorruptionsbeh\u00f6rde Nabu erneut Vorw\u00fcrfe der unzul\u00e4ssigen Selbstbereicherung gegen Truchanow. Ein undurchsichtiger Politiker, der dennoch in seiner Heimatstadt genug R\u00fcckhalt genoss, um zweimal als B\u00fcrgermeister wiedergew\u00e4hlt zu werden.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags den US-Sonderletter &#8222;Was jetzt, America?&#8220; sowie das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch die Art und Weise, wie Truchanow nun geschasst wurde, k\u00f6nnte sich \u2013 glaubt man ukrainischen Oppositionspolitikern \u2013 zu einem noch gr\u00f6\u00dferen Skandal entwickeln, als die Aff\u00e4ren, in die er als B\u00fcrgermeister verwickelt war. Denn die Grundlage f\u00fcr seine Absetzung sind die vom SBU vorgelegten Beweise daf\u00fcr, dass er russischer Staatsb\u00fcrger sei. Ein wunder Punkt f\u00fcr viele Ukrainer: In Janukowytschs Regierung und vielen Regierungen davor hatten russische Staatsb\u00fcrger Schl\u00fcssel\u00e4mter inne, was Wladimir Putins Regime die Unterwanderung der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-news-liveblog\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> erleichtert hatte. Dementsprechend schwer wiegt die Anschuldigung. Das Besondere in dieser Situation: Aus mehreren Medienberichten geht hervor, dass das gegen Truchanow gerichtete Material des SBU kein Beweis ist \u2013 sondern eine F\u00e4lschung.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><a href=\"https:\/\/theins.press\/news\/285880\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">So hat das exilrussische Investigativportal <\/a><a href=\"https:\/\/theins.press\/news\/285880\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Insider<\/a>die Nummer des vom SBU ver\u00f6ffentlichten Passes gepr\u00fcft. Ergebnis: Er wurde nicht, wie vom Geheimdienst angegeben, im Dezember 2015 ausgestellt, sondern am 2. November 2010 \u2013 und nicht an Truchanow, sondern an eine russische Staatsb\u00fcrgerin, die mit dem Pass mehrfach Auslandsreisen unternahm. Zudem wies The Insider darauf hin, dass die ver\u00f6ffentlichte Kopie einen Fehler bei der<br \/>\nenglischen Transkription von Truchanows Vornamen enthalte. Dasselbe berichtet auch der Investigativjournalist Christo Grozev, der seinerseits <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/12\/christo-grozev-investigativjournalist-wladimir-putin-flucht-wien\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von russischen Geheimdiensten gejagt wird<\/a> und kaum Interesse an einer politisch motivierten Kampagne gegen den SBU und Selenskyj haben d\u00fcrfte.\n<\/p>\n<p>                An dieser Stelle ist ein externer Inhalt eingebunden<\/p>\n<p>Zum Anschauen ben\u00f6tigen wir Ihre Zustimmung<\/p>\n<p>\n                Weiter\n            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Besonders skurril: Sowohl The Insider\u00a0als auch Grozev betonen, dass Truchanow in der Vergangenheit sehr wohl russischer Staatsb\u00fcrger gewesen sei. Gleich zwei russische P\u00e4sse soll er besessen haben, einer davon 2003, der andere 2011 ausgestellt. Damit decken die Berichte <a href=\"https:\/\/www.slidstvo.info\/articles\/rosijski_tsinnosti\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Recherchen von ukrainischen Journalisten aus den Jahren 2015 bis 2018,<\/a> die im Zuge des Steuerskandals um die sogenannten Panama Papers an Kopien des 2003 an Truchanow ausgestellten russischen Passes <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo?fbid=5063844330506800&amp;set=a.1477777552446847\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gekommen waren<\/a>. Damals jedoch hatten ukrainische Beh\u00f6rden, darunter der SBU selbst, den Politiker gedeckt und bekundet, er sei nie russischer Staatsb\u00fcrger gewesen. Auch Truchanow hat die Vorw\u00fcrfe immer wieder bestritten.