{"id":506459,"date":"2025-10-17T18:32:15","date_gmt":"2025-10-17T18:32:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506459\/"},"modified":"2025-10-17T18:32:15","modified_gmt":"2025-10-17T18:32:15","slug":"bye-bye-berlin-ist-es-vorbei-mit-der-coolness-der-hauptstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/506459\/","title":{"rendered":"&#8222;Bye-Bye Berlin&#8220;: Ist es vorbei mit der Coolness der Hauptstadt?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/menschenschlange-berghain-100.jpg\" alt=\"Menschen stehen vor dem Technoclub Berghain in der Schlange.\" title=\"Menschen stehen vor dem Technoclub Berghain in der Schlange. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.10.2025 17:22 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Ein Kunstmagazin nennt Berlin &#8222;post-cool&#8220;. Und die Band Tocotronic stimmt mit ihrem Lied &#8222;Bye-Bye Berlin&#8220; in den Abgesang mit ein. Ist Berlin tats\u00e4chlich nicht mehr angesagt? Was sind die Gr\u00fcnde?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Tamy Daum und Viktoria Kleber, RBB\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fast all ihre Werke hat Lisa Marie Schmitt in ihrem kleinen Atelier in Berlin-Wedding verstaut. Ein \u00fcberdimensionaler Schuh steht auf dem Boden, im Regal liegen zwei Schl\u00fcmpfe, die sie aus Wachs geformt hat. F\u00fcr die 34-j\u00e4hrige Bildhauerin und Video-K\u00fcnstlerin ist ihr Atelier nicht nur das Zuhause ihrer Kunst, sondern auch ihr Schaffensraum.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch Lisa Marie Schmitt bangt, ob sie hier noch lange bleiben kann. &#8222;Meine k\u00fcnstlerische Existenz baut darauf, dass ich eine g\u00fcnstige Miete habe&#8220;, sagt Schmitt. F\u00fcr 30 Quadratmeter bezahlt sie derzeit rund 170 Euro. Es ist so g\u00fcnstig, weil ihr Atelier vom Berliner Senat bezuschusst wird. Doch das k\u00f6nnte sich bald \u00e4ndern.<\/p>\n<p>    Berliner Senat k\u00fcrzt Zusch\u00fcsse<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr als 1.000 Atelierr\u00e4ume subventioniert das Land Berlin derzeit f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler. Die Ateliers sind angemietet oder befinden sich in landeseigenen Immobilien. Wer ein kleines Einkommen hat, kann sich f\u00fcr einen Raum bewerben. Doch der Senat muss sparen und will die F\u00f6rderung von Arbeitsr\u00e4umen k\u00fcrzen. Dar\u00fcber wird im Abgeordnetenhaus in Berlin derzeit debattiert. Im Dezember wird entschieden, dann soll der Doppelhaushalt 2026\/2027 verabschiedet werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Drittel der Atelierr\u00e4ume k\u00f6nnten in den n\u00e4chsten beiden Jahren von den geplanten Einsparungen betroffen sein. F\u00fcr Schmitt bedeutet das: Sie k\u00f6nnte ihr Atelier bereits im Februar 2026 verlieren. Auf dem freien Markt w\u00fcrde sie ein Vielfaches ihrer derzeitigen Miete bezahlen. &#8222;Ich kann mir einen teureren Arbeitsraum einfach nicht leisten&#8220;, sagt die K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>    Mehr Fl\u00e4chen f\u00fcr Kunst<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und dann? Sie habe schon oft das Szenario durchgespielt, vielleicht nach Bukarest zu ziehen, erkl\u00e4rt Schmitt. Dort g\u00e4be es noch bezahlbare Mieten und leere Industriegeb\u00e4ude: &#8222;So wie es vielleicht in Berlin in den 90-ern und 2000-ern noch der Fall war.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um den Wegzug von K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen zu verhindern, fordert Silke Neumann, Expertin f\u00fcr Kulturkommunikation, au\u00dferdem mehr Fl\u00e4chen f\u00fcr Kunst und Kultur mitzudenken: &#8222;Das k\u00f6nnen auch leerstehende Geb\u00e4ude sein, davon haben wir verschiedenste in der Stadt&#8220;, so Neumann. Gerade f\u00fcr Zwischennutzungen w\u00e4re das f\u00fcr alle Seiten ein Gewinn und w\u00fcrde Berlin helfen, auch f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler weiterhin attraktiv zu bleiben.