\u00a0<a href=\"https:\/\/suspilne.media\/1138780-zelenskij-pozbaviv-ukrainskogo-gromadanstva-truhanova-carova-ta-polunina\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jetzt will er<\/a> gerichtlich gegen den Entzug seiner ukrainischen Staatsangeh\u00f6rigkeit vorgehen, die er als &#8222;Willk\u00fcr&#8220; kritisiert, und k\u00fcndigte Klagen notfalls bis in die letzte Instanz an. Als B\u00fcrgermeister einer Millionenstadt sei er zudem &#8222;strengsten Sicherheitspr\u00fcfungen&#8220; unterzogen worden, bei denen keine ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rigkeit festgestellt worden sei.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Angesichts der vielen Korruptionsverfahren gegen den Politiker stellt sich die Frage, warum der SBU jetzt ausgerechnet auf eine F\u00e4lschung zur\u00fcckgreift. Umso mehr, als dass es keiner Vorw\u00fcrfe gegen den B\u00fcrgermeister bedarf, um Odessa einer Milit\u00e4rverwaltung unterzuordnen: In mehreren strategisch wichtigen St\u00e4dten teilen sich die jeweiligen von den Einwohnern gew\u00e4hlten B\u00fcrgermeister und von Selenskyj eingesetzte Milit\u00e4rverwalter die Macht, darunter in Kyjiw. Odessa mit seinem f\u00fcr den ukrainischen Agrarexport bedeutenden Hafen wird h\u00e4ufig Ziel russischer Luftangriffe, eine verst\u00e4rkte Verwaltungshoheit des Milit\u00e4rs w\u00e4re damit gerechtfertigt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Truchanow h\u00e4tte somit auch ohne Vorw\u00fcrfe und mit einer glaubw\u00fcrdigen Begr\u00fcndung faktisch entmachtet werden k\u00f6nnen. Nun aber ist unklar, wer die zivilen Angelegenheiten der Stadt regeln soll: Vorgesehen w\u00e4re daf\u00fcr Ihor Kowal, Sekret\u00e4r des Stadtrats von Odessa. Dieser hat sich auch zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden B\u00fcrgermeister ausrufen lassen. Rechtlich ist das problematisch: Ohne ukrainische Staatsangeh\u00f6rigkeit darf Truchanow nicht l\u00e4nger B\u00fcrgermeister bleiben, doch formell m\u00fcsste seine Absetzung vom Stadtrat abgesegnet werden, was dieser jedoch bislang nicht getan hat.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das k\u00f6nnte wiederum f\u00fcr Chaos sorgen: Sobald Turchanow Klage einreicht, m\u00fcsste der Entzug seiner ukrainischen Staatsangeh\u00f6rigkeit \u2013 Grundlage f\u00fcr die Entmachtung \u2013 ausgesetzt werden. <a href=\"https:\/\/lb.ua\/news\/2025\/10\/14\/701542_sprava_truhanova_pozbavlennya.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Laut einer Einsch\u00e4tzung<\/a> des ehemaligen ukrainischen Verfassungsrichters, Wolodymyr Schapowal, g\u00e4be es damit vorerst keinen Grund, warum Turchanow nicht B\u00fcrgermeister bleiben k\u00f6nne, solange der Prozess l\u00e4uft. Gekl\u00e4rt ist bislang lediglich, wer die k\u00fcnftige Milit\u00e4rverwaltung Odessas anf\u00fchren soll: Serhij Lyssak, bislang Milit\u00e4rgouverneur der Region Dnipropetrowsk und Brigadegeneral des SBU, der <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/russian\/articles\/c62e57x5q24o\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">laut dem Sender BBC<\/a> gute Verbindungen ins Pr\u00e4sidentenb\u00fcro hat.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nicht nur Oppositionspolitiker sehen darin einen Angriff auf die Demokratie. <a href=\"https:\/\/suspilne.media\/odesa\/1137856-precedent-so-moze-zminiti-sistemu-miscevogo-samovraduvanna-eksperti-pro-mozlive-pozbavlenna-truhanova-gromadanstva\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">So zitierte der ukrainische Sender Suspilne<\/a> Anatolij Boiko, den Leiter einer NGO f\u00fcr Wahlbeobachtung in Odessa, wonach die Absetzung Truchanows einen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr die Entmachtung weiterer B\u00fcrgermeister zugunsten eines zentralisierten Regierungssystems schaffen k\u00f6nnte. Es w\u00e4re die &#8222;faktische Liquidierung der lokalen Selbstverwaltung&#8220;.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Weder Truchanows Staatsangeh\u00f6rigkeit noch seine Korruptionsaff\u00e4ren h\u00e4tten demnach bislang das Interesse der Sicherheitsbeh\u00f6rden auf sich gezogen. Die ganze Operation habe dem Zweck gedient, eine Milit\u00e4rverwaltung durchzusetzen, <a href=\"https:\/\/www.svoboda.org\/a\/ya-dostayu-iz-shirokih-shtanin-pasporta-i-sudjba-gennadiya-truhanova\/33560942.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sagte Boiko dem Sender Radio Swoboda.<\/a> Dasselbe werde nach seinen Informationen auch in der benachbarten Gro\u00dfstadt Mykolajiw bef\u00fcrchtet, wo B\u00fcrgermeister Oleksandr Senkewytsch ebenfalls wom\u00f6glich einem Milit\u00e4rverwalter Platz machen m\u00fcsse. Drastischer \u00e4u\u00dferte sich der Oppositionsabgeordnete Olexij Hontscharenko, der den ukrainischen Pr\u00e4sidenten seit Langem kritisiert. Selenskyjs Einfluss sei besonders dort schwach, wo B\u00fcrgermeister das Vertrauen von Einwohnern h\u00e4tten. Nun sollten diese eingesch\u00fcchtert werden, warf er dem Pr\u00e4sidenten vor. Olexij Potapskij, Fraktionschef der oppositionellen Partei &#8222;Europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t&#8220; von Selenskyjs Vorg\u00e4nger Poroschenko in Odessas Stadtrat, sagte dem Sender Suspilne: Selenskyj sei seit sechs Jahren Pr\u00e4sident, &#8222;und pl\u00f6tzlich f\u00e4llt ihm erst jetzt auf, dass Herr Truchanow die russische Staatsangeh\u00f6rigkeit hat&#8220;. Die Absetzung des B\u00fcrgermeisters sei eine &#8222;politische Abrechnung&#8220; und habe &#8222;mit Demokratie nichts zu tun&#8220;.\u00a0\n<\/p>\n<p>            Krieg gegen die Ukraine        <\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/donald-trump-friedensdiplomatie-ukrainekrieg-waffenstillstand-gaza-5vor8\" data-ct-label=\"Donald Trumps Friedensdiplomatie: Play it again, Donald?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Donald Trumps Friedensdiplomatie:<br \/>\n                        Play it again, Donald?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/russland-usa-ukraine-gipfel-ungarn-donald-trump-wladimir-putin\" data-ct-label=\"Treffen zwischen Putin und Trump: Das war es dann wohl mit den Tomahawks\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Treffen zwischen Putin und Trump:<br \/>\n                        Das war es dann wohl mit den Tomahawks<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/44\/andrij-melnyk-ukraine-botschafter-deutschland-un\" data-ct-label=\"Andrij Melnyk: &quot;Putin wird viel fr\u00fcher all-in gehen&quot;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Andrij Melnyk:<br \/>\n                        &#8222;Putin wird viel fr\u00fcher all-in gehen&#8220;<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dass die ukrainische Opposition den Skandal f\u00fcr sich nutzt, um Unmut \u00fcber Selenskyj zu \u00e4u\u00dfern, ist wenig \u00fcberraschend. Doch man muss ihr nicht blind vertrauen, um auf die Idee zu kommen, dass es tats\u00e4chlich eine Kampagne des Pr\u00e4sidentenb\u00fcros