<\/p>\n<p>    &#8222;Ver\u00e4nderungen sind Chancen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Berlin ist allerdings nicht f\u00fcr alle in der Kunst- und Kulturszene unattraktiv geworden. Christian Boros, der im Bunker in Berlin seine private Kunstsammlung ausstellt, sagt, es sei schwieriger geworden als noch vor einigen Jahren. Und dennoch bleibe Berlin ein Magnet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen kommen dahin, wo etwas in Bewegung ist, findet Boros: &#8222;Sie kommen nicht in eine Stadt, die wie ein Freilichtmuseum immer so ist, wie sie ist. Ver\u00e4nderungen sind keine Entwicklungen, die einem Angst machen sollten, sondern Ver\u00e4nderungen sind immer Chancen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit Blick auf Berlins Anziehungskraft betont Boros, dass die Leute nicht in die Hauptstadt k\u00e4men, um im Tiergarten spazieren zu gehen. Sie wollen laut dem Kunstsammler Aufregung und Inspiration. Das sei f\u00fcr ihn nat\u00fcrlich Thema der Kunst. Kunst sei die DNA der Stadt, so Boros. Ein Aderlass in der Kultur empfindet er als tragisch. Kultur in Berlin m\u00fcsse gehegt, gepflegt und gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>    Steigende Kosten bedrohen das Nachtleben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Abseits des Kunstbetriebs spielt auch das Nachtleben eine gro\u00dfe Rolle, wenn es um Berlins Coolness geht. Markus Ossevorth ist Veranstalter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Veranstaltungsagentur, die unter anderem vier Bars in der Hauptstadt unterh\u00e4lt. Er beobachte schon seit Jahren eine wachsende Anzahl an Schlie\u00dfungen, gerade im Bereich der Schankwirtschaften.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Osseworth ist das kein Wunder: &#8222;Wir sind bei einem Stand, wo wir mit Mieten, mit L\u00f6hnen, mit Reparaturkosten, mit Energiekosten an einem Bier f\u00fcr 4,60 Euro noch einen Nettogewinn nach Steuern von 0,02 Euro haben. Das ist nicht wirklich viel.&#8220;<\/p>\n<p>    Zu wenig Freir\u00e4ume f\u00fcr junge Menschen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Neben den steigenden Kosten sind au\u00dferdem klagende Anwohnende zu einem Problem f\u00fcr Berliner Clubs und Bars geworden. Erst im Juli dieses Jahres entschied das Verwaltungsgericht Berlin in einem solchen Fall zugunsten einer Bar. Laut Beschluss geh\u00f6ren &#8222;gastst\u00e4tten\u00fcbliche Bel\u00e4stigungen&#8220; in sogenannten Mischgebieten, die dem Wohnen und der Unterbringung von Gewerbebetrieben dienen, &#8222;zur Orts\u00fcblichkeit&#8220;. Ein kleiner Lichtblick f\u00fcr Bar- und Clubbetreibende.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Abseits des Kultur- und Schankbetriebs schaut Ossevorth auch auf die Situation junger Menschen in der Stadt: &#8222;Wenn eine Stadt cool sein will, braucht sie Freir\u00e4ume f\u00fcr junge Menschen, die sich ausprobieren k\u00f6nnen. Die Sachen testen k\u00f6nnen, gucken, was funktioniert, was funktioniert nicht, was will ich eigentlich.&#8220; Diese Freir\u00e4ume sind laut Ossevorth wenig geworden.<\/p>\n<p>    &#8222;Ich f\u00fchle mich praktisch von Berlin verlassen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch K\u00fcnstlerin Lisa Marie Schmitt macht sich vor allem um die junge Generation Sorgen: &#8222;F\u00fcr Leute, die jetzt erst ihre k\u00fcnstlerische Karriere beginnen, ist es fast unm\u00f6glich, Fu\u00df zu fassen.&#8220; Berlin wird also auch f\u00fcr den Nachwuchs unattraktiv. Lisa Marie Schmitt macht es noch deutlicher: &#8222;Ich f\u00fchle mich praktisch von Berlin verlassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.10.2025 17:22 Uhr Ein Kunstmagazin nennt Berlin &#8222;post-cool&#8220;. 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