gegen einflussreiche B\u00fcrgermeister gibt. In Kyjiw etwa steht B\u00fcrgermeister Vitali Klitschko, ein Gegner Selenskyjs, seit Monaten im Dauerstreit mit der Milit\u00e4rverwaltung. Nach j\u00fcngsten russischen Angriffen auf die Hauptstadt, bei denen Hunderttausende Einwohner zeitweise den Stromzugang verloren, schoben sich Klitschko und die Milit\u00e4rverwaltung gegenseitig die Verantwortung f\u00fcr den mangelnden Schutz der Infrastruktur in Kyjiw zu. Selenskyj stellte sich dabei auf die Seite des Milit\u00e4rs und gegen Klitschko, der dem Pr\u00e4sidenten seit Langem autorit\u00e4re Tendenzen vorwirft.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Flankiert wird der Streit von Stimmungsmache in Telegramkan\u00e4len mit teils Hunderttausenden Followern, die f\u00fcr die Politik des Pr\u00e4sidentenb\u00fcros werben. Einige von ihnen sollen zu einem Netzwerk geh\u00f6ren, das direkt vom Pr\u00e4sidentenb\u00fcro gesteuert wird, <a href=\"https:\/\/meduza.io\/en\/feature\/2024\/10\/17\/they-see-journalists-as-pets\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie das exilrussische Onlineportal Meduza im vergangenen Jahr aus Kreisen der Regierungsbeh\u00f6rde erfahren hatte<\/a>. Klitschko und Truchanow wurden in diesen Kan\u00e4len in der vergangenen Woche mehrfach beschimpft. Einer von ihnen sagte bereits eine Woche vor der Absetzung Truchanows voraus, dass dessen politische Karriere angeblich bald enden werde. Au\u00dfer ihm aufgelistet: Mykolajiws B\u00fcrgermeister Senkewytsch und Klitschko. Ein weiterer Kanal, laut dem Meduza-Bericht von 2024 ebenfalls Teil des Pro-Selenskyj-Netzwerks, <a href=\"https:\/\/t.me\/vert_i_call\/23706\" class=\"\" target=\"_blank\">schrieb<\/a> nach Truchanows Entmachtung: &#8222;Odessa trinkt heute Champagner. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch Kyjiw feiern wird.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" class=\"zg-counticle__picture\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/square__180x180__desktop.jpeg\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>                        \u00a9\u00a0Valentyn Ogirenko\/\u200bReuters<\/p>\n<p class=\"zg-counticle__text\">\n        <strong class=\"zg-counticle__number-wrapper\"><br \/>\n            1332 Tage        <\/strong><\/p>\n<p>                    <strong class=\"zg-counticle__title\"><br \/>\n                seit Beginn der russischen Invasion<br \/>\n            <\/strong><\/p>\n<p>        Das Zitat: Europas Platz        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kurz vor dem Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Wei\u00dfen Haus hat <strong>Donald Trump mit Wladimir Putin telefoniert <\/strong>und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/donald-trump-treffen-wladimir-putin-budapest\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Treffen mit dem russischen Pr\u00e4sidenten vereinbart \u2013 in Budapest<\/a>. Damit scheiterte Putin zwar mit seiner Einladung an den US-Pr\u00e4sidenten nach Moskau \u2013 dort wolle er ihn demn\u00e4chst sehen, sagte er im August zum Abschluss des Gipfels mit Trump in Alaska \u2013 und <strong>verbucht dennoch schon mit der Wahl des Ortes einen diplomatischen Erfolg.\u00a0<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Denn mit einem Treffen in Budapest <strong>w\u00fcrden Trump und Putin sowohl die Ukraine als auch die EU br\u00fcskieren,<\/strong>\u00a0argumentiert der britische\u00a0<strong>Historiker Sergey Radchenko.<\/strong> Schlie\u00dflich regiert dort <strong>Viktor Orb\u00e1n,<\/strong> der immer wieder europ\u00e4ische Initiativen f\u00fcr Sanktionen gegen Russland und mehr Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine blockiert.\u00a0Zudem demonstriere Putin die <strong>Wirkungslosigkeit des vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gegen ihn ausgestellten Haftbefehls,<\/strong> wenn er mit R\u00fcckendeckung des US-Pr\u00e4sidenten einen offiziellen Termin in einem EU-Land abh\u00e4lt.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Trotz der demonstrativen Abgrenzung <strong>europ\u00e4ischer Regierungschefs<\/strong> von den Gespr\u00e4chsangeboten Trumps an Putin w\u00fcrden <strong>sie damit deklassiert,<\/strong> kommentierte Radchenko auf X: &#8222;Putins Hauptziel ist es, die USA und Europa zu spalten (worin er nicht schlecht ist), Europa zu dem\u00fctigen (was ihm sehr gut gelingt) und Zeit in der Ukraine zu gewinnen.&#8220; Weiter schrieb er:\n<\/p>\n<blockquote class=\"quote__text\"><p>Derweil werden die Europ\u00e4er weiterhin das tun, worin sie so gut sind: irrelevant sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>    <a class=\"quote__link\" href=\"https:\/\/x.com\/DrRadchenko\/status\/1978880637386809770\">Sergey Radchenko<\/a><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"podcast-player__image\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/square__8ed8a6__140x140.png\" width=\"140\" height=\"140\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    Was jetzt? &#8211; Der Nachrichtenpodcast:<br \/>\n                Drittes Treffen, neue Waffen? Selenskyj im Wei\u00dfen Haus<\/p>\n<p>        Ihr Browser unterst\u00fctzt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https:\/\/zeitonline.simplecastaudio.com\/b4b9795f-4b37-4d4f-bbfe-62b735703af8\/episodes\/1031b76f-70bf-4682-ad52-2b4ecdbd548b\/audio\/128\/default.mp3?awCollectionId=b4b9795f-4b37-4d4f-bbfe-62b735703af8&amp;awEpisodeId=1031b76f-70bf-4682-ad52-2b4ecdbd548b    <\/p>\n<p>                    12 Min.<\/p>\n<p>            -12:23<\/p>\n<p>            0.5x<br \/>\n            0.75x<br \/>\n            1.0x<br \/>\n            1.25x<br \/>\n            1.5x<br \/>\n            2.0x<\/p>\n<p>        Unterm Radar: Putin greift nach Reservisten        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Russische Reservisten k\u00f6nnten k\u00fcnftig auch im Ausland <\/strong>eingesetzt werden d\u00fcrfen \u2013 und damit auch im Krieg gegen die Ukraine. Die Regierung in Moskau hat laut russischen Medienberichten einen <strong>entsprechenden Gesetzentwurf des Verteidigungsministeriums gebilligt.<\/strong> Demnach sollen Mitglieder der sogenannten aktiven Reserve auch zu Friedenszeiten zum Dienst herangezogen werden. Da <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/wladimir-putin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> mit dem Angriff auf die Ukraine keinen Kriegszustand verh\u00e4ngt hat, war dies bisher ausgeschlossen. Auch eine <strong>Mobilisierung,<\/strong> wie sie Putin etwa im Herbst 2022 ausgerufen hatte, w\u00e4re daf\u00fcr<strong> nicht mehr n\u00f6tig,<\/strong> sollte die Staatsduma das Gesetz billigen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Alexej Schurawljow, der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Parlament, bezifferte die Zahl der Betroffenen auf <strong>bis zu zwei Millionen M\u00e4nner.<\/strong> Angeh\u00f6rige der Reserve w\u00fcrden nun <strong>&#8222;in deutlich mehr F\u00e4llen als bisher&#8220; zum Dienst <\/strong>gezogen, <a href=\"https:\/\/rtvi.com\/news\/chtoby-tam-byli-vse-zachem-vlasti-hotyat-prizyvat-rezervistov-na-speczsbory\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcndigte er an<\/a>. Bei der <strong>aktiven Reserve <\/strong>handelt es sich nicht um alle ehemaligen Wehrdienstleistenden, sondern um M\u00e4nner, die sich in den vergangenen Jahren <strong>vertraglich dazu verpflichtet haben, regelm\u00e4\u00dfig an milit\u00e4rischen \u00dcbungen teilzunehmen<\/strong> \u2013 gegen ein<strong> Entgelt, das deutlich geringer ist,<\/strong> als Russland aktiv in der Ukraine k\u00e4mpfenden Soldaten zahlt.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            &#8222;Unsere Lieben. Unsere Helden. Sch\u00fctze euch Gott!&#8220;: Fotos russischer Soldaten neben einer Sammelstelle f\u00fcr Spenden ans Milit\u00e4r in St. Petersburg            \u00a9\u00a0Anton Vaganov\/\u200bReuters<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><a href=\"https:\/\/understandingwar.org\/research\/uncategorized\/warning-the-kremlin-is-preparing-to-mobilize-reservists-on-a-rolling-basis-to-fight-in-ukraine-for-the-first-time\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das k\u00f6nnte nach Ansicht des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW)<\/a><br \/>\n ausschlaggebend f\u00fcr die Reservereform sein: Bislang lockt das Milit\u00e4r<br \/>\nM\u00e4nner mit hohen Rekrutierungspr\u00e4mien in den Kriegseinsatz. Die Pr\u00e4mien<br \/>\njedoch werden nicht vom Staat, sondern aus den Budgets der Regionen<br \/>\nbezahlt. Einige Regionen jedoch haben in den vergangenen Wochen <a href=\"https:\/\/www.idelreal.org\/a\/bez-obyasneniy-i-zayavleniy-v-tatarstane-tayno-sokratili-edinovremennuyu-vyplatu-za-zaklyuchenie-kontrakta\/33552621.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medienberichten zufolge<\/a><strong> die Zahlungen, mutma\u00dflich aus Geldmangel, teils drastisch gesenkt <\/strong>\u2013<a href=\"https:\/\/www.themoscowtimes.com\/2025\/10\/16\/regions-calling-governments-cut-back-on-once-lucrative-military-enlistment-payments-a90832\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0etwa von umgerechnet fast 30.000<\/a> auf 4.000 Euro in mindestens vier Regionen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das ISW hebt in seiner Einordnung der Reform hervor, dass bereits fr\u00fcheren Prognosen zufolge das <strong>bisherige Rekrutierungsmodell ab kommendem Jahr an seine Grenzen gelangen k\u00f6nnte.<\/strong> Dass tats\u00e4chlich zwei Millionen Reservisten an die Front in der Ukraine geschickt w\u00fcrden, erwarten die Experten hingegen nicht: Das w\u00fcrde den Arbeitsmarkt stark belasten und die Kapazit\u00e4ten des russischen Milit\u00e4rs \u00fcberfordern. Zudem sieht der Gesetzentwurf vor, dass die Eins\u00e4tze der Reservisten maximal zwei Monate dauern d\u00fcrfen.\u00a0<strong>Wahrscheinlicher sei eine Art dosierter Einsatz<\/strong>, der den Staat weniger Geld koste als die bisherige Anwerbung und eine politisch weniger riskante Alternative zu einer neuen Mobilmachung darstellen w\u00fcrde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Den R\u00fcckblick auf die vergangene Woche <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/ukraine-laga-tomahawk-flamingo-marschflugkoerper-raketen-woche\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">finden Sie hier.<\/a>\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen im russischen Krieg gegen die Ukraine <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-news-liveblog\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in unserem Liveblog.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie l\u00e4sst sich der B\u00fcrgermeister einer Millionenstadt st\u00fcrzen? 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